Gähnen von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es ist doch recht erstaunlich, womit sich Forscher beschäftigen. So fand ein Team in Amerika heraus, dass Kurzgähner ein kleineres Gehirn besitzen als Langgähner. Irgendwie logisch, denn bis der Sauerstoff in die letzten Winkel vordringt, dauert es bei Großhirnern länger. Gähnen an sich ist schon eine seltsame Tätigkeit. Kein Mensch weiß, wozu es gut ist und die Sache mit dem Sauerstoff ist auch nur Spekulation. Es ist ansteckend, soviel ist gewiss. Alle Säugetiere – auch einige Reptilien und Vögel – tun es und, soweit ich herausgefunden habe, ist die Ansteckung nicht speziesübergreifend, denn wenn meine beiden Hunde gähnen, gähne ich nicht automatisch mit und umgekehrt. Vielleicht dient gähnen in der Gruppe der allgemeinen Beschwichtigung im Sinne von: »Nichts los hier, also entspannt euch!« Kein Säbelzahntiger, kein Mammut in Sicht, da gönnt man sich doch eine Runde ausführliches Gähnen als Bestätigung, dass da wirklich und wahrhaftig nichts ist. Andererseits kann man auch demonstrativ gähnen, wovon so mancher Lehrer oder Redner ein Lied singen kann. Gähnen lässt sich vorzüglich als Waffe einsetzen, denn nichts trifft einen Gegner mehr, als dass man ihm gründlich ins Gesicht gähnt. »Ich gähne, also bist du nicht!« Für alles und jedes, was wir als bedeutungslos empfinden, haben wir nur ein müdes Gähnen übrig. Deshalb sollte man in Partner-, Freund- und Verwandtschaften sehr behutsam mit dem Gähnen umgehen. Dabei ist nichts erfrischender als ein herzhaftes Gähnen. Kleine Kinder sehen einfach süß aus, wenn sie gähnen. Eine Eigenschaft, die sich leider im Laufe der Jahre verliert. Man sieht nur noch blöd aus! Wozu gähnen letztendlich dient, kann auch in diesem Beitrag nicht geklärt werden. Ich weiß nur; ich tue es ausgesprochen gerne und, wenn man beim Ausatmen noch einen tiefen Seufzer hinterherschickt, geht es einem augenblicklich besser.

Auto Korrektur von Elke Balthaus-Beiderwellen

Gerade eben habe ich eine rätselhafte Nachricht an meine beiden Töchter verschickt. Das Autoergänzungsprogramm schlug mal wieder gnadenlos zu. Zurück kamen natürlich eine Reihe von Fragezeichen, was ich durchaus verstehen kann. Jetzt darf ich die Nachricht im Klartext nochmal schreiben und versenden. Unter Zeitdruck hingegen nimmt man alles an, was einem die Phantasie des Smartphones so bietet. In ferner Zukunft werden sich Archäologen an die Textenträtselung machen und darüber grübeln, was bestimmte Worte in diesem Zusammenhang zu bedeuten haben. Mein Mann wundert sich bereits, warum er ständig den Mullverband anlegen soll; dabei meinte ich den Müll mitnehmen. Aus »was meinst du« wird »was machst du« etc., etc., etc. Andererseits könnte ich mir mühsames Tippen mit einem Finger ersparen und nur noch vorgegebene Worte benutzen. »Ich denke, du brauchst eine Auszeit nehmen!«, hört sich nett an und ist immer angebracht. Jetzt fange ich mal mit du an. »Du hast es nicht verbockt und ich komme langsam zu mir!«, ist für viele Fälle einsatzfähig. So, nun fange ich mal mit er an. »Er hat übrigens Schluss mit der verfluchten Spülmaschine abgegeben!«, hört sich rätselhaft und tiefsinnig an. Mist mir fällt gerade auf, dass ich die Nachrichten nicht nur aufgerufen, sondern an meine Töchter weiter verschickt habe. Na, dann kann ich mich auf etliche Telefonanrufe einstellen, denn derart heikle Fragen lassen sich auch heute noch nur über direkten Telefonkontakt klären. Was mir sowieso als die bessere Alternative erscheint.

Ansprüche von Elke Balthaus-Beiderwellen

Meine Bekannte namens Franziska bringt mich dazu, alle Weibchen, die sich ähnlich aufführen »Franziska-Frauen« zu nennen. Früher gab es den schönen Ausdruck »etepetete« für ein Gehabe, das Mordgelüste in Otto-Normal-Frau hervorruft. Franziska – keiner würde es je wagen sie Franzi zu rufen – bringt dir, wenn sie sich herablässt, dich zu besuchen, Tannenspitzengelee mit und ist bass erstaunt darüber, dass du Trottel diese Köstlichkeit nicht kennst. Im Chinarestaurant ist sie hochempört darüber, wenn es keine gebratenen Entenzungen gibt und verlässt auf der Stelle das Restaurant, wenn ihrer Ansicht nach in der Küche jemand geraucht hat. Sie ist dir gegenüber vor allen Dingen eines – wohlwollend. In dieser Manier nimmt sie deine Nullachtfünfzehn-Kleidung und Schuhe zur Kenntnis, während ihr Gesichtsausdruck verrät, dass man sie nur unter Todesandrohung dazu bringen könnte, solche Klamotten auch nur anzufassen. Was keinen Markennamen trägt, hat in ihren Augen keine Daseinsberechtigung. Egozentriert schreitet sie durch diese Welt. Und, was machen die Männer? Sie tanzen nach ihrer Pfeife! Hofieren sie, dass mir der Mund staunend offen steht und ich mich frage, warum ich blöde Kuh mich nicht genau so verhalte. Wenn ihr beflissener Gatte ihr nicht schnell genug aus dem Mantel hilft, lässt sie ihn zu Boden gleiten. Verstummt für Wochen, wenn der neue Nerz ausnahmsweise finanziell einmal nicht drinsitzt, und bietet mir, die ich mir einen guten einfachen, aber für mich kostspieligen Mantel gönnte, großzügig an, dass ich von den Fünfen, die sie davon noch besitzt, ruhig hätte einen aussuchen können, bevor ich mich in Unkosten stürze. Solche Frauen gibt es und sie werden von ihren Männern auf Händen getragen! Und wenn mein Gatte Franziska beflissen die Tür aufhält, ihr Komplimente macht, ihr den Mantel abnimmt, ihr den Stuhl zurecht rückt und dafür sorgt, dass es ihr bei uns gut geht, nehme ich mir ein Gespräch mit einem Scheidungsanwalt vor. Andererseits, dachte ich mir, könnte ich es auch mit ähnlich kapriziösen Verhalten versuchen. Versuch macht klug! Also verharrte ich beim nächsten Großeinkauf auf dem Beifahrersitz, bis mein Mann auf die Idee käme, um den Wagen herum zu gehen und mir die Tür aufzuhalten. »Was ist! Bist du eingeschlafen?«, schallte es mir stattdessen entgegen. Resigniert kletterte ich aus dem Wagen. Vielleicht nicht das richtige Versuchsfeld. Die Sache im Restaurant, als ich vorhatte, meine Jacke demonstrativ auf den Boden gleiten zu lassen, brachte auch nicht den gewünschten Erfolg. »Pass auf! Dir fällt gleich die Jacke runter!« Nun gut, dann eben anders. »Schatz, ich glaube, wir müssen das Lokal verlassen. Mir ist so, als würde hier irgendwo jemand rauchen!« »Bist du jetzt von allen guten Geistern verlassen? Ich habe Hunger! Meinst du, ich kurve jetzt noch durch die Gegend? Halt dir doch einfach die Nase zu!« Wie heißt es so schön? Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe!

Regeln von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wie bekomme ich die Minutenregel für das Zähneputzen nur aus meinem Kopf? Es treibt mich fast in den Wahnsinn, denn ich erweiterte sie auf jeden Putzvorgang. Nur besitzt meine Klobürste keine kleine Zeitschaltuhr, die mir sagt, wann genug gescheuert ist. Sauber ist schließlich sauber, da muss mir kein Oberschlauer mitteilen, wie lange ich quasi »Draufhalten« muss, bis das Ergebnis befriedigend ist. Heute beschloss ich, eine Revolte zu starten. Hartnäckig überhörte ich den Signalton der elektrischen Zahnbürste und schrubbte fröhlich weiter. Und, Überraschung, nichts passierte! Ich hatte weder den Weltuntergang ausgelöst, noch den Zorn der Götter erregt! Revolution! Ich lass mir von keiner Nudelverpackung mehr vorschreiben, wie lange ich meine Pasta zu kochen habe. Eier bereite ich jetzt frei Schnauze vor und die Pizza gebe ich in den Ofen, wann und solange es mir passt! Wer braucht schon dezidierte Rezepte, wenn Kreativität die höchste Errungenschaft des Menschen ist? Ich ignoriere von jetzt an jeden »Hier öffnen-Hinweis« und habe meinen Messbecher entsorgt. Ein Liter ist schließlich, was ich dafür halte! Natürlich werden die Kochergebnisse etwas seltsam ausfallen, was meinen Mann bestimmt auf die Palme bringt, aber ich habe schon einen längeren Vortrag über den freien menschlichen Willen ausgearbeitet. Selbstbestimmtheit ist das A und O! Dauernd wird unsereins gemaßregelt. Tu dies oder mach das lieber nicht, was zu dem Ergebnis führt, dass unser Leben vor allen Dingen eines wird: langweilig. Es ist doch viel spannender herauszufinden, was passiert, wenn man das Dampfbügeleisen mit Wasser befüllt, während es am Strom hängt! Was geschieht, wenn man den Pürierstab benutzt, wenn der Topf noch auf dem Herd steht, fand ich bereits heraus. Das Kabel schmilzt, weil es mit einer anderen heißen Herdplatte in Kontakt kam. Ärgerlich, aber meine Freiheit ist es mir wert. Was ist das höhere Gut, frage ich mich. »Nicht in geschlossenen Räumen benutzen«, fordert den Entdeckergeist doch geradewegs heraus! Jedenfalls werde ich jetzt losziehen und mir eine normale Feld-Wald und Wiesenzahnbürste besorgen. Wireless!

Unisex von Elke Balthaus-Beiderwellen

Im Morgenmagazin wurde heute eine Checkbroschüre für das Auto vorgestellt, die »nur für Frauen« vorgesehen ist. In leicht verständlicher Sprache und mit zahlreichen Fotos versehen, soll selbst das dümmste Frauchen ihren Wagen »herbstklar« machen können. Im Jahre 2016 wird man an die Zeiten erinnert, als es noch hieß: »Halbierte Eintrittspreise für Frauen und Kinder!« Manches ändert sich halt nie. Nur, dass die Parole in Katastrophenfällen »Frauen und Kinder zuerst!« in Frage gestellt wird, möchte auch die, sich emanzipatorisch auf der Höhe der Zeit befindliche Frau nicht. Schließlich sollen im Zuge der Gleichstellung auf keinen Fall die Vorteile der ehemaligen »Heimchen am Herd« verloren gehen! Frau will tragen, was sie will, sagen, was sie will und sich benehmen, wie sie will. Und wehe, wenn sich die Männlichkeit das Gleiche herausnimmt! In Bezug auf die Broschüre befindet sich der Mann in einem Dilemma. Vielleicht will auch er leichtverständlich erklärt bekommen, was er im Herbst mit seinem Auto »anstellen« soll, aber er kann auf keinen Fall zur Frauenausgabe greifen. Was sollen denn seine Kumpels von ihm denken?! Vielleicht schickt er seine Gattin vor, dass sie für ihn ein Exemplar besorge, was sie wiederum nicht will, da durch das Druckwerk ihre Intelligenz in Frage gestellt wird. Das Ende vom Lied: die Broschüren stauben für alle Zeiten vor sich hin, weil der Eine nicht zugreifen darf und die Eine nicht zugreifen will. Und wieder ein Männernachteil der Emanzipation! Die Frau, die zu einem Machwerk »nur für Männer« greift, zieht sich Bewunderung zu. Und umgekehrt? Eine Motorradzeitschrift unter dem Arm eine Frau wirkt komplett anders als »Die Bella« unter der Arm eines Mannes. Warum hat sich noch keine der Vorkämpferinnen für Frauenrechte über den Begriff der »Frauenzeitschrift« aufgeregt? Und, wo sind die Vorkämpfer für Männerechte? Unisexprintmaterial für alle! Ich jedenfalls werde mir so eine Frauencheckbroschüre besorgen. Mal sehen, ob mir anhand von Fotos erklärt wird, wo bei meinem Fahrzeug vorne und hinten ist!