Schönheit von Tanja K.

Gestern las ich in meiner Fernsehzeitschrift die folgende Programmankündigung: » Die schöne Christa«; Dokufilm über Bauchumfänge und Eutergrößen. Aha, dachte ich, wieder einmal eine »Realityshow« über kosmetische Operationen. Dann las ich aber weiter. Es ging um die prachtvollsten Zuchtkühe der Welt! »Die muss von Kopf bis Schwanz nach Milch aussehen«, so beschrieb ein Bauer die perfekte Milchkuh. Ich wollte noch nicht vom Thema Schönheitsoperation weg und formte den Satz um. »Die muss von Kopf bis zu den Zehen nach Sex aussehen«, und beschrieb damit die perfekte Frau. Es steht geschrieben, dass hässliche Frauen automatisch Emanzen sind, die keinen abbekamen. Welche Frau will diesen Makel auf sich sitzen lassen, sich aus reiner Mannesnot heraus der Frauenbewegung angeschlossen zu haben? Unansehnliche Frauen fallen dem Penisneid anheim, wie schon Freud wusste, haben ihm zufolge eine bezahnte Vagina, die nichts anderes im Sinn hat, als dem Manne sein bestes Stück abzubeißen. Über diesen unerwünschten »inneren Wert« täuscht die Milchkuh, Entschuldigung, das Rasseweib durch künstlichen Aufbau äußerer Qualitäten hinweg. Aus Busen werden Euter, die der Säugung des Nachwuchses nicht mehr zur Verfügung stehen, weil Männer halt Augentiere sind. Gott sei Dank sind die Zeiten der Wespentaille vorbei, sodass die chirurgische Entfernung der unteren Rippen entfällt. Wenn es so weiter geht, sehe ich eine Renaissance dieses martialischen Eingriffes auf die Frauen zukommen. Genau so dankbar kann Frau dafür sein, dass Mann auf lange Beine steht. Sollte das Schönheitsideal aber dahin tendieren, dass Frau den Mann nicht überragen darf, könnte man problemlos Stücke aus den Oberschenkelknochen entnehmen, um dem abzuhelfen. Käme der Wunsch auf, dass Frau zwecks Verwöhnung des Mannes mindestens drei Hände braucht, gäbe es bestimmt einige Zeitgenossinnen, die auch in diesem Falle einen verbilligten osteuropäischen Weg fänden. Der Möglichkeiten sind viele. Ein langer, schlanker Giraffenhals ist in einigen Kulturen schon verbreitet, ebenso wie tellergroße Unterlippen und bis auf die Schultern hängende Ohrläppchen. Verstümmelte Mikrofüße gehören der Vergangenheit an, aber, man weiß ja nie. Vaginalstraffungen gehören bereits zum üblichen Repertoire. Magenbanding und Dünndarmstilllegungen stellen Routineeingriffe dar, wie Teilresektionen des Nasenbeines. Irgendwie kann ich mich im Moment des Eindrucks nicht erwehren, dass es Milchkühe verdammt gut haben. Auch wenn sie nicht »von Kopf bis Schwanz nach Milch aussehen«, reicht es, wenn sie Milch geben. Bei den Frauen sollte es ähnlich sein. Auch wenn sie nicht von »Kopf bis zu den Zehen nach Sex aussehen«, reicht es, wenn sie welchen haben. Den Besten haben sie, statistisch erwiesen, mit sich selbst, denn Orgasmusstörungen bei Frauen sind bei Masturbation weitgehend unbekannt. Wie es bei Kühen ist, ja, da muss man die Kühe fragen.

 

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