Hunde III von Elke Balthaus-Beiderwellen

Irgendwo in Afrika ist ein Museum geplant, das die kuriosen Sitten der Deutschen in Bezug auf ihre Hunde zeigt. So wie wir uns über seltsame Gebräuche aus dem schwärzesten Afrika wundern, ist uns die Verwunderung der Afrikaner gewiss, wenn sie sehen, welchen Aufwand wir mit unserem Kindersatz treiben, der auf ihren Kontinent als wild streunend und gefährlich gilt. Von Diamanthalsbändern über exklusive Trachtenbekleidung, von Schönheitssalon über Wellnessoasen, von Luxusfutter über Prachtbestattungen, nichts erscheint für den »besten Freund des Menschen« gut genug. So wie uns Schamanentänze, die wenigstens im Keim noch einen Sinn besitzen, befremdlich erscheinen, mag beim Afrikaner der Kult um unsere Vierbeiner, der noch nicht einmal im Keim einen Sinn besitzt, Erstaunen, wenn nicht Entsetzen hervorrufen. Weiterlesen

Wettervorhersagen

Im Morgenmagazin lässt die FU Berlin Studenten 24 Stunden lang händisch per Augeneindruck, wie Benjamin Stöwe so schön bemerkte, und per Gerät beobachten. Eines dieser Geräte wurde heute Morgen geöffnet und ich war auf das hochtechnische Innenleben gespannt. Die komplizierte Anlage zur Messung der Luftfeuchtigkeit warf mich fast über den Haufen. Es handelte sich, sage und schreibe, um ein aufgespanntes, blondes Frauenhaar! Da sich blonde Frauenhaare bei Feuchtigkeit mehr ausdehnen, als rote oder brünette, von schwarzen ganz zu schweigen, dienen diese als Messlatte. Jetzt habe ich in dem Kasten nur noch den kleinen Frosch erwartet, der Hoch- und Tiefdruckgebiete ankündigt. Ein schlichter Pappbecher auf dem Gerät könnte die Niederschlagsmenge anzeigen und die »händisch« beobachtenden Studenten könnten Wolkenbildungen voraussagen. Wahrscheinlich befindet sich in einigen dieser Messstationen noch das gute alte Wetterhäuschen mit lächelndem Weibchen und griesgrämig mit einem Regenschirm ausgestatteten Männchen. Weiterlesen

Genügsamkeit von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wenn ein Wort in Vergessenheit geraten ist, dann ist es der Ausdruck »genug«, denn es scheint nichts niemals mehr genug zu sein. Genug gearbeitet, genug gegessen, getrunken, gegrübelt, geängstigt, gestresst, gesorgt, geärgert, gequält, gescheffelt und gelebt. Was wir auch anfangen, wir scheinen nicht mehr aufhören zu können. Das Schlimmste von allen, wir sind uns selbst nicht mehr genug. Kein Ausruf im Sinne von »es reicht« weit und breit. Ständig muss »noch etwas draufgelegt werden«. Unser Intellekt, von der Evolution als Überlebensfaktor gedacht, leitet nach und nach unseren Untergang ein. Wir hören auf nichts und niemanden. Nicht auf unseren Körper, nicht auf die Natur und schon gar nicht auf die Vernunft. Genügsamkeit ist zum Fremdwort geworden. Wobei »höher, schneller, weiter« zwar rasant, aber doch sehr unzufrieden sterben lässt. Wenn ich als Kind mit dem Kopf durch die Wand wollte, bekam ich von meiner Großmutter zu hören: » Plärr nicht rum, sondern lass es doch mal genug sein Kind!«Und, wie so immer, behält sie sogar im Bezug auf die gesamte Menschheit recht. Weiterlesen

Disziplin von Elke Balthaus-Beiderwellen

Amerikanische Forscher fanden heraus, dass Menschen, die ihre Betten machen, mit sich und der Welt zufriedener sind, als diejenigen, die abends in dieselbe verknüllte und vermiefte Koje kriechen, aus der sie sich morgens herausquälten. Minimale Selbstdisziplin führt demnach zu erstaunlichen Ergebnissen. Demnächst kommt noch heraus, dass Normalgewichtige ihr Spiegelbild mehr mögen als Dickerchen, Nichttrinker seltener einen Kater aushalten müssen als Alkoholiker und Zahnputzfanatiker sich häufiger bis ins hohe Alter ihrer eigenen Zähne erfreuen können als Zahnbürstenmuffel. Sportfreaks sind fitter als Couchpotatoes und Raucher husten mehr als Nikotinphobiker. Der Tritt in den eigenen Hintern garantiert einen Zuwachs an Lebensqualität. Wer hätte das gedacht? Weiterlesen

Jungbrunnen von Witwe Clausen

Manchmal kann ich nicht widerstehen. In Apotheken und Drogeriemärkten stehe ich vor den Heilsverkündern ewiger Jugend und ich erwische mich dabei, wie eins dieser Wunderprodukte, allein durch mein Unterbewusstsein gesteuert, in meinen Einkaufskorb wandert. Zu meinem Glück komme ich auf dem Weg zur Kasse meist wieder zu Verstand, kehre um und lege die überteuerten Betrugsmittelchen ins Regal zurück. Ich denke dann an meine Urgroßmutter, die sich, wie sie wortwörtlich betonte, so eine Scheiße noch nie ins Gesicht, geschweige denn auf die Haare klatschte. Trotzdem sah sie mit ihren vierundneunzig Jahren nicht aus, wie ein, seit langem verschrumpelter Pfirsich, sondern bewahrte sich bis ins hohe Alter eine Jugendfrische, die allein ihren Genen und ihrem Geist zu danken war. Darf man eigentlich noch in Würde altern? Weiterlesen

Herbstrecht von Elke Balthaus-Beiderwellen

Ja, so sind die Deutschen! Herbstrecht und Herbstpflicht stehen weit oben auf ihrer Liste. Anstatt sich über die bunten Blätter zu freuen und raschelnd durch sie hindurchzulaufen, macht man sich Gedanken darüber, wer für das einzelne, heruntergefallene Blatt zuständig ist. Man hat ja auch nicht Besseres zu tun, wenn man auf einem nassen Herbstblatt ausrutscht, sofort zu nachtschlafender Zeit den entsprechenden Hausbesitzer oder Mieter herauszuklingeln und ihn auf seine Kehr- und Haftpflicht aufmerksam zu machen. Ich jedenfalls käme nicht auf den Gedanken. Wobei ich mir, je besser ich meine Zeitgenossen kennenlerne, durchaus vorstellen kann, dass dies deutschlandweit passiert. Nach der Kehrpflicht kommt die Streu- und Räumpflicht. Keiner denkt dabei an die Kinder. Wir nehmen ihnen das Vergnügen durch buntes Laub zu rascheln oder durch knirschenden Schnee zu toben. Ich warte noch auf eine allgemeine Helm- Ellbogenschoner- und Knieschonerpflicht für Fußgänger im Herbst und Winter, denn selbst ein einzelnes Blatt oder drei Schneeflocken können lebensgefährlich sein. Allgemein wird vergessen, dass das Leben vor allen Dingen eines ist- lebensgefährlich. Da kann eine Kastanie oder eine Eichel, die einem vor die Füße oder auf den Kopf fällt schon einmal mit einem gewissen Risiko verbunden sein. Am besten, man geht gar nicht mehr aus dem Haus. Und, wenn die Technik weiterhin solche Fortschritte macht, wird es bald auch nicht mehr nötig sein, sich dem Unannehmlichkeiten der Jahreszeiten auszusetzen. Was ist eigentlich im Sommer? Müsste nicht jeder Bewohner vor dem Haus eine Markise aufspannen, die den Gehweg mit beschattet, um zufällige Passanten nicht dem Risiko eines Sonnenstiches auszusetzen? Hier bestehen noch gewaltige Lücken, was die allgemeinen Bürgerpflichten betrifft. Was tun bei Platzregen? Vor dem eigenen Haus Wache halten, um sofort etwaige Pfützen zu beseitigen, damit sich keiner nasse Füße und womöglich einen Schnupfen holt, der in eine Lungenentzündung ausarten kann? Es ist immer gut, wenn es einen gibt, der für die eigene Blödheit haftet. Gehe ich im tiefsten Winter mit Ledersohlen oder High Heels aus dem Haus, ist es doch schön, wenn ich einem anderen dafür die Verantwortung in die Schuhe schieben darf(!). Wer seine Sinne beisammen hat, sollte sie auch einsetzen, damit er auf sich selber aufpasst. »Es könnte glatt sein«, sollte einen zu angemessenem Gehverhalten veranlassen und der Rest der Welt sollte in Ruhe gelassen werden!

 

Intoleranzen von Dr. Bremer

Langsam aber sicher werde ich zum Allergiker. Ich verspüre eine zunehmende immunologische Überreaktion gegenüber Patienten mit Glutenunverträglichkeit und Laktoseintoleranz. Der prozentuale Anteil der deutschen Bevölkerung liegt bei der Sprue, wie die Glutenunverträglichkeit auch genannt wird, bei 0.5-1.0. und bei der Laktoseintoleranz bei ca. 15. Allmählich bekomme ich den Eindruck, dass sich alle Betroffenen ausgerechnet bei mir in der Praxis einfinden. Durchfälle besitzen mannigfaltige Ursachen, aber keiner meiner Patienten kam jemals auf den Gedanken, dass es sich bei ihm um eine Alkoholunverträglichkeit, oder eine Intoleranz gegen schlichtes Überfressen handeln könnte. Der Darm gibt gerne Alarm. Er meldet sich bei jedem Zuviel! Besonders irritierend finde ich es, wenn ich meine Laktoseintoleranzler sonntags im Café vor riesigen Sahnetortenstücken sitzen sehe, die sie, ohne weiter darüber nachzudenken, problemlos vertragen. »Aber um Gottes willen Herr Doktor, niemals ein Glas pure Milch! Die vertrage ich nämlich nicht!« Wenn der Kinderbauch revoltiert, ist nicht übermäßiges »gesundes Naschen« die Ursache, sondern das Vollkornbrötchen am Morgen! Weiterlesen

Internetdoktoren von Paul Wiedebach

»Zu viele Pornos machen impotent!«, ruft meine Frau aus ihrem Arbeitszimmer.

»Wer behauptet das?«, brumme ich zurück.

»Der Internetdoktor!«

»Seit wann frequentierst du Scharlatane im Internet?« Mist, jetzt hatte ich gerade ein tolles Thema für meine heutige Kolumne gefunden und nun ist es wie weggewischt. Ich starre auf den Bildschirm meines Laptops in meinem Arbeitszimmer, auf dem nur das Wort »Warum« prangt.

»Das ist kein Scharlatan, sondern ein renommierter Internist!«, hallt es zu mir herüber. »Wahrscheinlich liegt es an einer Überreizung der männlichen Sinne durch extreme Sexdarstellungen. Damit kommen sie in der Realität nicht mehr klar. Die Reizschwelle wird so erhöht, dass die eigene Ehefrau wie Pumpernickel neben einer Sahnetorte erscheint.«

Jetzt ist es mit meiner Kolumne ganz vorbei, denn ich bekomme das Bild nicht mehr aus dem Kopf. Weiterlesen

Evolution 2.0 Von Elke Balthaus-Beiderwellen

Forscher in den Rocky Mountains fanden heraus, dass die Zungen von Hummeln in nur 40 Jahren um 25% schrumpften. Aufgrund des Klimawandels starben viele Nahrungspflanzen mit langen Blütenkelchen aus und mit der verkürzten Zunge können die Hummeln auf andere Pflanzen ausweichen. Wenn wir an die Evolution denken, haben wir immer Jahrmillionen im Kopf, was offensichtlich falsch ist. Was sagt uns diese superschnelle Reaktion in Bezug auf den Menschen? Da wir nur noch auf Displays starren, könnte sich der Augapfel des Homo sapiens in nur wenigen Jahrzehnten verlängern, sodass Kurzsichtigkeit zum Normalzustand wird. Aufgrund de Kommunikation per Kurzmitteilung und per Emoticon ist mit einer Verkümmerung des Sprachzentrums zu rechnen, sodass Gespräche sich auf den Austausch von Grunzlauten beschränken. Weiterlesen

Päpste von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Blinden diskutieren einmal mehr über Farben. Die Bischofssynode tagt über Ehe und Familie. Wobei ich eins nicht verstehe, wenn Franz I so ein rigoroser Reformer ist, warum paukt er seine Forderungen zur Erneuerung der Kirche nicht durch? Ich meine, geht es höher als der Papst? Wer nur Gott Rede und Antwort stehen muss, kann doch tun, was er will! Vielleicht hat er ja Angst vor den finsteren Tagen des Vatikans, in denen unangenehme Päpste mal einfach mir nichts dir nichts von der Bildfläche verschwanden. Mit ein bisschen Gift an der richtigen Stelle und am richtigen Ort lässt sich ein plötzlicher Tod leicht bewerkstelligen, und da Päpste sich im Allgemeinen in einem Alter befinden, in dem der Sensenmann täglich vor der Tür stehen kann, würde sich keiner allzu sehr wundern, wenn Franziskus morgens nicht mehr aufwacht. Einen äußerst kurzfristigen Papst hatten wir bereits. Weiterlesen