Eddie the eagle von Elke Balthaus-Beiderwellen

Morgen kommt der Film »Eddie the eagle« in die Kinos, und ich werde ihn mir ganz bestimmt ansehen. Der talentfreie Skispringer bewies, dass man in allem nicht unbedingt der Beste sein muss, sondern auch als Schlechtester in einer Disziplin seinen Mann stehen kann. Besonders in unserer Zeit der »Selbstoptimierung« braucht es jemanden, der uns auf den Teppich zurückholt. Wir schöpfen unseren Wert zunehmend aus unserer Leistung und, wenn wir keine Aussicht haben, in einer Sache auch erfolgreich zu sein, fangen wir gar nicht damit an. Manch einer malt gerne, aber da er kein Rembrandt ist, nimmt er Stift und Pinsel gar nicht erst zur Hand. Singen kann jeder, aber aus Angst den Ton nicht zu treffen, schnürt es uns die Kehle zu. Jeder kann schreiben, tanzen, kreativ sein. Ist doch egal, wie das Ergebnis aussieht, Hauptsache man hat Spaß dabei. Warum muss gleich alles in einem Wettkampf ausarten? »Angst essen Seele auf« und die Angst, vor anderen nicht bestehen zu können, tötet beseeltes Tun. Was könnten wir alles unternehmen, wenn wir von Anfang an beschlössen, dass es nicht auf das Ergebnis, sondern um die Tätigkeit als solche ginge? Leider fürchten wir das hämische Grinsen der anderen und mich würde interessieren, zu welchem Zeitpunkt dieses Grinsen wichtiger wurde, als unser Drang uns auszuleben. Fingen wir zunächst an, über andere zu urteilen, bevor wir über uns selbst richteten, oder waren es die Bewertungen der anderen, die uns zum Richter über alles und jeden werden ließen? Weiterlesen

Terror von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Selbstmordattentäter von Brüssel waren zwei der Polizei bekannte Brüder. Was mich zu der Frage bringt, wie gehen die Sicherheitskräfte mit solchen Leuten um? »Nett, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben. Gute Zeit und viel Erfolg auf Ihrem weiteren Lebensweg? Wir werden Sie nicht weiter belästigen, denn das könnte ja Ihre Persönlichkeitsrechte einschränken.« Was ist mit dem Molenbeekviertel in Brüssel? Dort geht das Leben weiter, als wäre nichts passiert, dabei würde man nach den schrecklichen Anschlägen doch erwarten, dass es einmal ausführlich durchsucht wird. Überall im Netz tummeln sich Aussagen, dass man für Brüssel beten solle. Beschränkt sich die örtliche Polizei auch auf diese Maßnahme? Beten und hoffen, dass nichts passiert? Weiterlesen

Max Kruse von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die alte Losung: »Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps« scheint zumindest für den Ärmsten nicht mehr zu gelten. »Er könne seiner Vorbildfunktion nicht mehr gerecht werden«, meinte Löw. Fußballspieler als Vorbilder? Sinnlos Millionen verprassen, ohne Führerschein Auto fahren, sich bei Schiedsrichterfehlentscheidungen brachial auseinandersetzen, gelbe Karten erzwingen, um günstige Sperrungen zu erreichen, Tore durch Löcher im Netz schießen, dem Kameraden schon mal eine Ohrfeige verpassen, solche Vorbilder brauchen wir! Sich durch Schwalben Elfer zu erschleichen, Treten, Tricksen und Täuschen und mal heimlich die Hand einsetzen, gilt somit als vorbildlich. Gewisse Damen untereinander austauschen, die dann mal als Lebensabschnittspartnerin des einen oder anderen in Erscheinung treten, daran sollte sich doch der männliche Jugendliche ein Beispiel nehmen. Ab einer gewissen Summe den angestammten Verein im Regen stehen lassen und absolute Käuflichkeit beweisen erscheint demnach als absolut nachahmenswert. Sich bei Länderspielen zurückhalten, damit die lohnenderen Ligaspiele nicht in Gefahr geraten, kann man niemandem verdenken, ist meiner Ansicht nach aber kein leuchtendes Beispiel für Tugend. Warum wird ausgerechnet an dem armen Kruse jetzt ein Exempel statuiert, wo doch vom Alkoholkonsum der Spieler bis zum Drogengebrauch bei Trainern alles bis zuletzt unter den Teppich gekehrt wird? Von der Diskriminierung von homosexuellen oder depressiven Mitspielern ganz zu schweigen. Weiterlesen

Idomeni von Elke Balthaus-Beiderwellen

Jeder Politiker, der gerne einmal wieder in aller Munde sein will, fährt dieser Tage nach Idomeni und beweist sich damit, welch guter Mensch er ist, im Gegensatz zu all den Unmenschen, denen das Schicksal von Flüchtlingen zunehmend gleichgültig zu werden scheint. Ich wüsste nicht, dass einer von unseren Volksvertretern in die Hungergebiete Afrikas reist und aus lauter Solidarität ein paar Tage mit fastet. Ist ja auch nicht so publikumswirksam. Da schläft man lieber ein oder zwei Nächte in Zelten und berichtet dann brühwarm über die schrecklichen Erfahrungen, die man machte. Man könnte auch ein paar eiskalte Nächte unter Obdachlosen in Deutschland verbringen und würde sich die teure Reise nach Griechenland sparen, aber dann hält einem kein Reporter das Mikrofon vor die Nase. Wer zahlt diese Heuchelausflüge eigentlich? Weiterlesen

Kellerentrümpelung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Unser Keller steht unter Wasser. In der trüben Brühe treibt herum, was sich in zwanzig Jahren eben so ansammelt, wenn man im Besitz eines Kellers ist. Irgendwie wirkt unser Untergeschoss wie die Decks der Titanic, kurz bevor sie für alle Zeit auf dem Meeresboden versanken. Natürlich sollten die Kellerwände auf lange Sicht von innen abgedichtet werden, aber das bedeutet, dass wir eine große Ausräumaktion starten müssen. Ich bin ja der Ansicht, alles kann weg, was man Mann im Laufe der Jahre außer Sicht und damit aus unseren Köpfen schaffte, während er sich gut vorstellen kann, mein Chaos komplett auf den Müll zu entsorgen. Da unsere beiden Töchter schon seit Jahren aus dem Haus sind, findet er es befremdlich, dass sich in den Regalen noch Dinge wie Flaschenwärmer und zu Tode geliebte Kuscheltiere befinden. Ich wiederum halte die Eimersammlung mit den eingetrockneten Farbresten für absolut entbehrlich. Er mag meine Tupperdosenkollektion nicht, bei denen sämtliche Deckel abhandenkamen und ich kann gut auf das Sammelsurium von verrosteten Schrauben und Nägeln verzichten, die er nie ihrer Bestimmung, in Wänden versenkt zu werden, zuführte. Weiterlesen

Arroganz von Elke Balthaus-Beiderwellen

Arroganz kommt vom Lateinischen »Arrogantia« und bedeutet: Anmaßung, Hochmut, Dünkel. Die Höchstform der Arroganz ist meiner Ansicht nach erreicht, wenn man eine offensichtliche, persönliche Niederlage als Bestätigung der eigenen Person umdeutet. Seit Sonntag verfolge ich die Wortkapriolen unserer »Volksvertreter«, die aus dem Wahldebakel der Landtagswahlen eine Bestätigung ihrer uneinsichtigen Selbstbeweihräucherung herausinterpretieren. Jeder Dödel weiß, dass nachdem er mit dem Kopf gegen die Wand geknallt ist, es ein »weiter so« nicht geben kann. Selbst Tiere sind so einsichtig. Das Prinzip »Versuch und Irrtum« ist im Tierreich weit verbreitet und ich kann es sogar bei meinen Hunden beobachten. Der Politiker als selbst empfundene Oberkrone der Krone der Schöpfung scheint dieses Prinzip überwunden zu haben, indem er den Irrtum bei sich als ausgeschlossen betrachtet. Und wer nicht versteht, worum es ihm bei seinem Irrsinn geht, ist eben von Natur aus dumm. Am dümmsten scheint das Volk zu sein, weswegen man ihm eine direkte Demokratie in Form von Volksabstimmungen untersagt. Wo käme man auch hin, wenn das verblödete Volk die Entscheidungen seiner »Vertreter« auf den Prüfstand stellte? Weiterlesen

Wahl von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wenn Politiker, die sich in der Hierarchie hochduckten, ein Fernsehinterview geben, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, ich hätte es mit einer Art von Handpuppen zu tun, denen ein mir nicht bekannter Bauchredner die Worte in den Mund legt. Wir ferngesteuert kommen nur Phrasen aus Mündern, die den Kontakt zum Hirn verloren zu haben scheinen. Auch die Ohren dieser Avatare sind verschlossen, denn die Fragen der Journalisten werden nicht beantwortet. In Endlosschleife wird die Lobhudelei der eigenen Partei abgespult, so lange, bis die Sendezeit vorbei ist und der geneigte Zuschauer genau so schlau aus dem Interview herauskommt, wie er hineingegangen ist. Wie groß die Sehnsucht nach wenigstens rudimentär authentischen Politpersonen ist, zeigt sich am Wahlerfolg von Kretschmann und Dreyer. Eine reine Personenwahl fand statt. Ein Hauch von Charisma und schon macht der verzweifelte Wähler sein Kreuz dort, wo er eine Spur von innerer Haltung vermutet. Die etablierten Parteien können noch von Glück sagen, dass der AFD eine solche Persönlichkeit fehlt. Nicht auszudenken, wie das besorgte Volk wählen würde, wenn zu den Worten der AFD auch noch Geist käme! Weiterlesen

Langmut von Elke Balthaus-Beiderwellen

Meine Ultraschallzahnbürste zeigt mir an, wann es Zeit ist, den Zahnquadranten zu wechseln. Da ich sehr regelkonform lebe, halte ich mich sklavisch an die Minutenvorgabe. Was ist, wenn die Mechanik in dem Gerät spinnt? Putze ich dann über Stunden denselben Quadranten? Ich verbrachte schon halbe Nächte vor roten Ampeln, die nicht auf Grün springen wollten, ohne mich zu fragen, ob das Verkehrslicht eventuell defekt sein könnte. Einen sehr langweiligen Nachmittag lang hielt ich mich vor einer Bedarfsschranke auf. Wer das nicht kennt-ich kannte es auch nicht-so etwas gibt es im ländlichen Bereich. Die Schranke vor einem Bahnübergang ist grundsätzlich geschlossen und öffnet sich nur, wenn der Autofahrer einen Knopf an deren Halterung drückt. Sofern kein Zug kommt, geht die Schranke dann erst hoch. Gott sei Dank wies mich ein zweiter Fahrer darauf hin, sonst würde ich heute noch dort stehen. Weiterlesen

Wahlkampf von Elke Balthaus-Beiderwellen

Im Wahlkampf wird getrommelt und gepfiffen, wobei besonders die Sprache gerne missbraucht wird. Ständig zeigt jedermann »klare Kante«, obwohl mir persönlich noch keine unklare Kante unter die Augen gekommen ist. Es wird »explizit, mit aller Nachdrücklichkeit gesagt«; es werden »deutliche Worte gesprochen«, sodass man den Eindruck erhält, die Politikerwelt leidet den Rest der Zeit unter Artikulationsstörungen. Es wird »auf den Tisch gebracht, was andere unter den Teppich kehren«- eine sehr unappetitliche Vorstellung. Sätze gewinnen an Ausdrücklichkeit, wo allein durch die Zusammensetzung von Subjekt, Prädikat und Objekt, das Höchstmaß an Ausdruck erreicht ist. Es wird »besonders betont« und man fragt sich, wo die gute alte Sprachmelodie in der Zwischenzeit ihr Dasein fristet. Zwischen den Wahlperioden scheint nur gelallt, konfabuliert und paraphrasiert zu werden. Die »Katzen der gegnerischen Parteien werden alle gleichzeitig aus ihren Säcken gelassen« und in der Kakophonie des Geschreis, verliert der Wähler vollkommen die Orientierung. Die Politik wird mit einem Mal eindeutig, was vermuten lässt, dass sie bei der sonst üblichen Mehrdeutigkeit überhaupt keine Bedeutung besitzt. Zeit für mich, auch einmal klare Kante zu zeigen. Ich betone hier mit aller Ausdrücklichkeit und Deutlichkeit meiner Worte das Zitat des Götz von Berlichingen.