Kümmert von Tanja K.

Den Shit-Storm – welch schönes neudeutsches Wort – mit dem der arme Kümmert zurzeit überzogen wird, verstehe ich nicht. Da hat jemand den außerordentlichen Mut zu sagen, er wäre bestimmten Anforderungen nicht gewachsen; und was passiert? Er wird zum Prügelknaben der Nation! Vielleicht täte es uns allen einmal gut zu sagen: »Hey Leute, nett gemeint, aber die Sache ist eine Nummer zu groß für mich!« Manchmal wächst man eben nicht an seinen Aufgaben, besonders, wenn sie einem von Anfang an über den Kopf zu wachsen scheinen. Es herrscht eine »Augen zu und durch Mentalität« und was bitte schön ist das Volksleiden überhaupt? Der Burn-out. Keiner traut sich zu sagen, dass er etwas nicht kann und wer den Anfängen nicht wehrt, sitzt irgendwann hoffnungslos überlastet da und weiß vor dem Druck von außen nicht mehr ein noch aus. Anstatt sich von Anfang an zu fragen, ob man etwas will oder kann, lädt man sich unhinterfragt den Buckel noch ein bisschen voller, in der Hoffnung darauf, dass die Belohnung für diese Mühe irgendwann einmal kommt. Doch wer soll sie einem geben? Die anderen, die ebenfalls unter fremden Lasten stöhnen? »Was mich nicht umbringt, macht mich härter!« Ja, herzlichen Glückwunsch zu dieser Einstellung. Umgebracht wird man nicht, man bringt sich nur um sein Leben. Vielleicht ist es einfach nur der Neid, der den Kümmert mit ätzenden Bemerkungen überzieht. Da fühlt sich jemand nur seiner Musik verpflichtet, losgelöst von Ruhm und Preisen. Ja, darf das überhaupt? Darf man komplett in einer Leidenschaft aufgehen und der ganze Rest geht einem am A … vorbei? Darf sich ein Künstler nur seiner Kunst verpflichtet fühlen? Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder nur seinen Leidenschaften frönen würde? Wenn ich mir das nicht zugestehe, dann darf es auch kein anderer. Es ist so schön, wenn man sein eigenes Leben nicht im Griff hat, über das Leben eines anderen herzuziehen! Was geht es diese ganzen »Shit-Stormer« an, was der Kümmert tut oder eben nicht tut? Es ist seine Entscheidung! Wenigstens ist er so mutig, eine Entscheidung zu treffen, als sich von den Dingen treiben zu lassen! Was geht uns überhaupt das Leben eines anderen an? »Jedem das seine!« Da keine zwei Menschen auf der Welt original gleich sind – noch nicht einmal eineiige Zwillinge – ist jede Entscheidung eine zutiefst individuelle. Keiner, außer Kümmert selber kann beurteilen, in welcher Lage er steckt. Aber es wird erst einmal losgeschrien! Ich möchte nur aus der Bergpredigt zitieren. »Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?« (Matt. 7:3) Bevor man also loswettert, Hirn einschalten nicht vergessen!

 

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