Schokoriegel von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die allgemeine Hysterie kennt keine Grenzen. Ein Plastikteil in einem Schokoriegel und eine Rückrufaktion sonder gleichen wird gestartet. Da sollten sich die Autokonzerne einmal ein Beispiel dran nehmen! Also, wenn ich in einer Nascherei, die man sich wegen der Gesundheit sowieso versagen sollte, einen derart kleinen Fremdkörper entdecken sollte, würde ich den Riegel in den Müll entsorgen und vielleicht einen Neuen aufmachen. Jetzt kann man sich überlegen, wie gesundheitsschädlich so ein Schokoladenteil an sich ist und, ob dann ein winziges Plastikteil ins Gewicht fällt. Man könnte sich auch über ein Steinchen aufregen, das man am Boden einer Wodkaflasche entdeckt, die man gerade geleert hat. Weiterlesen

Verpasste Anrufe von Elke Balthaus-Beiderwellen

Gestern war ein Telefonterrortag. Was war passiert? Ich versuchte meine Tochter auf ihrem Handy zu erreichen. War aber immer besetzt und so drückte ich etliche Male die Wahlwiederholung. Besetzt, besetzt, besetzt. Schließlich wollte ich aufgeben. Eine Blick auf die Nummernfolge, die ich unablässig anbimmelte, zeigte mir, dass sich eine zusätzliche Eins eingeschlichen hatte. Also wählte ich neu und hatte meine Jüngste prompt am Draht. Um die falsch gewählte Nummer kümmerte ich mich nicht weiter, vergaß aber die Sache mit den »verpassten Anrufen« auf Smartphones, denn der von mir zu unrecht Angerufene, rief unentwegt zurück, um zu erfahren, welche dringende Nachricht ihn nicht erreichte. Ich ging natürlich nicht ans Telefon, weil ich keine Lust hatte, mit einem mir vollkommen Unbekannten zu sprechen. Wo ich auch in unserem weitläufigen Haus und Garten war, das Telefon ging und ich rannte die Kellerstufen hinauf, die Speicherstufen hinab und von der Terrasse aus in den Flur, in dem die Ladestation steht, um einen womöglich wichtigen Anruf nicht zu verpassen. Dran war aber immer nur die Handynummer mit der zusätzlichen Eins, deren hartnäckigen Versuch, mich zu erreichen, ich zunehmend wütender werdend, ignorierte. Unverschämt aber auch! Was hatte ich mit Fremden zu schaffen! Weiterlesen

Die neuen Helden von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es gibt eine Denunziantenapp. Unter »Wegeheld.de« können Fußgänger und Radfahrer Falschparker melden, oder sie gar auf Facebook und Twitter publik machen. Der zunächst geplante Name der App. »Straßensheriff« erschien selbst deren Erfindern zu entlarvend, denn ein Held des freien Weges zu sein, hört sich allemal besser an. Wie wäre es mit einer Rubrik »Schneckenpost.de« unter der, die vornehmlich älteren Zeitgenossen gemeldet werden, die unnötig Brot- oder Wursttheken mit ihrer umständlichen Bestellung blockieren, oder gar an der Kasse den zu zahlenden Betrag bis auf den letzten Cent aus ihrer Geldbörse kramen. Auch Autofahrern, die Tempolimits einhalten und, im schlimmsten Falle sogar unterschreiten, könnte hier ein öffentlicher Rüffel erteilt werden. Unter »Radrowdys.de« könnte man Fahrradfahrer der allgemeinen Verachtung preisgeben, die unter Missachtung aller Verkehrsregeln, kämpferisch ihrer umweltfreundlichen Gesinnung nachgehen. Der Möglichkeiten sind viele. Unter »Dummschwätzer.de« gehören Zeitgenossen an den Pranger gestellt, die ihrer Gedankenleere unablässig verbalen Ausdruck verleihen und unter »Muffelkopf.de« gilt das Gleiche für Ehemänner, die Haushaltstätigkeiten boykottieren. Und erst die Raucher! Die Volksvergifter Nr. 1 hätte ich glatt vergessen! »Mordbuben.de« bietet sich hier als Name der App an. Was die SED nicht schaffte, die schöne neue Internetwelt macht es möglich. Wer auch immer einem auf den Sack geht, wird gemeldet. Wir werden ein Volk von Spähern! Mir persönlich gehen nur Mitmenschen auf den Geist, die von der Devise »Leben und leben lassen« noch nie gehört zu haben scheinen!

 

Tiertherapeuten von Elke Balthaus-Beiderwellen

Unser Schweizer-Senn-Hund braucht eine Therapie. Er leidet unter einem posttraumatischen Stresssyndrom. Neulich beim Bäcker band mein Mann ihn an einem 70 KG schweren Fahrradständer an und ging fröhlich Brötchen kaufen. Leider brauste ein Autofahrer auf den Parkplatz der Bäckerei und kam mit quietschenden Reifen dicht neben unserem Satchmo zum Stehen. Der verjagte sich so, dass er mit dem Fahrradständer im Schlepptau nach Hause raste. Seitdem muss der arme Hund nur eine bestimmte Schwelle auf dem Weg zum Bäcker überschreiten, und er macht auf den Hacken kehrt und rennt nach Hause. Zwar ohne Fahrradständer, aber dafür mit meinem Mann am anderen Ende der Leine. Es ist nichts zu machen. Das traumatische Ereignis grub sich fest in das Gedächtnis meines Lieblings-der Hund und nicht mein Mann. Tiertherapeuten gibt es viele. Bei einer Dame muss man nur ein Foto der Tieres schicken, und sie denkt sich auf telepathischem Wege in den Kopf des Tieres hinein und teilt dem Besitzer mit, was das Tier so denkt. Die Frau macht auch Hausbesuche. Bei diesen Besuchen findet sie durch intensiven Blickkontakt heraus, was den gebeutelten Hausgenossen bedrückt. Vielleicht war das ja die Lösung. Weiterlesen

Cinema for Peace von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es gibt Tage, an denen ich, wegen des Themas, über das ich schreibe, das Gefühl bekomme, mich über meine Tastatur erbrechen zu müssen. So auch heute. Bei der Cinema for Peace Gala am Rande der Berlinale hüllten sich Prominente, bei exzellentem Essen und Getränken in Rettungsfolie, um ihre Solidarität mit den Flüchtlingen auszudrücken. Eine gelungene Idee, aber ich hätte mir ein wenig mehr Realismus gewünscht. Bombenhagel und Sperrfeuer aus Schnellfeuergewehren, die Vergewaltigung der anwesenden Damen und die Flutung des Raumes bis zur Deckenhöhe wäre ein denkbares Szenario gewesen und hätte gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Bezeugung echter Solidarität und die Befreiung von gesellschaftlichen Schmarotzern. Ai Wei Wei, ein Künstler, dem keiner Beachtung schenkte, wäre er nicht in seiner Heimat verfolgt, stapelt derweil Rettungswesten zu Säulen auf. Auch hier fehlt es an Realismus. Viel effektiver wäre es doch gewesen, wenn er sich in einem maroden Schlauchboot auf die Fahrt über das eiskalte und stürmische Mittelmeer begeben hätte. Auch hier die zwei Fliegen mit einer Klappe: s.o. Die Flüchtlinge stellen sich den Westen als eine Art von Arche Noah vor, aber sie haben es eher mit der Titanic zu tun. Ein Vergleich, den ich an dieser Stelle vom Kabarettisten Andreas Rebers entlieh, weil er mir gut gefällt und weil er so zutreffend ist. Der Untergang Roms wurde nicht durch die Barbaren eingeleitet, die Römer sind an ihrer eigenen Dekadenz erstickt. Und so wird der Untergang des Abendlandes nicht durch die Flüchtlinge verursacht, den Untergang besorgt das übersättigte Abendland schon ganz allein.

 

Verantwortung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wie weit geht sie? Primär gilt sie erst einmal mir, denn wenn ich die Verantwortung für mich selber nicht übernehmen kann, wie sollte ich sie für jemanden anderen übernehmen? Was heißt überhaupt Verantwortung? Dass ich mir meines Tuns und der Kosequenzen, die sich daraus ergeben jederzeit bewusst bin. Das klingt anstrengend und ich habe den Eindruck, dass keiner bereit ist, sich diesbezüglich Mühe zu geben. Für meine körperliche Gesundheit ist mein Arzt verantwortlich, für meine psychische Gesundheit meine Mitmenschen, für meine Finanzen trägt »die Bank meines Vertrauens« die Verantwortung und die Verantwortung für mein Glück liegt in den Händen meines Partners, den ich mir noch nicht einmal selber wähle, sondern die Auswahl Partnerbörsen überlasse. Es gibt Onlineanbieter, die mir meine Garderobe »maßgeschneidert« zusammensuchen und zuschicken. Die Erziehung meiner Kinder liegt in den Händen von Erzieherinnen,Lehrern, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiten. Für meine hinfälligen Eltern engagiere ich eine Vollzeitpflegerin aus dem Osten, womit mir alle Zeit der Welt bleibt, mich um meine Befindlichkeiten zu kümmern und große Probleme, große Probleme sein zu lassen. Die Verantwortung für meine Ernährung überlasse ich Lebensmittelgroßkonzernen, rege mich hin und wieder darüber auf, dass sie es an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen, aber Verbraucherschutzorganisationen regeln auch das für mich. Weiterlesen

Gravitationwellen von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Astrophysik ist außer Rand und Band! Wurden doch erstmals Gravitationswellen nachgewiesen. Wer jemals den Hintern von Kim Kardashian oder den Busen von Beshine bewundern musste, war ohnehin von der Existenz dieser Wellen überzeugt. Es ist ja auch nicht vorstellbar, dass wenn Andrea Nahles und Siegmar Gabriel mit Altmeyer kollidieren, dies keine Auswirkungen auf die Raumzeit haben sollte. Sollten der Hintern von Kim mit dem Busen von Beshine zusammenstoßen, könnte man sich glatt eine Wellenbewegung bis hin zum Urknall vorstellen. Was hat das nun für praktische Auswirkungen? Wenn ich mir den Kopf stoße, verformt sich der Körper meines Hundes. Zwar nur im Millionstelmillimeterbereich, aber immerhin! Wenn sich hingegen Gedanken« eng im Raume stoßen«, passiert gar nichts, wie man an der Syrienkonferenz erkennt. Manchmal muss man eben mit Hämmern auf bestimmte Köpfe schlagen, damit sich überhaupt etwas rührt. Nach dem Motto: »Der Worte sind genug gewechselt. Lasst uns endlich Taten sehen!« Gott sei Dank haben wir jetzt den schlüssigen Beweis durch die Physik, dass sich etwas tun muss, bevor sich etwas tut.

 

Frauen! von Paul Wiedebach

Die Stimmung in unseren Haus ist reichlich unterkühlt. Meine Gattin und ich hatten eine Grundsatzdiskussion beim Frühstück. Es fing ganz harmlos an. »Liebst du mich eigentlich noch!«, fragte meine Holde. »Natürlich! Was für eine Frage!«, gab ich empört zurück. »Und? Warum sagst du mir das nicht öfter?« Beleidigte Miene. »Du sagst es mir nur, wenn ich mich danach erkundige.« Meine Angetraute ist das Licht meines Lebens. Ich dachte, dies hätte ich damit gezeigt, dass ich damals auf dem Standesamt Ja sagte. Wenn ich meine Meinung diesbezüglich ändern würde, wäre meine Frau die Erste, die es erführe. Damit ist für mich die Sache erledigt. Was ich einmal unter Beweis stellte, muss ich nicht in regelmäßigen Abständen neu beweisen. »Du sagst mir auch nie, dass du mich brauchst«, schniefte sie weiter. »Natürlich brauche ich dich! Ich habe doch keine Ahnung wie die Waschmaschine und der Trockner funktionieren. Von dem neuen Kaffeevollautomaten ganz zu schweigen.« Völlig falsche Antwort! »Oberhemden bügeln bekomme ich auch nicht hin«, versuchte ich, die Wogen zu glätten, »und du kochst eindeutig besser als ich.« Tatsachen sind nun mal Tatsachen! Wieso bekommt meine Teure die einfachsten Dinge immerzu in den falschen Hals? Weiterlesen

Aschermittwoch von Elke Balthaus-Beiderwellen

Während meiner Schulzeit erschienen meine Klassenkameradinnen am Aschermittwoch mit einem Aschekreuz auf der Stirn. Ich, die Protestantin, fragte natürlich nach der tieferen Bedeutung. Genau wurde mir meine Frage nie beantwortet; die Gekennzeichneten murmelten etwas von Sünde und Buße. Was, so überlegte ich damals, konnten die in Schutt und Asche gehenden groß verbrochen haben, denn zehnjährigen Mädchen traut man im Allgemeinen keine schwerwiegenden Sünden zu. Auf weitere Nachfrage kam so etwas wie Erbsünde dabei heraus, aber worin die bestehen könnte, darüber erhielt ich auch keine genaue Auskunft. Jedenfalls behielten die Sünderinnen ihr Stigma bis zum Ende des Schultages und darüber hinaus, obwohl ich, da ich es albern fand, riet, sich doch einfach das Gesicht zu waschen. Damals verstand ich noch nicht, dass es eben ein Zeichen der Besonderheit sein sollte. Wenn schon kein großer Geist, dann wenigstens ein großer Sünder. So wie jede Religion die eigene Besonderheit herausstreicht. Wenn schon nicht aus eigenen Können heraus, dann doch als Mitglied einer religiösen Gemeinschaft. Gott sei Dank(!) sind diese Zeiten in Deutschland überwunden, dachte ich, werde aber nach und nach eines Besseren belehrt. Weiterlesen

Ramsch von Elke Balthaus-Beiderwellen

„Spiegelfechterei“ Ursprünglich von der Ausübung des Fechtens zum Scherz oder zur Übung stammend wurde der Begriff zum Ausdruck für eine Aktion, die scheinbar sinnvoll oder bedeutsam ist, in Wirklichkeit aber nur zum Schein, in der Regel mit der Absicht der theatralischen Vortäuschung einer Sinnhaftigkeit oder Bedeutsamkeit ausgeführt wird. (Quelle Wikipaedia). Schöner kann man Politik nicht beschreiben. Sei es Seehofers Gepolter, sei es der Streit der Koalition über das Asylpaket II, sei es Erdogans Grenzschließung, sei es der Wahlkampf in den USA, wohin man auch sieht, Klone von Kim Yong Un bevölkern die Weltbühne. Über den möglicherweise schwachsinnigen Potentaten Nordkoreas regt man sich auf, aber wie war das nochmal mit dem Splitter im Auge des Gegenübers und dem Balken im eigenen? Wen wundert es da, dass die Zahl der Nichtwähler unaufhörlich steigt. Es wird nicht mehr geredet; es wird nur noch geplappert. Weiterlesen