Welttag des Mannes von Paul Wiedebach

Meine Frau interessiert sich für »Welttage«. Deswegen beobachtete ich sie am Frühstückstisch ganz genau. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus. »Na?«, fragte ich. »Was, na?«, war die Antwort, also, wie üblich eine Gegenfrage. »Na, welcher Welttag ist heute?« »Keine Ahnung. Warum?« »Heute ist Welttag des Mannes!« »Ach und welche Männer werden gewürdigt? Dschingis Khan, Mao, Stalin, Hitler und Goebbels?« »Nein, solche, wie Sokrates, Aristoteles, Newton, Einstein, meine Wenigkeit und Freud«, kam es ziemlich giftig von mir. »Geh mir weg mit Freud. Hat der den Frauen nicht die Hysterie angedichtet?« War ja klar, dass sie an einem meiner Helden etwas auszusetzen hat. »Wie kommst du eigentlich in diese illustre Reihe«, wollte sie tatsächlich wissen. »Vielleicht, weil ich ein Mann bin und Männer unendlich viel leisten, sich von den Frauen trotzdem auf der Nase herumtanzen lassen, weil diese immer nur ihre lackierten Fingernägel auf unsere Fehler und nicht auf unsere Vorzüge legen.« »Als da wären?« »Als da wären, was?« »Ja, deine Vorzüge, natürlich.« Sie grinste mich an, stand auf und ließ mich mit dieser Thematik allein. Sofort holte ich mir etwas zu schreiben und saß danach, auf meinem Kugelschreiber kauend, lange vor dem leeren Blatt Papier. Als Mann bin ich schon per se bewunderungswürdig, schrieb ich schließlich, denn es waren Männer, die die Welt dahin gebracht haben, wo sie heute steht. Nach kurzer Überlegung, strich ich diese Zeilen aber wieder. Männer sind den Frauen in der Wissenschaft überlegen, notierte ich, dachte an Lise Meitner und Marie Curie und strich diese Zeilen ebenfalls. Männer sind den Frauen körperlich überlegen, war das Nächste, dann fiel mir ein, wie Männer diese Tatsache schändlich ausnutzen, und kritzelte diesen Satz vehement aus. Männer sind geborene Führungspersönlichkeiten, stand jetzt auf meinem Blatt, aber dann verglich ich Merkel mit Mehdorn und kringelte alles über. Eine geschlagene Stunde später fürchtete sich einsam der Satz: Männer sind die besseren Fahrer auf dem Papier, wobei mir einfiel, dass ich lange nicht überprüft hatte, wie hoch mein Punktekonto in Flensburg ist. Also, weg damit! »Wir können im Stehen pinkeln«, dies zu notieren, kam mir reichlich blöd vor. »Wir können immer, dank Viagra«, erschien mir noch blöder. »Männer haben keine Angst und weinen nicht«, war der größte Schwachsinn überhaupt.

»Na? Was hast du denn Schönes aufgeschrieben?«, kam meine Frau in die Küche zurück, beugte sich über meine Schulter und schaute sich meinen zerkritzelten und zerkrakelten Zettel an. »Ja, wegen dieser möglichen Einsichtsfähigkeit und gelegentlich aufblitzenden Reflektiertheit, werdet ihr von uns geliebt.« Sie setzte sich auf meinen Schoß und gab mir einen Kuss auf die Wange. »Das ist schon einen Welttag des Mannes wert!«

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