Disziplin von Elke Balthaus-Beiderwellen

Amerikanische Forscher fanden heraus, dass Menschen, die ihre Betten machen, mit sich und der Welt zufriedener sind, als diejenigen, die abends in dieselbe verknüllte und vermiefte Koje kriechen, aus der sie sich morgens herausquälten. Minimale Selbstdisziplin führt demnach zu erstaunlichen Ergebnissen. Demnächst kommt noch heraus, dass Normalgewichtige ihr Spiegelbild mehr mögen als Dickerchen, Nichttrinker seltener einen Kater aushalten müssen als Alkoholiker und Zahnputzfanatiker sich häufiger bis ins hohe Alter ihrer eigenen Zähne erfreuen können als Zahnbürstenmuffel. Sportfreaks sind fitter als Couchpotatoes und Raucher husten mehr als Nikotinphobiker. Der Tritt in den eigenen Hintern garantiert einen Zuwachs an Lebensqualität. Wer hätte das gedacht? Aber auch hier ist die richtige Dosis das Maß aller Dinge. Der Schritt vom »Bettenmacher« zum Ordnungsfanatiker, vom gesunden Genießer zum Magersüchtigen, vom mäßigen Trinker bis zur absoluten Spaßbremse und vom fröhlichen Wanderer bis zum ausgemergelten Dauermarathonläufer ist nur ein kleiner und mir kommt es so vor, als neige der Mensch im Allgemeinen zu Extremen. Aus einem persönlichen Verzicht wird gleich eine ganze Weltanschauung und wer nicht gleichzieht, wird zum verachtenswerten Ausgestoßenen. Er hat sich nicht im Griff, obwohl es sich eher um einen Würgegriff handelt. Nach den Rauchern werden demnächst die Trinker, dann die Fleischfresser und dann die, die ihr Essen weiterhin im Sitzen einnehmen wollen aus der Gemeinschaft verdammt. Selbstoptimierung ist das Gebot der Stunde. Nach dem Motto: Nenne mir deinen Cholesterinspiegel oder die Anzahl deiner Schritte pro Tag und ich sage dir, wer und was du bist. Müßiggang mag zwar aller Laster Anfang sein, aber ganz ohne Muße ist das Leben nicht mehr lebenswert.

 

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