Smartphone von Elke Balthaus-Beiderwellen

Zugegeben Autofahren ist langweilig und da wird sich gerne per Smartphone ein wenig Unterhaltung verschafft. Unfallursache Nummer 1 in Deutschland, denn eine Sekunde auf das Handy geblickt, bedeuten 15 Meter absoluten Blindflug! Ist ja auch zu verführerisch. Da plinkt eine SMS oder MMS und, da jede Text- oder Bildnachricht das eigene Leben von Grund auf verändern könnte, reicht die Zeit nicht, um eben rechts ranzufahren, um in aller Ruhe zu checken, worum es sich handelt. Meistens dreht es sich um Fotos irgendwelcher Mahlzeiten von irgendwelchen Freunden, sinn- und wahllos zusammengestellte Emoticons und Botschaften, die einen nicht die Bohne interessieren, aber, da die Hoffnung zuletzt stirbt, riskiert man im besten Falle 85 Euro und einen Punkt in Flensburg und im schlechtesten Falle Kopf und Kragen. Gott sei Dank sind diese Delinquenten meist derart mit ihren Smartphones beschäftigt, dass sie den Polizeiwagen im Rückspiegel oder nebenan auf gleicher Höhe nicht bemerken, sodass diese Verkehrssünder häufig zur Kasse gebeten werden können, aber, die Zahl der Unentdeckten ist hoch und so mancher Fußgänger oder Radfahrer landet unsanft auf der Kühlerhaube, nur weil ein Grinsesmiley versendet werden musste. Wessen Smartphone sich regt, der ist wichtig! Es handelt sich also um einen Fall von Selbstaufmerksamkeit, die Steuer und Straße in den Hintergrund rücken lässt. Weiterlesen

IS von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die großen Jungs spielen wieder »Räuber und Gendarm«, und alle sind mit blindem Aktionismus dabei. Putin und Obama, Hollande, Erdogan und Cameron. China überlegt noch, während Tunesien voll dabei ist. Nur Merkel ziert sich noch. Kein Wunder, ist sie doch vermutlich eine Frau. Alles gut und schön, aber solange nicht klar ist, wer hier der Räuber und wer der Gendarm ist, sitzen die IS-Kämpfer gemütlich in ihrer Jurte und lachen sich kaputt. Putin für Assad, aber gegen die Turkmenen. Erdogan für die Turkmenen, aber gegen die Kurden. Obama prinzipiell gegen Putin und damit auch gegen Assad. Hollande nach den Pariser Anschlägen gegen alle und Cameron gegen alles, wogegen die USA sind. Es ist viel Bewegung im syrischen Luftraum, da wird sich schon einmal leicht gegenseitig abgeschossen und einander der schwarze Peter zugeschoben. Wenn ich mir das Chaos so anschaue, bewundere ich das Zustandekommen der Allianz gegen Nazideutschland. Und genau da liegt der Hund begraben. Weiterlesen

Euroscheine von Elke Balthaus-Beiderwellen

Nachdem sich der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger als Fälschung erwies, werden nun alle Zwanzig-Euro-Scheine ersetzt. Auf dem neuen Schein wechselt die smaragdgrüne Zwanzig beim Kippen die Farbe. Ob Theo Zwanziger beim Kippen ebenfalls Farbe bekennt, ist nicht erwiesen. Trotzdem kann die deutsche Bevölkerung sich durch Kippeln davon überzeugen, dass sie es wenigstens in der Geldbörse mit echten Zwanzigern zu tun hat. Im Übrigen bin ich pausenlos damit beschäftigt, jeden Geldschein durch Kippen, gegen das Licht halten, Lupenvergleiche mit anderen Scheinen und diversen Reibebewegungen auf seine Echtheit hin zu überprüfen, besonders, wenn er gerade frisch aus dem Geldautomaten kommt, denn bei Banken weiß man ja nie. So verbringe ich Stunden vor den Ausgabefächern der Automaten, auch wenn sich hinter mir bereits eine protestierende Menschenschlange formierte, denn man will ja nicht in den Verdacht kommen, falsche Geldscheine in Umlauf zu bringen, besonders, weil schon genug falsche Fuffziger unter unseren Mitmenschen unterwegs sind. An den Supermarktkassen der Discounter bereitet diese Echtheitsprüfung jedes herausgegebenen Geldscheines tierisches Vergnügen, denn es ist jedes Mal erstaunlich, wie kurz die Geduldsfäden in Bezug auf einen besorgten Bürger wie mir sind. Da die meisten deutschen Bürger im Moment äußerst besorgt sind, möchte man nicht abseitsstehen, darum mache ich mir halt Sorgen um Falschgeld, stoße aber auf wenig Verständnis. Weiterlesen

Adventsdekoration von Paul Wiedebach

Seit zwei Wochen liege ich auf der Lauer. Ich lasse meine Gattin nur äußerst ungern alleine aus dem Haus, denn sie unterliegt ihrem jährlichen Adventsdekofimmel. Wenn sie es doch schafft, sich heimlich herauszuschleichen, muss sie sich vor ihrem Eintritt einer Taschenkontrolle unterziehen, damit sie keine neue Weihnachtsdekoration ins Haus schmuggelt. Heerscharen von Engeln bewohnen unseren Keller. Die Lichterketten reichen aus, um ganz New York zu beleuchten, alle Sterne des Universums lagern bei uns in Kisten und Kästen und der Keller wirkt, als hätten sich dort mehrere Feen aus dem Märchenland gründlich erbrochen, aber irgendwie scheint immer noch etwas zu fehlen. »Wir haben gar keine leuchtenden Elche«, beklagte sie sich letztens. Woraufhin ich fragte, was denn Elche mit Advent, oder mit Weihnachten zu tun hätten, denn meines Wissens, wären um die Krippe keine Tiere dieser Art versammelt gewesen. Schon gar nicht beleuchtet. »Und LED- Lichternetze für die Büsche in unserem Vorgarten fehlen auch! Oder besser noch! Es gibt jetzt LED-Bäumchen, da können wir eine Lichterallee zu unserer Hautür kreieren! Außerdem gibt es jetzt LED-Schläuche für die Dachrinnen« Weiterlesen

Zeit von Elke Balthaus-Beiderwellen

Alles kommt wie immer sehr plötzlich. Plötzlich ist man sechzig Jahre alt und bekam das Leben dazwischen gar nicht mit. Plötzlich stehen tausende von Flüchtlingen vor unseren Grenzen und wir fragen uns, wo die auf einmal herkommen. Plötzlich, und das passiert jedes Jahr, ist Winter, womit Ende November so gar nicht zu rechnen war, und man landet mit seinen Sommerreifen, wenn man Glück hat im Straßengraben, wenn man Pech hat, wickelt man sich um einen Baum. Saßen wir nicht noch gestern friedlich in einer lauen Sommernacht um den Grill vereint? Und jetzt Schnee und Blitzeis, wie kann das sein? Wer hat an der Uhr gedreht? Irgendein unfreundlich gesonnener Dämon dreht unaufhörlich an den Zeitzeigern, sodass wir gar nicht mitbekommen, dass sie vergeht. Rund um uns herum sind alle Zeitabläufe und deren unweigerliche Konsequenzen absehbar. Aber uns, uns passiert so etwas nicht. Plötzlich sind wir unversehens die Hauptperson bei einer Beerdigung und bekamen es bis zum endgültigen Schluss nicht mit. Weiterlesen

Advent von Witwe Clausen

Gestern Abend klingelte jemand bei mir Sturm. »Wer mag das sein?«, fragte ich mich und stürzte zu Tür. Durch die Glasscheibe erkannte ich Gisela, meine Nachbarin, die nervös von einem Bein auf das andere tänzelte. Kaum, dass ich geöffnet hatte, stürmte sie auch schon an mir vorbei und steuerte meine Küche an. »Ich brauche etwas Hochprozentiges! Was ist mit unserem Weihnachtsmarkt? Geht man da hin, geht man da nicht hin? Was ist mit den Enkelkindern? Nimmt man sie mit? Nimmt man sie nicht mit? Ich meine, um uns ist es ja nicht mehr schade, aber unsere Jugend! Die hat doch das Leben noch vor sich!« Was war hier los? Ich schloss meine Haustür und folgte der Tobenden. »Man ist doch seines Lebens nicht mehr sicher! Hast du gehört, was unser Innenminister mit dem Franznamen gesagt hat? Wenn er die Fragen zur Sicherheit beantworten würde, wären wir noch mehr verunsichert. Da ist doch was im Busch!« Allmählich dämmerte es mir, dass es um die Anschläge von Paris ging. Weiterlesen

Paris von Elke Balthaus-Beiderwellen

Vor dem Bataclan wollten hochwichtige Imame ihre Trauer über das dort stattgefundene Massaker bekunden, als einer von ihnen plötzlich von einer wütenden Muslima gerufen wurde. Er beachtete sie nicht, denn er musste ein hochwichtiges Interview vor laufenden Kameras geben. Die Frau wurde von einem Reporter auf den Grund für ihre Wut angesprochen und sie berichtete sinngemäß weiterhin äußerst aufgebracht, dass Moscheen mit Hasspredigern geschlossen werden müssten. Sie, die Imame, trügen die Schuld daran, dass ihre Kinder getötet werden, weil sie den schwarzen Schafen unter ihnen keinen Einhalt geböten. Das brachte mich zum Nachdenken. Ständig steht die Frage im Raum, was die westliche Kultur gegen die Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen tun kann, ohne zu fragen, was tun die Muslime selbst dagegen? Weiterlesen

Physik von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute Morgen übte ich eine Tätigkeit aus, die mir die epochale Sinnlosigkeit jeglichen menschlichen Tuns vor Augen führte und mir meine Geworfenheit in die ewige Entropie des Universums verdeutlichte. Kurz gesagt, ich wischte Staub. »Staub bist du und zu Staub sollst du wieder werden«, murmelte ich vor mich hin, während ich in die Tiefen der Quantenphysik eintauchte und mich den allerkleinsten Ritzen und Vorsprüngen widmete. »Und schon Morgen wird all deine Mühe vergeblich gewesen sein«, mahnte die Stimme der Vernunft in mir. Trotzdem fuhr ich fort, im unendlichen Chaos des Weltalls eine Enklave der oberflächlichen (!) Ordnung zu schaffen. »Wo geht der Staub hin, wenn ich ihn wische?« Weiterlesen

Helmut Schmidt

Hans-Dietrich Genscher äußerte heute Morgen einen bemerkenswerten Satz zum Tode von Helmut Schmidt. »Er zeigte uns den Unterschied zwischen einem Politiker und einem Staatsmann.« Darüber muss ich immer noch nachdenken. Vielleicht liegt der Unterschied darin, dass ich mir ein Deutschland ohne Schmidt nicht vorstellen kann, während das, was sich jetzt als Regierungsmitglied ausgibt, da sein könnte, oder auch nicht; es würde keinen Unterschied machen. Der Politiker als solches ist austauschbar; er hinterlässt keine Vakanz. Vermisst irgendjemand Schröder oder Kohl? Erinnert man sich, außer an Adenauer noch an die diversen Bundeskanzler oder Oppositionsführer? Strauss ist mir noch im Gedächtnis; der Rest kommt in meiner Erinnerung nicht vor. Weiterlesen

Wahrsagerei von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Welt ist ein wahrhaft wundersamer Ort. So hätte ich heute Morgen im »Richtig oder falsch Spiel« im ZDF-Moma garantiert keine zwei Tassen gewonnen. Es ging darum, ob niederländische Arbeitsämter die Kosten für die Umschulung zum Wahrsager übernehmen. »Natürlich nicht«, teilte ich dem Fernseher im Brustton der Überzeugung mit und lag falsch! Was mich jetzt zu der Überlegung bringt, ob es Seminare für Wahrsager gibt, denn schließlich kann ja nicht jeder mit Kristallkugel, Kaffeesatz, Pendel und Tarotkarten herumhantieren. Oder doch? Muss ich unbedingt googeln! Dies hier fand ich: Weiterlesen