Was ist Moral?

 

Ich weiß es nicht. Ich habe auch nirgendwo gelesen was es ist und selbst wenn, dann ist es immer nur ein Ausdruck dessen was es sein könnte oder sollte. Niemals dessen was es wirklich ist.

Wir moralisieren, wir geben unsere persönlichen Werte Anderen vor, wir wollen bestimmen was die Anderen für gut und falsch, für wichtig und nichtig ansehen sollen. Aber das machen wir nicht, weil wir damit dem Anderen etwas Gutes oder Richtiges vorgeben wollten, sondern weil wir verhindern müssen, das Andere eine andere Vorstellung von den Dingen haben als wir. Weil wir sicherstellen müssen, das unsere Vorstellung so ist wie die von den Anderen.

Wir sind gespalten in unzählige Vorstellungen, aber keine ist so konsequent, dass es damit genügen würde ein Weltbild daraus zu entwickeln, ein Weltbild das diesen großen Begriffen – Gerechtigkeit und Frieden und Liebe und Toleranz – eine wirkliche Chance zur Entfaltung geben könnte.

Die Rüstungsindustrie ermöglicht die Ermordung von Menschen und sichert Arbeitsplätze, die Nahrungsmittelindustrie vergiftet ihre Kunden und sichert Arbeitsplätze, die Landwirtschaft läßt Menschen verhungern und sichert Arbeitsplätze.

Und ein Arbeitsplatz erfüllt unser Leben mit einer Tätigkeit die uns am Leben erhält, damit wir Essen und Handys und Flachbildschirme kaufen können. Und mit den Handys und den Flachbildschirmen begeben wir uns in eine Welt die so ist wie wir: flach und weit weg und gleichzeitig in unseren Wohnzimmern. In keinem Fall aber real. Sowenig wie es eine Moral wäre.

Eine Moral. Nicht pro Nase eine.

Dieter Ronski

Menschenverstand statt Religion

 Also jetzt ist das Weihnachtsthema endlich durch, die letzten Tannenbäume abgeräumt und ich kann das Stichwort Religion endlich wieder in den Mund nehmen, nachdem ich kurz vor den Feiertagen im Bekanntenkreis echte Schimpfe bekommen habe, teilweise empörte Reaktionen, weil ich nachdem ich einige praktische Erfahrungen machen konnte, die Meinung vertrat, dass der Religionsunterricht nicht mehr in die Schule gehört, und schon gar nicht in eine Grundschule, zumindest nicht, wenn er so praktiziert wird wie ich es erlebt habe, und dann kamen gleich die Gegenargumente mit der Bedeutung unserer Gesellschaftlichen Grundwerte und deren notwendige Vermittlung, auch und manchmal gerade auch zur Abgrenzung gegen andere Religionsvorstellungen, was mich wieder dazu aufbrachte, an die Katholische Kirche zu erinnern, daran, dass ich mir nicht vorstellen könnte in einem Verein zahlendes Mitglied zu sein, in dem ich weder die Satzung noch die Mitglieder des Vorstandes mitbestimmen könnte, in dem ich weder selbst wählen noch gewählt werden könnte, ein Verein, der wesentliche Tatsachen des natürlichen und gesellschaftlichen Lebens des Menschen leugnet, Menschen verachtet, ausgrenzt und so weiter und so weiter, und das ganze nicht nur aus der Sicht von Frauen heraus, -wie man als Frau Mitglied der kath. Kirche bleiben kann, werde ich nie begreifen – , aber im wesentlichen geht es in der Schule doch darum, dass wir unseren Kindern das Grundlagenwissen dieser Welt vermitteln wollen, Tatsachenwissen, Rechnen, Schreiben, naturwissenschaftliche Kenntnisse, damit sie verstehen können wie die Welt und warum sie sich dreht usw. und dann erzählen wir ihnen von Gott und sagen nicht dazu, dass es sich dabei um eine unbewiesene, frei erfundene Vorstellung von etwas handelt, dass der Mensch sich mal entwickelt hat, als er nichts von der Welt wußte, was heute nicht mehr der Fall ist, oder sein muß, denn so intensiv sich manche Menschen mit ihren Religionen beschäftigen, so wenig sind sie bereit sich mit sich selbst und der Welt in der sie leben zu beschäftigen, sich den Problemen zu stellen, bereit zu sein auch die unbequemen Wahrheiten zu akzeptieren, kritisch zu sein, zu hinterfragen usw. – und dann überkommt mich wieder diese einfache Einsicht, dass sich die Menschen ja auch mit Religion nicht ernsthaft beschäftigen, sondern es so hinnehmen wie sie es immer gesagt bekommen haben, von Kindheitstagen an – und da muß ich wieder denken – Bitte Bitte sagt es den Kindern nicht mehr, laßt sie frei von diesen alten unnützen Vorstellungen, die immer wieder überliefert und wiedergekäut werden usw. – denn alle Kinder finden aus sich heraus zu einer wirklich menschlichen Einstellung zu den Dingen, der Welt, den Menschen und am Ende vor allem zu sich selbst, ohne Gefahr zu laufen, die Welt würde ohne Religion ein „unmoralischer“ Ort werden – auch wieder so ein Wort, da muß ich beim nächsten Mal drüber schreiben – da steht das eine neben dem Anderem, denn die wesentliche Erkenntnis ist doch die: Wenn wir unseren Kindern weiterhin ein solches Vorbild liefern, gerade wie wir mit den Ideen der Religionen umgehen, werden wir niemals Frieden und Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit auf dieser Welt haben – die wesentlichsten Grundvoraussetzungen für ein Überleben der Menschen – auf einem Planeten mit 8 Milliarden Bewohnern (steigend) – und das ist doch kein Thema der Moral oder der Religion – sondern eigentlich das Wesen des gesunden Menschenverstandes.

Na, dann habe ich mir das Thema „Moral“ jetzt auch schon gespart und werde noch mal über das Wesen des Menschen nachdenken …

Dieter Ronski

Na, dann laßt uns mal schön barmherzig sein

 Ich war ein paar Tage krank, hatte eine schöne Grippe mit Fieber und allem, lag im Bett und bekam wenig mit von der Welt und dann ging es mir besser und ein wenig war es als sei ich resettet worden, da hörte ich wieder was aus dem Wahlkampf und dann von dem Interview mit dem Papst und ich weiß nicht worüber ich mich mehr aufgeregt habe, die Aussagen des Papstes oder die Art und Weise wie diese in Barmherzigkeit verpackte Unmenschlichkeit von der Öffentlichkeit aufgenommen wurde. Neben dem letzten Zucken der Wahlkampfpropaganda, die sich zum großen Teil mindestens genauso menschenverachtend gestaltete, gab es also ein Thema das mich wirklich aufgeregt hat – aber eigentlich wollte ich darüber schreiben, dass ich mich über diese Aufregung gewundert habe.

Ich meine, dass Religion ja sonst nicht mein Thema ist. Muß doch jeder selbst wissen womit er seine Zeit verschwendet. Aber aus einer sozialen Sicht heraus ist es wie ein konservatives Wahlkampfversprechen. Ein Papst der seine Gläubigen daran erinnert, dass sie Barmherzigkeit zeigen sollen mit jenen, denen sie vorher erst die Schuld der Sünde vorgeschrieben und eingeredet haben. Und sofort fangen alle an von einer möglichen Veränderung der katholischen Kirche zu sprechen. Woher kommt dieser Wunsch, die Kath. Kirche solle sich dieser Welt anpassen? Woher diese Utopie?

Es ist keine Veränderung der katholischen Kirche möglich. Den einzigen Umgang den man mit der Katholischen Kirche haben sollte ist der, dass man austritt aus dem Verein. Wenn man überhaupt religiös sein will, dann kann man das auch ohne als Mitglied einer antidemokratischen, frauenfeindlichen, menschenrechte verachtenden Glaubensclique eingeschrieben zu sein, und damit seine Zustimmung zu dem System zu belegen.

Barmherzigkeit ist eine Form von Intoleranz und Menschenverachtung. Einem Schwulen gegenüber barmherzig zu sein, weil er so ist wie er ist, ist eine herablassende Haltung. Sie erkennt nicht an, dass der Andere ein Recht darauf hat so zu sein wie er will und nicht so sein muß wie ein katholisch verpeilter Religionsinterpret das für sich in Anspruch nimmt.

 Aber zurück zur Frage – warum regt es mich so auf? Wie gesagt, ich bin kein Mitglied einer Kirche. Ich feiere Weihnachten im Kreis der Familie als ein Christ, weil mir der Gedanke, dass es einen Menschen gab, der diese ganzen guten Ansätze und Absichten vertreten hat wirklich gefällt.

Für Utopien bin ich zugegebenermaßen sehr empfänglich.

Warum aber rege ich mich auf? Weil ich weiß, dass die Menschen so tun als seien sie gnädig gegen Andere, statt die Ursachen für ihre Unbarmherzigkeit  ernsthaft zu beseitigen. Und rühmen sich am Ende noch damit vor sich selbst und der Öffentlichkeit.

Religiöser Fanatismus kommt da zum Vorschein. Und anders als der des Islam, vollzieht sich dieser hier in einer demokratischen Grundstruktur. In einem freien, gebildeten System. In unserem, also auch meinem Land.

Und an dieser Stelle erlitt ich quasi einen Rückfall, lag noch einmal drei Tage flach, und jetzt ist das Thema vom Tisch und der Wahlkampf auch und jetzt rege ich mich über das Wahlergebnis auf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nur die Frage bleibt. Warum rege ich mich über diese Dinge auf? Warum bewegt es mich?

Dieter Ronski

Wenn man gebeten wird …

Wenn ich um etwas gebeten werde, oder angefragt werde, ob man an diesem Projekt mitarbeiten möchte, dann frage ich mich natürlich wie ich dazu komme.
Habe ich ein so großes Mitteilungsbedürfnis, daß ich nach Außen hin so präsentieren muß – oder wirke ich so also würde ich das wollen?
Und dann dieser Anspruch nach Offenheit? Wer ist denn heutzutage offen?
Von ehrlich will ich gar nicht erst reden.
Also es ist nicht mein Stil persönlich zu werden.
Ich habe dieser Welt im Laufe meines Lebens auch schon einiges gegeben. Ich habe mich bemüht ein anständiger Mensch zu sein, wie man das so schön sagt – und die Welt dankt einem das nicht immer.
Ich habe den Text, also jenen Ausschnitt aus der Diskussion gelesen und natürlich habe ich zu manchen Punkten eine Meinung – und Ja, ich glaube, daß ich diese auch gegenüber Anderen vertreten muß.
Eine Meinung zu haben und die zu sagen ist heute nicht selbstverständlich.
Schauen sie sich den Wahlkampf an. Wenn ich Frau Merkel sehe, die zu Nichts eine klare Aussage machen kann.
Oder bei uns gerade in der Nähe. Bald stellt sich eine Dorfgemeinschaftsbürgermeisterin wieder zur Wahl.
Die hatte schon kurz nach der ersten Wahl die meisten ihrer Grundsätze verraten; ist als Unabhängige aufgetreten. Und heute ist sie CDU. Das ist wirklich lächerlich.
Moralisch kann man mir da nicht kommen. Ich würde mich schämen und das sage ich auch jedem.
Vor allem frage ich auch.
Ich frage, ob mir jemand erklären kann, daß jemand einen Menschen unterstützen soll der vorher wie ein Rotes Tuch war. Aber gut, in diesem Fall, hat sie ihre Fahne in den Wind gehängt, sie will wiedergewählt werden, hat Blut geleckt von der Macht, an Geld und Einfluß – und wirklich interessant zu sehen wie sich dieser Grundsatz: Alle Macht korrumpiert – tatsächlich bewahrheitet.
Aber nach Grundsätzen fragt heute nicht einmal mehr der konservative Wähler.
Schade, daß die anderen Parteien da auch nicht wesentlich anders sind.
Na gut, aber da kommt man ins Lamentieren und das ist auch nicht meine Sache.
Ich werde mich hier bemühen eine Meinung darzustellen die objektiv ist – und ich bin gespannt darauf, ob es mir selbst gelingt.
Dieter Ronski