Cecil von Paul Wiedebach

Meine Frau ist sauer auf die gesamte Männerwelt, mich eingeschlossen. Dabei war ich es doch gar nicht! Ich war nicht in Afrika und schoss den berühmtesten Löwen des Kontinents Cecil tot. Jedenfalls tänzelt meine Gattin wütend durch das Haus und murmelt Dinge wie Steinzeithirne, Primitivlinge und ewige Adoleszenten vor sich hin. Ich wage kaum, sie anzusprechen. Ich bin ein Mann und das genügt, um ihren Zorn immer wieder neu zu entfachen. Also zog ich mich in mein Arbeitszimmer zurück und warte, bis der Sturm sich gelegt hat. Noch nicht einmal ein Frühstück bekam ich. Mein Magen knurrt munter vor sich hin. Nur eine einzige Tasse Kaffee ergatterte ich, als sich meine Frau in den oberen Räumen aufhielt. Wieso muss ich leiden, nur, weil ein Zahnarzt aus den USA unbedingt den Großwildjäger spielen wollte? Weiterlesen

Kindheit von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es ist mir ein Rätsel, wie ich mein Alter von 56 Jahren erreichen konnte. Ich saß nie in einem Kindersitz, trug niemals einen Fahrradhelm und meine Eltern brachten mich nie mit dem Auto irgendwo hin. Ich erblindete nicht, obwohl ich als Kind keine UV-undurchlässige Sonnenbrille trug, erkrankte nicht an Hautkrebs, trotz langer, im freien verbrachter Sommer ohne Lichtschutzfaktor. Ich spielte mit Spielzeug ohne Warnhinweise und unsere Spielplätze waren nicht mit Gummimatten gepflastert. Ich fuhr Rollschuh, Schlittschuh und Gleitschuh ohne jeden Körperschutz, lernte Fahrradfahren ohne Stützräder, Schwimmen ohne Schwimmflügel und Treppensteigen ohne Absperrgitter. Unsere Steckdosen lagen frei und meine Mutter konnte ihre Putzmittel noch problemlos öffnen. Weiterlesen

Schlafmützentag von Elke Balthaus-Beiderwellen

In Finnland ist heute Schlafmützentag. Derjenige, der am längsten schläft, darf mit Eiswasser geweckt werden. Die Menge ist jedem Selbst überlassen. Vom Wassereimer über den Litermessbecher bis zu Zahnputzglas ist alles erlaubt. Besonders Verwegene benutzen einen Wasserschlauch, während die Zaghaften mit einer 5-ml-Spritze vorlieb nehmen. Lege artis gehört die größte Schlafmütze ins Meer oder in den nächstgelegenen See geworfen. Der Unikeonpäivä geht auf den Heiligen Ephesus zurück, der 200 Jahre in einer Höhle verschlief, um sich vor Kaiser Decius zu schützen. Warum bis heute am 27. Juli dieser Brauch in einem kleinen Land mit 600.000 Schlafgestörten weiter praktiziert wird, ist nicht bekannt. Weiterlesen

Mann und Frau von Elke Balthaus-Beiderwellen

Männer achten darauf, dass Frauen jung und schön sind. Bei den Frauen werden reiche und gebildete Männer bevorzugt. Die schlechtesten Chancen in Bezug auf einen Partner besitzen unterqualifizierte Männer und hochqualifizierte Frauen. Nach Jahren der Emanzipationsbewegung zwar nicht mehr das alte »ich Tarzan, du Jane-Prinzip, denn Tarzan darf nicht dumm und stark sein. Was auf einen Richtungswandel in den Frauenköpfen zurückzuführen ist, während Männer immer noch auf das Weibchen stehen, das sie sich problemlos unter den Arm klemmen können, wenn sie sich an Lianen von Baum zu Baum schwingen. Hochqualifizierte Frauen neigen zu Diskussionen, was sich im Bett als potenzmindernd erweisen könnte, darum sollten sie jünger, dümmer und vor allen Dingen schöner sein. Weiterlesen

Wut von Tanja K.

»Auch wenn Sie es mir nicht ansehen; ich habe in der Tat eine Verärgerung.« Nie wurde blanke Wut mehr verbrämt als durch unseren Verkehrsminister Dobrindt, nachdem ihm die EU Steine in den Weg seines Wegezolls für Ausländer legte. Haben Politiker Gefühle, oder handelt es sich bei ihnen um Phrasenroboter? Weiterlesen

Hundehaare II von Elke Balthaus-Beiderwellen

Seit unser Haus von Handwerkern überschwemmt wird, haart unser Großer Schweizer Sennhund Louis Armstrong, genannt Satchmo, stressbedingt wie ein neuer Mohairpullover. Ich meine, sogar einige kahle Stellen an seinem gewaltigen Körper wahrnehmen zu können. Meine Verzweiflung ob dieser Tatsache ging so weit, dass ich googelte: was tun bei stark haarenden Hunden? Weiterlesen

Sauna von Tanja K.

In der Sauna macht man vieles. Was man aber niemals tut, ist die Körper der Anderen betrachten und beurteilen. Ein absolutes Tabu, aber jeder schielt und schaut und, wer behauptet, er täte es nicht, der lügt! Frauen sind Frauen gegenüber derart gemein, wie es Männer ihren Geschlechtsgenossen gegenüber nie sein könnten. Jedenfalls kam ich gerade verstrubbelt und verschlafen aus dem Ruheraum, als eine Sexgöttin mit falsch aufgeblasenen Superbrüsten und rückenlangen Haar-Extensions an mir vorbeiflaniert kam. Neidisch ließ ich mich in einen Sessel fallen und begann, sofort nach dem Typen zu suchen, der die Chose finanzierte. Als ich einen älteren Möchte-gern-Playboy entdeckte, stieß ich meinem Gatten in die Rippen und flüsterte: »Da ist der Geldgeber für die künstliche Schönheit!« Weiterlesen

Glück von Tanja K.

Es gibt Tage, da nervt einen alles. Die Dinge sind lästig und vor allem dauern sie so lang! Die Morgentoilette erscheint endlos, das Gebrumme der elektrischen Zahnbürste treibt einen in den Wahnsinn und die automatische Putzzeitanzeige ist völlig aus dem Takt geraten. Ist sie bis zu Signalton auf dreißig Minuten eingestellt? Kommt mir jedenfalls so vor. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz! Es kommt mir so vor! Die Dinge sind, wie sie sind und allein meine Bewertung macht sie zur Lästigkeit. Wir bilden uns viel auf unsere Urteilsfähigkeit ein und fühlen uns am Besten, wenn sie durch die reine Emotionalität außer Kraft gesetzt wird. Weiterlesen

Verpackungen von Paul Wiedebach

»Was treibst du denn so lange im Bad? Frühstück ist fertig.« Die Stimme meiner Göttergattin hallt durch den Flur nach oben. Ja, was mache ich wohl? Zahnpastatuben sind neuerdings zusätzlich durch einen Miniaturaluverschluss gesichert und mir ist die mikrometergroße »Hier-öffnen-Lasche« abgerissen. Jetzt pfriemele ich mit meinen ultrakurzen Fingernägeln an dieser Hygienesicherung herum und kann mir die Zähne nicht putzen. Hilflos schaue ich mich um. Weiterlesen

Fernsehprogramm von Elke Balthaus-Beiderwellen

Nach zweiundzwanzig Uhr mag ich nicht mehr fernsehen. Das heißt, ich mag es vorher auch nicht tun, aber der Enthüllungsjournalismus kommt erst zu nachtschlafender Zeit, wenn man bei den öffentlich-rechtlichen solche Highlights wie Tierärztin Dr. Hufrehe und Frauenarzt Dr. Vaginalmykose über sich ergehen ließ. Als ob der Fernsehzuschauer, der nicht zu den Nachteulen gehört, zu blöd ist, um sich mit Fakten auseinanderzusetzen. ARD und ZDF lesen uns quasi Gutenachtgeschichten vor, in denen am Ende alles gut wird, sodass sich der brave Bürger brav ins Bett legt, ohne sich noch mit schwerwiegenden Gedanken abgeben zu müssen. Weiterlesen