Hört auf eure privaten Telefongespräche in der Öffentlichkeit zu führen!

Es ist nicht meine Art Gesprächen anderer Menschen zu lauschen. Aber lauschen, zuhören und mitanhören müssen sind verschiedene Paar Schuhe.

Wenn man in einer öffentlichen Bücherei in der Zeitungsleseecke sitzt und sich darüber freut, daß die Kinderecke am anderen Ende der Bücherei liegt und gerade nicht besonders gut besucht ist, klingelt dann 5 Meter entfernt, am CD Regal ein Mobiltelefon, mit einem nicht extravaganten, aber durchaus schallendem Klingelton. Der Anruf wird, da es ja nun schon einmal klingelt, nicht ignoriert, und so höre ich, wie Klaus seinem Kollegen Ole erklärt, daß er ein Auto aus B. abholen müsse, weil Jürgen das ja heute nicht schaffen würde. Dann folgt eine genaue Erklärung zum Standort des Wagens, dann eine des Bestimmungsortes und als ich gerade auf das baldige Ende des Gesprächs hoffe, wird Klaus offenbar noch nach dem Grund dafür gefragt warum Jürgen nicht selbst den Wagen abholen kann. Ich erfahre, daß Jürgens Frau erkrankt ist, d.h. das es ein Problem mit der Schwangerschaft gibt und Ursel, d.h. die Freundin von Jürgens Frau, die sich sonst so gut um Barbara (Jürgens Frau) kümmert, ist mit ihrem Schwager nach Spanien durchgebrannt. Also muß sich Jürgen kümmern. Und so geht es noch eine Weile weiter.

Zu diesem Gespräch gehört die enorme Lautstärke in der es geführt wurde. Ein fast zwei Meter großer stattlicher Kerl brummt in ebensolcher Stattlichkeit ohne jedwede Hemmung.

Als ich einige Tage zuvor das Gespräch einer knapp 20 jährigen über die eigenartigen Angewohnheiten ihres neuen Liebhabers hören mußte, tat sie dies zumindest in dem Vorsatz nicht in der gesamten Bücherei gehört zu werden.

Ich hätte auf all diese Informationen verzichten können, aber man kann seine Ohren nicht verschließen und auch das weghören ist eine Kunst für sich, zu der ich gestehen muß, daß ich sie einfach nicht beherrsche.

Lauschen ist nicht meine Art. Das würde bedeuten, daß ich absichtlich daran interessiert wäre was andere zu sagen hätten. Ich bin nicht ignorant und nehme gerne Anteil am Schicksal anderer. Ich höre auch gerne zu, wenn andere mir etwas zu sagen haben, wenn ich durch meine Anteilnahme unmittelbar nutzen und helfen kann. Wenn meine persönliche Nähe einen Zweck haben kann.

Beim Mitanhören-Müssen gibt es nur zwei Positionen. Die zur Schau Stellung und die Penetration.

Vielleicht bin ich zu empfindlich? Aber ich will nicht von Anderen ungefragt in ihr Leben eingezwungen werden. Ich werde dadurch in meinem eigenen Leben berührt. Ich werde dadurch belästigt.

Wenn jemand diese Worte nicht lesen will – alles gut damit. Die Seite nicht anwählen, wegklicken. Ich will keine Zustimmung, keinen „Gefällt mir“ Beitrag, ich brauche auch keinen Kommentar, auch wenn es interessant sein kann, aber dann wäre das Lesen ein Zuhören – aber ich will keine Anteilnahme und nicht mal den Ansatz zu einer persönlichern Nähe damit erzeugen.

Andererseits – vielleicht hätte ich dem Mann sagen sollen, daß ich Zeit und Gelegenheit gehabt hätte den Wagen zu holen. War doch ein schöner sonniger Tag und ein wenig durch die Gegend zu fahren hat mir schon immer gefallen. Und man kann ja nicht immer nur in der Bücherei sitzen.

Ihr K. J. Kerbheim

 

Ein Fall von Konsequenz …

Ich war eine Weile auf Reisen. Keine Weltreise, aber etwas länger unterwegs. Seit ich nicht mehr beruflich eingebunden bin, war es meiner Frau auch nicht mehr zu vermitteln, warum wir nicht die schon lange gewünschte Kreuzfahrt unternehmen würden, und es war mir doch auch recht damit, auch um aus diesem Land einmal heraus zu kommen.
Eine Seereise ist dazu sehr geeignet, man kommt bequem von einem Ort zum anderen, man kann sehr viel neues sehen und erleben und am Ende, wieder heim gekommen, lernt man das eigene Land durchaus mit anderen Augen zu sehen – wenn man will, muß ich jetzt einmal dazu sagen, denn mir geht es durchaus so, allerdings mußte ich am vergangenen Wochenende das Gegenteil davon erleben.
Wir waren mit einem Ehepaar zum Essen verabredet, das wir während der letzten Reisewoche kennengelernt hatten. Wir verstanden uns ganz gut und hatten einige Ausflüge gemeinsam unternommen. Und wie das so ist, da sie quasi bei uns um die Ecke wohnen, verabredeten wir uns. Und da hatte es diese Verwandlung gegeben. Aus dem entspannten, eher ruhigen Paar waren plötzlich rassistische Pedanten geworden, Nörgler und Besserwisser.
Unser Kellner war ein recht dunkelhäutiger Typ, den ich keiner Nationalität hätte zuordnen können. Ich meinte einen leichten spanischen Akzent zu hören, und hätte man mich gefragt, hätte ich auf Südamerika getippt. Unsere Reisebekanntschaft aber, ich will sie Herr und Frau K. nennen, wußten mit Bestimmtheit zu sagen, dass es sich um einen Mexikaner handelte, und die versuchten, bekannterweise, eigentlich alle in die USA zu fliehen und die USA haben ja einen Grenzzaun gezogen, der natürlich nicht so effektiv sei wie die ehemalige deutsche Grenze, womit er, so betonte er, den antiimperialistischen Schutzwall meinte, und da könnten die Amerikaner noch was lernen, und eigentlich wäre es auch besser, wenn wir Deutschen unsere Grenze auch wieder so aufbauen würden, zumindest aber doch die EU Außengrenzen, vor allem im Süden und Osten. Und so ging es eine Weile weiter.
Natürlich war es nicht schön, dass Menschen im Mittelmeer ertranken, aber es war ja auch deren eigene Schuld, sie müßten sich ja nicht auf diese Gefahr einlassen, als vernünftiger Mensch wisse man doch …
… und an dieser Stelle sah ich meine Frau an und sie sah mich an und wir fühlten plötzlich beide ganz intensiv die Vernunft von der Herr K. gerade sprach.
Wir standen beide auf, gingen zur Theke, bezahlten, lobten das Essen, soweit wir es hatten genießen können, und fuhren dann nach Hause.
Der Kellner stammt, das sei noch angemerkt, aus Kuba und lebt seit 21 Jahren in Deutschland, weil er dort eine deutsche Touristin kennengelernt hatte mit der er seitdem verheiratet ist … aber das ist eine andere Geschichte.

Ihr K. J. Kerbheim

Wenn man keine Wahl mehr haben will

Das analysieren von Zusammenhängen gehörte ja zu meinemBeruf und liegt mir durchaus im Blut, wie man so schön sagt.

Und ich habe mir auch vorgenommen auf dieser Seite darüber zu berichten. Im Zusammenhang mit der Wahl, im Vorfeld wie auch nach den Ergebnissen war ich von dem Thema sehr bewegt.

Die einsetzende Diskussion über die möglichen Koalitionspartner hat mich sehr interessiert und neben dem üblichen, entweder reißerischen oder parteilichen Pressemeldungen – führte ich Gespräche im privaten Bereich.

Die Diskussion darüber was für ein Land am Besten ist, hat mich zumindest dahingehend verwundert, weil nicht ersichtlich ist, ob die Menschen mit ihrer Wahl das Beste für das Land oder für sich wollten, oder ob sie meinten mit der Wahl des einen auch das andere erreichen zu können.

Der Wunsch nach einer Großen Koalition ist der übliche Wunsch nach Sicherheit.

Bloß keine Experimente machen – bleibt ein bei den Deutschen beliebter Lebensgrundsatz. Das die, zumindest auf dem Papier, eher sozial Interessierten Parteien gemeinsam gegen die konservative Rechte einen wirklichen Fortschritt für die nicht privilegierte Gesellschaft erreichen könnte, bzw. für die Zukunft die negativen Einflüsse und Auswirkungen eines unkontrollierten Kapitalismus zu mildern vermöchte, wird auch auf Berufung auf konservative Werte verworfen.

Fortschrittliche Gedanken werden ausgeschlossen, weil man an den eigenen konservativen Vorstellungen festhalten will.

Ganz mutige Zukunftsoptimisten könnten das als eine gute Entwicklung gegenüber den vergangenen Zeiten ansehen, da man an Vorstellungen festhalten mußte weil es noch keine neuen gab.

Aber heute könnten wir alle anderes. Die Menschen in ihrem Alltag, in Fragen der Umwelt, der Ernährung, der geschlechtlichen Belange usw. Politiker könnten anders.

Aber auch sie sind gefangen in ihren Vorstellungen.

Der konservative Abgeordnete unserer Region wartete ganz angespannt auf das Wahlergebnis – und ich war verwundert darüber, weil doch klar war, daß die Konservativen wieder die Mehrheit haben würde.

Eine der ersten (spöttischen) Geschichten die man mir erzählte war die, daß es hier genügen würde einen Stock in die Erde zu stecken, ihn schwarz anzumalen und ein Schild mit der Aufschrift CDU anzubringen. Die Leute würden ihn wählen. Nun, sie haben ihn gewählt.

Sie konnten nicht anders. Nicht, weil es keine Alternative gegeben hätte, sondern weil ihre Vorstellungskraft nicht ausreichte sich eine Zukunft vorzustellen die sowohl für die eigenen Interessen als auch für dieses Land ein besserer Ort würde sein können.

Wenn man den Weg dorthin erstmal gehen würde.

Beim Lesen eines der letzten Einträge habe ich mich aber aus beruflicher Sicht heraus gefragt: Wissen die Engel die Wahlergebnisse eigentlich schon vorher?

Ihr K. J. Kerbheim

 

 

Ich will nichts mit Gott zu tun haben müssen

 Interessant wie die Gedanken zu einem kommen. Aber als ich diese Regeln mit dem göttlichen Bezug las, da kamen Erinnerungen in mir hoch, Erlebnisse und Gedanken die ich einmal gehabt habe und die im Alltag verdrängt oder verschüttet wurden.

Mein ältester Sohn, der plötzlich am Frühstückstisch beten wollte. Jahrelang hat man sich selbst so von dem religiösen Unsinn distanziert, da kommt das eigene Kind aus dem Kindergarten und hat das Beten gelernt. Er hätte mit einem freien Geist aufwachsen können, hätte sein Leben ohne Aberglauben und fremde Schuld beginnen können, zumindest solange bis er selbst zu denken und zu entscheiden in der Lage gewesen wäre.

Doch man kann sich den Einflüssen nicht entziehen. Religiöse Vorstellungen sind überall. Vor kurzem dieser Skandal um die Verweigerung der „Pille danach“. Objektiv gesehen hätte der Arzt sofort entlassen werden müssen. Wenn er Moral hätte predigen wollen oder wenn er dem Ruf seines Gewissen hätte folgen wollen, dann hätte er sich in ein Kloster verbringen sollen. Arzt sein heißt die medizinischen Notwendigkeiten für die Menschen zu leisten und zwar im Sinne der Menschen die diese in Anspruch nehmen wollen oder müssen. Der Mensch der behandelt wird ist der Maßstab für den Arzt. Nicht der verkappte Prediger der hinter ihm steht. Oder die Verweigerung in einer Klinik Abtreibungen durchzuführen. Ganz klar: Klinik schließen.

Wir leben in einem demokratischen, säkularen und nicht in einem religiösen Gottes-Staat. Die Freiheit meines Glaubens, die mir das Grundgesetz zuspricht, darf nicht von einem Möchtegern Moraltheologen in Arztkittel eingeschränkt werden. Unabhängig davon, daß die Politiker an wichtigen Stellen immer noch kirchlichen Instanzen die Entscheidungen überlassen. Selbst so grundsätzlich undemokratischen Strukturen wie der katholischen.

Für die Trinkerin kann ich es verstehen. Man braucht eine disziplinierende Instanz und wenn man so aus der Welt ist, wenn man sich an der Gesellschaft nicht mehr selbst reflektiert, dann kann man sich auch an einer recht irrwitzigen Vorstellung wieder aufrichten. Wichtig ist ja nur, daß man sich im richtigen Moment darauf besinnt, wieder den eigenen Vorstellungen und Maßstäben zu folgen.

Ich selbst habe ja gar nichts gegen die Religionen. Ich habe was gegen diese Leute die mir ihre Moral vorbeten und dann vorschreiben wollen. Die glauben, daß ihre Maßstäbe einen größeren Wert oder eine tiefere Bedeutung haben als meine. Wenn man diesen religiösen Fanatikern, den christlichen wie den islamistischen, einmal deutlich machen könnte, daß es keinen Gott geben kann der ernsthaft von einem Menschen verlangen würde sich gegen die Interessen eines anderen Menschen zu richten.

Menschen sind gemeinsam auf dieser Welt. Alle gemeinsam. Wir sollten uns nach den realen menschlichen Maßstäben verhalten, nicht nach erfundenen. Aber das ist jetzt schon wieder ein anderer Gedanke.

Ihr K. J. Kerbheim

Als erstes Wort

Wenn ich etwas gezögert habe, in diesem Blog zu schreiben dann doch weil ich nicht gerne vorschnell urteilen will oder meine Meinung zu schnell festlege auf eine bestimmte Ansicht.
Mein (ehemaliger) Beruf machte es notwendig den Dingen genau und gewissenhaft gegenüber aufzutreten. Das galt für die Bereiche die das Institut untersucht hat, wie auch in Bezug auf die Kunden.
Natürlich bedeutete dies auch, daß man z.B. die Ergebnisse einer Studie so anpassen mußte, daß es den Anforderungen der Kunden entsprach. Aber das ich davon spreche, ist das jetzt schon Offenheit oder Ehrlichkeit? Ich spreche doch nur etwas aus, das eigentlich sowieso jeder weiß oder zumindest wissen kann.
Wenn jemand möchte, daß ein Produkt gut aussieht, dann stellt er eben die Guten Seiten in den Vordergrund und läßt die Nachteile erstmal im Kleingedruckten oder versteckt sie hinter Codenummern.

Aber nun geht es ja darum etwas darzustellen, was mir aus meiner Weltsicht heraus wichtig ist und es gibt schon viele Dinge die mir wichtig sind und das ist in der Tat sehr persönlich und ich finde die Offenheit, die zum Beispiel von der ehemaligen Trinkerin Tanja gezeigt wird, schon sehr beachtlich. Auch wenn jemand davon redet, daß er mit Gott zu tun hat. Beachtlich. Gott ist eine Größe die schwer zu bewerten ist. In jedem Fall muß man persönlich mit ihm klar kommen.
Oder dieser Arzt. Bei dem würde ich mich ja fragen, ob er wirklich ein anderes Verhalten bei Menschen hatte erwarten können.
Wie gesagt: Meine Kunden kamen mit dem Anspruch zu mir, daß ich etwas für sie so gestalte, daß es für sie gut ist. Vom Wohl ihrer Kunden war da sehr selten die Rede.

Den Vorsatz des Herrn Ronski kann ich übernehmen. Ich will mich hier auch um meine eigene und objektive Sicht bemühen.
Was mir als Inhalt einfallen wird, wird mich wohlmöglich selbst überraschen.
Ihr K. J. Kerbheim