Personalauswahl in Herden und Horden

Von Manno Janssen, 57, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Personalchef soll ich werden! Wo ich froh bin, den ganzen Tag nix mit andere Leute zu tun zu haben. Aber das wäre ja gerade der Vorteil bei mir, hat er gesagt. Dass ich nich‘ so ein Bestandteil vonne Menschenherde wäre. Echtes Unikat eben. Abziehbilder hätte er genug in seinen Konzern. Die würden alle nur drauf warten, dass ihnen einer sagt, was sie tun sollen. Das Wichtigste wäre denen, nie an was Schuld zu sein. Lieber täten die gar nix, als was aus eigenen Antrieb, was kein Vorgesetzter abgesegnet hätte. Wäre schon wie inne Politik, wo die Großkopferten vonne Roten und Schwarzen was auspaldowern und jetzt müssen noch die SPD-Mitglieder ihren Segen dazu geben. Damit die sich hinterher nich‘ beschweren können, wenn’s schief geht. Führung sieht anders aus, meinte der Willmehr. Wollen alle nur noch die Posten und dicken Gehälter, aber keinen blassen Schimmer von ’nem Ziel.

Tja, und nu‘ soll ich ihn helfen, bei den jungen Leuten die raus zu finden, die noch selber denken. Er hätte ja gesehen, wie meine Hunde immer genau das Richtige täten, ohne dass ich groß eingreifen müsste. Der denkt, wunder was ich da mache mit die Hunde. Aber alles Quatsch! Musst Dir nur  bei die Welpen den aufgewecktesten und mutigsten raussuchen und zu Dir nehmen. Nach und nach lernt der dann vonne alten Hunde, wie’s geht. Das wäre ja schön und gut, aber er könne ja nicht hunderte kleine Kinder adoptieren, um nach zwanzig oder dreißig Jahren genug Führungskräfte zu haben. Seine beiden Älteren seien ja schon im Konzern, und das sei schon schwierig genug gewesen, die zu überzeugen. Die hätten nämlich ohne Ende Angebote von den Vätern ihrer Freunde gehabt, in deren Unternehmen einzusteigen. Würde er schließlich auch probieren, die Kinder seiner Freunde abzuwerben. Ich würd‘ diesen Willmehr ja echt gerne helfen, der tut mir wirklich leid mit seine Personalprobleme. Aber was soll ich denn machen? Einen Hund, den du nich‘ von klein auf hast, kannste vielleicht noch’n paar putzige Kunststückchen beibringen, aber eigenständig Schafe hüten wird der nie. Der treibt dir entweder die Herde wild auseinander oder trabt brav hinter die Schafe her, je nachdem, was er für’n Temperament hat. Es ist, wie es nun mal ist: ein Welpe muss mit spätestens acht Wochen von seine Mutter weg, damit er ein guter Hütehund wird!

Eigene Kindergärten wären sie ja schon am gründen in seinen Konzern. Müssten sie wohl am Besten auch noch eigene Schulen und Universitäten aufmachen. Aber dafür bräuchten sie auch wieder geeignetes Personal. Ob ich denn nicht bereit wäre, bei sowas mit zu machen. Als Dozent an der zu gründenden Universität vielleicht. Er würde sich, was die Vergütung betrifft, auch nicht lumpen lassen. Richtig bedröppelt sah der arme Mann aus. Ich hab‘ ihn erstmal einen ordentlichen Schluck aus meinen Flachmann gegeben und ihn mit dem bevorstehenden Seminar getröstet. Vielleicht wären bei diese jungen Leute ja welche dabei, die gute Hunde werden könnten. Und danach sehen wir dann weiter. Diese Anna-Luisa zum Beispiel, die macht doch’n richtig guten Eindruck. Bei der Erwähnung von diesem Mädel ging richtig ein Ruck durch ihn und nach noch’n ordentlichen Schluck aus meinen Taschentröster wurde er auch gleich wieder besserer Laune.

Als er weg war, bin ich gleich ins Internet, um von dem Treffen zu schreiben. Und was muss ich da an Beschimpfungen von diese Schnapsdrossel lesen? Der Willmehr würde sich nur aufblasen, dabei macht der Mann sich nun wirklich Sorgen um die Zukunft der jungen Leute. Ich wäre verblödet! Und das von einer, die sich den Verstand bestimmt schon ’n paar mal weg gesoffen hat. Ne Flasche Korn will die mir zukommen lassen. Die Pulle wird wahrscheinlich den Weg vom Laden bis zum Paketdienst nicht überleben. Und was diese Tanja K. über Anna-Luisa schreibt, iss ja wohl das Allerletzte. So ’n hübsches Ding und so nett. Möcht‘ ja nich‘ wissen, wie diese Alkoholikerin zusteht. Man weiß ja, wie der Suff sonne Leute zurichtet. Aber was willste erwarten von so eine, die den ganzen Tag zu Hause hockt und vor sich hin pichelt.  Mir ’n Rätsel, wie die das mit ’n Internet noch auf die Reihe kriegt. Unsereins musste sich da ja schlau machen. Die ganzen Anträge, für Flächenprämie und so, geht ja mittlerweile alles über’s Internet. Nix mit „dummer Bauer“, fast schon so’n Job wie den von diese Finanzheinis.

Aber watt soll’s, bald hab‘ ich ja die Horde junge Hunde hier. Ich werd‘ Ihnen dann berichten, ob noch Hoffnung besteht. Versprochen!

Ihr Manno Janssen

Jedes Schaf blökt anders

Von Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Nu muss ich doch mal das Wort hier ergreifen, wo der Wiedebach behauptet, Menschen sind besonderer als meine Schafe. Jedes Schaf ist einzigartig! Na ja, fast. Diese Dolly, also dieses geklonte Ding nich, aber sonne Viecher hab‘ ich nich‘, Herr Wiedebach. Meine Schafe erkennen sich untereinander am Gesicht, die können hunderte von ihnen unterscheiden. Das ist wissenschaftlich erwiesen, aber Schreiberlinge haben’s ja nich‘ so mit die Wissenschaft, sonst würden die ja was richtiges arbeiten. Von meine Schafe kannste alles über die Menschen lernen, jedenfalls über die meisten. Sind eben alles Schafmenschen da draußen. Man braucht sich doch nur das Wahlverhalten der Leute ankucken. Wählen sich Hammel als Führer, die noch schafsähnlicher sind als sie selber. Die tun so, als wären sie Führungspersönlichkeiten und lassen sich vonne Hütehunde der Amis und ihre Kumpanen am Nasenring führen. Unsere Politfuzzis reichts doch, unter Schafen als Leithammel zu gelten. Schönes Pöstchen und so tun, als wüssten sie, wo’s langgeht. Dabei laufen alle in die Richtung, die der Schäfer will, weil sie Angst vor die Hunde haben.

Genau wie bei meine Schafe. Musst dir nur mal die Böcke inne Herde bekucken. Können vor Kraft kaum laufen und machen bei die anderen Schafe einen auf Macho, aber wenn die Hunde kommen, nehmen die sowas von Reißaus, anstatt die Herde zu verteidigen. Ganz wie Politiker. Anschließend verkaufen sie das dann als alternativlos, nach dem Motto, wir wollten doch sowieso in die Richtung laufen, in die die Hunde uns trieben.

Da is‘ so ’n Willmehr doch ’n ganz anderes Kaliber. Der schickt seine Junghunde zur Ausbildung zu mir. Den sollten die Leute mal wählen! Aber der is‘ ja nich‘ so blöd und gibt sich für so was her. Der fliegt lieber inne Welt rum und bespricht mit die anderen Menschenschäfer, wo ’s langgehen soll. Anschließend lässt er die Politikhammel dann so tun, als wären die von selber drauf gekommen, wo die Herde hin soll. Und weil er damit so viel Geld macht, kann er sich aus den jungen Leuten die Besten kaufen, um sie für sich arbeiten zu lassen. Ganz im Vertrauen kann ich Ihnen übrigens sagen, dass es bei dem Seminar hier bei mir gar nicht darum geht, was zu lernen. Schafe hüten kann man nich‘ einfach lernen wie Lesen und Schreiben. Da musste für geboren sein. Am besten ist, wenn dein Vater schon Schäfer war, dann lernste das, wie du Laufen lernst. Vom Vater und vonne Hunde. Der Willmehr schickt seine jungen Leute in Wahrheit hierher, um die zu testen. Anschließend soll ich ihm erzählen, wer’s hat und wer nicht. Genial der Mann! Und wissen sie, was er gesagt hat, was mit diejenigen passieren soll, die durchfallen? Die sollen man am besten inne Politik gehen oder Journalist werden, hat er gesagt.

Ganz nach meinem Geschmack, der Mann! Haben uns anschließend schön an‘ Kamin gesetzt und ne Flasche Wacholder gepichelt. Sein Fahrer hatte ganz schön zu tun, ihn danach ins Auto zu bugsieren. Und ich soll bloß nich‘ mit diese Anna-Luisa darüber reden, dass er hier war, sonst wäre der Test kein Test mehr.

So, Wiedebach, nun überdenken Sie Ihr Urteil über die Schafe und die Menschen noch mal. Ich kann Ihnen sagen, meine Schafen blöken alle individuell, genau wie die Menschen. Aber blöken tun sie alle!

Also, bis denne!

Ihr Manno Janssen

Kreditlämmer

Von Menno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Ich weiß gar nich‘, wie ich hier auf diesen Blog gelandet bin. Aber dieser Willmehr hat so lange gesabbelt, bis ich mich habe breitschlagen lassen. Na, nu iss auch egal, verklausulier ich eben mal hier, was ich von meine Schafe so lerne, auch wenn es dieser Wiedebach nich‘ mehr hören kann. Bestimmt auch so’n Städter, der glaubt, Essen kommt ausse Fabrik, schön portioniert und plastikverpackt. Oder er iss einer von diese Spinner, die im Bioladen einkaufen und denken, das käme von so kleine Bilderbuchbauern.

Immer, wenn ich mit meine Frau inne Stadt muss, weil se meint, nur da kriegt sie was zum anziehen, bin ich anschließend immer völlig fertig vom Treiben da. Massen von Menschen inne Fußgängerzone und inne Läden, alle auf der Jagd nach Möglichkeiten, ihr Geld los zu werden. Zumindest das Geld, was ihnen sonne Finanzheinis wie dieser Willmehr übergelassen haben. Oder gleich auf Kredit, der dann auch von sonne Typen kommt. Das hat’s früher nich‘ gegeben, dass du Plünnen oder Möbel auf Pump kaufen konntest. War schon schwer genug, die Bank zu überzeugen, wenn du einen neuen Stall bauen wolltest und als Sicherheit Hektar von Acker hattest. Aber heute! Auto, Urlaub, Waschmaschine – alles auf Kredit. Und für’n täglichen Einkauf kannste das Girokonto überziehen. Das iss so, als wenn ich heute schon mal die Lämmer schlachten tue, die nächstes Jahr geboren werden. Und nächstes Jahr dann die vom übernächsten plus ’n paar vom Jahr drauf, wegen die Zinsen. Dass das nicht funktioniert, muss doch dem Blödesten klar sein. Aber die Finanzheinis verklickern dir, das sei ganz normal und richtig. Verdienen sich dumm und dusselig an der Dummheit der Leute. Und wenn se dann merken, dass es doch nicht funktioniert, schreien se nach Rettungsschirme. Die einzigen Lämmer, die geschlachtet werden, sind die Leute mit den Schulden!

Dies‘ junge Ding, diese Anna-Luisa, war auch wieder hier. Jetzt hat sie das Problem, dass es hier bei uns keine angemessene Unterkunft gibt für ihre Kollegen. Wär ja nichts hier, wofür sie den vorgesehenen Etat für das Seminar aufbrauchen könne. Am Ende hieße es dann, sie sei unfähig, so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Soll sie das Geld doch inne Stadt inne Fußgängerzone an die Leute verteilen. Aber ne, das geht ja nicht, dann würden die ja weniger Kredite los, an denen sie das Geld verdienen, was se hier bei mir verbraten wollen.

Verrückt, die Welt, aber nix vonne Schafe lernen wollen. Hab jedenfalls noch nich‘ gehört, dass die nach dem Heu von nächstes Jahr schreien. Demnächst werd‘ ich ja noch ’n paar von diese Leute kennen lernen. Ich erzähl‘ Ihnen dann, wie’s war. Ehrensache!

Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Zwei- und vierbeinige Herdentiere

Von Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Tja, was soll ich sagen? Nu trainier ich also Manger. Ich wollt‘ ja erst nich‘, aber dieser Willmehr hat so lange gedrängelt, bis ich nachgegeben habe. Für das Geld, was der mir zahlen will, muss ich schon ’ne Menge Schafe verkaufen.

Was die hier bei mir lernen wollen, is‘ mir echt ’n Rätsel. Obwohl, wenn ich’s recht bedenke: eigentlich kein großer Unterschied zwischen die Schafe und die Menschen. Wenn ich nur an meinen Jan denke, also mein bester Bock, mit dem ich auf der letzten Körung den ersten Preis geholt hab‘. Wie der immer rummacht, wenn die Mutterschafe brünstig sind. Wie bei meinen Söhnen, also nich‘ bei den Schafen, bei ihren Freundinnen mein‘ ich. Dieser Willmehr meinte auch, Schafe und Menschen sind Herdentiere, also können die Manager ’ne Menge lernen hier bei mir. Nur dies‘ junge Ding, das er mit hatte, schien nich‘ so angetan davon, ’n paar Tage mit die Schafe zu verbringen. Aber da war er unerbittlich. Irgendwas mit Frauenquote hat er gesagt. So was gibt’s bei meinen Jan nich‘, glaub ich jedenfalls. Der nimmt, was er kriegen kann, obwohl er manchmal ganz schön Stress mit die Jungböcke hat. Erst ’n paar Monate alt und schon wollen die auch. Mit sonne Frauenquote, also jedem Bock seine Mutterschafe zugeteilt,  wär’s bestimmt ruhiger inne Herde. Iss ja man bei den Menschen, also inne zivilisierte Welt, auch so geregelt. Monogamie heißt das, glaub‘ ich. Aber wenn man sich so umkuckt, scheint den Leuten das immer weniger zu gefallen. Kommen zusammen, wieder auseinander, denn mit’n Neuen und wieder auseinander. Und Kinder hammse auch oft von verschiedene Männer. Manchmal auch weit und breit kein Kerl in Sicht und trotzdem Blagen. Aber mit diesen neuen Gentest können die Männer sich wenigstens wehren, wennse meinen, dass ihnen was untergeschoben wird. Bei meine Schafe, also die, die gekört sind, muss ich auch höllisch aufpassen, dass der richtige Bock zum Zuge kommt. Deswegen haben die Zuchtböcke alle so Stempelkissen unter’n Bauch, da siehste bei den Mutterschafen anhand der Farbe gleich, wer drauf war. Wär bestimmt mal interessant, sowas bei die Menschen einzuführen. Wenne dann deine Perle auspackst und die hat ’n Stempel vom Nachbarn drauf. Muss ja richtig schlimm sein inner Geschäftswelt, wenn die da jetzt extra ’ne Frauenquote einführen. Dabei machten der Willmehr und die junge Dame eigentlich nen ganz gesitteten Eindruck. Na, geht mich auch nichts an. Soll’n die mal kommen, die Manager mit ihren Quotenfrauen und sich meinen Jan und seine Herde bekucken. Ich werd‘ Ihnen anschließend  berichten, wie es bei diesen Finanzheinis wirklich zugeht. Versprochen!

Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht