Bewerbung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es ist nicht zu fassen, aber Osama Bin Laden hat Einstellungslisten für seine Kämpfer geführt. Auf dem Fragebogen fanden sich wichtige persönliche Angaben wie: »Falls Sie zum Märtyrer werden, wen sollen wir über Ihr Ableben in Kenntnis setzen?« Seitdem ich davon erfuhr, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn ich ein Gotteskriegerfürst wäre, was würde ich abfragen? Hier meine Liste: Weiterlesen

Flüchtlinge von Tanja K.

»Jedes Land muss sich an diesem Elend beteiligen« sagte unser Entwicklungsminister heute Morgen. Interessant, aber haben wir schon. Spanien, Portugal, die estnischen Staaten, vorne weg Großbritannien beteiligt sich vorbildlich an dem Elend, denn die haben keinen Bock auf Flüchtlinge. Diese gibt es zuhauf, also sind die EU- Parlamentarier, angesichts dieses Massensterbens, auf der Flucht. Weiterlesen

Schönheit von Tanja K.

Gestern las ich in meiner Fernsehzeitschrift die folgende Programmankündigung: » Die schöne Christa«; Dokufilm über Bauchumfänge und Eutergrößen. Aha, dachte ich, wieder einmal eine »Realityshow« über kosmetische Operationen. Dann las ich aber weiter. Es ging um die prachtvollsten Zuchtkühe der Welt! »Die muss von Kopf bis Schwanz nach Milch aussehen«, so beschrieb ein Bauer die perfekte Milchkuh. Ich wollte noch nicht vom Thema Schönheitsoperation weg und formte den Satz um. »Die muss von Kopf bis zu den Zehen nach Sex aussehen«, und beschrieb damit die perfekte Frau. Weiterlesen

Flüchtlinge von Elke Balthaus-Beiderwellen

Gestern bescherten mir die Nachrichten eine gewaltige Schrecksekunde. Ich erfuhr, dass die Fregatten »Berlin« und »Hessen« Flüchtlingsboote im Mittelmeer versenkten. Im Nachsatz vermeldete der Nachrichtensprecher, die Flüchtlinge seien vorher von den Kriegsschiffen aufgenommen worden. Durchatmen bei mir, aber dann die Überlegung, dass ich es schließlich den Fregatten durchaus zutraute, sie hätten die Boote samt Passagieren versenkt. Weiterlesen

Vatertag von Witwe Clausen

Klischees besitzen nun einmal die Eigenschaften, dass sie mehrere Körnchen Wahrheit enthalten. Nehmen wir zum Beispiel die »Elternfeiertage«. Am Muttertag wird Mama zumeist überfallartig dazu gebracht, ihren Ehrentag im Kreise der gesamten Familie zu verbringen, als wäre es für sie das höchste der Gefühle. Und was macht Papa am Vatertag? Er will seine Ruhe! So wie mein Friedrich. Im Kreise seiner Kumpels zog er feuchtfröhlich durch die Landschaft, gerade so, als hätte er Kinder und Kindeskinder das ganze Jahr über am Hals. Dabei sollten, möchte man meinen, Mutter- und Vatertag dazu dienen, etwas zu bieten, für das man ansonsten keine Zeit findet. Man schleppt also die Väter in den Kreis der Familie und lässt die Mütter in aller Ruhe ihre Kreise ziehen. Weiterlesen

Ziele von Tanja K.

Da beim FC Bayern nur das Triple als Erfolg zu rechnen ist, kann man das verlorene Spiel gegen Borussia Dortmund in der DFB-Pokal-Runde nur als Komplettverlust werten. Hinzu kommt das fast sichere Ausscheiden in der Champions League. Zwar sind sie deutscher Meister, aber wo kein Dreifachsieg, da überhaupt kein Sieg. So ist das nun einmal mit den Zielen. Werden sie zu hoch gesteckt, bleibt man ewiger Verlierer, egal, was man erreicht. Wo ist das gute alte »Dabei sein ist alles« hin? Was sowohl für den Sport und ganz besonders auch für das Leben gilt. Weiterlesen

Feuchtgebiete von Paul Wiedebach

Meine Göttergattin ist selbst schuld. Sie bestand darauf, dass ich mir mit ihr die Verfilmung der »Feuchtgebiete« anschauen sollte. Und, was soll ich sagen? Kein Mönch wird so keusch sein, wie ich in der nächsten Zeit und auf die Bestellung einer Pizza verzichte ich in Zukunft auch. Auf manche Frauen mag die Vorstellung, dass etliche Kerle auf den Hefeteig ejakulierten, möglicherweise noch erotisch wirken, aber für einen Mann ist da das Ende der Fahnenstange erreicht. Meine Liebste versteht mich nicht. Schließlich handele es sich bei Buch und Film um ein Psychodrama einer schwerst gestörten Frau, aber wie so oft, sehe und höre ich bei einer Fernsehaustrahlung, die ich mir zusammen mit meiner Frau ansehe, nur das, was ich eben sehe und höre, während meine Gattin jedes Wort der Dialoge bis in die siebte Ebene durchdringt und hinterfragt. Weiterlesen

Übergewicht von Dr. Bremer

Laut WHO wird das Übergewicht in Europa in Zukunft zu einem »Problem ungeahnten Ausmaßes«. Rechne ich zu den Fresssüchtigen noch die Raucher, die Alkohol-, Drogen- und Arbeitssüchtigen dazu, leben wir auf einem Kontinent der Sucht. Hinzu kommen die psychosomatischen Erkrankungen, die Neurosen und Psychosen, und man kommt zwangsläufig zu der Ansicht, dass ganz Europa in Therapie gehört. Wer soll das leisten? Die höchste Sucht- und Selbstmordrate findet man bei Psychologen und Psychiatern, sodass dieser Berufsstand bereits damit beschäftigt ist, sich selbst zu therapieren. Weiterlesen

Neurosen von Elke Balthaus-Beiderwellen

Unser Haus wird energetisch saniert und im Zuge dieser Maßnahme werden alle Fenster ausgetauscht. Was natürlich bedeutet, dass in der nächsten Zeit mein Haus zur Baustelle wird. Heute Morgen meldete sich bei mir die Fensterfirma an, um noch einmal genaue Messungen vorzunehmen, was bedeutet, dass sie die Fenster kontrollieren wollen, aber mir, leicht zwangsgestört, wie ich nun einmal bin, kommt es so vor, als wollten sie im Zuge der Hausbegehung auch gleichzeitig meine Fähigkeiten als Hausfrau protokollieren. Im Bad erwischte ich mich dabei, die Fliesen unter den Waschbecken zu überprüfen, denn es könnte ja durchaus sein, dass einem der Mitarbeiter der Fensterfirma das unstillbare Verlangen überkommt, im Bad einen Kopfstand machen zu wollen. Dabei fiele ihm dieses Areal unweigerlich ins Auge. Weiterlesen

Hundehaare von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es gehört für mich zu den unerklärlichen physikalischen Phänomenen, dass sich große Teile des Hundefells dort wiederfinden lassen, wo der Hund persönlich nie gewesen ist.

Es findet demnach eine Art von unsichtbarer Diffusion statt. In den Ecken des Kühlschrankes, im Backofen und in ständig verschlossenen Schränken lagern sich auf wundersame Art und Weise Hundehaare ab. Die Besteckschublade gehört mit zu den bevorzugten Sammelstellen, obwohl sich keiner unserer vierbeinigen Hausgenossen je dort aufhielt. Selbst in einer neu angebrachten Toilettenpapierrolle finden sich bei Benutzung derselben zwischen den einzelnen Lagen Haare, was nun wirklich nicht mehr mit rechten Dingen zugehen kann. Zumal unsere Hunde den lieben langen Tag herumliegen anstatt herumzulaufen. Die Haare hingegen scheinen ein geheimnisvolles Eigenleben zu führen. Ohne den dazugehörigen Zwischenraum zu überwinden, erscheinen sie an den unmöglichsten Orten. So ein Hundehaar kommt eben viel herum. Gerade jetzt im Frühjahr wird das Winterfell abgestoßen und ich fände es logisch, wenn sich seine einzelnen Teile um die Hunde herum gruppierten, oder sich, da ich unentwegt staubsauge, im Staubsaugerbeutel einfänden. Dem ist nun leider nicht so. Vielleicht haben die Physiker Recht, die behaupten, der Raum wäre nicht nur vierdimensional. Den Nachweis könnten sie ohne großen Aufwand in meinem Haus erbringen. Eine milliardenschwere Anlage wie das CERN erübrigt sich. Was die Hundehaare betrifft, gehe ich persönlich von mindestens neun Dimensionen aus. Der Raum ist nicht nur gekrümmt, sondern auf vielfältige Art verschachtelt, verschränkt, verzahnt, verbunden und in sich, um sich und mit sich im ständigen Fluss. Man muss sich nur den Alltagsdingen widmen. Aus dem Fall eines Apfels entstand die Gravitationslehre und aus den Aufenthaltsorten von Hundehaaren lässt sich eine endgültige Theorie der Beschaffenheit des Raumes entwickeln. An der Formel arbeite ich noch, gehe aber davon aus, dass ich bis zum nächsten Fellwechsel allein durch Beobachtungen, Zählungen und Wahrscheinlichkeiten eine Gleichung erstelle, die Einstein weit in den Schatten stellen wird.