Toleranz von Dr. Bremer

Was diese Tugend betrifft, wird sich gerne im Schwarz-Weiß-Bereich bewegt. Es gibt die Toleranten, deren Einstellung an Dummheit grenzt, und die Intoleranten, denen dementieller Starrsinn nachgesagt werden kann. Im Mittelfeld befinden sich die Opportunen, die sich dem unterordnen, was gerade en vogue ist. So wird am Stammtisch jeder zum dementiellen Starrkopf, während bei der Love-Parade jeder verdummt. Äußerst tolerant ist auch derjenige, der weit weg von sozialen Brennpunkten lebt, aber je näher die Gefahrenzone kommt, desto intoleranter wird man. Was mich dazu brachte, darüber nachzudenken, wie tolerant ich eigentlich bin. Erschreckt stellte ich fest, dass ich zu den Opportunen gehöre. In »Rechter Runde« wage ich zu sagen, was ich manchmal denke. Sitze ich mit gewohnheitsbetroffenen Berufstoleranten zusammen, kommt dieses Konzept durcheinander. Bei den »Rechten« überkommt mich das Gefühl, die sozial Benachteiligten verteidigen zu müssen, während mir bei den »Linken« erzkonservatives Gedankengut in den Kopf schießt. Ja, wie denn nun? Das Problem ist der Sprachgebrauch. »Die, alle, jeder von denen, statistisch gesehen und so ist da nun einmal« und schon sitzt man in der Falle. Ich habe nun die Formulierungen auf mich angewendet. DIE Ärzte sind nur am Geld interessiert. ALLE kommen sich vor, wie Halbgötter in weiß. JEDER VON DENEN ist Millionär. STATISTISCH GESEHEN handelt es sich um die bestverdienende Berufsgruppe – wenn man ehrliche Arbeit zugrunde legt -. Ärzte interessieren sich nicht für den Patienten; SO IST DAS NUN EINMAL. Dies würde ich mir aber heftig verbitten! Wenn Sie in der Lage sind, mir zwei original gleiche Charaktere zu präsentieren, behandele ich Sie ein Jahr umsonst. Selbst eineiige Zwillinge sind, was den Charakter betrifft, vollkommen unterschiedlich. Einer von beiden ist der Dominante und der andere fügt sich eben. Wir sind Einzelpersonen! Man kann das  aber noch ausweiten. Die Männer sind nur an Sex interessiert. Alle kommen sich vor, wie die Platzhirschen. Jeder von denen würde fremdgehen, wenn er könnte. Statistisch gesehen ist der Mann jenseits der Sechzig impotent. Männer können nicht zuhören; so ist das nun einmal. Jetzt die Frauen. Die Frauen sind nur an Schuhen interessiert. Alle bekommen vor dem Sex Kopfschmerzen. Jede von denen würde die Beine breit machen, wenn die Geldmenge nur groß genug wäre. Statistisch gesehen bekommt die deutsche Frau 1,4 Kinder. Frauen sind Quasselstrippen; so ist das nun einmal. Dies könnte ich jetzt in extenso weiter treiben; der Wahrheitsgehalt meiner Behauptungen nähme nicht zu. Andere Menschen sind nicht besser, nicht schlechter, nicht genau so wie ich – jetzt wollte ich zunächst wir schreiben, was natürlich auch eine Verallgemeinerung ist, sondern sie sind nur Menschen, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.