SUV von Elke Balthaus-Beiderwellen

Mein Auto ist dermaßen alt und innen wie außen heruntergekommen, dass ich jeden Morgen die Visitenkarte des örtlichen Schrottautohändlers unter einem der Scheibenwischer vorfinde. Wenn ich mit diesem Fahrzeug im Straßenverkehr unterwegs bin, verhalte ich mich devot und defensiv bis kurz vor der Totenstarre und versuche vor allen Dingen eines- nicht aufzufallen. Steige ich hingegen in den nagelneuen SUV meines Mannes, bin ich plötzlich wer und verunsichere alle anderen Verkehrsteilnehmer durch meine aggressive Fahrweise. Ich bin immer noch die gleiche Person, aber das Stahlgehäuse um mich herum beeinflusst meine Persönlichkeit dermaßen, dass aus einem im Grunde genommen friedfertigen Menschen ein Verkehrsrowdy wird. Ich scheuche die Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen einhaltenden Mitbürger in ihren minderwertigen Karren vor mir her, schimpfe, gestikuliere und fühle mich von jedem in meiner Entfaltungsfreiheit behindert. Ein Wahn, der anhält, bis ich die Luxuskarosse wieder verlasse. Ohne den Panzer des SUV fällt meine Überheblichkeit in sich zusammen. Die geliehene Selbstüberschätzung erweist sich als das, was sie ist, eben nur geliehen. Wer innerlich nicht gerüstet ist, muss eben außen aufrüsten und so sollte die allgemeine Zunahme der SUV auf unseren Straßen nicht verwundern. Anstatt, dass die Autos immer kleiner und energieeffizienter werden, erleben wir eine Rückkehr zu spritfressenden Ungetümen, die kein Mensch braucht- wenigstens, was den Transport von A nach B betrifft. Was das Selbstbewusstsein angeht, da bin ich schon gespannt, was die Automobilindustrie sich noch alles einfallen lässt.

Katastrophenvorräte von Elke Balthaus-Beiderwellen

Seitdem die Bundesregierung den Bürgern empfiehlt, sich für den Katastrophenfall zu bevorraten, bin ich gedanklich mit nichts anderem befasst. Was brauche ich, wenn die Lage so katastrophal ist, dass ich auf eiserne Vorräte angewiesen bin? Anders gesagt, was benötigt man im Weltuntergangsszenario? Wahrscheinlich befinden sich auf meiner Liste komplett andere Dinge als auf derjenigen, die von der Regierung erstellt wurde und heute veröffentlicht wird. Da ist die Rede von Wasservorräten und Konserven, die mindestens noch fünfzehn Jahre haltbar sind. Mir hingegen ist im Angesicht der Apokalypse eher nach ausreichend Joints, Tranquilizern, Bier und stärkeren Alkoholica, damit mein unvermeidlicher Abgang im rosaroten Licht erstrahlt. Jodtabletten im Fall eines Gaus belgischer Atomkraftwerke sind ebenso hilfreich wie ein starker Joint, nur fühlt man sich durch Letzteren erheblich besser. Ob ich jetzt für zehn Tage ausreichend Wasser oder genug Spirituosen habe, macht gefühlsmäßig ebenfalls einen himmelweiten Unterschied. Demnach werde ich die offizielle Liste außer Acht lassen und eine individuelle zusammenstellen. Da ich nur wenige Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt wohne, werde ich gleich heute mit meiner persönlichen Bevorratung anfangen!

Extremsportarten von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Florida Gulf Coast University hat laut »Stern« herausgefunden, dass hochintelligente Menschen oftmals stundenlang ohne den Anflug von Langeweile bewegungslos vor sich hindenken können. Also schönen Gruß an alle Stehaufmännchen und blinden Aktivisten, ihr seid nur zu blöd, um euch zu entspannen! Wer einen niedrigen I.Q. besitzt, braucht zur Hirnstimulation körperlichen Input, was alle Extremsportler in einem völlig neuen Licht dastehen lässt. Um ihr von Natur aus schlafendes Gehirn zu wecken, versorgen sie sich bei sinnlosen Tätigkeiten mit dem Adrenalinkick, den sich der Intelligenzler mit dem Sein an sich bereits verschafft. Ein hellwaches Gehirn muss sich nicht in höchste Höhen oder tiefste Tiefen begeben und, wenn ich mir manche Extremsportarten betrachte, kann ich nicht umhin festzustellen, dass eine gewisse Blödheit für deren Ausführung unbedingt erforderlich ist. So gesehen war Diogenes in seiner Tonne der intelligenteste Mensch, der jemals auf Erden herumlag. Wer demnach bequem in seinem Sonnenstuhl sitzt und sich nicht langweilt, ist kein Faulpelz, wie landläufig angenommen. Nein, hier sitzt vielleicht ein zweiter Einstein, der nur sich und seinen Gehirnschmalz braucht, um glücklich zu sein.