Facebook von Maria Mitscherlich

Facebook gibt den Engeltherapeuten. Für einen Großteil der Nutzer ließen sie nur die positiven Meldungen ihrer »Freunde« durch und untersuchten, was dabei wohl herum kommt. Das Ergebnis überraschte niemanden, am wenigsten mich, denn wenn man nur optimistische Nachrichten bekommt, sendet man auch fröhlich gestimmte in die Welt. Besser wurde mein Berufsbild noch nie beschrieben und statistisch ausgewertet, denn Engel verbreiten nur positive Botschaften, denn sonst wären sie ja keine Engel. Sie glauben ja gar nicht, wie der Glaube an einen persönlichen Schutzengel selbst die Niedergeschlagensten meiner Klienten aufrichtet. Dass da jemand nur sie persönlich im Blick hat, bewirkt Wunder! Positive Stimmung bewirkt positive Handlungen und konsekutiv positive Ergebnisse. Man sieht es bei der WM. Die Südamerikaner gehen mit dem nötigen Enthusiasmus zu Werke und es funktioniert! Wer von einem guten Ende ausgeht, tritt gleich ganz anders auf. Ein: »Ach das klappt ja doch nicht!«, führt eben dazu, dass es tatsächlich nicht klappt. Nun ist das Volk der Deutschen insgesamt von ausgeprägtem Pessimismus befallen. Nirgendwo sind Engeltherapeuten so nötig wie hier in diesem Lande. Und es wäre den sozialen Netzwerken zu empfehlen, die Taktik der Zurückhaltung von Negativem aller Art, weiter zu praktizieren! Vielleicht kann man so die deutsche Niedergeschlagenheit in das amerikanische »Yes, we can!« verwandeln.

Kein »Ja, aber«, im Gegenteil, »Jetzt erst recht!« müsste die Devise lauten. Aus einem »die Welt bekümmert mich«, sollte ein »Was kümmert mich die Welt?« werden. Wer ein Jammertal erwartet, bekommt es frei Haus geliefert! Heute Morgen gab es eine Umfrage, wie wohl das Spiel Algerien-Deutschland ausgeht und nur die wenigsten erwarteten einen Sieg der deutschen Elf, obwohl es nur gegen Algerien geht, das nicht gerade als Fußballgigant bekannt ist. Da wird sich schon vor dem Spiel über die unausweichliche Niederlage mit Alkohol getröstet. Deutschland ist mit Abstand der Weltmeister, was den Konsum von Alkoholika betrifft. Und so kommt zu dem angeborenen Katzenjammer noch der chemisch ausgelöste, was zu einem Selbst erfüllenden. »Ich habe es ja gleich gesagt.«, führt. Da wird nun wieder Alkohol draufgeschüttet und der Teufelskreis beginnt von vorne. Obwohl Jogis Jungs die Vorrunde als Gruppenerster bestritten, war die Freude darüber eher verhalten. Im Gegenteil, es wurde nur herumgenörgelt! Während bei den anderen die Devise: »durch, egal wie« ganze Völker in einen kollektiven Freudentaumel stürzte. Wenn sie auch dann irgendwann scheitern, diesen Taumel haben sie wenigsten gehabt. Der geht nicht mehr verloren! Kurz geschüttelt, sich gesagt: »Die nächste WM kommt bestimmt; da machen wir es besser!«, und es wird nach einem neuen Grund zu ausgelassener Freude gesucht. Obwohl, braucht es eigentlich immer einen Grund, um sich einmal ausgiebig freuen zu können? Für die Deutschen schon, denn wo kämen wir da hin, wenn man einfach glücklich ist, ohne erkennbare Ursache. Das ist hierzulande schwer verdächtig! Darum mein Appell an Facebook, lass nur positive Nachrichten durch! Vielleicht gelingt es ja mit deiner und meiner bescheidenen Hilfe, die größten Knötterpötte der Welt doch noch zu bekehren.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Fußballphilosophie

Der Irrsinn geht weiter. Keiner betete so intensiv wie ich, dass die deutsche Elf nicht über die Vorrunde kommt, denn ich will meine Frau wieder haben! In einem möglichst klaren geistigen Zustand! Gestern saß sie doch tatsächlich vor dem Fernseher und war in eine deutsche Flagge gehüllt. Sie lud mich ein, das Spiel Deutschland-USA mit ihr zu schauen. Da diese Einladung den Charakter einer unbedingten Aufforderung besaß, willigte ich ein. Was soll ich sagen? Ich habe mich ein meinen Leben selten so gelangweilt und lenkte mich damit ab, dass ich darüber nachsann, ob die Anzahl der Ballkontakte auch irgendwie in das Endergebnis eingerechnet wird, denn die Deutschen hatten und hatten und hatten den Ball und wussten anscheinend nichts damit anzufangen. Nun ist der Weg vom Hirn zum Fuß lang. Es dauert also bis eine effektive Weiterverwertung einer Ballannahme zustande kommt. Man konnte den Spielern förmlich beim mühsamen Denken zusehen.Mhm, da Ball, Ball muss weg, aber zu wem, wohin und, was war noch mal der Sinn des Spieles? Es wird im Fußball ja zunehmend von einer Philosophie geredet, die die Spielweise der jeweiligen Mannschaft bestimmt. Wenn ich mir die Mannschaften des Achtelfinales so ansehe, muss ich davon ausgehen, dass sich die europäischen Teams irgendwie verphilosophiert haben, denn während diese noch nachdachten, stürmten die Südamerikaner an ihnen vorbei und schossen die Tore. Ein Fußballspiel dient nicht dem Nachweis geistiger Überlegenheit, so viel steht schon einmal fest. Es ist nicht, wie ein begnadeter Fußballer konstatierte, »genau wie Schach, nur ohne Würfel«. Nein es ist ein Kampf-, Kraft und Leidenschaftssport.

Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass die südamerikanischen Trainer ihre Jungs mit den Worten, geht raus, kämpft und rennt um euer Leben, auf den Platz schicken. Während die europäischen Coaches am Ursprung aller philosophischen Fragen anknüpfen: Wer bin ich, und was will ich eigentlich? Warum ist der Ball rund und das Tor eckig? Warum soll etwas Rundes in etwas Eckigem verschwinden? Wie steht es mit dem freien Willen? Muss ich mich dem Spielverlauf beugen, oder soll ich ihm meinen eigenen Stempel aufdrücken? Das sind schwere Fragen. Man hält daher den Ball in den eigenen Reihen und geht dem Grundsätzlichen nach. Doch plötzlich ist da ein Südamerikaner, der mit eisernem Willen den Ball an sich bringt und doch glatt, ohne weitere philosophische Skrupel, Richtung gegnerisches Tor stürmt.

Das Klinsmann es auch mehr mit der Philosophie hat, erkannte man am amerikanischen Spiel. Die Spieler dachten nämlich pausenlos darüber nach, wie schwer es ist, die Deutschen besiegen zu wollen. Wie eine selbsterfüllende Prophezeiung war dies denn nun auch der Fall. Vielleicht sollte man ihnen und den europäischen Teams bei der nächsten WM gar nicht verraten, gegen wen sie antreten, dann fällt der Glaube an die vermeintliche Übermacht des Gegners schon einmal weg. Nur das Kreisen um die eigene Person und ihre Geworfenheit in dieses Spiel ist nur schwer zu umgehen. Es ist wie im Leben. Wer zu viel darüber nachdenkt, lebt nicht wirklich. Und während man darüber nachsinnt und grübelt, vergeht die Zeit. Plötzlich ist es zu Ende, das Leben. Es hat nämlich stattgefunden, während wir mit den Gedanken ganz woanders waren.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Fußballspieler von Witwe Clausen

Heute geht es bei mir hoch her. Mein Enkelsohn bestellte ein noch größere Meute fußballverrückter Freunde zum »Oma Viewing« ein, wie es bei den Jungs heißt. Selbst bei mir stellt sich eine gewisse Nervosität ein, wenn ich daran denke, dass Löws Elf gegen die von Klinsmann antreten muss. Bei den Trainern kann ich mich nicht entscheiden, wer mir besser gefällt. Es sind beide sehr vertrauenswürdig wirkende, gutaussehende Männer. Bei Löw erzielte ich einen Lacherfolg bei meinen Gästen, da ich der Ansicht war, es handele sich bei ihm um einen Ausländer, wegen seines Akzentes. Wer soll sich auch mit der Dialektvielfalt in Deutschland zurecht finden?  Insgesamt schaue ich mir jedes Spiel an und es gefällt mir gut, bis auf die Tatsache, dass es unter dem Mannsvolk immer so brutal zugehen muss. Mein Friedrich war ja genauso. Wenn ihm etwas gegen den Strich ging, er gefrustet oder übermüdet war, gingen mit ihm die Gäule durch. Sofortige Triebabfuhr, wie ich in einer Frauenzeitschrift bei meinen Frisör las. Es hat etwas von Sandkastenkloppereien, was sich da erwachsene Männer leisten, aber wer die Kerle kennt, wundert sich über gar nichts mehr. Aus allem und jedem muss ein gnadenloser Konkurrenzkampf gemacht werden, auch wenn es nur um ein Spiel geht. Mein Friedrich witterte in jedem anderen Mann sofort einen potenziellen Gegner, was heiße Diskussionen bei seinem Hausarzt, seinem Frisör, seinem Automechaniker und was ihm sonst noch im Laufe eines Tages über den Weg lief, auslöste. Er gab sich nie zufrieden, musste grundsätzlich das letzte Wort haben, auch wenn es nur um Banalitäten ging. Und dann erst der Kampf zwischen ihm und unserem Sohn, als dieser allmählich erwachsen wurde. Mord und Totschlag, sag ich nur! Zwei männliche Sturköppe im Haus und der dritte Weltkrieg ist nichts dagegen. Frauen sind da eindeutig anders! Gestern fiel mir ein Artikel über Stressbewältigung in die Hände. Dort stand, dass Frauen bei Stress enorme Mengen des Kuschelhormons Oxy-irgendwas ausschütten, was sie immer diplomatischer werden lässt. Bei Männern steigen Aggressionshormone, bis ihnen das Hirn platzt. Mein Friedrich könnte ein Lied davon singen. Sein Hirn ist in einem Wutanfall zerplatzt, bzw. die Gefäße darin. Gerade noch war er stinkwütend und kurz darauf mausetot durch eine heftige Hirnblutung. Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was der Anlass für seinen cholerischen Anfall war. Jedenfalls war es nichts Weltbewegendes, denn über wirklich wichtige Dinge regte sich Friedrich höchst selten auf, da er sie sich weitgehend vom Leibe hielt. Das Spiel heute Abend wäre für ihn wieder ein willkommener Anlass für ausgeprägte, cholerische Anfälle gewesen. Als die Deutschen bei irgendeiner WM wie üblich versagten, und er erfahren musste, dass Mercedes Benz die Spieler sponserte, verkaufte er sofort unseren Benz und fuhr nie wieder ein Auto dieser Firma, obwohl es bis dato seine bevorzugte Automarke war. Aber nein, von Stund an gab Friedrich den Japanern den Vorrang. Wenn er das Spiel gegen Ghana gesehen hätte, sage ich Ihnen der Schlag hätte ihn spätestens da getroffen. Jetzt kommt mir grad der verwegene Gedanke, ob ich Friedrichs Stele auf dem Friedhof mit einer deutschen Flagge dekoriere, aber ich glaube, ein kleines Blumengesteck in schwarz-rot-gold tut es auch.

Witwe Clausen

Fußball von Dr. Bremer

Gestern sah ich mir, da meine Sprechstunde ungewöhnlich früh beendet war, zur Feier des Tages zum ersten Mal ein Spiel der WM an. Italien gegen Uruguay klang vielversprechend und so machte ich es mir, wie es sich für einen richtigen Fan gehört, mit einem Bier vor dem Fernseher gemütlich. Es war recht langweilig, bis zur roten Karte für einen Italiener, die die Emotionen hochkochen ließ. Aber der absolute Höhepunkt bestand für mich in der Beißattacke eines allzu hungrigen Urus gegen seinen Gegenspieler. Ich wusste gar nicht, dass Fußball so abwechslungsreich sein kann. Gehört der dentale Einsatz mit zum Regelwerk? War der Italiener gegen Tetanus geimpft? Ist der Südamerikaner womöglich HIV-positiv? Und warum ein Biss in die Schulter? War das Ohr nicht erreichbar?

Die Mundhöhle ist mit das keimverseuchteste Gebiet, das man sich vorstellen kann, weswegen Bisswunden nicht genäht werden dürfen. War der Uruguayer auf Tötung seines Widersachers durch prolongierte Sepsis aus? Warum wurde die Bisswunde nicht gleich ausreichend desinfiziert? War der Mannschaftsarzt der Italiener gar nicht anwesend? Nach diesen grundsätzlichen medizinischen Fragen, kam bei mir der Psychologe durch. Ist Fußball der Ausdruck archaischer Grundinstinkte? Stammt er also aus der Zeit, als wir uns noch mit Zähnen und Klauen verteidigen mussten? Bringt er den Urmenschen in uns hervor? Wenn ich mir die Menschen um mich herum betrachte, kann ich dem nur zustimmen. Emotion pur unter Umgehung des Verstandes. Das Spiel scheint seinen Ursprung in einer Zeit zu haben, als, evolutionär betrachtet, die Vernunft noch gar nicht erfunden worden war. Wer also ein Stadion besucht, an einem Public Viewing teilnimmt, oder sich vor die Flimmerkiste hockt, begibt sich in den Zustand der Regression auf ein früheres Entwicklungsstadium. Die Grölgesänge und hochemotionalen Gesten bestätigen, dass es vorsprachlich sein muss. Um zu verhindern, dass doch noch so etwas wie Intelligenz störend eingreift, wird sie sich weggesoffen oder der Massenhysterie geopfert. Die Rolle von primitiven Wurfgeschossen wird durch den Ball repräsentiert und das Beutetier schematisch durch die Tore wiedergegeben. Die Horden sind auf zwei begrenzt, was der Übersicht dient. Dies gilt sowohl für die Kontrahenten auf dem Platz wie für deren Vertreter auf den Zuschauerrängen. Es wir sich in seltsame, magische Gewänder gehüllt in Kombination mit spiritueller Bemalung des Gesichts und großer Körperpartien. Kommunikation reduziert sich auf frenetisches Schreien, Grölen Grunzen, Stöhnen, Grimassieren und Weinen. Die Spannweite der Emotionen umfasst das ganze zur Verfügung stehende Spektrum bis in die Extreme. Tausende und Abertausende allein unter dem Einfluss des limbischen Systems, kompletter Rückzug auf Stammhirnareale und neuronale Reiz-Reaktions-Ketten. Völlige Blockade höher stehender Gehirnregionen und komplette Ausschaltung hemmender Einflüsse. Neurobiologisch betrachtet, ein hochinteressantes Forschungsgebiet. Warum die Wissenschaft dieses brachliegende Feld noch nicht beackerte, ist mir ein Rätsel. Da rekonstruieren Forscher mühsam aus Knochenfunden, wie der Urzeitmensch tickte, wie er sich ernährte und wie er sozialisiert war, dabei braucht es dafür nur den Gang ins Fußballstadion.

Dr. Bremer, Landarzt

Schiedsrichter von Tanja K.

Jeder Spielverlauf ist immer auch eine Frage des Gegners. Virtuosität kann sich nur so weit entfalten, wie der Gegenspieler es zulässt. Wenn er unfaire Mittel einsetzt und kein Schiedsrichter in Sicht ist, hat man ganz schwere Karten. Da bricht dann so manche Überzeugung, die eigenen Fähigkeiten betreffend zusammen. Nun rennt bei einem Fußballspiel eine ganze Schiedsrichterriege herum, auf deren Objektivität man sich verlassen muss, aber, was ist mit dem wahren Leben? Ein direkter Gegner ist nur manchmal dingfest zu machen und die meiste Zeit fragt man sich, wer einem hier pausenlos ein Bein stellt. Ich meine, jeder versucht doch so gut wie möglich, alles richtig zu machen, sich an die Regeln zu halten und die eigene Tendenz zur Unfairness unter Kontrolle zu halten, aber das scheint nicht genug zu sein für Sieg oder Niederlage. Was mich zu der Frage bringt, ob es so etwas wie Gerechtigkeit überhaupt gibt. Ist das Universum gerecht? Jeder, der einigermaßen bei Verstand ist, wird diese Frage verneinen. Nun sind wir aber Teil des Universums und unterliegen der irrigen Überzeugung, dass auf unserem Planeten Gerechtigkeit zu herrschen habe. Wir meinen, wenn wir einen Handel mit dem Schicksal eingehen und unsere Seite dieses Handels unbedingt erfüllen, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhen muss. So oft wir auch über den Tisch gezogen werden, wir halten uns an die Klauseln eines Vertrages, der nie geschlossen wurde. Wie sehr wir bemüht sind, wenigstens den Anschein von Gerechtigkeit zu erwecken, sieht man an unseren Gesetzbüchern, die dicker und dicker werden, ohne das je Gerechtigkeit erreicht wird. Aus lauter Verzweiflung wenden sich viele an einen himmlischen Schiedsrichter, der spätestens nach dem Tode für Ausgleich sorgen soll. Jenseitige Gerechtigkeit, ich lach mich tot! Wie viel Selbstgerechtigkeit in dieser Annahme liegt, ist kaum zu ermessen! Selbstgerechtigkeit, das ist es. Wir tun so, als hätten wir bereits in der Wiege einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen, auf dem steht, was uns im Leben alles zusteht. Ruhm, Reichtum, Macht, und wenn wir dies nicht bekommen, dann plärren wir, denn wir verstehen nicht, warum das Universum unsere absolute Besonderheit nicht erkennt. Nicht liegt uns ferner als die Akzeptanz der Tatsache, dass wir im Angesicht der Unendlichkeit nicht weiter sind als eine völlig bedeutungslose Endlichkeit. Und das es keinen Schiedsrichter gibt, der für eine, in unseren Augen, angemessene Ausgeglichenheit sorgt. Dies heißt nicht, sich gar nicht auf das Spiel des Lebens einzulassen. Nur selbstgerechte Empörung ist unangebracht und die Anrufung eines Richters, der nur ein Werk unserer Phantasie, unseres Wunschdenkens ist. Denn auch wenn wir schwere Fouls vermeiden; die rote Karte ist uns gewiss.

Tanja K.; anonyme Alkoholikerin

Deutschland-USA von Paul Wiedebach

Heute Morgen teilte mir meine fußballverrückte Frau als Erstes mit, dass der deutschen Elf ein Unentschieden gegen die USA reicht, um weiter zu kommen. Dies interessierte mich natürlich herzlich wenig, und es kostete mich viel Mühe, Interesse vorzutäuschen, aber an dem Begriff »Unentschieden« blieb ich trotzdem hängen. Sind wir nicht alle Anhänger eines aus tiefsten Herzen kommenden »Sowohl als auch«? Entscheidungen sind lästig, sie kosten unnötig Gehirnschmalz, können in die falsche Richtung losgehen und verbauen zahlreiche andere Möglichkeiten. Am liebsten wäre uns doch ein immerwährender »Murmeltiertag«. Keine unliebsamen Überraschungen, keine nicht absehbaren Risiken und, vor allen Dingen, keine Entscheidungen. Nun können wir zum großen Teil nichts dafür, da unser Gehirn es gar nicht mag, unnötig Energie zu verschwenden- wie die deutsche Mannschaft- und eine Herausforderung ist immer mit dem unangenehmen Wort »Forderung« verbunden. Als Kinder sind wir sogar lebensnotwendig auf Beständigkeit und Routine angewiesen. Wer Kinder hat, kann ein Lied davon singen, dass sein Nachwuchs jeden Abend am liebsten die gleiche Gutenachtgeschichte hören würde, aber irgendwann regt sich in den kleinen doch der Entdeckergeist und was passiert? Wir werden mit Mahnungen vor möglichen Gefahren zugetextet. Entscheidungen werden von »Hubschraubereltern« abgenommen, die ihren Kleinsten noch nicht einmal die Wahl zwischen Schokoladen- und Fruchteis lassen, da Letzteres womöglich vitaminhaltiger ist. Im späteren Leben mischt der Staat sich gewaltig ein. Er entscheidet, wann wir uns wo anzuschnallen haben, wann wir wo einen Helm tragen sollten, was wir wann am Besten arbeiten, welche Genussmittel wir in welcher Menge zu uns nehmen dürfen, welche Geschwindigkeiten wir einzuhalten haben und welche Präventionen diejenigen zu treffen haben, die kerngesund sind. Nicht zu unserem Wohle, wohlgemerkt, denn es geht vor allem um die Erhaltung unserer Arbeitskraft und um die des Staates als solchem. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder selbst in persönlichen Dingen autonom selbst entscheiden dürfte? Fast erwarte ich, demnächst von einem Polizisten aufgehalten zu werden, der mich fragt, ob ich denn bei diesem Regenwetter wirklich ohne Schirm spazieren gehen wolle. Unser Gehirn merkt sich das und sammelt die zahlreichen Möglichkeiten, eigenen Entscheidungen aus dem Wege gehen zu können und schaltet in den Energiesparmodus. Dabei wird uns ständig vom »mündigen Bürger« vorgefaselt. Was auf nationaler Ebene nicht geregelt und vorgeschrieben wird, übernimmt dann das europäische Parlament und was dann immer noch unklar ist, bestimmen die USA.

Was mich direkt wieder zum Spiel USA-Deutschland bringt. Die NSA spioniert sicher schon das Trainingslager der deutschen Elf aus und jede Taktik, die sich Löw überlegen könnte, ist dem Gegner schon im Vorfeld bekannt. Insgesamt ist dem deutschen Team die Entscheidung abgenommen, ob sie kämpfen, oder sich auf ein lasches Unentschieden einlassen wollen, denn irgendwer jenseits des Atlantiks hat Löw die Mannschaftsaufstellung sicher bereits vorgegeben.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Tierische Orakel von Witwe Clausen

Ich blühe auf, seitdem ich die Freundestruppe meines Enkelsohnes jeden Abend zum Public Viewing bei mir habe. Gestern lernte ich, was Tiki-Taka-Fußball ist und warum er sich überholt hat. Fachmännisch werde ich über jede taktische Feinheit eines Fußballspiels aufgeklärt, obwohl ich bis heute noch keine Vierer-, Fünfer-, oder Dreierketten auf dem Spielfeld erkennen kann. Für mich laufen die Spieler auf dem Platz kunterbunt durcheinander und stapeln sich vornehmlich dort, wo sich der Ball befindet. Bei jedem Pfiff durch den Schiedsrichter frage ich nach, was denn nun wieder schief gelaufen ist, aber langsam komme ich dahinter. Ich kann jetzt ein taktisches Foul von einem Offensivfoul unterscheiden, obwohl mir nicht klar ist, warum so häufig nach dem Gegner getreten wird, wo es doch darum geht, nach dem Ball zu treten. Meistens bekomme ich sowieso nicht mit, was sich aktuell auf dem Rasen abspielt, denn ich bin mehr am Publikum und an den Reaktionen der Spieler, der Trainer und wer da sonst noch so rumläuft, interessiert. Die klassischen Dramen und Komödien kommen da nicht mit und manchmal hat man wirklich den Eindruck, missgelaunte oder wohlgesonnene Fußballgötter mischen sich, je nach Stimmungslage in den Spielablauf ein. Tragische Helden werden gestürzt, Weltreiche gehen sang- und klanglos unter, während diejenigen, die bislang im Schatten standen zu Ruhm und Ehre kommen. Überschäumende Freude und tiefstes Leid brechen sich Bahn, je nachdem wie es den Göttern gefällt und es wird deutlich, dass man das Schicksal nur zu einem kleinen Teil in der eigenen Hand hat. Der freie Wille scheitert am Sturm der Gegner, an himmlischen Mächten und an den Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Die letzte Viertelstunde eines Spiels ist immer die Interessanteste. Es wird sich noch einmal kurz vor Schluss verzweifelt aufgebäumt, man versucht das Ruder noch einmal herum zu reißen, aber, noch bevor die letzten fünf Minuten anbrechen, nimmt man sein Schicksal gedemütigt und wehklagend hin und selbst die Nachspielzeit wird nicht mehr genutzt. Es ist wie im Leben. Ein Großteil der Zeit wird vertändelt, denn schließlich hat man ja noch so viel Zeit vor sich, aber je länger die Uhr tickt, desto hektischer geht es zu, denn man will nicht akzeptieren, dass man die Gelegenheiten ausließ, als sie da waren, in der trügerischen Hoffnung, es werden sich noch zahlreiche davon ergeben. Und dann, fünf Minuten vor dem Schlusspfiff, die bittere Erkenntnis, dass kein Raum, keine Zeit mehr für Kehrtwendungen ist.

John Carter, mein räudiger Tierheimkater mit dem Halbmastauge, sieht das genau so wie ich. Gelegentlich erhebt er sich aus dem Lieblingssessel meines verflossenen Friedrichs, stolziert zum Fernseher und stupst den einen oder anderen Spieler, der plan-und willenlos herumrennt, mit seiner Pfote an, als wolle er sagen: »Nun tu doch mal was!« Wenn er erkennt, dass äußere Einflüsse von Katerseite wirkungslos verpuffen, schleicht er zum Sessel zurück und kehrt dem Geschehen demonstrativ den Rücken zu, blinzelt aber hin und wieder doch in Richtung der Akteure und unternimmt einen weiteren Versuch. Er wurde übrigens von den Jungs zu unserem ganz persönlichen, tierischen Orakel erklärt, denn die Mannschaft, die er zu motivieren versucht und daran scheitert, verliert das Spiel. So wissen wir bereits Mitte der ersten Halbzeit, wie das Match endet, was uns viel von der Spannung nimmt, denn John Carter ist ein Phänomen in dieser Hinsicht.

Witwe Clausen

Placebos von Dr. Bremer

Am Montagnachmittag war ab 16:30 Uhr in meiner Praxis nichts mehr los. Nachdem ich kurz darüber nachdachte, welcher Wunderheiler mir meinen Platz streitig macht, fiel mir ein Deutschland spielt gegen Portugal! Der Wunderheiler hatte einen Namen und er hieß: Fußball! Da kommen keine Pillen, Tropfen oder Salben mit und auch die Anwesenheit eines Mediziners ist nicht mehr gefragt, wenn die WM ihre Placebowirkung entfaltet. Lahme können wieder gehen, Blinde wieder sehen und wer kurz vor dem Abnippeln steht, überlegt es sich noch einmal anders. Leider ist der nächste WM-Auftritt der Löw-Elf am Samstag, da ist meine Praxis sowieso geschlossen und Bereitschaftsdienst habe ich auch nicht. Obwohl, Notdienst möchte ich auch nicht haben, denn die Wirkung des Spiels hält genau bis zum Schlusspfiff an. Danach fällt dem Normalpatienten wieder das eine oder andere Zipperlein ein, während sich der Hardcorefan im Siegestaumel oder im Verliererfrust hemmungslos besäuft und das zum Ausbruch bringt, was immer schon einmal herausgelassen werden musste. Nein, meine diensthabenden Kollegen vom Samstag beneide ich nicht.

Einigermaßen pikiert war ich, als ein Patient dringend kurzfristig einen Termin in meiner Sprechstunde haben wollte und,als ich ihn fragte, wo ihn denn der Schuh so urplötzlich drückt, doch tatsächlich wissen wollte, was von der Verletzung von Hummels zu halten ist und, ob ich diesbezüglich eine Prognose für das nächste Spiel abgeben könne. Leider steht nirgendwo in Hippokratischen Eid, man dürfe irre Patienten mit gutem Gewissen vor die Tür setzen. Das Gespräch erwies sich im Nachhinein doch noch als konstruktiv, bin ich doch jetzt über die genaue Mannschaftsaufstellung samt Reservespielern und die bisherigen Verletzungssorgen im deutschen Team informiert.

Kinder pflege ich in meiner Praxis mit Gummibärchen zu belohnen, wenn sie sich als besonders tapfer erweisen. Nun werden diese schnöden Tütchen mit der Anfrage, ob es denn keine Klebebildchen von Spielern mit dem passenden Sammelalbum gebe zurück gewiesen. Auch vermisst der eine oder andere Patient, den Großbildfernseher im Wartezimmer, von der entsprechenden schwarz-rot-goldenen Deko ganz zu schweigen. Als meine Sprechstundenhilfen ankamen und wenigstens ein bisschen Fanschminke vorschlugen, drohte ich mit sofortiger Entlassung, wenn ich auch nur den Hauch von Nationalfarbe in ihren Gesichtern entdecken sollte. Die Welt um mich herum versinkt im kollektiven Wahn und der Anblick von Autos mit patriotischer Ausstattung bringt mich fast dazu, den einen oder anderen Wagen rammen zu wollen. Als ich letztens ein Bobby-Car sah, das mit etlichen Bannern geschmückt wurde, wusste ich, auch für die nächste Generation ist der Wahnsinn garantiert. Vielleicht bin ich nur neidisch, denn mein Vater ging mit mir nie zu einem Fußballspiel. Soll ich ihm jetzt dankbar sein,, dass er mich vor dem saisonalen Irresein bewahrte? Oder soll ich ihn verurteilen, weil der mir den Weg in die Welt »der schönsten Nebensache der Welt« vorenthielt? Ich bin durch und durch ein Verstandesmensch, aber das, was im Moment um mich herum passiert, geht mir glatt darüber.

Dr. Bremer, Landarzt

Ausnahmezustand von Paul Wiedebach

Meine Frau ist nicht mehr wieder zu erkennen und nach beinahe dreißig Jahren des Zusammenseins mit ihr, muss ich gestehen, dass ich sie überhaupt nicht kenne. Jedenfalls sitzt sie jeden Tag stundenlang vor dem Fernseher und »zieht sich jedes Fußballspiel« der WM rein. Gestern krönte sie diesen abnormen Geisteszustand damit, dass sie sich beim 2:0 für die deutsche Elf tatsächlich Fanschminke ins Gesicht schmierte und das ganze Haus auf den Kopf stellte, auf der Suche nach einer deutschen Flagge, obwohl sie genau weiß, dass wir solche Devotionalien nicht besitzen. Sie fand dann aber doch einen Zahnstocher mit dem schwarz-rot-goldenen Banner, den sie frenetisch beim 3:0 und 4:0 schwenkte. Nach Ende des Spiels war sie bis 21:00 Uhr in einem Zustand der Ruhelosigkeit, der sich erst legte als der nächste Anstoß erfolgte. Iran gegen Nigeria, wen interessiert das?! Meine Frau offensichtlich schon, denn sie schickte mich um 21:30 Uhr ungeduldig ins Bett, weil sie meine Kommentare von diesem »hochspannenden« Spiel ablenkten. Sonst ist sie es, die spätestens um diese Uhrzeit ausgiebig gähnt und sich Richtung Bett verabschiedet, aber nicht während der WM! Sie ist sogar ins Gästezimmer umgezogen, da sie sich die Mitternachtsspiele auch noch ansieht und mich nicht wecken will, wenn sie irgendwann gegen Morgen fußballmüde in die Federn kriecht. Am Frühstückstisch ist sie ebenfalls nicht ansprechbar, da unausgeschlafen. Ich könnte mich sowieso nicht mit ihr unterhalten, da der Küchenfernseher bereits läuft und in diesem alle Torszenen, Torgefahrszenen und die für diese WM obligatorischen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zum X-ten Male gezeigt werden. Dazu Kommentare zu Kommentaren über bereits stattgefundene und noch bevorstehende Spiele, Einschätzungen, Meinungen und Schwenks über diverse Orte des Public Viewings. Ich schaue zu ihr hinüber und frage mich: »Wer ist diese Frau? Hat sie völlig den Verstand verloren? Was ist mit der Korruption innerhalb der FIFA? Was ist mit den protestierenden Brasilianern, die zu Recht über die sinnlosen Ausgaben für die WM auf die Straße gehen? Was ist mit Blatter, dessen Name sich von Blattern ableitet, also eine Art Pest darstellt? Wo ist der Sinn meiner Frau für die Ungerechtigkeiten dieser Welt hin?« Meine vorsichtigen Vorstöße in dieser Richtung werden ungeduldig abgewunken, denn irgendein Fußballexperte gibt sein unmaßgebliches Urteil zum Besten. Ganz eindeutig ist meine Gattin ein Opfer des allgemeinen Fußballwahns. Wie ein Virus hat er sich in ihr ansonsten einwandfrei funktionierendes Hirn geschlichen und verrichtet dort sein zerstörerisches Werk. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass sie sich nach dem Endspiel wieder den wichtigen Dingen des Lebens-also mir- zuwendet und sich, wie der Rest der Welt verwundert die Augen reibt und sich fragt, was zur Hölle mit ihr passierte. Natürlich wird sie zunächst unter schwerem »Fußballentzug« leiden, denn was macht sie um 18:00 Uhr, um 21:00 Uhr, um 24:00 Uhr und um 02.00 Uhr? Auf den schwarzen Fernseher starren? Das ist es, was die WM tut. Sie gibt für wenige Wochen eine Tagesstruktur vor und verleiht die Illusion, etwas sinnvolles zu tun, auch wenn es nur Fußballschauen ist. Denn, was alle tun, kann nicht verkehrt sein!

Paul Wiedebach, Kolumnist

Gewissheiten von Maria Mitscherlich

Natürlich macht sich der Großteil der Menschen, die ich kenne, über meine Überzeugung lustig, dass Engel um uns herum sind. Meiner Meinung glauben selbst die größten

Atheisten an irgendetwas, obwohl sie keine Beweise dafür haben. Da werden Ehen geschlossen, in der fraglichen Gewissheit, dass sie ein Leben lang halten. Da werden Kinder in die Welt gesetzt, in der Annahme, dass ihnen dereinst die Welt zu Füßen liegen wird. Da wird morgens fröhlich aus dem Haus gegangen, mit dem zweifelhaften Glauben, abends auch wieder zurück zu kehren. Da wird demnach auf Dinge vertraut, für die es absolut keine Garantie gibt. Was ist denn gewiss in dieser Welt? Das Universum kennt so viele Variablen, dass wir sie niemals überschauen können und es ist noch nicht einmal gewiss, dass wir morgen früh putzmunter die Augen aufschlagen werden. Natürlich müssen wir die Unendlichkeiten der Ungewissheit ausblenden, denn sonst wäre ein Leben nicht möglich und wir würden zitternd und zagend im Bett verharren, aus lauter Angst davor, was alles schief gehen könnte, aber die Gewissheit, dass es in der Vergangenheit immer so war und auch in alle Zukunft so bleiben wird, ist die illusionärste von allen. Schlimmer noch als mein Engelglauben. Gewiss ist nur, dass wir eines Tages sterben werden, der Rest ist Glauben. Ja, meine lieben Anhänger das Unglaubens, ihr seid die Gläubigsten von allen, denn ihr lebt in der felsenfesten Annahme, dass ihr ganz allein euer Schicksal in der Hand habt. Ihr glaubt so fest an das Ursache-Wirkungprinzip, dass der Papst dagegen wie ein Heide erscheint. Ihr habt den Allmächtigen durch den Glauben an die eigene Wirkmächtigkeit ersetzt, obwohl es keinerlei Beweise dafür gibt, dass ihr auch nur die kleinste Kleinigkeit im Griff habt. Deswegen ist das Leben für euch eine endlose Kette von Ent-Täuschungen. Und wenn ihr dann alt und grau seid, kommt ihr zu derselben Erkenntnis, die Sokrates schon hatte: »Ich weiß, dass ich nichts weiß!«

Es ist unmöglich, dass Geschehen um einen herum in den Griff zu bekommen. Es gibt nur eines, dass man einigermaßen in den Griff bekommen kann, und das ist die eigene Person, obwohl ich auch daran meine Zweifel habe, denn wenn ich mich umschaue, muss ich feststellen, dass es keinem gelingt. Es scheint derart schwierig zu sein, dass es jenseits aller Fähigkeiten liegt, die dem Menschen gegeben sind. Wenn ich die alten Griechen noch einmal zitieren darf, denn es stand über dem Orakel von Delphi der weise Ratschlag :«Erkenne dich selbst!« Ohne Gewissheit über die eigene Persönlichkeit, gibt es-außer dem Sterben- keine Gewissheit über irgendetwas, denn solange man sich nicht über sich selbst im Klaren ist, gilt das Pipi-Langstrumpf-Prinzip: »Ich mach mir die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt. In Bezug darauf gibt es rosafarbene und pechschwarze Brillen und wir sind jeder Fähigkeit beraubt, die Dinge objektiv zu sehen und sind Opfer einer Gläubigkeit, über die sich jede Weltreligion freuen würde. Der größte Irrglaube ist der Glaube an die eigene Person bar jeder Selbsterkenntnis.  Glaube gründet sich schon seit jeher auf Nicht-Wissen, und wenn ich nichts über mich selber weiß, dann weiß ich überhaupt nichts und bin hilflos, blindes Opfer eines allgegenwärtigen Glaubens. Dann kann ich mit der gleichen Berechtigung an Engel glauben, wie daran, dass alles irgendwie gut enden wird. Da glaube ich doch lieber an meine Engel als an die Happy- End-Theorie.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin