Sauna von Tanja K.

In der Sauna macht man vieles. Was man aber niemals tut, ist die Körper der Anderen betrachten und beurteilen. Ein absolutes Tabu, aber jeder schielt und schaut und, wer behauptet, er täte es nicht, der lügt! Frauen sind Frauen gegenüber derart gemein, wie es Männer ihren Geschlechtsgenossen gegenüber nie sein könnten. Jedenfalls kam ich gerade verstrubbelt und verschlafen aus dem Ruheraum, als eine Sexgöttin mit falsch aufgeblasenen Superbrüsten und rückenlangen Haar-Extensions an mir vorbeiflaniert kam. Neidisch ließ ich mich in einen Sessel fallen und begann, sofort nach dem Typen zu suchen, der die Chose finanzierte. Als ich einen älteren Möchte-gern-Playboy entdeckte, stieß ich meinem Gatten in die Rippen und flüsterte: »Da ist der Geldgeber für die künstliche Schönheit!«

»Woher willst du wissen, dass sie künstlich ist?«

Für so viel Blindheit war mir jeder Kommentar zu schade. Natürlich, der Beau nahm Rapunzel in den Arm und die beiden setzen sich in die Sitzgruppe neben uns, was mir weitere Lästerei leider unmöglich machte. Andererseits bot sich mir die Möglichkeit, den beiden zu lauschen und den Intelligenzstatus einzuordnen. Als die Dame mit osteuropäischem Akzent zu parlieren begann, verschluckte ich mich fast an meinem Kaffee. Hier bekam ich alle meine Klischees auf einmal geboten. Mein Mann klopfte mir hilfreich den Rücken. »Willst du auch?«

»Was will ich auch?«

»Na, solche Brüste und solche Haare. Ich bezahle!«

Was war das? Musste er jetzt beweisen, dass er ebenfalls in der Lage ist, die Aufforstung seiner Partnerin zu bezahlen? Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er in mich mindestens das Dreifache investieren müsste, um den gleichen Effekt zu erzielen, war dies ein gewagtes Angebot. Ich verbrachte den Rest des Tages damit, mir diese Offerte durch den Kopf gehen zu lassen. Will ich? Muss ich? Die Operationsliste wäre lang. Welchen Zweck und welche Auswirkung hätte eine solche Komplettrenovierung? Würde ich mich danach besser fühlen? Ich warf einen Blick auf die Frau in der Sitzgruppe neben uns. Sah sie glücklich aus? Unsere Blicke begegneten sich. Sie wusste, dass ich wusste. Fast wurde sie mir sympathisch. Aber dann schüttelte sie ihre Löwenmähne, blickte mir hochgezogenen Augenbrauen auf meine nicht vorhandene Oberweite und der kurze Moment der Solidarität unter Frauen war vorbei. Übrigens lasse ich mich nicht operieren!

 

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