Hoyerswerda von Witwe Clausen

Das neue Asylbewerberheim ist bezugsfertig und ganz Deutschland blickt gespannt darauf, wie die Einwohner dieser Stadt reagieren. Ich stelle mir gerade vor, was bei uns los wäre, wenn in unserer Vorstadtidylle, in der vornehmlich Rentner und Pensionäre wohnen, ein solches Heim auch nur angedacht würde. Oder, was ist mit den Gegenden, wo nur die »Reichen und Schönen« ihr Domizil besitzen? Hier bei uns, oder dort bei denen ein Heim hinzusetzen, wäre der absolute Prüfstein für die hochgelobte Toleranz der »Gebildeten«.

So wie die Winterolympiade an einem subtropischen Ort stattfindet, setzt man Asylbewerberheime bevorzugt dorthin, wo die Lage der dortigen Bewohner an sich schon prekär ist und sie alles gebrauchen können, außer Menschen, die ihnen die wenigen vorhandenen Arbeitsplätze streitig machen könnten.

Ungünstige Voraussetzungen, wenn man so will. Da wäre es doch besser, Asylbewerber an den Stellen anzusiedeln, wo sich die Menschen um Geld und Arbeit keine Sorgen machen müssen.

Außerdem wäre es ein Zeichen der Menschlichkeit und Gastfreundschaft, Flüchtlingen aller Art die schönsten Gegenden Deutschlands anzubieten. Der Bodensee und der Tegernsee böten sich hier an. Anstatt Berlin/Kreuzberg könnte man den Südwesten Berlins ins Auge fassen. Die Königsallee in Düsseldorf, Hamburg/Blankenese oder Bogenhausen in München böten Flüchtlingen, die sich von großem Leid erholen müssen, das passende Ambiente.

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt ein ausgeklügeltes System bei der Planung und dem Bau von »Auffanglagern« vermuten.

Alles läuft nach dem Prinzip: »Wasch mir die Hände, aber mach mich nicht nass.« Unsere High Society blickt, von selbstgerechter Toleranz erfüllt, voller Verachtung auf den tobenden Mob, aber mich interessierte es wirklich, was los wäre, wenn Asylbewerberheime bevorzugt in Villenvierteln gebaut würden.

Ich weiß, es dauert keine Woche, bis sich das »Gutmenschentum« in Luft auflöst.

Nehmen wir zum Beispiel einmal meinen Nachbarn, einen pensionierten Oberstudiendirektor. Er ist ein Paradebeispiel für alles duldende, alles verstehende Gesinnung. Nach außen hin besitzt er die Standfestigkeit eines Gummibärchens. Er ist so tolerant, dass er die Grenzen meiner Toleranz arg strapaziert. Nehmen wir nun einmal an, die Stadt plante ein Asylbewerberheim in unserer, natürlich verkehrsberuhigten Straße. Wie lange würde es wohl dauern, bis der Gummibär seinen stahlharten Kern zeigt? Ich sehe ihn jetzt schon Petitionen an die Stadtverwaltung schreiben und Flugzettel verteilen. Kurz darauf wird er eine Bürgerinitiative ins Leben rufen unter dem Titel: Unsere Straße gehört uns!

Als Versammlungsort für die empörten Bürger böte sich das griechische Restaurant am Ende unserer Straße an. Wahrscheinlich wird der Inhaber, da er lange genug in Deutschland lebt, seinen Saal zur Verfügung stellen.

Glauben Sie mir, Hoyerswerda ist in Deutschland überall, wenn man es darauf ankommen lässt.

Witwe Clausen

Prävention von Dr. Bremer

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Vorsorgemaßnahmen, die den Bereichen Bewegung, Entspannung, Ernährung und Sucht entstammen. Wieso, frage ich mich, soll eine Solidargemeinschaft dafür aufkommen, dass der Mensch auf sich achtet?

Zumal es in den Sparten der Präventionsmaßnahmen um etwas geht, dass jedermann bekannt sein dürfte. Zu viel Fressen, zu viel Saufen, zu viel Stress, zu viel Rauchen oder Doping anderer Art und zu wenig Bewegung sind ungesund. Wer hätte das gedacht?

Müssen wir alle wie die Kleinkinder an die Hand genommen werden, um nicht vom richtigen Weg abzukommen? Noch schlimmer, brauchen wir im Erwachsenenalter weiterhin den erhobenen Zeigefinger?

Wenn ein Patient meine Praxis betritt, hängt er nicht nur seinen Mantel an der Garderobe auf, sondern hängt die Eigenverantwortung und die Selbstbestimmung gleich mit dazu.

Manchmal bekomme ich den Eindruck, dass die »Kranken« unentwegt den unausgesprochenen Satz im Kopf haben: »Ja Papa, nun mach doch mal was, weil es mir schlecht geht, weil ich nicht mehr klarkomme, weil ich mich selber in einen Schlamassel geritten habe, aus dem ich nicht mehr herausfinde!«

Der Arzt ist somit nicht nur »Halbgott in Weiß«, sondern auch Gottvater persönlich.

Es ist ein bekanntes Phänomen, das bereits während des Studiums gelehrt wird, dass Menschen in Krankenhäusern und in Arztpraxen die Tendenz zeigen, zu regredieren, was heißt, dass sie sich geistig und emotional in den Kindheitszustand versetzen. Dieses Vorgehen scheint nicht mehr nur in Spitälern und Praxen stattzufinden, sondern auch im Alltag. Wenn es bei den eigenen Kindern nicht richtig läuft, sollen gefälligst die Erzieherinnen in den Kindergärten oder die Lehrer tätig werden. Bei der Arbeit ist es der Vorgesetzte, der an allem Schuld ist. In den persönlichen Geldgeschäften sind es die Banker und, was das Wohlbefinden betrifft, eben die Gesundheitsindustrie.

Ich habe gar nicht mitbekommen, wann das Wort Eigenverantwortlichkeit aus dem allgemeinen Vokabular gestrichen wurde.

Nehmen wir zum Beispiel Patient S.. Er sitzt ständig auf seinem breiten Hintern in meiner Sprechstunde und beklagt sich weitschweifig darüber, wie schlecht ihn doch alle behandeln. Wobei ich immer sage: »Wer nicht selber handelt, wird eben behandelt.«

Auch im übertragenen Sinne, denn wer nicht auf sich acht gibt, braucht meine Behandlung.

»Sein Haus bestellen«, wer nimmt dies noch mit allen Konsequenzen in Angriff?

Das größte Rätsel ist für den Menschen das, mit dem er täglich zu tun hat, sein eigener Körper. Obwohl jedermann nur einen Einzigen zur Verfügung gestellt bekommt, verhalten sich die meisten so, als hätten sie noch jede Menge Körper zum Wechseln im Schrank. Es scheitert bereits an der Ortsangabe für die inneren Organe, von deren Funktion will ich gar nicht sprechen.

Wenn ich dies und jenes tue, was passiert dann mit meinem Körper? Wer will das schon genau wissen? Im Prinzip ist jeder Tag eine Präventionsmaßnahme. Man achte nur auf ausreichend Schlaf, angemessene Bewegung an der frischen Luft, angemessene Ernährung und hält sich von Giften fern.

Fertig!

Dr. Bremer, Landarzt

Mensch ärgere dich nicht von Paul Wiedebach

Dieses in Deutschland millionenfach verkaufte Spiel wird 100 Jahre alt. Was mich dazu brachte, wie wohl der Spielverlauf aussieht, wenn man gegen bestimmte Gegner antritt.

Bei Xi Jinping oder Putin sähe es so aus, dass alle zwar mitwürfeln können, aber ihr Häuschen nicht verlassen dürfen, egal wie viel Augen der Würfel auch zeigen mag.

Die NSA benutzt einen Schwerpunktwürfel, der immer eine Sechs anzeigt. Tritt man gegen andere Politiker außer den oben genannten an, darf man sein Häuschen erst verlassen, wenn der Würfel eine Sieben anzeigt. Militärregimes bekommen die dreifache Anzahl an Spielfiguren zur Verfügung. Beim Großkapital sind alle Zielhäuschen außer dem des Großkapitals verbarrikadiert. Bei Bankern besitzen alle Spielfiguren die gleiche Farbe und nur sie wissen, welche die eigenen und welche die gegnerischen sind, während wir mühsam herausfinden müssen, wer oder was zu uns gehört. Asylsuchende bekommen weder Spielfiguren, noch Würfel gestellt und müssen sehen, wie sie klarkommen. Gleiches gilt für Bewohner der sogenannten »Dritten Welt«. Die Umwelt ist von vorneherein vom Spiel ausgeschlossen, was auch für Tiere gilt.

Tritt man gegen die eigenen Kinder an, so ist es den Eltern bei Strafe verboten, die Spielfiguren der Kinder vom Spielfeld zu werfen, egal wie blödsinnig diese auch vorgehen. Gleiches gilt für ein Spiel mit den eigenen Eltern. Bei einem Spiel gegen den Ehepartner radiert man am Besten die Sechs vom eigenen Würfel aus, denn der Gatte, oder die Gattin ist bei Laune zu halten.

Spielt man hingegen ganz allein gegen sich selbst, sind alle Regelverstöße erlaubt.

Wie man sieht, birgt dieses einfache Spiel mehr Möglichkeiten, als man je glaubte, weil es keine Schiedsrichter gibt.

Der Name des Spieles ist Programm: Mensch ärgere dich nicht!

Jetzt kann man noch mit dem Namen spielen, indem man jedes einzelne Wort separat für sich betont. Wobei mir die Variante, Mensch ärgere DICH nicht, am Besten gefällt.

Man sollte viel lieber die anderen ärgern, bevor man es mit sich selber tut. Im Prinzip ärgern wir UNS die ganze Zeit über Nichtigkeiten, wobei wir vollkommen übersehen, dass die anderen den Spielverlauf quasi hinter unserem Rücken bestimmen, wie man an den oben genannten Beispielen erkennt.

Der Erfinder des Spieles, Josef Friedrich Schmidt, handelte übrigens aus reiner Not, da er nach einer Möglichkeit suchte, die eigenen, allzu lebhaften Kinder zu beschäftigen.

Wie man sieht, lassen sich aufmüpfige Zeitgenossen durch Spiel beruhigen, selbst wenn die Karten gezinkt sind.

Bevor ich MICH also noch weiter aufrege, werfe ich ein Computerspiel auf meinem Laptop an. Wenigstens die Aliens in diesem Spiel lassen mir die Illusion, eine Chance zu besitzen, letztendlich Sieger zu sein.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Süßwarenmesse von Tanja K.

In Köln findet die Süßwarenmesse statt und die Bevölkerung ist bereits derart übersättigt, dass die Industrie mit »Neuentwicklungen« kaum hinterher kommt.

Man kann sich nicht nur spielend leicht mit der Flasche um die Ecke bringen, sondern Messer und Gabel vollbringen dies genauso gut, bzw., im Fall der Naschereien und Snacks schreiten sogar die bloßen Hände zur Tat.

»Eine Handvoll am Tag ist unbedenklich«, bekam ich zu hören, aber nur, wenn man danach eine halbe Stunde joggt oder schwere körperliche Arbeit erledigt. Wenn sich alle an diese Vorgaben halten würden, wären tausende von Joggern nächtelang unterwegs, um die beim Fernsehen sinnlos in sich hineingestopften »Seelentröster« wieder quitt zu werden, oder es entstünden des Nachts Bauwerke von unglaublichen Dimensionen. Jeder Quadratmeter Deutschlands würde in kultivierte Äcker und Böden verwandelt, da beinahe jedermann enorme Mengen der »Schlechtes-Gewissen-Kalorien« verbrennen müsste.

Süßwaren sind Brennstoffe mit hohem Brennwert. Niemand verfiele jemals auf die Idee, sein Auto »übertanken« zu wollen. Genauso wie niemand jemals den Wunsch verspürte, seinem Haustier reinen Alkohol zu verpassen, oder ein einfaches Haushaltsgerät an Starkstrom anzuschließen.

Was mich zu der Frage bringt, warum verfahren wir nur mit der eigenen Person so fahrlässig?

Führt Übersättigung bei uns schlichtweg zu dem Gefühl, niemals mehr satt werden zu können?

Jetzt gibt es sogar Schokolade mit Splittern aus reinem Gold, so wie endlos »veredelte« Spirituosen existieren. Dabei geht es nur um die Zuführung von Zucker, Fett und Alkohol. Eine Wein- oder Whiskeyverkostung »edler Tropfen«, bleibt vor allen Dingen eins, ein Besäufnis.

Und bei einem Chateau irgendwas mit einem schwindelerregenden Preisniveau geht es um Ethylalkohol, sowie es bei der goldbesprenkelten Schokolade um Zucker und Fett geht.

Nun mag der Chateau irgendwas noch so »rund im Abgang« und die Goldschokolade »exquisit splittrig« sein, zu Bauch- und Kopfschmerzen führt beides. Wenn die anderen Drogen demnächst freigegeben werden, erwarte ich Kokainmessen, Heroin- und Haschverkostungen Vielleicht überwuchern dann besonders exklusive Zuführinstrumente, wie diamantbesetzte Haschpfeifchen und Strohhalme aus puren Edelmetallen den Markt.

Nadelbestecke vom Luxushersteller konkurrieren mit Einwegspritzen, wobei der Nadelbestecknutzer ein Gourmet, der Wegwerfspritzennutzer hingegen ein Junkie ist.

Schöne neue Welt!

Tanja K., anonyme Alkoholikerin

Pflege im Alter von Maria Mitscherlich

Etwas gab mir heute Morgen zu denken. Wir holen Chinesinnen ins Land, damit sie unsere Alten pflegen. Diese Chinesinnen wurden in ihrem Heimatland zu Krankenschwestern ausgebildet und sind für den Job der reinen Pflegerin überqualifiziert. Pflegeausbildungen gibt es in China nicht, wie ich durch ein Interview mit einer der jungen Damen erfuhr, denn die Pflege der Alten obliegt ausschließlich der Familie.

Interessant dachte ich und fragte mich, ob es daran liegt, dass der Staat sich einfach nicht kümmert, oder eher daran, dass dort die Familie eine andere Wertigkeit besitzt als bei uns.

Der Familienverband ist hierzulande auf dem absteigenden Ast. Unsere Familien bestehen entweder aus patchworkartigen Zusammenballungen oder aus Alleinerziehenden. Gerade die Alleinerziehenden haben nach einem Kind die Pappe auf, denn es ist weit und breit weder Oma noch Tante in Sicht, die sich auch einmal um den Nachwuchs kümmert.

Haben Sie schon einmal einen ganzen Tag allein mit einem Kind verbracht? Ich, die ich weder Kinder noch sonstige Familie besitze, stelle mir das grauenhaft vor. Schon vor langer Zeit entschied ich mich dafür, dass mein Leben ausschließlich mir selbst gehört. Deswegen sah ich auch von einem störenden Lebenspartner ab. Finanziell gesehen bin ich unabhängig, also brauche ich keinen Ernährer. Die heutigen Frauen wollen beides, die finanzielle Unabhängigkeit und den Ernährer, besonders, wenn Kinderwunsch besteht. Was hat es nun mit diesem Kinderwunsch auf sich? Was treibt Frauen dazu, ihr Leben dem Nachwuchs opfern zu wollen. Hormone? Gesellschaftlicher Druck? Ist man ohne Kind keine richtige Frau? Oder besitzt das Kind eher Alibifunktion, weil in der kalten Berufswelt der Wind weitgehend von vorne bläst?

Weil man nicht in der Lage ist, etwas zu leisten, leistet man sich eben ein Kind, aber, ist ein Kind eine Leistung? »Damit ich im Alter nicht so alleine bin«, bekomme ich oft zu hören. Was aber nicht zu funktionieren scheint, wie man am Beispiel der Chinesinnen erkennt, denn welches Kind sitzt schon bei Mama und Papa und hält Händchen?

Wenn ich mir die Sorgen und Nöte der Eltern anhöre, die in meine Therapiestunden kommen, schlage ich jedes Mal drei Kreuze, dass mir diese Nemesis, Mutter zu sein, erspart blieb. Bekommt man die vielen schlaflosen Nächte, die sich nicht nur auf das Säuglingsalter beziehen, irgendwann einmal vergütet? Elterliche Sorgen sind Sorgen, die erst aufhören, wenn man so dement ist, dass man sich nicht mehr an die eigenen Kinder erinnert.

»Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen«, pflegte meine Mutter zu deklarieren. Allein meine Berufswahl trieb sie halbwegs in den Wahnsinn. Wobei mir gerade einfällt, dass ich sie wieder einmal besuchen müsste. Wann war ich zuletzt in dieser Einrichtung, in der sie jetzt sitzt? Wie man sieht, bin ich ein äußerst undankbares Kind. Aber, was heißt hier undankbar. Habe ich sie dazu gedrängt, mich zu zeugen?

Jedenfalls werde ich mich rechtzeitig nach einer überqualifizierten, treusorgenden Asiatin umschauen, wenn ich alt und klapprig werde. Ich bin dann im Alter nicht allein und habe mir dennoch jede Menge Sorgen erspart.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

 

Datenklau von Paul Wiedebach

»Das größte Problem sitzt vor dem Computer und bedient die Tastatur«, meinte ein Computerclub.

Jedenfalls geht es den meisten Nutzern des Netzes am Ar … vorbei, dass ihre Daten millionenfach ausgespäht werden. Kann berechtigt sein, denn der pro Kopf Schaden der Computerkriminalität im privaten Bereich beträgt nur wenige Cent. Bei Wirtschaftsspionage liegt dieser Betrag jedoch bei einem pro Kopf Schaden von 100 Euro, was die Regierungen aber auch nicht weiter juckt. Also was soll sich Otto Normalverbraucher scheren, wenn selbst die Kanzlerin sich nicht kümmert.

Wir sind sowieso alle Autisten und was uns persönlich nicht tangiert, geht uns auch nichts an. Da ticken die »Großen« genau so wie die »Kleinen«. Wir brauchen es überschaubar. Gestern beim BSI kurz geprüft, ob die eigene E-Mail Adresse unter den »gehackten« ist und wenn nicht, wird fröhlich weiter »firewallfrei« gepostet, gemailt und gechattet, was das Zeug hält. Es gibt Passwörter, die 1, 2, 3, 4, 5, 6, oder A, B, C, D, E, F lauten! Mehr als sechs Zeichen kann und will man sich nicht merken. Diese werden dann möglichst einfach gewählt, wie man sieht, denn Hirn ist schon lange aus.

Es gibt für Mitglieder des Bundestages abhörsichere Handys, aber die sind ja ach so kompliziert und umständlich und erfordern Denkvorgänge.

Überlassen wir das Denken doch lieber den Computern! Nun können Computer vieles, aber nicht denken. Ein Computer tut ausschließlich das, was man ihm sagt.

Jetzt haben wir ein Problem. Zwei Systeme arbeiten zusammen. Das eine kann, das andere will nicht denken. Es dürfte jedem klar sein, dass so etwas zu den kuriosesten Ergebnissen führt. Niemals war der Spruch Christi: »Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« aktueller als heute.

Die genialste Maschine, die die Menschheit jemals entwickelte, wird überwiegend als Spielzeug benutzt! Marionettengleich agieren wir mit den neuesten Apps, ohne uns jemals zu fragen, wer da eigentlich die Fäden in der Hand hält. Das Prinzip »Brot und Spiele« zur Massenberuhigung bekommt im Computerzeitalter eine vollkommen neue Wertigkeit. Während wir dem aktuellsten Smartphone hinterherjagen, werden im Hintergrund die Fäden gesponnen, in denen wir uns mehr und mehr verfangen sollen. Hinter dem Netz befindet sich das wahre Netz. Wir meinen, der Herr und Meister unseres PC zu sein und hinterfragen niemals, wer ihn programmiert.

Wer weiß, wie der Mensch tickt, bestimmt, auf was er klickt. Und wer weiß, wie der Computer tickt, schon gleich gar.

Schon unseren Kindern werden die idiotischsten Apps vermittelt. »Schicke uns einfach den Namen Deiner Freundin und wir sagen Dir, ob sie eine falsche Schlange ist!«, oder, schicke uns den Namen Deines Freundes und wir sagen Dir, ob eure Liebe eine Zukunft hat!« Ich bekam letztens unfreiwillig die VIVA – Kanal – Werbung mit und kann nur sagen, so viel »Jugendverdummung« ist mir noch nicht untergekommen.

Da wird systematisch »Klick-Vieh« herangezogen! Geben wir es doch zu, in Bezug auf die schöne, neue Computerwelt sind wir es alle nur.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Psychologie von Dr. Bremer

Mit großem Interesse las ich gestern den Artikel unserer Witwe Clausen über Nettigkeitsfallen. Sehen Sie, ich als junger Arzt geriet ständig in Fanggespräche mit Patienten, denen gesundheitlich nichts fehlte und die einfach nur quasseln wollten. Der größte Anteil meiner Klientel besteht zwar immer noch aus diesen »Kreiselpatienten«, wie ich sie nenne, aber mittlerweile ging mir auf, dass ich zwei Ohren besitze. Zum einen geht es hinein und zum anderen problemlos hinaus, weil ich das zwischengeschaltete Gehirn in den »Stand-by-Modus« versetze. Hinterher rechne ich eine »Psycho-Ziffer« ab, die nicht viel einbringt, aber mich wenigstens zum bezahlten Zuhörer macht.

Was sind nun »Kreiselpatienten«?

Bei diesen handelt es sich um eingebildete Kranke mit kreiselnden Beschwerden. Zumeist geht es im Bereich des Herzens los, dann kommt der Magen-Darm-Komplex an die Reihe und, wenn ich daraufhin immer noch nicht »anspringe«, folgen die Gelenke, wobei eine nicht vorhandene Reaktion meinerseits, schließlich bei merkwürdigen Flecken auf der Haut endet. Der Kopf bleibt ausgespart, wahrscheinlich, weil diese »Kranken« wissen, dass dort ihr Hauptproblem beheimatet ist.

Früher machte ich den Fehler, diesen wandernden Befindlichkeitsstörungen freien Lauf zu lassen. Ich hakte geduldig einen Beschwerdekomplex nach dem anderen ab, erging mich in Erläuterungen und Beruhigungen, aber die ominöse Krankheit erwies sich als Floh, der weiter hüpft, wenn man ihn zu erwischen trachtet.

Mein größter Fehler bestand darin, die Patienten ohne Rezept wegschicken zu wollen, da ich keinen Grund für eine medikamentöse Behandlung fand. Aber dann gingen die nicht! Sie blieben wie angeklebt auf ihrem Stuhl sitzen und selbst, wenn ich sie bis zur Tür komplimentierte und aus meinem Sprechzimmer zu schieben versuchte, blockierten sie diese mit einem Fuß und kamen, da anscheinend alles nichts half, auf ihre Zehnägel zu sprechen.

Merke: Betritt ein Patient deine Praxis, verlässt er sie nur, wenn er eine Diagnose erhielt und entweder ein Rezept oder eine Überweisung als Rechtfertigung für den Arztbesuch vorweisen kann!

Heute bin ich schlauer. Ich stürze mich vehement auf das erste Symptom, aggraviere es womöglich, veranlasse unnötige, weiterführende Diagnostik, teile Rezepte zur »Überbrückung« aus, auf denen Medikamente stehen, die nicht schaden, aber auch nicht nutzen und bin den »Kreiselpatienten« nach höchstens zehn Minuten quitt.

Natürlich sitzt er dann irgendwann wieder bei mir, unter dem Arm eine meterdicke Akte von Befunden der Spezialisten, die naturgemäß nichts fanden.

Jetzt habe ich ein Problem. Aber da gibt es ja noch die Diagnosen, die im Prinzip keine sind, da bis heute keiner die dazugehörige Krankheit dingfest machte.

Eine davon teile ich mit sorgengefurchter Stirn mit, rezeptiere ein Placebo, schaue nach dieser Prozedur auf die Uhr und stelle fest, dass es keine fünf Minuten dauerte, mich des »Kreiselpatienten« zu entledigen.

Halleluja!

Dr. Bremer, Landarzt

Weltkuscheltag von Witwe Clausen

Wir befinden uns eigentlich zu sehr auf Kuschelkurs. Mir fiel jedenfalls auf, dass ich in den letzten 14 Tagen einmal mehr gründlich in die »Nettigkeitsfalle« geriet. Von meinen, ach so leidenden Witwern auf Brautschau ließ ich mir auf dem Friedhof die Ohren volltexten, wie es auf »Neudeutsch« heißt. Meine Tochter rief beinahe täglich an und heulte sich bei mir alles Leid, ihren Beruf als Lehrerin und ihren werten Gatten betreffend, von der Seele. Meine notorisch klammen Enkelkinder logen mir so manchen Euro aus meiner Geldbörse und Ludwig, der hartnäckigste unter den Witwern, machte mir einen unsittlichen Antrag. Das Ende vom Lied war, dass ich morgens meine Herztropfen brauchte und mir nicht erklären konnte, warum.

Einzig John Carter, mein räudiger Tierheimkater mit dem Halbmastauge, hörte die Nachtigall bereits im Vorfeld tapsen, denn seine anderthalb Blicke nahmen an Verächtlichkeit zu. »Was stört es einen deutschen Kater, wenn sich die Mäuse an ihm reiben?« Diese Frage stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, aber ich bemerkte es nicht, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, die Frau »mit dem goldenen Herzen« zu geben. Heute Morgen stellte er sich plötzlich wieder ein, mein innerster Kern, der anscheinend gerne unter den schmachtenden Blicken der anderen dahinschmilzt.

Die leichten Panikattacken, deren Herzrasen und Stolpern mich zur Medizin greifen ließen, verschwanden quasi über Nacht und nun sitze ich hier und überlege, welcher Teufel mich da wohl wieder ritt, lediglich in den Bedürfnissen meines Umfeldes aufzugehen.

Ausgerechnet am Weltkuscheltag stelle ich meine Stacheln auf! Ich muss mir gleich einen Zettel an den Küchenschrank kleben, auf dem warnend steht: Tappe nicht in die Nettigkeitsfalle!

Was mich zu der Frage bringt: Wann wird Nettigkeit zur Falle?

Ganz einfach! Wenn alles in einem Alarm schreit, wenn andere nur herumjammern. Wenn man sich mit Gewalt dazu bringen muss, überhaupt zuzuhören. Wenn man sich andauernd ermahnen muss, dass man nicht so empfinden darf, wie man eben empfindet. Wenn man sich beinahe platzend selbst den Mund verbietet. Und, vor allen Dingen, wenn man sich nach einem Gespräch schlechter fühlt als vorher.

Das Gespräch dient dem gegenseitigen Austausch und der gegenseitigen Bereicherung. Beide Seiten sollten in der Lage sein, ihr Anliegen zum Ausdruck zu bringen, wenn es denn ein wahres Anliegen gibt.

Wenn alles in einem »Ja, aber« brüllt und man es nicht formulieren kann oder darf, läuft schon irgendetwas falsch. Dabei kann und darf es gelegentlich einmal laut werden; die Hauptsache ist doch, dass beide Teilnehmer hinterher zufriedener als vorher sind.

Schließlich besteht ein Dialog, laut Definition, aus Rede und Gegenrede! Kritikloses Abnicken hilft keinem der Gesprächsteilnehmer. Meine Enkelin brachte mir das »Googeln« bei, also googele ich einmal schnell den Konsens.

Aha! Er leitet sich von con-sentire ab, was so viel wie Zustimmen, Übereinstimmen bedeutet. Wenn ich jetzt die Übersetzung von sentire googele, gefällt mir »fühlen« am Besten. »Zusammenfühlen«, also muss nicht nur der Kopf, sondern auch das Herz zustimmen. Mein Herz stimmte nicht zu, deswegen die Tropfen!

Was passiert jetzt? John Carter springt auf meinen Schoß! Das tat er noch nie! Er fühlt demnach mit mir zusammen. Ich streichele ihn, und er gibt tatsächlich ein Schnurren von sich! Wer erzieht hier wen?

Witwe Clausen

 

NSA von Tanja K.

Weiterhin denke ich über Emotionen nach. Ich sinniere so unendlich viel, seitdem ich nicht mehr trinke. Nachholbedarf?

Was ist zum Beispiel aus der hehren Wut Angela Merkels über die Abhörung ihres Handys geworden? In Luft löste sie sich gewiss nicht auf; sie brodelt weiter unter einer Konsequenzanalyse. Was unsere Emotionen betrifft, analysieren wir uns um Kopf und Kragen, welche Auswirkungen sie besitzen und uns dermaßen in den Würgegriff nehmend, leiden wir unter Ventilfunktionen, die oftmals schädlichere Wirkungen zeitigen als

das zugrunde liegende »Ursprungsgefühl«.

Ich weiß, wovon ich rede, denn welche schwerwiegenden Konsequenzen es mit sich bringt, seine Gefühle ertränken zu wollen, davon kann jeder Alkoholiker Zeugnis ablegen. Nicht nur die Alkoholiker unter uns, auch die divers Süchtigen, die »Psychosomatiker«, die Neurotiker und die Arbeitswütigen dürfen sich hier durchaus einreihen.

Unser Körper wird durch Wut und den dadurch steigenden Adrenalinspiegel zum Kampf gedrängt, aber was machen wir? Wir ziehen den Schwanz ein, erstarren äußerlich Kaninchenhaft, während der Wolf in uns weiter tobt.

Schon Plautus, der römische Komödiendichter, wusste:

»Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit. (Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, nicht ein Mensch, wenn man sich nicht kennt.)

Hobbes machte daraus:

»Der Mensch ist ein Gott für den Menschen, und: Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen; jener, wenn man die Bürger untereinander, dieser, wenn man die Staaten untereinander vergleicht.«

Angie besitzt demnach, laut Hobbes, in Bezug auf Obama freie Bahn!

Wir sind beides: Gott und Wolf. Wobei ich der Meinung bin, dass man sich anderen Göttern gegenüber göttlich, anderen Wölfen gegenüber wölfisch verhalten sollte, auch wenn man sie kennt!

Mir fällt da ein Spruch ein, den ich einmal, ich weiß nicht mehr, wo, las:

»Der Kunde ist König, solange er sich königlich verhält!«

Warum besitzt das alte Sprichwort: »Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück«, keine Gültigkeit mehr?

Warum darf man auf eine offensichtliche Provokation nicht angemessen antworten? Meiner Ansicht nach wird viel zu oft die »andere Wange hingehalten«.

Wenn ich enorm wütend bin, hat dies auch seinen Grund. Ich rede mich ja nicht aus Spaß an der Freude in Rage. Und, wenn ich den Verursacher dieser meiner Wut eindeutig ausgemacht habe, warum zahle ich dann nicht mit »gleicher Münze heim«?

Oder sind wir alle besessen davon, vor uns und besonders vor dem Rest der Welt, als »Gutmenschen« dazustehen, was uns zu notorischen Leisetretern degradiert?

Ich kann nur für mich sprechen und finde heraus, dass ich viel zu oft »Angst vor der eigenen Courage« habe. Die Gründe hierfür wären ein anderes Mal zu erläutern.

Tanja K., anonyme Alkoholikerin

 

Skandale von Paul Wiedebach

Man erregt Aufsehen oder auch einen Aufschrei. Beides beinhaltet durch die Vorsilbe »auf« die Kurzfristigkeit des Ereignisses. Wer aufsieht, bzw., aufschreit, tut dies nur punktuell und kehrt, sobald der Adrenalinspiegel sinkt, zu seinen Gewohnheiten zurück. Trotzdem liegt es in unserer Natur, der Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit sein zu wollen, ohne zu bedenken, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Mitmenschen kürzer und kürzer wird. Zu groß die Flut an sogenannten Medienspektakeln, die alle um unser Interesse konkurrieren. Zu groß das wahrhaftige Interesse, das vornehmlich der eigenen Person gilt.

Und wenn wir einmal aufsehen oder aufschreien, tun wir dies nur, wenn wir direkt betroffen scheinen. »Große Skandale« fallen ebenso schnell dem Vergessen anheim, wie »große Menschen«, womit sich erklärt, warum so viele »Promis« endlos darum bemüht sind, »in aller Munde zu bleiben«. Dabei fällt so manche Schamgrenze nach dem Motto: Lieber berühmt blamiert als vergessen angeschmiert.

Wie intensiv das Streben nach auch nur fünfminütiger Berühmtheit ist, beweisen die vielen Casting-Shows, das egozentrische Treiben auf sozialen Netzwerken und das unstillbare Bedürfnis aller Welt die banalsten Dinge zu zwitschern.

Auf die sogenannte Privatsphäre legt man keinen Wert mehr. Epikurs Aufruf: »Lebe im Verborgenen!«, als Maßstab eines guten Lebens ist allseits in Vergessenheit geraten. Dabei lebt der ungehörte Mensch ungestört. Dem Ungesehenen wird Verstehen zuteil, und ein lautes Leben zerdröhnt nicht nur die Ohren, sondern vor allen Dingen die Seele und den Verstand.

»Was macht einen Tag zu einem guten Tag?«, frage ich mich.

Es ist das Fehlen der Vergleiche mit anderen Menschen. Weder besser noch schlechter, weder wichtiger noch unwichtiger, sondern eben so wie alle anderen sein, nämlich Durchschnitt. Nicht dem »Höheren, sondern dem »So-Sein« geweiht zu sein, lässt am Ende eines Tages zufrieden einschlafen, zumal wir alle unweigerlich demselben Endzustand zustreben. Posthume Lorbeerkränze befriedigen nicht wirklich, und der Versuch, sich im Leben täglich einen frischen aufzusetzen, kostet so viel Mühe und Kraft, dass das Leben dafür geopfert wird.

Es kommt uns so vor, als existierten wir nicht, wenn uns keiner explizit wahrnimmt. Vielleicht liegt es daran, dass wir unserer Selbstwahrnehmung nicht trauen und für unsere Existenz unentwegt eine Berechtigung brauchen.

Wir sollten uns täglich einige Zeilen zu Gemüte führen. Das Buch findet sich in jedem Haushalt und in jedem Hotelzimmer(!).

Matt. 6, 25-34 mehr Antwort braucht man nicht.

Paul Wiedebach, heute einmal kein Kolumnist