Wetter von Dr. Bremer

Benjamin Stöwe erwies mir heute Morgen keinen Gefallen. Er warnte vor hohen Ozonwerten und nannte auch gleich die Nebenwirkungen. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und Krämpfe. Ich sehe meine Patienten um die Mittagszeit, wenn die Werte am Höchsten sind, bereits in meine Praxis pilgern. Endlich ein Grund für Befindlichkeitsstörungen aller Art. Dabei wäre es das Beste gewesen, die Leidenden hätten sich in ihrem Haus verbarrikadiert und sich nicht dem Ozon ausgesetzt. Seit gestern häufen sich bei mir die Wespenallergiker, da wir anscheinend einen Wespensommer haben. UV- Empfindliche entdecken immer neue Pigmentstörungen und jede Oma, die ihre gewöhnliche Trinkmenge zu sich nimmt, fällt ins Koma. Das Wetter ist und bleibt eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, gerade, was die Gesundheit betrifft. Wer ist an allem Schuld, wenn ich mich mies und schlapp fühle, nicht so funktioniere wie sonst? Das Wetter! Im Sommer gibt es den Ozon-Blues, im Winter den UV mangel Blues und, wenn es tagelang regnet, scheint es direkt in unseren Verstand zu tröpfeln. Wer trägt die Hauptverantwortung für die Krise der südlichen Euroländer? Es ist die Sonne, die gnadenlos scheint und eher zum Verweilen anstatt zum Eilen aufruft. Wem legen wir die depressiv-aggressive Arbeitsweise der Nordeuropäer zur Last?

Dem Klima! Auch der Nordeuropäer verfällt gerne in Wettererschöpfung, wenn die äußeren Rahmenbedingungen gegeben sind. Man schleicht, stöhnt, heult seinen Hausarzt die Ohren voll, wegen Wetterfühligkeit. »Mir ist nicht so«, leitet eine ellenlange Liste von diagnostischen Maßnahmen ein, denn finde einmal den heraus, der wirklich krank ist. Nach dutzenden, kostspieligen Untersuchungen, die nur Normwerte ergaben, gibt sich der Patient erleichtert. »Ich wusste, es lag am Wetter!« Bis zu dieser Erkenntnis kostete er der Solidargemeinschaft etliche Euro, nahm mir Zeit und Ressourcen, die für echte Kranke nicht mehr zur Verfügung stehen.Das Wetter, es ist Hauptgesprächsthema Nummer eins. Ausrede für jede Unlust, dabei ist es einfach nur da.

 

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