Wachhunde Von Elke Balthaus-Beiderwellen

Bei uns herrscht strenger Schichtwechsel. Sobald ich mich in mein Bett zurückziehe, um ein wenig Augenpflege zu betreiben, übernimmt Satchmo, unser Großer Schweizer Sennhund, die volle Verantwortung für Haus und Hof. Er postiert sich in der oberen Etage am Fenster und bellt, was das Zeug hält und sei es auch nur wegen eines Flug- oder Krabbelinsektes, das sich dorthin verirrte. Von seinem erhöhten Posten aus überblickt er große Teile der Hauptstraße vor unserem Heim und jeder harmlose Passant wird intensiv verbellt, damit er es nicht wagt, in die Nähe der Haustür zu kommen, auch wenn er es gar nicht vorhatte. Diese lautstarken Attacken halten so lange an, bis ich entnervt aufstehe. Sobald Satch hört, dass ich vehement meine Bettdecke zurückschlage, schließt er seine Augen und gibt nach spätestens zwei Sekunden ein tiefes Schnarchen von sich. Sein Wachdienst endet, wenn ich übernehme, und zwar rund um die Uhr! Was zu einem erheblichen Schlafmangel meinerseits und zu einem ausgeschlafenen Hund führt, da ich das Haus bewache, ohne einen Laut von mir zu geben. So verbringe ich große Teile der Nacht, indem ich meinem schnarchendem Gatten und meinem schnarchendem Hund lausche. Es ist nicht möglich, mich in mein Bett zu schleichen, ohne den Hund zu wecken; ich habe alles versucht. Und, sobald ich drohe, sanft zu entschlafen, ist wütendes Gebell zu hören. Dieser Hund hört die Flöhe husten. Er verstummt jedes Mal wenn ich meine Bettdecke anhebe, wohl in Erwartung des Wachwechsels und so erreiche ich wenigstens das Stadium des Halbschlafes, in dem ich immer wieder mit dem Oberbett wedele. So bin ich andauernd ein wenig verschnupft, wegen mangelndem Tiefschlaf einerseits und andauernder nächtlicher Unterkühlung andererseits. Auch mein Mann musste heute Morgen etliche Male niesen, da er zwangläufig etliches vom Wedelluftstrom mitbekommt. Er kann sich seine beginnende Erkältung nicht erklären, und ich lasse ihn über meine Tätigkeit als Behelfsventilator im Unklaren, weil ich mir nicht anhören will, dass es schließlich mein Wunsch war, diesen Wächter unserer Sicherheit ins Haus zu holen. Sicher ist unser Domizil, weil ich nächtelang das Licht anhabe, denn was soll man anderes tun, wenn der Rest der Welt und der Wachhund tief und fest schlafen, als zu lesen.Ich tat mir sogar den Faust an. Als Nächstes stehen die gesammelten Werke von Shakespeare und noch einmal die griechischen Philosophen auf meiner Liste. Wenn ich demnächst in eine Schlafmangelpsychose verfalle, wird es wenigstens eine Hochgebildete sein. Wofür Hunde doch alles gut sind!

 

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