Abschied von Elke Balthaus-Beiderwellen

Launenhaft warst du. Triebst mir den Schweiß auf die Stirn und jagtest mir Schauer über den Rücken. Ich wusste nie, wie ich dir begegnen sollte. Nächtelang lag ich wach wegen dir und am Tage schimpfte ich unablässig über dich. Egal wie sehr ich auch tobte, du ließt dich nicht beeindrucken, sondern bliebst dir selber treu. Wahrscheinlich ist meine geringe Akzeptanz dir gegenüber der Grund dafür, dass du jetzt gehst. Ich weine darüber und weiß nicht, ob ich dich in der Form zurückbekomme, wie du in den letzten Monaten warst, denn gar so übel spieltest du mir nicht mit. Heute, an unserem letzten Tag will ich dich nicht scheiden lassen, denn alles, was kommt, kann nur schlechter sein als du. Du lässt mich mit verbrannter Haut und äußerst verschnupft zurück. Oft genug brachtest du mein Fass zum Überlaufen, während du an anderen Tagen dafür sorgtest, dass ich mich wie ausgetrocknet fühlte. Von diesem Wechselbad bin ich ausgelaugt und trotzdem will und kann ich dich nicht gehen lassen. Unbeeindruckt von meiner Trauer und meiner plötzlichen Sehnsucht nach dir, wendest du dich ab, um in anderen Gefilden, in denen du vielleicht mehr geschätzt wirst, dein Glück zu suchen. Mir bleibt nichts anderes übrig als dich ziehen zu lassen, obwohl graue, winddurchtoste Monate vor mir liegen. Darum sage ich dir jetzt Lebewohl und kann unser Wiedersehen kaum erwarten, denn die Zeit mit dir, so wechselhaft sie auch sein mag, ist die schönste für mich. Meine Tage sind heller mit dir. Mach es gut, geliebter Sommer!

 

Volksverhetzung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Justizminister Maas forderte Facebook in einem Brief dazu auf, rechtsradikale Äußerungen, Links und etliches mehr zu blockieren. Rein rechtlich sei das soziale(!) Netzwerk verpflichtet jeder Volksverhetzung vorzubeugen. Was mich zu der Frage bringt, was ist eigentlich Volksverhetzung? Wie ist sie nach Jahrzehnten der Aufklärung überhaupt noch möglich, wo doch jeder weiß, dass selber denken klug macht. Was ist aus dem guten alten Kant geworden mit seinem Aufruf: » Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!« Weiterlesen

Pumuckl von Elke Balthaus-Beiderwellen

Nun hat der Drang sich selbst und vor allen Dingen andere durch Vorwürfe zu optimieren sogar die Welt der Kobolde erreicht. Pumuckl sollte einer strengen Diät unterzogen werden und seines niedlich anzusehenden Bäuchleins verlustig gehen. Ich finde ja auch, die Hobbits sollten sich endlich einmal die Fußrücken rasieren und Gollum täte die eine oder andere Schönheits-OP nicht schlecht. Wieso ist Gandalf nicht mit einem hochmodischen Dreitagebart versehen und wieso unterzieht sich der dunkle Herrscher nicht endlich einer Lidstraffung? Fragen über Fragen. Wieso trägt der Teufel immer noch einen Pferdefuß in Zeiten künstlicher Gliedmaßen? Und bräuchte unsere Kanzerin nicht auch einmal eine Generalüberholung? Sähe sie aus, wie die Wagenknecht; sie läge in den Umfragen bei einhundert Prozent! Wieso komme ich jetzt vom Teufel direkt auf Merkel? Keine Ahnung! Weiterlesen

Rosa Viagra von Paul Wiedebach

»Was hieltest du davon, wenn ich die Viagra-Pille für die Frau ausprobierte?« Die Frage meiner Göttergattin kam heute Morgen dermaßen überraschend, dass ich mich an meinem Brötchen verschluckte. Sofort sprang sie auf und klopfte mir hilfreich auf den Rücken. »Für wen nähmst du das Zeug denn, für dich oder für mich?«, erkundigte ich mich, als ich wieder Luft bekam. Die Vorstellung, meine Frau könnte sich in eine Art von unersättlicher Nymphomanin verwandeln, behagte mir nicht. Was ist, wenn sie nicht auf mich Appetit bekommt, sondern auf andere Männer? »Genau, das ist mein Problem«, erwiderte sie. »Nicht, dass ich mit unserem Sexualleben unzufrieden wäre, aber was ist, wenn Höhepunkte bis ins unendliche steigerbar wären und ich erführe es nie? Andererseits, was hätte ein Christian Grey von einer frigiden Anastasia?« Weiterlesen

Nachbarschaft von Elke Balthaus-Beiderwellen

Der liebe Nachbar darf sich hüllenlos im eigenen Garten präsentieren, auch wenn die eigenen Kinder davon einen Schock für das Leben erhalten. Solange er nicht aus sexuellen Motiven Hand an sich legt, ist im eigenen Garten erlaubt, was gefällt. Hunde müssen sich hingegen an gewisse Bellzeiten halten. Von dreizehn Uhr bis fünfzehn Uhr ist die Mittagsruhe zu beachten und nach zweiundzwanzig Uhr hat Grabesruhe zu herrschen. Dies gilt auch für Kinder, die zwar nicht bellen, aber sich doch für einen gewissen Lärmpegel verantwortlich zeichnen. Belästigte Nachbarn sollten hier Lärmprotokolle führen und kurze Audioclips mit eingeblendeter Uhrzeit anfertigen. Weiterlesen

Flibanserin von Elke-Balthaus-Beiderwellen

Darauf habe ich nur gewartet. Nachdem uns die Pharmaindustrie durch die Pille hormonell durcheinanderbrachte, sodass wir durch einen Eisprung nicht mehr wissen können, wer der beste Erzeuger für uns ist, und uns gleichzeitig den Brustkrebs bescherte, wollen sie uns jetzt psychisch so durcheinander bringen, dass wir sogar Lust auf Vertreter des männlichen Geschlechtes empfinden, die uns meilenweit unterlegen sind. Geht es noch? Ich traf noch niemals eine Frau, die nicht durch eigene Aktivitäten zum Orgasmus gekommen wäre. Lust auf sich selber scheint demnach kein Problem zu sein. Was bei den Männern eher der Fall ist, denn ohne Viagra könnten sie sich selber noch nicht einmal selbst befriedigen. Weiterlesen

Wachhunde Von Elke Balthaus-Beiderwellen

Bei uns herrscht strenger Schichtwechsel. Sobald ich mich in mein Bett zurückziehe, um ein wenig Augenpflege zu betreiben, übernimmt Satchmo, unser Großer Schweizer Sennhund, die volle Verantwortung für Haus und Hof. Er postiert sich in der oberen Etage am Fenster und bellt, was das Zeug hält und sei es auch nur wegen eines Flug- oder Krabbelinsektes, das sich dorthin verirrte. Von seinem erhöhten Posten aus überblickt er große Teile der Hauptstraße vor unserem Heim und jeder harmlose Passant wird intensiv verbellt, damit er es nicht wagt, in die Nähe der Haustür zu kommen, auch wenn er es gar nicht vorhatte. Diese lautstarken Attacken halten so lange an, bis ich entnervt aufstehe. Sobald Satch hört, dass ich vehement meine Bettdecke zurückschlage, schließt er seine Augen und gibt nach spätestens zwei Sekunden ein tiefes Schnarchen von sich. Sein Wachdienst endet, wenn ich übernehme, und zwar rund um die Uhr! Weiterlesen

Hormone von Paul Wiedebach

Zurzeit sitze ich auf einem Pulverfass. Vor genau einer Woche stellte meine Göttergattin die Einnahme ihrer Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden ein und seitdem analysiere ich jede ihrer Reaktionen auf Anzeichen von frühzeitiger Altersdemenz, psychotischer Störungen und entzugsbedingten Entgleisungen. Ich lasse sie nicht mehr aus den Augen, was bei ihr zu einer erhöhten Nervosität führt, von der ich jetzt nicht sagen kann, ob sie auf den Hormonmangel oder auf meine erhöhte Wachsamkeit zurückzuführen ist. »Was starrst du mich immer so an?« Diese Beschimpfung anstatt eines fröhlichen guten Morgens, bringt mich arg in Versuchung bei ihrem Gynäkologen anzurufen und hormonellen Nachschub zu bestellen. Ich finde auch, dass sie mehr seufzt und schnauft als vor einer Woche. Und, ist der leichte Flaum über ihrer Oberlippe als beginnender Damenbart zu deuten? Weiterlesen

Kinderfeindlichkeit von Tanja K.

Deutschland ist nicht kinderfeindlich, sondern hoch allergisch gegen Eltern, die ihre Kinder nicht im Griff haben. Wenn ich im Supermarkt von Dötzen überrannt und angerempelt werde und die liebe Mama nur ein verständnisvolles Lächeln für die Unarten ihrer Sprösslinge übrig hat, bei der Quengelware endlos quengeln lässt, bevor sie dann doch nachgibt und mir dann noch einen triumphierenden Blick nach dem Motto: Was bin ich doch für eine Supermutti, zuwirft, dann läuft mein Geduldsfass über. Der öffentliche Raum wird zunehmend dazu genutzt, seine Brut ihre Wege gehen zu lassen, denn schließlich muss jede Helikoptermutter sich schließlich auch einmal erholen. Ob in Wartezimmern, Supermärkten, Schwimmbädern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, hier dürfen die Eltern ihre unendliche Toleranz beweisen. Kommt ein unbeteiligter Dritter dazu, schon endet die Verantwortung der Erziehungsverpflichteten, nicht berechtigten-wohlgemerkt. Weiterlesen

Kos von Paul Wiedebach

Urlaubern auf der Insel Kos, oder Mittelmeerkreuzfahrern vor dem Eiland bietet sich die einmalige Möglichkeit humanitäre Größe zu zeigen. Anstatt die syrischen Flüchtlinge nur zu begaffen, könnten sie ihnen ihre Quartiere zur Verfügung stellen. Wahre Willkommenskultur zeigt sich darin, Tisch und Bett mit Fremdlingen zu teilen und Gutmenschen, die nur »gut reden« könnten beweisen, dass sie auch meinen, was sie lauthals verkünden. Mich wundert, dass von Seiten der Urlauber, unter denen sich bestimmt auch einige Lehrer, Sozialpädagogen, Theologen und Parteiangehörige der Grünen, sowie der Linken befinden, noch kein diesbezüglicher Vorschlag an die griechische Regierung gemacht wurde. Nur mal eben Zwei-Mann-Zelte an den Strand zu stellen, ist genau so ein Wischiwaschi, wie es sich in den verbalen Äußerungen der »Wir haben uns alle Lieb- Fraktion« findet. Also her mit den Feldbetten und rein damit in die fünf Sterne Suite, oder in die Oberdeckkabine mit Balkon! Hier kann man echten persönlichen Austausch mit fremden Kulturen pflegen, was ja die Sehnsucht so manches Fernreisenden zu sein scheint und sie nicht nur aus sicherer Entfernung begutachten!