Kinderfeindlichkeit von Tanja K.

Deutschland ist nicht kinderfeindlich, sondern hoch allergisch gegen Eltern, die ihre Kinder nicht im Griff haben. Wenn ich im Supermarkt von Dötzen überrannt und angerempelt werde und die liebe Mama nur ein verständnisvolles Lächeln für die Unarten ihrer Sprösslinge übrig hat, bei der Quengelware endlos quengeln lässt, bevor sie dann doch nachgibt und mir dann noch einen triumphierenden Blick nach dem Motto: Was bin ich doch für eine Supermutti, zuwirft, dann läuft mein Geduldsfass über. Der öffentliche Raum wird zunehmend dazu genutzt, seine Brut ihre Wege gehen zu lassen, denn schließlich muss jede Helikoptermutter sich schließlich auch einmal erholen. Ob in Wartezimmern, Supermärkten, Schwimmbädern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, hier dürfen die Eltern ihre unendliche Toleranz beweisen. Kommt ein unbeteiligter Dritter dazu, schon endet die Verantwortung der Erziehungsverpflichteten, nicht berechtigten-wohlgemerkt. Und wenn mir Grundschullehrer berichten, dass sie weitgehend nur noch mit dem ABC des Benimms und nicht mit dem Alphabet beschäftigt sind, dann läuft etwas verdammt falsch in diesem Lande. Kinder werden nicht mehr erzogen, ihnen wird hofiert und es gehören nicht den hyperaktiven Kevins, Justins und Chantalles die Ohren langgezogen, sondern deren Erzeugern. Wer nicht grinst, wenn einem der fremde Wildling schmerzhaft auf den Fuß tritt, oder im Restaurant das Gedeck vom Tisch reißt gilt gleich als kinderfeindlich, denn Eltern sind gleich doppelte Opfer. Einmal die der eigenen Kinder und dann noch die der Öffentlichkeit, die so unverfroren ist, Unerzogenheit gelegentlich mit entnervten Blicken zu ahnden, oder komplett autoritätsbefreite Paare zu meiden. Ich hatte teilweise Freunde zu Besuch, mit denen ich kein Wort wechselte, da sie nur damit beschäftigt waren, Erziehungsvorschläge mit ihrem Nachwuchs auszudiskutieren. Ein Austausch unter Erwachsenen war nur möglich, wenn sich die Kinder der Verwüstung meines Hauses widmeten. Als ich dann noch nach zweitätigen Aufräumarbeiten in Erklärungsnot geriet, warum denn keine weitere Einladung erfolgte, obwohl wir einen so schönen Nachmittag hatten, verschob ich weitere Treffen auf den späten Abend und hoffte auf einen ruhigen Event. Womit ich nicht rechnete, war die Tatsache, dass die meisten Kinder heute schlafgestört sind und folglich mitgebracht werden. Ich muss sagen, meine Freunde vermisse ich schon ein wenig. Vielleicht nehme ich wieder Kontakt auf, wenn deren Nachwuchs selber mit Nachwuchs gestraft ist.

 

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