Trendhaarfarbe 2015 von Elke Balthaus-Beiderwellen

Na, da bin ich aber froh! Die Trendhaarfarbe für den diesjährigen Sommer ist grau! Kein Nachfärben und tönen mehr, keine hässlichen grauen Ansätze, keine teuren Frisörbesuche, zwecks Auffrischung eben dieser Ansätze. Wie viel Zeit den Frauen »in den besten Jahren« auf einmal wieder zur Verfügung steht, kaum zu glauben. Es könnte natürlich ein Komplott der Wirtschaft dahinter stecken, denn es ist doch nicht von ungefähr, dass just nach Einführung der Frauenquote, den Damen ein enormes Zeitfenster geöffnet wird, das sie mit wichtigeren Themen als die Kosmetik sie darstellt, füllen können. Ebenfalls zu bedenken ist, dass nicht genug Kitaplätze zur Verfügung stehen. Die Omas sollen quasi aus dem Frisörsalon in die Kinderzimmer geholt werden, um dort auf den quengeligen Nachwuchs aufzupassen, während die Eltern das Bruttosozialprodukt steigern. Weiterlesen

Bayern München von Elke Balthaus-Beiderwellen

Lohnt sich die Bundesliga noch? Man könnte doch Bayern München zu Anfang der Saison die Meisterschaftsschale überreichen, dann würden die Spieler der Truppe für die Nationalmannschaft geschont und der Rest der Liga kloppt sich dann um Platz zwei. »Nur« deutscher Meister zu sein, reicht den Bayern nicht, wenn man Pep Guardiola glaubt, da muss schon das Triple her! Alles andere gilt als Versagen! Leider geht es im Leben nicht zu, wie im Märchen. Das vom Fischer und seiner Frau würde sich anbieten. Man kennt die Geschichte. Weiterlesen

Bahnstreik von Elke Balthaus-Beiderwellen

Große Werke wie Tolstois Anna Karenina können in Deutschland nicht geschrieben werden wegen der GDL. Man stelle sich vor, die Liebeskranke will sich vor den Zug werfen, und es kommt keiner! Auch in diesem Falle könnte sie natürlich auf einen Fernbus ausweichen, aber es wäre der Dramatik doch abträglich, denn wer wirft sich schon vor einen Bus. Ratlos würde sie demnach vor den Anzeigetafeln der DB stehen und keinerlei Auskunft darüber bekommen, auf welche Schienen sie sich jetzt werfen soll. Ewig lang steht sie dann, vergeblich nach einem Zug Ausschau haltend, auf zufälligen Gleisen und erwartet ihr Ende, das nicht eintrifft. Weiterlesen

Weltverbesserer von Witwe Clausen

Im Prinzip befinde ich mich in einem Alter, in dem ich mir das alles nicht mehr antun muss. Ich meine, die täglichen, nicht abreißenden Schreckensmeldungen der Nachrichten. Da meint man, die Menschheit entwickele sich weiter, aber dies scheint sich nur auf die Technik zu beziehen, denn in geistiger Hinsicht ist keinerlei Fortschritt festzustellen. Zwar merken wir kurz auf, wenn wir von Kriegen, Armut und Hunger erfahren, aber im Grunde genommen ist uns das egal, denn mehr als unser unmittelbares Umfeld können und wollen wir nicht erfassen. Das Wetter, das wir vor unserer Haustür vorfinden erregt uns intensiver als die Horrormeldungen, die uns stündlich um die Ohren gehauen werden, zumal nirgendwo jemand bereit ist, Konsequenzen zu ziehen. Die Tageszeitung bringt uns mehr Information, als ein Bauer im Mittelalter Zeit seines Lebens bezog, und es kommt mir vor, als wären wir dieser Mitteilungsflut immer noch nicht gewachsen. Weiterlesen

DSDS von Elke Balthaus-Beiderwellen

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich, die ich ansonsten kein Proll-TV anschaue, heillos dem Sog von DSDS erlegen bin. Und so sitze ich gestern Nachmittag, anstatt das herrliche Frühlingswetter zu genießen, sinnlos vor dem Fernseher herum und sehe mir die Wiederholung der Castingshow vom Samstagabend an. Inszenierte Zickenkriege, inszenierte Rührszenen, die sadistische Quälerei der Kandidaten durch die Jury und die jährliche Verwunderung darüber, warum bei den »Talenten« immer genau die gleiche Anzahl Jungs wie Mädchen übrig bleibt, was rein statistisch gesehen, mehr als unwahrscheinlich ist, wenn es nur um das Talent ginge. Weiterlesen

Blitzmarathon von Elke Balthaus-Beiderwellen

Europaweit wird geblitzt, was das Zeug hält. »Wir wollen nicht die Geldbörsen der Fahrer erreichen, sondern die Köpfe«, meinte ein Verantwortlicher heute Morgen. So eine dreiste Lüge ist mir lange nicht mehr untergekommen. Wenn es um die Köpfe der Raser geht, warum sie dann nicht bitte schön herauswinken, ihnen Fotos von Unfällen zeigen, die durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht wurden und so an ihr Gewissen und ihre Verantwortlichkeit appellieren? Ich weiß auch schon genau, wo die Radarfallen(!) positioniert werden. Dicht vor Ortsausgangsschildern, auf breiten, gut ausgebauten Straßen und dort, wo genug Gebüsch vorhanden ist, um sich zu tarnen. Weiterlesen

Hillary Clinton

Meiner Ansicht nach, ist die Frau nicht zu verstehen. Ich meine, sie ist 67 Jahre alt und es ist fraglich, ob sie eine zweite Präsidentschaft überhaupt erlebt. Warum macht sie es sich auf ihre alten Tage nicht einfach mit ihrem Bill gemütlich, den sie ja trotz zahlreicher Verfehlungen ach so sehr liebt. Ein herziges Enkelkind besitzt sie auch, also warum nicht zum Ende des Lebens hin, das Leben einfach ausklingen lassen. Stattdessen grinst sie sich die Gesichtsmuskulatur fusselig, bemüht sich um ein neues, bescheidenes Image – es wird nicht mehr im eigenen Helicopter angereist, sondern im Kleinbus – ist omnipräsent und verkehrt ihren eigentlichen Charakter ins genaue Gegenteil, um die Stimmen der kleinen Leute einzufangen. Weiterlesen

Frühjahrsputz von Paul Wiedebach

Wie immer um diese Jahreszeit herum, ist meine Gattin halb von Sinnen. Die ersten Sonnenstrahlen bringen an den Tag, was bei uns im Hause alles herumliegt oder steht und in aller Gemütsruhe vor sich hinstaubt. Ich habe fast den Eindruck, ich gehöre auch dazu. Am liebsten würde meine Holde das ganze Gebäude niederbrennen, wie es die sibirischen Bauern mit dem verrotteten Gras des Vorjahres getan haben, aber, was dabei herumkommt, kann man in jeder Nachrichtensendung erfahren. Weiterlesen

Denkfabrik von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute Morgen lernte ich einen jemanden kennen, von dem ich gar nicht wusste, dass er existiert. Den Direktor der Denkfabrik »Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt«, Dr. Stefan Bergmann. Ich fragte mich sofort, was wird dort den ganzen Tag gedacht? Die Wirtschaft schreitet fort, die Technik schreitet fort, nur das gesellschaftliche Miteinander bleibt auf der Strecke. Mir scheint, wir sind wieder beim guten alten Darwin angekommen: »Survival of the fittest«! Diesmal aber im wahrsten Sinne des Wortes. Wie sonst kämen Trends wie »Selbstoptimierung« »Psychoenhancement« und das Malträtieren von Kleinstkindern in Hinblick auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft zustande? Weiterlesen

Murmeltiertag von Elke Balthaus-Beiderwellen

Zwischen meinen Glasvitrinen im Wohnzimmer wohnt eine kleine Spinne. Jede Nacht spinnt sie unweigerlich ihr Netz und genau so unweigerlich sauge ich es am Morgen weg. Bislang entwischte mir die unermüdliche Weberin, die wie ich entschlossen scheint, sich nicht entmutigen zu lassen und unentwegt von vorne anzufangen. Ich sauge auch das komplette Haus, obwohl ich weiß, dass meine beiden Hunde noch unzählige Male durch die Hundeklappe in den Garten verschwinden werden und mir Erdbröckchen, Stöcke, langvermisste erdige Einzelschuhe und Taubenfedern überall auf dem Boden verteilen werden. Da habe ich von der Spinne gelernt, denn egal wie groß das Ausmaß der Zerstörung auch ist; es nutzt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und überhaupt nichts mehr zu tun. Im Kleinen schafft man es kurzfristig, einen chaosfreien Raum zu schaffen, wobei die Betonung auf kurzfristig liegt. Weiterlesen