Internetdoktoren von Paul Wiedebach

»Zu viele Pornos machen impotent!«, ruft meine Frau aus ihrem Arbeitszimmer.

»Wer behauptet das?«, brumme ich zurück.

»Der Internetdoktor!«

»Seit wann frequentierst du Scharlatane im Internet?« Mist, jetzt hatte ich gerade ein tolles Thema für meine heutige Kolumne gefunden und nun ist es wie weggewischt. Ich starre auf den Bildschirm meines Laptops in meinem Arbeitszimmer, auf dem nur das Wort »Warum« prangt.

»Das ist kein Scharlatan, sondern ein renommierter Internist!«, hallt es zu mir herüber. »Wahrscheinlich liegt es an einer Überreizung der männlichen Sinne durch extreme Sexdarstellungen. Damit kommen sie in der Realität nicht mehr klar. Die Reizschwelle wird so erhöht, dass die eigene Ehefrau wie Pumpernickel neben einer Sahnetorte erscheint.«

Jetzt ist es mit meiner Kolumne ganz vorbei, denn ich bekomme das Bild nicht mehr aus dem Kopf.

»Zu viel Naschen übersättigt eben!« Höre ich da einen leisen Triumph in der Stimme meiner Frau? »Bei Frauen entsteht hingegen so eine Art von Trainingseffekt. Jeder Orgasmus zieht intensivere nach sich, durch Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und

Konditionierung der Sekretionsdrüsen!«

Jetzt reißt mir der Geduldsfaden. Ich knalle meinen Laptop zu und gehe zu meiner Frau hinüber. »Wer zum Teufel sagt dir, dass ich das wissen will?«

»Wer will denn, dass unser Sexleben interessanter wird? Du oder ich? Da recherchiere ich eben.«

»Heißt das, du kaufst dir jetzt Pornos, die wir dann nicht zusammen anschauen dürfen, da die Wirkung auf uns beide diametral entgegengesetzt ist? Kaufst du auch gleich einen zweiten DVD-Recorder und einen zweiten Fernseher für das Schlafzimmer, damit du in Ruhe trainieren kannst?«

»Werde nicht gleich gewöhnlich!«

»Wer ist denn mit dem Mist angefangen?«

»Das ist kein Mist, sondern Wissenschaft!«

»Die Wissenschaft kann mich mal!«

»Du kannst mich mal!«

Wütend starren wir uns beide an. Ein Wort wechselt das andere. Wo geht man mit dermaßen reinem Adrenalin hin? Man versöhnt sich intensivst im Bett. »Na, mein kleines Pumpernickel«, flüstere ich meiner Gattin hinterher ins Ohr. »Na, du Sahnetorte«, gurrt sie zurück. Auch das ist Wissenschaft.

 

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