Eigenschaften von Elke Balthaus-Beiderwellen

Gerade habe ich beschlossen, zwei Listen zu erstellen. Eine mit Dingen, die ich kann und eine mit Dingen, die ich nicht kann. Ich glaube, ich fange mit der Liste mit Dingen an, die ich kann. Oder lieber doch nicht? Was ich z.B. nicht kann, ist aufzulisten, was ich alles kann, womit sich mein Projekt quasi in Luft auflöst. Und eine Liste, zu der keine Gegenliste existiert, ist langweilig. Ich sehe aus dem Fester und schaue, was mein Nachbar so treibt. Da! Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn ein Vorhaben aussichtslos erscheint. Ich kann es nicht ertragen, wenn mein Hund mir meine Knie vollsabbert, wie eben in diesem Moment, ebenso wenig kann ich mich damit abfinden, dass mein Laptop vollgestaubt ist, wogegen ich sofort Abhilfe schaffe. Das ist doch schon etwas! Ich kann Dinge, die mich stören, abstellen, einfach so, von jetzt auf gleich. Was kann ich noch gut? Schlafen. Ich schlafe ganz ausgezeichnet, aber auf welche Liste gehört dies jetzt. Heißt das, dass ich gut schlafen kann, oder heißt es, dass ich morgens nicht aus dem Bett kann? Alle positiven Eigenschaften kann man sofort in ihr Gegenteil verkehren und umgekehrt. Ich kann mich nicht konzentrieren ist gleichbedeutend mit; ich bin jederzeit aufgeschlossen für meine Umwelt. Ich kann mich nicht um Dinge kümmern, die noch etwas Aufschub haben heißt; ich bin ein Ausbund von Gelassenheit. Ja, so wird das was, mit der »Ich kann Liste«. Ich kann jederzeit darauf verzichten zu kochen, zu bügeln und zu putzen. Ich liebe den Naturzustand! Rohes bleibt roh und nur, weil sich irgendwelche Steinzeitmenschen dazu aufgerafft haben, Essen zu erhitzen, muss ich mich dem noch lange nicht anschließen. Wenn der Naturzustand von Hemden darin liegt faltig zu sein, wer bin ich, dass ich mich dagegen auflehne. Krinkelstoffe werden immer noch nicht genug gewürdigt. Die Natur erobert jeden Zivilisationszustand zurück. Dagegen kann und muss man sich nicht stemmen. Ich kann somit eine Geduld an den Tag legen, die mit nichts zu vergleichen ist, außer vielleicht der Ewigkeit. Die Liste mit den Dingen, die ich kann, wird länger und länger. Aus: Ich kann nicht zuhören, wird: Ich kann Wesentliches vom Unwesentlichen unterscheiden! Und weil ich das so gut kann, werde ich keine Listen mehr erstellen, die mich in ein negatives Licht setzen. So was muss man erst einmal können!

Urlaub von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wenn mein Gatte bereits im Hausflur über Einkaufstüten stolpert, wenn sich auf unserem Küchentresen die von der WHO empfohlenen Medikamente für Fernreisen stapeln und unser Wohnzimmertisch überquillt mit Sonnenschutzmittel in sämtlichen UV-Schutz-Graden und in ausreichender Menge für die gesamte afrikanische Bevölkerung, wenn ich bei Freunden und Bekannten Koffer in allen Größen zusammen leihe, die uns den Weg in unser Schlafzimmer verbauen, dann ja dann habe ich vor, eine Woche in Urlaub zu fahren. Nicht, dass ich den europäischen Kontinent verlasse, aber ich misstraue den Zivilisationsgraden der anderen europäischen Länder. Und wer, frage ich, lechzt als Erster nach einer Aspirin, sobald wir unser Reiseziel erreicht haben? Mein Gatte natürlich. Für wen das Sonnenschutzmittel, wenn nicht für seine von der Sonne unbeschienene Haut? Unbestritten, die Koffer sind für mich, aber wie soll man sieben verschiedene Outfits mit dazu passenden Schuhen, Gürteln, Tüchern und Handtaschen mit auf die Reise bekommen. Was rede ich da, Frau braucht für eine Woche mindestens 14 Outfits, denn wer hörte jemals davon, dass Frau den ganzen Tag die gleiche Kleidung trägt. Schließlich wird das ganze Jahr über gerafft und gehortet, was Frau im Urlaub vorführen will. Die Kleidungsstücke kommen genau einmal an die Luft in ihrem Leben, im besagten Urlaub. Was die Bademode betrifft, kann ich es mir sogar leisten, dreimal am Tag zu wechseln, ohne auch nur in die Nähe einer Waschmaschine zu kommen. Und, wenn es wie bei allen unseren Urlauben ununterbrochen regnet, nehme ich vom Einteiler über den Bikini, bis zum Tankini alles originalverpackt wieder mit nachhause. Nicht so wie beim letzten Mal, als ich wutentbrannt über die Wetterverhältnisse, alles im Hotelmülleimer entsorgte. Beinahe hätte ich alles die Toilette herunter gespült, wenn mein Mann mich nicht mit dem Argument, dass dies den örtlichen Abflüssen sehr abträglich wäre, zurückgehalten hätte. Wieso, geiferte ich, Wasser zum Spülen hätten die doch im Moment genug. Mein Mann könnte zu ausgedorrtesten Flecken auf dieser Welt reisen. Sobald er dort eintrifft, ist Regenzeit. Vielleicht leihe ich ihn einmal an Mallorca aus, wenn die Wasserversorgung auf der Insel zusammenbricht, und verbringe in dieser Zeit einen sonnenverwöhnten Urlaub in Italien. Wenn mein Mann nicht mitkäme, könnte ich einen weiteren Koffer mit an die 100 Kilo Gewicht mitnehmen, fällt mir da gerade ein, weil ich ihn im Flur lauf fluchen höre. Wahrscheinlich über eine Tüte gestolpert. Das Männer aber auch nie die Augen aufmachen können! Zudrücken können sie sie auch nicht richtig, zumindest, was das Reisegepäck der Gattin betrifft.

Kommunikation von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es ist schon seltsam. Wenn einem der Gesprächspartner direkt gegenübersitzt, hört man ihm kaum zu und ist vornehmlich mit den eigenen Befindlichkeiten befasst. Pingt aber das Smartphone, ist man sofort hellwach, lässt alles liegen und stehen, ruft Whatsapp auf, nur um dann festzustellen, dass mal wieder irgendwelche Nichtigkeiten in die Welt posaunt werden. Ich habe jetzt die ultimative Lösung für dieses Problem. Auch bei direktem Kontakt zwischen zwei Personen kommt das Smartphone zum Einsatz. Der Erste schreibt eine Nachricht über Whatsapp an sein Gegenüber und löst bei eben diesem Gegenüber, einem pawlowschen Reflex gleich, erhöhte Alarm- und Aufnahmebereitschaft aus. Der Empfänger liest die Nachricht bis zum bitteren Ende, was beim Zuhören nicht der Fall wäre, da er wissen will, ob noch etwas Wesentliches kommt. Dann antwortet er sofort, spontan, aus dem im Moment bestehenden Bauchgefühl heraus, was den bekannten Reflex beim ehemaligen Sender und nun Empfänger auslöst. Nie war Kommunikation echter, aktueller und wirklichkeitsnäher. Da wir vornehmlich Augenwesen sind, bleibt Gelesenes bei den meisten viel besser hängen als Gehörtes. Außerdem kann man die Nachricht jederzeit wieder auf den Bildschirm zurückholen, wenn noch Unklarheiten bestehen sollten. Zwar weiß ich nicht, ob Whatsapp-Nachrichten im Moment schon justiziabel sind, aber, was nicht ist, kann ja noch kommen. Wenn es so weit ist, werden die »schriftlichen Gespräche« mit ausgesuchter Höflichkeit geführt werden, denn wer will schon eine Klage wegen Beleidigung am Hals haben. Die perfekte Kommunikation: Höflich, aufmerksam und bis zum Schluss hellwach. Was will man mehr?

Brangelina von Elke Balthaus-Beiderwellen

Von allen Seiten prasselt die Topnachricht des Tages, was rede ich da, die Topnachricht des Jahres auf mich ein. Fernseher, Radio und das Netz informieren mich ausführlich über etwas, das mich nicht die Bohne interessiert. Gerüchte kursieren auch schon. Waren womöglich Alkohol, Drogen und notorisches Fremdgehen die Ursache für die spektakulärste Scheidung seit Liz Taylor und Richard Burton? Nein, liebe Angelina und lieber Brad, ihr seid nicht die Ersten, bei denen der Liebeswahn abrupt endet. Das haben wir alles schon viel besser und vor allen Dingen authentischer erlebt. Irgendwie kommt es mir bei euch beiden so vor, als würde sich Barbie publikumswirksam von Ken scheiden lassen. Fast wünscht man euch eine Schlammschlacht an den Hals, so heiligmäßig und steril, wie ihr immer daherkommt. Die Götter sind vom Olymp gestiegen und siehe da, es geht bei ihnen nicht anders zu als bei allen anderen auch. Jetzt habe ich schon etliche Buchstaben für dieses Thema verschwendet, dabei wollte ich gar nicht darüber schreiben. Aber, was soll`s, nun mache ich auch weiter. Zwei Jahre Ehe haben die beiden geschafft, dabei kommt es mir so vor, als wären sie schon seit Anbeginn der Zeit zusammen. Woran man wieder sieht, dass auch die größte Liebe ein Verfallsdatum besitzt. Was dem einen sein Joghurt, ist dem anderen die gut versiegelte Konservendose. Unendliche Liebe gibt es nur, wenn einer, oder besser noch beide Protagonisten sterben. Wer gilt als das Liebespaar schlechthin? Richtig Romeo und Julia. Hätte Shakespeare die beiden nur eine kleine Weile länger leben lassen, sähe die Sache schon ganz anders aus.Vielleicht wäre es besser, man heiratet erst dann, wenn einner der Partner oder beide kurz vor dem Absprung stehen. Dann bekommen die Inschriften auf den Grabsteinen endlich einen gewissen Wahrheitsgehalt. Und die Floskel: Bis das der Tod uns scheidet, rückt in die Nähe der Realität. Last-Minute-Hochzeiten sind die Lösung für alle Probleme, die wir mit der Liebe haben!

Fotos von Elke Balthaus-Beiderwellen

Erinnert sich außer mir noch jemand an die todlangweiligen Dia-Abende bei Freunden? Wenn einen etwas gleich gar nicht interessierte, dann wann jemand wo gewesen war. Merke: Fotos begeistern einen nur, wenn man sie selbst geschossen hat, oder auf ihnen zu sehen ist. Der Rest kann weg! Trotzdem wird fotografiert wie nie. Alle zwei Minuten pingt mein Smartphone mich an, weil irgendein Trollo auf Facebook sein Profil geändert hat. Ungefiltert wird sofort alles und jedes gepostet, und ich warte auf den Tag, an dem der eigene Stuhlgang dokumentiert und an Freunde weitergeleitet wird. Wenn das eigene Kind um einen Zentimeter gewachsen ist oder endlich kurz vor der Einschulung auf`s Töpfchen geht, muss dies augenblicklich aller Welt mitgeteilt werden. Dabei muss ich sagen, dass mir fremde Sprösslinge ebenso gleichgültig sind, wie fremde Haustiere. Demnächst bekommt man diesen faden Mist im 360°- Rundumblick präsentiert, womit einem die Gnade der Phantasie auch noch genommen wird. Wer sich auch nur einen Meter von seinem Haus wegbewegt, schnallt sich zahllose Action-cams um, während über ihm die Drohnen kreisen, damit andere filmisch belästigt werden können. Auch gepostete Selfies sind nichts anderes als eine Belästigung. Merke: Wer dich mit Selfies überschüttet, ist kein Freund, sondern ist nur an der eigenen Person interessiert. Die Dia-Abende bei »Freunden« fanden, wenn man Glück hatte, nur einmal im Jahr in deren Wohnzimmer statt. Die hemmungslose Angeberei war demnach zeitlich befristet und räumlich begrenzt. Es gab also Möglichkeiten, sich dieser Selbstpräsentation zu entziehen. Welch paradiesische Zeiten!

Zeiten von Elke Balthaus-Beiderwellen

Ein schwerwiegender Unterschied zwischen meinem Gatten und mir besteht in unserem Umgang mit der Zeit. Mein Mann hält sich gerne in der Gegenwart auf, fokussiert sein Hirn auf aktuelle Probleme und, wenn keine anstehen, erlaubt er es sich, auch mal nicht zu denken. Ein für mich undenkbarer(!) Zustand, denn ich widme meine Gedanken gerne der Vergangenheit und der Zukunft. So kann ich mir jede, von mir als abwertend empfundene Bemerkung meines Mannes bis hin zu unserer ersten Begegnung problemlos ins Gedächtnis rufen. Mit den entsprechenden, heftigen Emotionen, versteht sich. Mein Gatte versteht dann nicht, warum ich mich aus heiterem Himmel, quasi grundlos über ihn ärgere. Dann habe ich mal wieder eine alte Wunde aufgekratzt. Die Zukunft gibt mir ebenfalls schwer zu denken. Wir sind am Wochenende zu einem Sommerfest eingeladen und heute ist schon Montag! Höchste Zeit also, dass ich mich mit der Bekleidungsfrage beschäftige. In dieser Woche werde ich mich in Gedanken jedem meiner Kleidungsstücke widmen und bereits am Donnerstag, bevor ich überhaupt in den Kleiderschrank hineingesehen habe, zu dem Schluss kommen, dass ich für den speziellen Anlass nichts zum Anziehen habe. Mein Mann wird mir in dieser Woche aus dem Weg gehen, wenn er meine umwölkte Stirn bemerkt und zu dem Schluss kommen, dass ich mich einmal mehr mit der unveränderlichen Vergangenheit beschäftige, dabei liegt mein Problem in der Zukunft! Er wird natürlich abwarten, bis das Bekleidungsproblem aktuell wird, also ca. eine knappe halbe Stunde vor Beginn des Festes. Erst dann wird er zielgerichtet in seinen Kleiderschrank greifen und das für ihn als passend empfundene Outfit in sekundenschnelle überstreifen, während ich schon seit dem frühen Morgen damit beschäftigt sein werde pausenlos anzuprobieren. Warum hat er es immer so einfach und ich habe es so schwer? Wieso kann er einfach nur sein, ohne zu wissen, woher er kommt und wohin er geht? Wieso kann er so sicher sein, dass er genau dann und erst dann, wenn ein Problem ansteht, in der Lage sein wird, es zu lösen? Was ich ihm einmal gönne, sind fünf Minuten in meinem Kopf, damit er versteht, was so alles zeitgleich in meinem Hirn vorgeht. Wahrscheinlich wird er zielgerichtet hineingreifen und alles verwerfen, was ihm für den Moment nicht passend erscheint.

Telecom von Elke Balthaus-Beiderwellen

Der Bautrupp der Telecom ist da! Nachdem mir ein Mitarbeiter des Unternehmens am Telefon mitteilte, dass das genaue Datum des Erscheinens dieser Truppe nur durch Kaffeesatzleserei oder Befragung einer Glaskugel herauszufinden ist (kein Scherz, die ernsthafte Auskunft der Störungsstelle – wahrscheinlich wird der gesamte Konzern mit diesen Hilfsmitteln geführt), bin ich doch erstaunt, dass sich diese ätherischen Wesen vor meiner Haustür materialisieren. Ich behandele sie sehr vorsichtig, denn ich will sie nicht verschrecken und eine weitere Woche ohne Internet und Festnetz verbringen. Wenn ich gewusst hätte, dass sie heute kommen, hätte ich in unserer Auffahrt einen roten Teppich ausgelegt. Ich bin mir durchaus der Gnade bewusst, die sie mir erweisen, denn dass sie sich so bald bis in unser kleines Dorf vorkämpfen, um sich meiner Telefonleitungen anzunehmen, war nicht zu erwarten. Jedenfalls bewegte ich mich in der letzten Woche keinen Zentimeter von meinem Haus fort, damit ich die Herren meiner Außenkommunikation nicht verpasse. In der Wartezeit rief ich nochmal bei der Telecom an, um nachzufragen, ob man den Termin der Reparatur auch mit Hilfe von Tarot-Karten bestimmen könne, denn Kaffeesatz und Glaskugel stünden mir nicht zur Verfügung. Hingegen besäße ich einen Satz dieser Karten. Bei der Gelegenheit konnte ich feststellen, dass manche Mitarbeiter der Telecom weder über Humor, geschweige denn über Ahnung verfügen. Dabei wollte ich dem Konzern nur einen Tipp geben, welche Mittel noch eingesetzt werden könnten, um die Zukunft des Unternehmens zu planen. Anrufe bei der Telecom haben sehr viel Ähnlichkeit mit der damaligen Befragung des Orakels zu Delphi. Eine durch Rauschgifte benebelte Priesterin gab schwammige Antworten, die so oder so hätten ausgelegt werden können. Für die Folgen ihrer Prophezeiungen zeichnete sie sich nicht verantwortlich. Diese Tradition setzt die Auskunftstelle der Telecom nahtlos fort. Wo ist die gute alte Zeit der Buschtrommeln hin? Störungs- und wartungsfrei dienten sie der Telekommunikation und ich wage zu behaupten, dass die Menschen damals besser dran waren, als wir, die wir uns heutzutage der Diktatur der ständigen Erreichbarkeit beugen. Jetzt beginne ich mich doch glatt zu fragen, ob ich die Leitungen überhaupt reparieren lasse. Ich glaube, ich lasse die Tarot-Karten entscheiden.

Körperpflege von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wer sich alle die Haut -, Haar -, Zahn- und Nagelpflegeprodukte in den einschlägigen Drogerie – und Kosmetikmärkten anschaut, kommt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass man, wenn man sie täglich einsetzen will, den Rest seines Lebens im Badezimmer verbringt. Mich ärgert der Zeitaufwand, den ich für die reine Körperpflege aufbringe, jeden Tag aufs Neue. Alles muss einwirken. Vom Mundwasser bis zur Gesichtsmaske, von der Haarpackung bis zur Enthaarungscreme. Und es kommt täglich etwas dazu! Haarspitzenfluid, Wimpern- und Augenbrauenwuchsserum, Zellulitispeeling, Hornhautvermeidungscreme und dergleichen mehr. Rosskastaniensalbe um Besenreisern vorzubeugen, sowie Ampullenkuren, die wie Botoxspritzen wirken sollen. Wer einigermaßen präsentabel aus dem Haus gehen will, kommt aus demselben erst gar nicht heraus! Wo ist die gute alte Wasser- und Seifezeit hin? Gestern hätte ich gegen Nachmittag fast das Haus verlassen, ohne an den UV-Schutz zu denken. Zum Glück fiel er mir rechtzeitig ein; ich machte auf den Hacken kehrt, suchte überall nach der Sonnenschutzcreme und, als ich sie gefunden hatte, hatte ich kurzzeitig vergessen, warum ich vor die Tür gehen wollte. Richtig, ich wollte ja in den örtlichen Drogeriemarkt, um zu schauen, was es Neues an Pflegeprodukten gibt. Die Anziehungskraft dieser angeblichen Wundermittel ist unwiderstehlich. Es scheint so, als würde eine schöne Hülle einen besseren Menschen aus uns machen. Der innere Wert bemisst sich am äußerlichen. Dabei steht der Beweis noch aus, dass glänzendes Haar mit einem glänzenden Verstand gleichzusetzen ist. Wir finden den zu uns passenden Partner nicht mehr, weil wir einer gigantischen Wolke von künstlichen Duftstoffen ausgesetzt sind. Charakteristische Gesichtszüge gehen im Diktat der Kosmetikindustrie verloren. Der Trend geht zur nie alternden perfekt proportionierten haar- und faltenlosen Schaufensterpuppe. Klone eines aufgezwungenen Schönheitsideals. Ich werde bei meinem nächsten Besuch im Kosmetiktempel lediglich ein Stück Seife erwerben. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte!

Nichtstun von Elke Balthaus-Beiderwellen

Meine Hunde beobachten mich den ganzen Tag. Im halben Dämmerschlaf, entspannt herumliegend verfolgen sie meine hektische Tätigkeit mal mit beiden, mal mit nur einem Auge und enthalten sich jeglichen Kommentars. Das Dumme ist nur, dass ich es ihnen am liebsten gleichtun würde. Nur zeichnet den Homo sapiens hauptsächlich aus, dass er nicht nur ein denkender, nein vor allen Dingen ein tätiger Primat ist. Wer uns diesen Floh ins Ohr setzte, ist nicht mehr zu eruieren. Im Affenstadium begnügten wir uns, gesetzt den Fall, wir waren satt, noch mit faulem Herumliegen, gelegentlichem Lausen und spannungslösendem Geschlechtsverkehr. Ein paradiesischer Zustand. Aber da der Mensch so ziemlich alles ertragen kann, außer der Tatsache, dass es ihm bedingungslos gut geht, füllten wir unsere Tage mit allerlei sinnlosen Anstrengungen, die, wenn man konsequent zu Ende denkt, im Endeffekt zur Vernichtung der Erde führt.
Da frage ich mich doch glatt, ob ich mich am Untergang unseres schönen blauen Planeten beteiligen möchte. Anstatt unentwegt umweltvernichtende Reinigungsmittel zum Einsatz zu bringen, könnte ich es meinen Hunden gleichtun und einen nicht unerheblichen Beitrag zur Rettung unserer Heimat leisten. Schließlich sollten wir uns alle an Wilhelm Busch halten. »Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, dass man lässt!« Und weiß nicht auch der Volksmund zu berichten, dass derjenige, der schläft, nicht sündigt? In diesem Sinne werde ich mich eine Runde zu meinen Hunden legen und der Welt einen großen Gefallen erweisen.

Universum von Elke Balthaus-Beiderwellen

Gerade war ein Mann von der Telekom da- wird ja demnächst alles auf Computer umgestellt- und wollte von mir wissen, wo der Hauptanschluss unseres Telefonversorgers sitzt. Diese Frage brachte uns einen ausführlichen Spaziergang rund um das Haus und durch sämtliche Kellerräume ein. Erst ein eilig geführtes Telefonat mit meinem Mann brachte uns auf die richtige Spur. Wieder einmal musste ich feststellen, dass das Haus, in dem ich seit über zwanzig Jahren wohne, ein mir fremdes Universum ist. Wo geht die Hauptwasserleitung lang und wie stellt man sie ab? Keine Ahnung. Wo sitzt das Zentrum der Stromversorgung? Bin ich Elektriker? Wie funktioniert die Heizung und was ist im Falle einer Störung derselben zu tun? Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Geheimnisvolle Kabel gehen in Wände und kommen wieder aus ihnen heraus. Welche Wege sie zwischendurch zurücklegen und welchen Sinn sie haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Zahllose Rohre durchziehen meinen Keller, deren Zweck ich nie hinterfragte. Ich bin umgeben vom großen, weiten Unbekannten. Eine Tiefsee, deren geheimnisvolles Leben von mir nie erforscht wurde. Ich bin darauf angewiesen, dass alles störungsfrei läuft, ansonsten bin ich hineingeworfen in einen dunklen, kalten, endlosen Raum, dessen Gesetze ich nicht verstehe, geschweige denn, kenne. Nie war mir die Verlorenheit meines Menschseins so bewusst, wie bei meiner verzweifelten Suche mit dem Mann von der Telekom. Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Und vor allen Dingen: Wo kommt die Telefonleitung her und wo, zum Teufel geht sie hin? Wenn allein schon mein Haus Rätsel birgt, die ich nie ergründen werde, wie kann ich verlangen, die Welt zu verstehen?