Päpste von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Blinden diskutieren einmal mehr über Farben. Die Bischofssynode tagt über Ehe und Familie. Wobei ich eins nicht verstehe, wenn Franz I so ein rigoroser Reformer ist, warum paukt er seine Forderungen zur Erneuerung der Kirche nicht durch? Ich meine, geht es höher als der Papst? Wer nur Gott Rede und Antwort stehen muss, kann doch tun, was er will! Vielleicht hat er ja Angst vor den finsteren Tagen des Vatikans, in denen unangenehme Päpste mal einfach mir nichts dir nichts von der Bildfläche verschwanden. Mit ein bisschen Gift an der richtigen Stelle und am richtigen Ort lässt sich ein plötzlicher Tod leicht bewerkstelligen, und da Päpste sich im Allgemeinen in einem Alter befinden, in dem der Sensenmann täglich vor der Tür stehen kann, würde sich keiner allzu sehr wundern, wenn Franziskus morgens nicht mehr aufwacht. Einen äußerst kurzfristigen Papst hatten wir bereits.

Quelle Fokus online:

Johannes Paul I. nahm den Heiligen Stuhl nur für 33 Tage ein …

Es war in den frühen Morgenstunden des 29. September 1978. Eine Nonne fand Papst Johannes Paul I. in seinem Schlafzimmer reglos im Bett sitzend. Der 65-Jährige, der erst seit 33 Tagen auf dem Heiligen Stuhl thronte, war offenbar gestorben. Er hatte gelesen, als der Tod ihn überraschte. Die Brille auf der Nase und ein paar Papiere um ihn herum liegend zeugten davon.

Der Vatikan gab bekannt, der Privatsekretär habe den Toten gefunden. Die Nonne wurde verschwiegen. Radio Vatikan meldete, der Papst sei abends etwa um 23 Uhr einem Herzinfarkt zum Opfer gefallen. Die Leichenbestatter aber sagten aus, sie hätten den Leichnam am Morgen noch warm in Empfang genommen. Seine Schuhe verschwanden, außerdem die Brille und die Papiere, die er studiert hatte. Das waren die ersten von zahlreichen Ungereimtheiten. Bald kamen die Verschwörungstheorien auf.

Danach soll der Papst einem Komplott aus Freimaurern, Mafia-Mitgliedern im Kirchenstaat und des ehemaligen Chefs der Vatikanbank zum Opfer gefallen sein. Motiv sei gewesen, dass das Kirchenoberhaupt Mitgliedern einer Geheimloge auf die Spur gekommen war, die er allesamt am nächsten Tag entlassen wollte. Eine andere Theorie lautet, er sei Unregelmäßigkeiten in der Vatikanbank auf die Spur gekommen. Ermordet sollen ihn die Verschwörer mit einer Giftspritze oder mit einer Überdosis Digitalis haben.

Da wird einem im höchsten Amt schon einmal ganz anders. Selbst als Capo di tutti capi kann man sich nicht in Sicherheit wiegen und sich beinahe stündlich auf ein vorzeitiges Gespräch beim Chef vorbereiten. Wobei ich mir vorstellen kann, dass es sich bei einem Mafiaboss um den da unten und bei einem Papst eigentlich um den da oben handeln müsste. »Näher mein Gott zu dir!« Etwas besseres könnte Franz I nicht passieren. Warum also so zögerlich?

 

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