Zwei- und vierbeinige Herdentiere

Von Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Tja, was soll ich sagen? Nu trainier ich also Manger. Ich wollt‘ ja erst nich‘, aber dieser Willmehr hat so lange gedrängelt, bis ich nachgegeben habe. Für das Geld, was der mir zahlen will, muss ich schon ’ne Menge Schafe verkaufen.

Was die hier bei mir lernen wollen, is‘ mir echt ’n Rätsel. Obwohl, wenn ich’s recht bedenke: eigentlich kein großer Unterschied zwischen die Schafe und die Menschen. Wenn ich nur an meinen Jan denke, also mein bester Bock, mit dem ich auf der letzten Körung den ersten Preis geholt hab‘. Wie der immer rummacht, wenn die Mutterschafe brünstig sind. Wie bei meinen Söhnen, also nich‘ bei den Schafen, bei ihren Freundinnen mein‘ ich. Dieser Willmehr meinte auch, Schafe und Menschen sind Herdentiere, also können die Manager ’ne Menge lernen hier bei mir. Nur dies‘ junge Ding, das er mit hatte, schien nich‘ so angetan davon, ’n paar Tage mit die Schafe zu verbringen. Aber da war er unerbittlich. Irgendwas mit Frauenquote hat er gesagt. So was gibt’s bei meinen Jan nich‘, glaub ich jedenfalls. Der nimmt, was er kriegen kann, obwohl er manchmal ganz schön Stress mit die Jungböcke hat. Erst ’n paar Monate alt und schon wollen die auch. Mit sonne Frauenquote, also jedem Bock seine Mutterschafe zugeteilt,  wär’s bestimmt ruhiger inne Herde. Iss ja man bei den Menschen, also inne zivilisierte Welt, auch so geregelt. Monogamie heißt das, glaub‘ ich. Aber wenn man sich so umkuckt, scheint den Leuten das immer weniger zu gefallen. Kommen zusammen, wieder auseinander, denn mit’n Neuen und wieder auseinander. Und Kinder hammse auch oft von verschiedene Männer. Manchmal auch weit und breit kein Kerl in Sicht und trotzdem Blagen. Aber mit diesen neuen Gentest können die Männer sich wenigstens wehren, wennse meinen, dass ihnen was untergeschoben wird. Bei meine Schafe, also die, die gekört sind, muss ich auch höllisch aufpassen, dass der richtige Bock zum Zuge kommt. Deswegen haben die Zuchtböcke alle so Stempelkissen unter’n Bauch, da siehste bei den Mutterschafen anhand der Farbe gleich, wer drauf war. Wär bestimmt mal interessant, sowas bei die Menschen einzuführen. Wenne dann deine Perle auspackst und die hat ’n Stempel vom Nachbarn drauf. Muss ja richtig schlimm sein inner Geschäftswelt, wenn die da jetzt extra ’ne Frauenquote einführen. Dabei machten der Willmehr und die junge Dame eigentlich nen ganz gesitteten Eindruck. Na, geht mich auch nichts an. Soll’n die mal kommen, die Manager mit ihren Quotenfrauen und sich meinen Jan und seine Herde bekucken. Ich werd‘ Ihnen anschließend  berichten, wie es bei diesen Finanzheinis wirklich zugeht. Versprochen!

Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Glaubenssache von Maria Mitscherlich

Sehr gerne würde ich kosmischen Kontakt zu allen meinen offensichtlich geplagten Mitautoren aufnehmen und sie mit der unendlichen Weisheit des Universums in Einklang  bringen.

Übersinnliche Fähigkeiten besaß ich bereits als Kind, aber erst die Auseinandersetzung mit der Esoterik eröffnete mir, dass das, was ich bei mir als krankhaft ansah, meine Besonderheit darstellt.

Selbst Jesus Christus betonte nachdrücklich, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt ist. Alles, was wir tun müssen ist, die Kanäle für die andere Welt offen zu halten wie Kinder, die eben auch glauben, was sie nicht sehen.

Wir meinen, unsere fünf Sinne sagen uns alles über die Wirklichkeit. Wie mangelhaft diese Rezeptoren sind, beweist uns jeder Physiker noch vor dem Frühstück. Wir haben sehr eingeschränkte Bereiche für die Wahrnehmung von Licht und Schallwellen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Die inneren Empfänger schärfen, darum geht es. Das strahlend helle Licht des Urknalls, des Beginns der Schöpfung ist noch nicht verloschen, sein gewaltiges Geräusch noch  nicht verklungen, aber wir sehen und hören dies nicht. Die Schöpfung findet immer noch statt. Da wundern sich die Physiker, dass sich das Universum weiterhin ausbreitet, ohne jemals darauf zu kommen, dass der Urknall nicht beendet ist.

Um bei den Physikern zu bleiben, sie vermuten dunkle Materie, dunkle Energie aufgrund von indirekten Nachweisen, dabei haben wir diese Materie, diese Energie in uns, müssen sie nur erspüren und wirken lassen.

Warum, frage ich mich also, sollte diese geheimnisvolle kosmische Energie nicht durch mich wirken können?

Die Witwe Clausen erreichte ich bereits, ebenso wie die arme Tanja K., wie man an deren Sinneswandel unschwer bemerkt!

Frauen sind empfänglicher für heilende Einflüsse vom wohlmeinendem Außen. Jetzt konzentriere ich mich auf die männlichen Mitautoren und auf die Schlimmbach, die zu sehr den Einflüssen ihres Chefs ausgesetzt ist, um meine Bemühungen wahr zu nehmen.

Sie werden sehen, wie sich allein durch die Kraft meiner Gedanken und durch die Hilfe der Engel, die Autoren dieses Blogs sich verwandeln werden, bis sie mit den höheren Mächten im Einklang stehen.

Diese meine Macht wirkt unabhängig vom Glauben der Adressaten, aber die Artikel, die hier in Zukunft geschrieben werden, sind dann der beste Beweis!

Maria Mitscherlich, Geistheilerin und Engelexpertin

Weltschlaganfalltag von Dr. Bremer

Stroke-Units – Sondereinsatzkommandos bei Schlaganfällen – gibt es bislang nur in Ballungszentren. Landbewohner besitzen demnach schlechte Karten, wenn es sie denn erwischt. Am heutigen Tag wird aber weitgehend nur über die unzureichenden Maßnahmen diskutiert, die greifen, wenn das Kind quasi schon in den Brunnen gefallen ist.

Im Prinzip ist jeder seine eigene Stroke-Unit.

Weniger Fressen, weniger saufen und sich mehr bewegen, auf Deutsch gesagt und schon ist man durch diese simplen Präventionsmaßnahmen nicht im Risikobereich, selbst wenn man im Risikobereich Land lebt.

Erhöhter Blutzucker, erhöhte Blutfettwerte und das Vorhofflimmern des Herzens ließen den Schlaganfall auf Platz drei der Liste der Wohlstandskrankheiten hochschnellen.

Was für ein Wort! Wohlstandskrankheiten!!!

Lege artis wäre demnach der Wohlstand an sich eine Krankheit, obwohl das eine contradictio in terminis darstellt und ähnlich sinnvoll erscheint wie das Wort Doppelhaushälfte.

Wir sind doch alle fanatische Anhänger des Ursache-Wirkungsprinzips. Egal was passiert, wir suchen immer nach einem Grund, selbst bei nicht vorhersehbaren Zufällen. Wir akzeptieren den Zufall nicht. Aber alles, was mit unserem Körper passiert, scheint dem Zufall geschuldet zu sein, dabei ist gerade hier die Ursachenforschung A und O.

Wir verdrängen selbst simple Zusammenhänge. Ich bin da knallhart! Wenn ein Patient seinen Zucker und seine Fettwerte partout ignorieren will, rate ich ihm, sich schon einmal den Termin für seinen Schlaganfall im Kalender zu notieren.

Meist lacht er, der Patient, nimmt diese drastische Warnung nicht ernst, macht fröhlich weiter wie bisher und ich darf ihn dann mitten in der Nacht retten, ohne eine Stroke-Unit, die meinen Bemühungen höhere Erfolgsaussichten einbrächte.

Es wird noch doller!

Oder meinen sie, der überlebte Schlaganfall, der keine größeren Behinderungen hinterließ, wäre ein Warnschuss?

Nein, es wird wieder weitergemacht wie bisher und oftmals meine ich, die Patienten legen es geradezu darauf an, ihr Hirn in Matsch zu verwandeln.

Kann ja jeder machen wie er will, aber dann auch konsequent! Kein Herumjammern, dass die Ärzte nichts taugen und dass es im hintersten Pusemuckeldorf keine Stroke- Units gibt.

Jetzt regte ich mich bei der Niederschrift erneut dermaßen auf, dass ich selber zu meinen Herzpillen greifen muss!

Dr. Bremer, Landarzt

 

Herbst auf dem Friedhof von Witwe Clausen

Nun bin ich eine ganze Zeit lang nicht dazu gekommen, etwas für diesen Blog zu schreiben. Erstens war ich sehr damit beschäftigt, ihn zu lesen. Zweitens rückte mir Wilhelm nicht von der Pelle, meine Friedhofsbekanntschaft mit unbedingtem Anschluss, bzw. Restpflegebedarf. Gedanken über einen Artikel machte ich mir trotzdem. Ich genoss den Frühling im Herbst auf der Bank vor der Stele meines Friedhelms und ließ meinen Überlegungen freien Lauf. Dabei fiel mir auf, wie vergangenheitsverhaftet ich bin, obwohl mir in meinem Alter nicht mehr allzu viel Zukunft bleibt.
Wie wäre es, überlegte ich, wenn ich jeden neuen Morgen ohne Vergangenheit aufwachte?
Anstatt meinem Friedhelm posthum die rote Karte zu zeigen, könnte ich ein neues Spiel beginnen. Mir fehlt nichts. Ich habe genug zu essen und zu trinken, ein behagliches Heim und einen Schrank voller Bekleidung, die ich in diesem Leben nicht mehr auftragen kann.
Wozu und worüber sich noch Sorgen machen? Die gesundheitlichen Probleme halten sich in erträglichen Grenzen und ich darf in den Tag hinein leben.
Eine neue Aufgabe bekam ich durch die jungen Leute, die diesen Blog betreiben und ich könnte ihnen meine Altersweisheit zukommen lassen. Nur besaß ich sie bis vor einer Woche noch nicht. Da ist Frau in den Siebzigern und führt sich weiterhin auf wie ein pubertierendes Blag! Diese Erkenntnis traf mich gewaltig und ich gelobte Besserung.
Ständig höre ich, die Alten könnten gebraucht werden, aber, solange wir uns aufgrund von ungelebten Leben schlimmer aufführen als die Jungen und das ständige »Wehklagen« nicht aufgeben, bleibt diesen Jungen nichts anderes, als uns abzuschieben, um die »Sörpötte« aus den Ohren und Augen zu bekommen.
Irmgard, sagte ich mir, werde erwachsen! Mit über siebzig ist es an der Zeit.
Nun also mein erstes Résumé:
Den gestrigen Tag abhaken, aber gründlich und aus negativen wie positiven Erlebnissen, einfach nur eine Erfahrung machen, die einen winzigen Schritt weiter führt.
Ich will hier jetzt nicht den Uhu geben, davon bin ich himmelweit entfernt, aber ich mag nicht schreiben, nur um eine Seite meiner Kladde zu füllen. Denn vielleicht kann ich mein gesamtes Leben dadurch retten, dass ich einem einzelnen, jungen Menschen einen winzigen Schubs in eine andere, gesündere Richtung gebe.
Wenn ich diese Kladde nach meinem Tod meinen Enkelkindern hinterlasse, sollen sie aus meinem Niederschriften etwas für sich mitnehmen können.
Somit gebe ich meinem Leben zwar recht spät einen Sinn, aber besser spät als nie, wie es heißt. Seien wir doch ehrlich. Das Dasein als solches ist sinnlos, wenn wir gehen, wie wir gekommen sind, ohne ein Zeugnis unserer Existenz hinterlassen zu haben. Es darf sich bei diesem Zeugnis auch nur um eine vollgekritzelte Kladde handeln.
Irmgard Clausen, Witwe

Zonenfrauen und Alphamännchen

Von Anna-Luisa Schlimmbach (Noch-)Vorstandsassistin UWFC

Ja, Sie lesen richtig! Das „noch“ bezieht sich auf die Tatsache, dass ich demnächst das Projekt „Wahrheit über die Finanzbranche“ leite. Sobald der CEO Zeit hat, will er die entsprechende Abteilung ins Leben rufen und mich mit der Leitung betrauen. Dann hätten wir gleich noch eine Frau in einer Führungsposition, Quote und so, sie verstehen?!

Aber erst einmal ist er, nachdem der konzerneigene Learjet uns in Olbia abgeholt hat, in den Airbus (natürlich auch dem Konzern gehörend) umgestiegen und weiter nach Singapur, wo er sich mit Branchenkollegen trifft. Dort sollen die Gegenmaßnahmen bezüglich eines europäischen Alleinganges in Sachen Transaktionssteuer besprochen werden. Letzter Stand ist sowieso, dass die großen Finanzkonzerne eigene Satelliten ins All schießen wollen, damit die weltweite Kommunikation und alle Transaktionen über eigene Kanäle laufen. Vielleicht können auch die Server, auf denen die Börsengeschäfte abgewickelt werden, im All positioniert werden. Oder gleich auf dem Mond, außerteritorial sozusagen und keiner Steuer unterliegend. Die Politik ist eh mit Merkels Handy beschäftigt. Als ob es wichtig ist, was die ins Telefon sabbelt. Wie sagte Willmehr? „Mein Gott, die kommt aus der Ostzone.,was soll man da erwarten. Die kennt sich doch aus mit Überwachung. Dass aber jetzt auch noch die Staatsratsvorsitzende überwacht wird, damit hat sie wohl nicht gerechnet. Was die wohl glaubt, warum die DDR so ratzfatz verschwunden ist? Im Übrigen haben die Gewählten nichts zu sagen und die das Sagen haben, stehen nicht zur Wahl. Und sollten die Gewählten mal versuchen, etwas wirklich relevantes durchzusetzen, wird ihnen eben der Geldhahn zugedreht. Er halte es da ganz mit Mayer Amschel Rothschild (1744-1812), Gründer der Rothschild-Banken-Dynastie : Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht.“

Sein Fahrer hat ihm einen Koffer mit frischer Wäsche gebracht und uns, also Judith, ihre Zwillinge und mich, in die Villa am Stadtrand gebracht, wo wir schon vom Hauspersonal erwartet wurden. Sie scheint mich irgendwie unter ihre Fittiche nehmen zu wollen. Diese Arbeit da im Konzern sei doch für eine Frau wie mich auf Dauer nicht das Richtige. Wenn sie schon das Wort „Frauenquote“ höre! Außerdem sei die Quote doch schon bei 100 %. Oder ob ich ihr einen erfolgreichen Mann nennen könne, der außerhalb seiner Arbeit nicht hilflos wie ein kleines Kind sei und der Führung durch eine Frau bedürfe. Wir seien schließlich der Grund dafür, dass die Kerle sich so ins Zeug legten. Was sollten all die kleinen Helden denn anfangen mit Frauen, die selber Karriere machen? Ich solle mir doch nur mal den politischen Betrieb in Berlin ansehen. Eine Frau an der Spitze und keine Männer weit und breit. Aber den Eindruck, ihr liefen permanent Glücksschauer über den Rücken, mache die Merkel auch nicht. Und Kinder habe sie auch keine. Dabei sagt man doch immer, die Ostfrauen seien im Bett besser.  Wahrscheinlich auch nur ein Klischee. Wenn man sich die Bilder der ehemaligen Ostzonenelite ansehe, kämen ihr da erhebliche Zweifel. All diese verkniffen-kleinbürgerlichen Parteibonzen. Mit denen hätten die Ostfrauen wilden Sex haben sollen? Der Sozialismus scheint kein Biotop für Alphamännchen gewesen zu sein. Und seit Merkel gelte das wohl auch für die deutsche Politik, was sich jetzt, im Zuge der Finanzkrise, in ganz Europa auszubreiten scheine. Sarkozy sei schon weg und der Berlusconi nun auch. In Frankreich ist gerade die nächste Frau auf dem Weg an die Spitze. Die Wirtschaft scheine das letzte Refugium der Männer zu sein. Wenn da jetzt auch noch die Frauen nach oben drängen, dann gute Nacht!

In mir keimt mehr und mehr der Verdacht, dass die Wahrheit über das Finanzsystem gar nicht in den technischen und juristischen Aspekten des Gewerbes zu finden ist, sondern in den emotionalen Zuständen der Menschen. Vielleicht sollte ich ein paar Hirnforscher in den zu gründenden Arbeitskreis berufen. Bis 2008 hat man in den Banken ja mehr auf Physiker und Informatiker gesetzt, ich habe aber das Gefühl, dass Leute wie Willmehr und seine Frau irgendwie instinktiv die Ergebnisse der Verhaltensforschung vorweg genommen haben. Mann oh Mann (oder sollte ich als neuernannte Quotenfrau besser Frau oh Frau sagen), dass mit der Wahrheit über das Finanzsystem wird immer komplizierter. Aber ich bleibe dran und werde berichten. Versprochen!

Ihre Anna-Luisa Schlimmbach

 

NSA ist überall von Tanja K.

Vielen Dank an Dr. Bremer. Ich weiß, dass ich nichts weiter als eine konditionierte Laborratte bin, bei der es besser ist, sofort die Beine in die Hand zu nehmen, wenn man ihrer ansichtig wird.

Wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob mein Alkoholismus auf puren Egoismus oder auf übertriebenen Altruismus zurückzuführen ist.

Der Alkoholiker an sich ist ja ein antisozialer Egomane, der gnadenlos alle mit in den Abgrund reißt, ohne Rücksicht auf Verluste. Willensschwach und größenwahnsinnig, egozentrisch und soziopathisch trinkt er lustig vor sich hin und lacht sich besoffen ins Fäustchen, wenn der Rest der Welt einmal mehr um ihn herum kopfsteht.

Das, mein lieber Dr. Bremer, weiß ich zur Genüge, aber ich frage mich, wie viel Egoismus ist erforderlich, um gesund zu bleiben?

Ich habe mein Leben lang unbedingt vertraut und jedes Wort für bare Münze genommen, bin aber immer wieder darauf hereingefallen, dass das meiste, was mein Gegenüber sagt, im Großteil der Fälle eine Manipulation meinerseits bewirken soll. Vielleicht reden die Menschen deswegen so gerne über das Wetter, um diesem Treiben der wechselseitigen Manipulation wenigstens kurzfristig eine Pause zu gönnen.

Nun kann es sein, dass ich ebenfalls ein großer Manipulierer bin, trotzdem horchte ich vor jeder meiner Äußerungen tief in mich hinein und fragte mich: »Meinst du das, was du zu sagen beabsichtigst zutiefst ehrlich?«

Natürlich erwische ich mich häufig bei »Schönfärbereien« und mache mir hinterher die Hölle heiß, weil ich das überhaupt nicht ausstehen kann. Aber, was soll ich sagen? Ich bin auch nur ein Mensch und der Mensch erzählt eben gerne Geschichten, in denen ihm die Heldenrolle zukommt. Tatsachen werden so lange verdreht, bis man selber im hellsten Licht dasteht.

Geschieht dies eigentlich bewusst oder unbewusst? Ich begegne Fällen von derart eklatanter kognitiver Dissonanz, dass ich manchmal meine, ich säße einem Schizophrenen gegenüber. Was gestern noch rabenschwarz war, ist heute blütenweiß und ich frage mich, ob die Erinnerung an die gestrige Rede komplett gelöscht wurde.

»Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern«, meinte schon Adenauer. Nun ist Geschwätz, Geschwätz, aber eine Haltung ist immerhin eine Haltung.

Diese Haltungslosigkeit führt bei mir zur Haltlosigkeit, bei der bislang der Alkohol meine Stütze darstellte.

Nun bin ich zu dem Schluss gekommen, dass eine Haltung meilenweit vom Egoismus entfernt ist. Ich brauche demnach eine eigene Haltung um der Haltlosigkeit nicht mehr ausgeliefert zu sein. Dies muss nicht im »nach mir die Sintflut“ enden, wie bei einem gewissen Hubertus hier in diesem Blog, sondern nur darin, dass ich eine stabile Außenfassade vorweise, wenn die Einschläge wieder einmal dichter kommen.

Tanja K., Anonyme Alkoholikerin

McDonalds und Co. von Dr. Bremer

Vielleicht darf ich der jungen Dame, die Probleme mit dem Ansturm auf die Burgerfiliale hatte, ein wenig auf die Sprünge helfen. Es handelt sich bei diesem Phänomen um nichts anderes, als das gute alte »klassische Konditionieren«.

Pawlow machte damals eine Versuchsreihe mit Hunden. Jedes Mal, wenn sie ihr Futter bekamen, erklang ein Glöckchen. Nach einiger Zeit stellte der Wissenschaftler fest, dass allein der Klang dieses Glöckchens ausreichte, um den Speichelfluss bei den Tieren auszulösen, obwohl weit und breit keine Nahrung in Sicht war. Man entschuldige bitte meine vereinfachte Darstellung.

Meines Erachtens hat das riesige, leuchtende, gelbe M denselben Effekt auf die Menschen. Der Speichelfluss wird angeregt, die Verdauungssäfte sprudeln reichlich, gleichzeitig wird die Erinnerung an eine kurzfristige Serotoninausschüttung wach, obwohl weit und breit keine vernünftige Nahrung in Sicht ist.

An dieser Stelle einen schönen Gruß an Tanja K.. Bei ihr funktioniert dieser anerzogene Reflex genau so. Sie muss nur eine Flasche sehen und schon rattern Erinnerungen an schöne, besoffene Stunden los.

Aber ich war ja noch bei den Burgerkönigen. Ich kann mir sogar vorstellen, dass das gelbe M sich auf die Forschungsergebnisse von Pawlow stützt. Ich meine, deutlicher kann ein Signal nicht sein. Ein Glöckchen ist ein Dreck dagegen!

Jeder Laborratte kann man diesen bedingten Reflex anerziehen, was einmal mehr beweist, der Mensch ist mehr Tier, als er es wahrhaben will.

Unser »Affenhirn« hat schon lange beschlossen, sich einen Fleischklops reinzuwürgen, bevor unser Großhirn überhaupt etwas davon mitbekommt und, hast du nicht gesehen, stehen wir in der Schlange des Fastfoodrestaurants und meinen auch noch, wir hätten es selber entschieden!

Erst wenn sich die ungesunde Kalorienmenge bereits in unserem Körper befindet, meldet sich die graue Hirnrinde in Form des schlechten Gewissens – auch hier einen Gruß an unsere anonyme Alkoholikerin.

Es ist die Crux des Menschen, dass Denkprozesse immer erst hinterher einsetzen.

»Wie konnte ich nur? Was war nur in mich gefahren? Das passiert mir nie wieder!«

Ich lach mich tot und meine Patienten fressen und saufen sich tot.

Laborratten eben.

Dr. Bremer, Landarzt

 

Koalitionsküche von Paul Wiedebach

Heute laufen die Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD unter Beteiligung von 75(!) Personen. Gleichzeitig treffen 12 Arbeitsgruppen und 4 Unterarbeitsgruppen aufeinander. Wir bekommen es also mit 300 Köchen zu tun, die gemeinsam den Brei verderben wollen. Wenn jeder seinen Senf dazugibt, ist die Wurst nicht mehr zu sehen, kann ich nur bemerken.

Selbst die Griechen hielten damals in Athen die Demokratie für die schlechteste aller Regierungsformen, weil die Anzahl der Bürger, die meinten, etwas zur Politik sagen zu können, unüberschaubar wurde. Deswegen ließen sie Solon »alleine machen«, bis sich der Stadtstaat erholt hatte. Die antiken Autoren sahen die Demokratie als Diktatur des Pöbels an. Der Pöbel, eine unstete, selbstsüchtige, ahnungslose Masse. Selbst Platon verurteilte die Demokratie als »Herrschaft der Meinung über die Weisheit«. Wieso kommt mir auf einmal Seehofer in den Kopf?

Aber ich war ja noch beim Pöbel. Die 300 Politiker, die sich zusammenfinden werden, sind unstet, selbstsüchtig und ahnungslos, denn sollten sie ehrlich sein, geht es ihnen um den eigenen Machterhalt und sonst gar nichts!

Besonders interessant fand ich, dass sich lediglich in den 4 Unterarbeitsgruppen Fachleute befinden sollen. Soviel zum Thema Ahnungslosigkeit beim sinnlos tagenden Rest.

Ich gehe mit absoluter Sicherheit davon aus, dass »Otto-Normal-Kopf« in unseren deutschen Landen sich geistig nicht mit dieser Farce auseinandersetzt, da es tagesaktuell wichtigere Ereignisse gibt, als da wären: eine Taufe in England, ein Phantomtor und einen »Protzbischof«.

Die Athener wären mit »Dem deutschen Volke« (!) hochzufrieden, mischt es sich doch so gar nicht in die Politik ein. Das überlassen sie zahllosen »Volksvertretern«, die nichts anderes zu tun haben, als sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen und das Volk gleich mit.

Ich denke, der enorme Wahlerfolg Merkels lässt sich dadurch erklären, dass sie wie ein Solon, der für Ordnung sorgt, erscheint. Eine Art Übermutter, die alles richten wird, aber was sie anrichtet und was im Endeffekt für uns angerichtet ist, wird nicht zur Kenntnis genommen.

Das Ergebnis mag so unverdaulich wie möglich sein. Ein kleiner Magenbitter wie Löcher in Tornetzen, ein kurzes Aufstoßen über den allseits bekannten Reichtum der katholischen Kirche und unsereins macht sich daran, auch Morgen zu schlucken, was geboten wird.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Blindsichtigkeit von Tanja K.

Gestern Abend ist mir etwas Seltsames passiert. Ich bekam vormittags von meinem Zahnarzt eine Aufbissschiene für die Nacht, weil ich mir mit nächtlichem Knirschen meine Zähne ruiniere. Ich wollte mir vor dem Zubettgehen diese Schiene einsetzen, hatte aber als Behältnis – warum auch immer – eine blaue runde Dose im Kopf, stand also vor der Spiegelablage und suchte vergeblich danach. Nun ist das Behältnis aber oval und lila. Ich stand direkt davor, starrte sogar darauf, fand es aber nicht, weil ich, wie gesagt, nach etwas Blauem, Rundem Ausschau hielt.

Mein Schock war groß, als mir mein Fehler aufging. Geht es mir vielleicht mit allen Dingen so? Ich finde etwas nicht, weil ich eine falsche Vorstellung davon besitze?

Nehmen wir zum Beispiel die Liebe. Jedermann besitzt eine persönliche Ansicht darüber, wartet sein Leben lang darauf, obwohl sie sich direkt vor seinen Augen befindet. Müssen wir bei allem und jedem erst mit der Nase in untrügliche Beweise gestoßen werden? Schau her, alles, was du suchst ist da, war es immer, aber weil es nicht haargenau so aussieht, wie du es erwartest, nimmst du es nicht wahr!

Darüber verbrachte ich eine schlaflose Nacht, das können Sie mir glauben.

Unsere Wahrnehmung scheint dermaßen selektiv zu sein, dass wir nur suchen und finden, was wir erwarten.

Hinweise und Signale können uns regelrecht anschreien und leuchten wie eine Millionen Christbäume; wir bleiben taub und blind dafür, speziell, wenn es sich um die Menschen in unserer direkten Umgebung handelt, weil nicht »sein kann, was nicht sein darf«, weil nicht ist, was nicht so ist, wie es in unserem Kopf vorgefertigt wurde.

Was tun?

Da gleiche, was ich unternahm, um meine Aufbissschiene doch noch zu finden. Ich trat einen Schritt zurück und nahm die gesamte Spiegelablage ins Visier, verbannte meine Vorstellung von etwas Blauem, Runden und der Behälter materialisierte sich vor meinen Augen, ob Sie es glauben oder nicht. Ich konnte es selbst kaum fassen!

Einen Schritt zurück treten. Die Gesamtheit des Bildes erfassen. Vorstellungen außer Acht lassen. Sich selbst wie einen Zuschauer betrachten, der einen Schauspieler agieren sieht und eine andere, eine höhere Sichtwarte einnehmen.

Mmh.

Den Versuch scheint es wert zu sein. Mal abwarten, was sich alles vor meinen Augen materialisiert ………

Tanja K., Anonyme Akloholikerin

McDonald’s statt Sex

Von Anna-Luisa Schlimmbach, Vorstandsassistentin „UWFC“

Gestern war ich mit Judith, der Frau vom Chef, zum Shoppen in Olbia, der größten Stadt hier am Rande der Costa Smeralda. Da ich auch einige Kosmetikartikel benötigte, suchten wir das größte Einkaufszentrum der Stadt auf. Betritt man dieses vom Parkplatz kommend, so geht man an einer McDonalds-Filiale vorbei. Mir fiel auf, dass vor dieser die längsten Kundenschlangen in der ganzen Mall standen. Nachdem ich Judith darauf aufmerksam gemacht hatte, bemerkte sie nur, dass sei doch nicht anders zu erwarten. Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte herrschte schließlich ein eklatanter Mangel an Zucker, Fett und Salz, weshalb wir eine Gier nach diesen Substanzen entwickelt hätten. Und je weiter unten in der Hierarchie sich die Menschen befunden hätten, desto größer der Mangel und eben die Gier. Dass sei dann halt von Generation zu Generation weiter gegeben worden. Der Mangel sei zwar verschwunden, die Gier, insbesondere in den niederen Schichten, aber noch vorhanden. Anscheinend übertreffe sie sogar den Sexualtrieb, denn immerhin ruinierten diese Menschen mit der ungesunden Ernährung – sofern man bei dem Zeug überhaupt von Ernährung sprechen könne –  ihre Körperproportionen und mithin auch ihre sexuelle Attraktivität. Für die einen seien eben Hamburger da und für die anderen McDonald’s-Aktien. Der Unterschied müsse wohl irgendwie in den unterschiedlichen elektro-chemischen Prozessen im Inneren der Menschen begründet sein. Ob das jetzt genetisch oder erzieherisch bedingt sei, darüber sei sie noch zu keinem endgültigen Urteil gelangt. Aber das sei doch mal ein guter Ansatz für meinen Blogbeitrag zum Finanzsystem. Denn vermutlich sei auch der unterschiedliche Umgang mit Geld und Finanzen auf solche Körperfunktionen zurück zu führen.

Ich war zuerst  sprachlos, aber je mehr ich darüber nachdachte, um so einleuchtender fand ich ihre Ausführungen. Nicht nur, dass diese Leute ihrer Gesundheit schadeten, nein, sie verschwendeten auch noch ihr Geld, dass sie besser zur Tilgung all der Kredite, die sie in der Mehrzahl für allen möglichen unnützen Kram aufgenommen hatten, verwenden sollten. Andererseits profitieren von ihren Krediten , über tausend Umwege verschleiert, natürlich auch Unternehmen wie dasjenige, für das auch ich tätig bin. Nun kommt natürlich oft das Argument, die Menschen seien eben Opfer des ungerechten Systems. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum sie nichts daran ändern. Immerhin stehen viel mehr Menschen bei McDonald’s in der Schlange, als es Aktienbesitzer dieses Konzerns gibt. Und all die Menschen, die ich mittlerweile im Umfeld unseres CEO kennengelernt habe, machten alle nicht den Eindruck, besonders fiese und unfreundliche Vertreter der Menschheit zu sein. Im Gegenteil schienen sie mir im Durchschnitt sogar sympathischer als die Vertreter weniger begüterter Kreise zu sein.

Langsam wird mir klar, warum Judiths Mann die Aufgabe, die ungeschminkte Wahrheit über unser Finanzsystem aufzuschreiben, an mich delegiert hat. So einfach, wie ich mir das im ersten Moment vorgestellt habe, ist die Aufgabe denn doch nicht. Vielleicht bekomme ich den CEO ja so weit, einen Arbeitskreis einzusetzen, um diese Wahrheit zu eruieren. Und sobald die ersten Ergebnisse vorliegen, werde ich sofort darüber hier im Blog berichten. Versprochen!

Ihre Anna-Luisa Schlimmbach