Weihnachtsschnulzen

Bei uns hängt der Haussegen schief. Obwohl ich das Haus so weihnachtlich geschmückt habe, dass Disney- World um Längen zurück bleibt, stellt sich bei mir keine Weihnachtsstimmung ein. Hier muss zu härteren Drogen gegriffen werden, dachte ich mir und ziehe mit jeden Weihnachtsschnulzenfilm rein, der jemals auf diesem Erdenrund gedreht wurde. Ich werde mir sogar das Ding mit den Nüssen und Aschenbrödel ansehen, Muss was dran sein, wenn es in der Weihnachtszeit gefühlte fünfzig mal wiederholt wird. Der Wohnzimmer- und der Küchenfernseher sind demnach besetzt, denn ich will keine Sekunde des Weihnachtsschmalzes verpassen, sollte ich einmal die Räume wechseln. Was zeitlich nicht drin sitzt wird aufgenommen und sofort nach dem Nachhause kommen konsumiert. Mein Mann zieht da nicht mit. In der ersten Adventswoche ging er mangels vernünftiger Fernsehunterhaltung schon um zwanzig Uhr zu Bett. Eine Woche später war es bereits um neunzehn Uhr verschwunden. Jetzt kommt er vor dreiundzwanzig Uhr erst gar nicht nachhause, weil sein Weib fern aller Kochtöpfe in Weihnachtsstimmung kommen muss. Da reicht es eben nicht, wenn er sich spaßeshalber ein Rentiergeweih aufsetzt. Da fühle ich mich nicht ernst genommen. Auch die Nikolausmütze fand ich sehr unpassend. Bevor er nur andeutungsweise daran denkt, noch andere Körperteile zu dekorieren, hielt ich ihm eine ausführliche Predigt über »Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Nun ist er beleidigt und die Sache mit dem Frieden wird nichts, zumindest in unserem Hause. Neulich hängte er sogar eine Preisliste für diskrete Serviceleistungen neben die Haustür, da unser Haus wie ein Puff leuchtet, wie er findet. Während ich dies schreibe, habe ich »Weihnachten für Anfänger verpasst, aber wenn ich mich nicht irre, wurde dieses Fernsehstück von mir bereits gestern aufgenommen. Also fällt der Einkauf aus, denn dies muss ich mir gleich unbedingt ansehen. Wenn ich jetzt sagen soll, ob diese Dauerberieselung hilfreich ist, merke ich noch keinen Unterschied, aber vor mir liegen noch etliche Hard-Core-Weihnachtsfilme und bis heilig Abend gebe ich nicht auf.

Ursula v.d. Leyen

»Man muss den Mut haben, Politik mehr zu erklären, … in Hauptsätzen.« Ursula v.d. Leyen. Wie arrogant geht es noch? Ist das Volk nicht in der Lage, auch dem einfachsten Nebensatz zu folgen? Seitdem ich gestern in »Hart aber fair« dieses unsägliche Zitat unserer Uschi hörte, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Genau diese Einstellung, die unsere Verteidigungsministerin unverblümt verkündete, ist es, die das dumme Volk in die Arme der Rechten treibt. Jeder etablierte Politiker sollte sich, wenn es darum geht, den Erfolg der AfD zu erklären, an die eigene Brust klopfen. Auf Sardinien residieren und hier die blöden Schafe regieren. Kein Ross ist hoch genug, dass nicht eine Politikschranze aufsteigt. »Ich bin ihr Führer; ich muss ihnen folgen«, erkannte noch Napoleon ganz richtig. Aber, kaum gewählt, schon in Sphären entschwebt, die mit dem gemeinen Wahlvolk nichts mehr zu tun haben. Wie wäre es mit »Ich Tarzan, du Jane«- Information? Die müsste man doch problemlos unter das Volk bringen können. Wer, außer den »Auserwählten« versteht schon Hauptsätze mit Subjekt, Prädikat und Objekt? Von den oben erwähnten Nebensätzen ganz zu schweigen.

Postkoital

Seitdem unser Satchmo, ein großer Schweizer, letzte Woche eine Hündin der gleichen Rasse gedeckt hat, ist er nicht wiederzuerkennen. Er wimmelt und palavert nicht herum, sondern liegt dämlich grinsend auf seiner Decke, träumt in den Tag hinein und geht mir nicht auf die Nerven.Ein Oxytoxin indizierter Dämmerschlaf, wenn man so will. Die Wirkung hält jetzt fast eine Woche an und ich frage mich, warum dies nicht bei menschlichen Männchen funktioniert. Vielleicht tut es dies ja doch, aber dann wären die größten Feuerteufel der Geschichte, stets diejenigen mit dem wenigsten Sex. Man kennt es von Sportlern: vor den Wettkämpfen sind Frauen tabu, weil der Mann, wenn er siegen will, nicht adrenalin- und testosterongetränkt genug sein kann.Übermorgen kommt die Hündin seines Herzen noch einmal. Höchste Zeit also für mich, einen Feldversuch zu starten, wie lange dieser Zustand danach noch bei ihm anhält, und ob sich dies auf den Homo sapiens übertragen lässt. Ich habe schon eine Liste der Dinge erstellt, die meinem Göttergatten schonend beigebracht werden müssten. Ein Punkt wird direkt nach dem Sex zur Sprache gebracht und dann geht dies im 30- Minutentakt weiter. Mal sehen, ab wann er sich aufregt. Eine ganze Woche wie bei Satchmo wäre ideal. Bei Frauen funktioniert das nicht. Nicht das einige Herren hier auf falsche Gedanken kommen, denn Frau ist nie so erregbar und tatendurstig wie nach dem Sex. Frauen schießt direkt nach dem Orgasmus der Termin für den nächsten Hausputz oder Großeinkauf durchs Hirn! Also liebe Männer, Vorsicht bei Geständnissen!

Hörgeräte II

Heute Nachmittag muss ich zum Hörgeräteakustiker und Bericht darüber erstatten, wie zufrieden ich mit dem Gerät bin, dass mir 14 Tage zur Probe überlassen wurde. Also erstelle ich zwei Listen. Eine mit: zufrieden, weil … und eine mit Unzufrieden, weil … Ich fange mit der Zufriedenheitsliste an und als erster Punkt erscheint die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, alle Welt schreit mich nur noch blechern an, was natürlich auch auf der anderen Liste stehen könnte. Aber egal. Zufrieden, weil ich die Fernsehlautstärke nicht mehr bis zum Anschlag hochregeln muss, was mir nicht im Geringsten auf die Nerven fällt, nur den Menschen, die gelegentlich um mich rum sind. Allerdings bleiben nuschelnde Schauspieler, nuschelnde Schauspieler, da hilft auch das größte Hörgerät der Welt nichts. Ich seh schon, so wird das nix mit meiner Positivliste. Man sieht die Hörgeräte nicht, könnte dort noch stehen, aber das passiert auch, wenn ich sie nicht einsetze. Ich kann die Geräte ausschalten, wenn mich die Gespräche um mich herum langweilen, aber da sie das in der Mehrzahl der Fälle tun, muss ich, um wegzuhören, nicht erst den Umweg über die Hörhilfen nehmen. Ich bin halt nicht gern »auf Sendung«. Ich habe jetzt immer blitzsaubere Ohren. Durch die Körbchen, die im äußeren Gehörgang sitzen, wird zwar mehr Ohrenschmalz produziert, aber mit einem Rutsch durch eben diese Körbchen beim Herausnehmen nach draußen expediert. Nun muss man in filigraner Handarbeit diese dämlichen Dinger sauber putzen- kommt ganz bestimmt auf die Negativliste. Ganz zu schweigen davon, dass ich mir beim Kämmen mehrmals am Tag die ganze Kabellage herausreiße, bei der Gelegenheit die Körbchen kontrolliere und mich als ungewaschen und ungepflegt empfinde. Meine Hunde bellen laut und häufig, auch ohne Hörgerät deutlich vernehmbar. Mit diesem Teil wird das Gekläffe überdeutlich vernehmbar, was meinen Hunden schon den einen oder anderen Klaps mit der Zeitung eingetragen hat. Andererseits, was können die Tiere für mein Hörvermögen? Dabei ist das pausenlose Jucken und Vibrieren in den Gehörgängen noch gar nicht erwähnt. Es braucht eine knappe Viertelstunde, bis die Geräte samt Kabellage an Ort und stelle sitzen. Das wieder Einsetzen der Minibatterien, dabei noch gar nicht mitberechnet. Dann habe ich sie drin und gehe mich erst einmal kämmen, mit dem zu erwarteten Ergebnis. Wenn ich dann noch ausgesprochenes Pech habe, fällt eines der Geräte herunter. Das Batteriefach öffnet sich, die Mikrobatterie springt auf Nimmerwiedersehen heraus, falls ich nicht auf Knien den gesamten Badezimmerboden absuche. Mein Hörvermögen für die Flüche, die ich dabei ausstoße, ist in beiden Ohren gleich, obwohl ich nur noch einseitig verdrahtet bin. Und ich frage mich, wem außer mir persönlich will ich schon den ganzen Tag zuhören? Ist die innere Stimme nicht die wichtigste und wird man ihrer nicht ganz ohne Hilfen gewahr? Diese innere Stimme wird mich heute Nachmittag zum Akustiker treiben und dort glasklar erklären lassen: so nicht!

Satchmo

Unser Satchmo- ein großer Schweizer Sennhund mit gewaltigen Ausmaßen- soll eine etwa halb so große Hündin der gleichen Rasse decken. In schöner Regelmäßigkeit kommt der Besitzer der Hündin bei uns vorbei, um den beiden ein Schäferstündchen zu ermöglichen. Satchmo will- und wie der will- aber die Dame gibt sich äußerst kapriziös. Erst hält sie ihm ihr Hinterteil hin, aber sobald er aufsteigen will, dreht sie sich blitzschnell um und verbeißt ihn. Unser Satch. betört von der Dame und ihrem Duft, lässt sich dies alles gefallen. Unermüdlich startet er Annäherungsversuch um Annäherungsversuch und bis zu einer bestimmten Grenze ist dieser auch erfolgreich, nur der Akt an sich bleibt ihm verwehrt. Wir, der andere Hundebesitzer und ich, stehen frierend daneben und immer, wenn man denkt, da jetzt packt er es, packt er es eben nicht, äußerst ermüdend und frustrierend das Ganze. Besonders für den armen Satchmo, der nach jedem Damenbesuch auf dem Wohnzimmerboden zusammenklappt und sich bis zum nächsten Morgen nicht mehr rührt. Wie das Tier so der Mensch, geht es mir durch den Kopf, während ich den schlafenden Satchmo betrachte. Die Hundedame ist eindeutig eine Zicke, die die Männer erst heißmacht, dann aber im letzten Moment die Reißleine zieht. So trottelig der Hund, so trottelig die Männer, die seit Urzeiten darauf hereinfallen. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, mag sich Satch gedacht haben, als er eine zufällig vorbeikommende Mischlingshündin bestieg. Sehr gut mein Freund, lass mal Dampf ab und heute Abend zeigen wir der Zicke die kalte Schulter. Ich vergaß, dass er ein typisches Männchen ist. Kaum, dass die Holde eingetroffen war, ließen Duft und Aussehen unseren Satch ins Denkkoma fallen. Aber, was war das? Die Eisprinzessin zeigte sich mehr als geneigt. Woran man sieht, dass es den Damen eindeutig um den richtigen Zeitpunkt geht. Ins menschliche übertragen, heißt das so viel wie, abwarten, bis sie von selber kommt.