Feuchtgebiete von Dr. Bremer

Heute ist der internationale Tag der Feuchtgebiete. Diese sind mannigfaltig. Man findet sie in den Achselhöhlen, zwischen den Zehen, unter schweren Brüsten und manchmal auch unter der Vorhaut des Mannes und im Vaginalbereich der Frau. Ohne die aufopferungsvolle Bereitstellung dieser Areale durch um die Umwelt bemühte Zeitgenossen wären etliche Pilzarten bereits auf die Rote Liste gewandert und vom Aussterben bedroht. Ich bin Hausarzt; ich weiß wovon ich rede. Weiterlesen

Schönheit von Dr. Bremer

Hautarzt wollte ich nie werden. Und, wenn ich höre, dass sich Deutschlands Frauen- und zunehmend auch Männerwelt Kosmetika für 13,4 Milliarden Euro jährlich auf unser zweitgrößtes Organ pappt, bin ich froh, die Folgeschäden nicht auch noch beseitigen zu müssen. Da wird gecremt, gesprüht, gepinselt und seit Neuesten auch genadelt, was die Pelle hält. Wo ist eigentlich der gute, alte Spruch hin, dass wahre Schönheit von innen kommt? Der Körper wird mit Fast Food, Koffein, Alkohol und Nikotin abgefüllt und bei dieser Diät erwartet man eine Pfirsichhaut. Es kommt mir so vor, als würde man bei einem maroden Gebäude nur die Außenfassade erneuern. Außen hui, innen pfui, wenn man so will. Die Haut ist vor allen Dingen eines. Eine Schutzbarriere, die nichts durchlässt. Weiterlesen

Intoleranzen von Dr. Bremer

Langsam aber sicher werde ich zum Allergiker. Ich verspüre eine zunehmende immunologische Überreaktion gegenüber Patienten mit Glutenunverträglichkeit und Laktoseintoleranz. Der prozentuale Anteil der deutschen Bevölkerung liegt bei der Sprue, wie die Glutenunverträglichkeit auch genannt wird, bei 0.5-1.0. und bei der Laktoseintoleranz bei ca. 15. Allmählich bekomme ich den Eindruck, dass sich alle Betroffenen ausgerechnet bei mir in der Praxis einfinden. Durchfälle besitzen mannigfaltige Ursachen, aber keiner meiner Patienten kam jemals auf den Gedanken, dass es sich bei ihm um eine Alkoholunverträglichkeit, oder eine Intoleranz gegen schlichtes Überfressen handeln könnte. Der Darm gibt gerne Alarm. Er meldet sich bei jedem Zuviel! Besonders irritierend finde ich es, wenn ich meine Laktoseintoleranzler sonntags im Café vor riesigen Sahnetortenstücken sitzen sehe, die sie, ohne weiter darüber nachzudenken, problemlos vertragen. »Aber um Gottes willen Herr Doktor, niemals ein Glas pure Milch! Die vertrage ich nämlich nicht!« Wenn der Kinderbauch revoltiert, ist nicht übermäßiges »gesundes Naschen« die Ursache, sondern das Vollkornbrötchen am Morgen! Weiterlesen

Alexithymie Von Dr. Bremer

Definitionsgemäß die Unfähigkeit Gefühle zu lesen und auszudrücken. Wenn ein Patient mit diesem Krankheitsbild im Alter von sechzig Jahren versucht, damit anzufangen, kann schon allerlei Wirrwarr dabei herauskommen, wie man an unserer Kanzlerin sieht.

Wenn ich über den prozentualen Anteil derer, die unter dieser Störung leiden, wobei leiden der falsche Ausdruck ist, in meiner Praxis nachdenke, da komme ich locker auf neunzig Prozent. Herzklopfen wird nicht als Angst erkannt, ebenso wie Druck im Oberbauch odere das Gefühl, etwas schnürt einem die Kehle zu. Wer dermaßen in der Erkenntnis von Ursache und Wirkung gestört ist, merkelt halt gerne herum, wenn er versucht, trotz Gefühlsblindheit, die Zeichen an der Wand zu deuten. Mag ich jetzt Flüchtlinge oder mag ich sie nicht? Bin ich jetzt eine Führungspersönlichkeit oder bin ich es nicht? Was mache ich, wenn ich feststelle, ich bin Bundeskanzlerin und besitze keinerlei Führungsqualitäten? Was bin ich überhaupt, Mann oder Frau? Will ich anstatt Kanzlerin nicht lieber Großmutter sein und weinenden Kindern den Kopf streicheln? Der komplette Alexithymiker stellt sich diese Fragen natürlich nicht, aber da ich den Verdacht hege, Angie befindet sich in Bezug auf die Erkrankung im Borderlinebereich, habe ich natürlich keine Schwierigkeiten mir das momentane Regierungschaos zu erklären. Weiterlesen

Wetter von Dr. Bremer

Benjamin Stöwe erwies mir heute Morgen keinen Gefallen. Er warnte vor hohen Ozonwerten und nannte auch gleich die Nebenwirkungen. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und Krämpfe. Ich sehe meine Patienten um die Mittagszeit, wenn die Werte am Höchsten sind, bereits in meine Praxis pilgern. Endlich ein Grund für Befindlichkeitsstörungen aller Art. Dabei wäre es das Beste gewesen, die Leidenden hätten sich in ihrem Haus verbarrikadiert und sich nicht dem Ozon ausgesetzt. Weiterlesen

Tag des Hausarztes Von Dr. Bremer

Im Dorf ist Schützenfest, was bedeutet, dass das normale Leben zum Erliegen kommt. Seltsamerweise fallen auch die ansonsten so dringenden Krankheiten und Beschwerden darunter. Ich sitze demnach bei einer Tasse Kaffee in meiner Praxis und harre der Dinge, die unweigerlich, sobald die ersten Patienten aus ihrem Koma erwacht sind, auf mich zurollen werden. Derweil lese ich die Einträge meiner Mitautoren. Zum Gestrigen Blog fällt mir nur ein: Wie wäre es mit einem Tag des Hausarztes? Und, wie hätte dieser auszusehen? Ein bürokratiefreier Tag wäre schön, an dem ich meiner Profession nachgehen könnte, ohne zusätzlichen Ballast. Patienten mit ernsthaften Erkrankungen, die still und zufrieden meinen Anweisungen folgten und nicht alles besser wüssten, gehörten schließlich ebenfalls dazu. Keine unnötigen Anrufe, keine Aufrufe, nur dem puren Beruf, der Berufung verpflichtet, von freundlichen, dienstbaren Arzthelferinnen umgeben, den Menschen helfen, die meiner Hilfe bedürfen, nur meiner Kunst, meinem Gewissen und keiner schwachsinnigen Vorschrift verpflichtet. Das ist ein Tag des Hauarztes nach meinem Geschmack!

Ich gerate ins Träumen, werde abrupt vom Telefon in die Wirklichkeit zurückgeholt. Ein besonders angeschlagener Schützenbruder bedarf eines dringenden Hausbesuches, aufgrund von schweren alkoholbedingten Nachwirkungen, die sich nach telefonischer Schilderung wie ein Herzinfarkt anhören, aber ich kenne meine Pappenheimer! Am Tresen beschimpft mich ein Patient, den ich wiederholt wegen vor Gesundheit strotzender Penetranz vor die Tür setzte, der ärztlichen Unfähigkeit. Etliche Anfragen von der kassenärztlichen Vereinigung stapeln sich neben den Telefonen meiner Helferinnen. Später. Erst der Hausbesuch. Kann sein, dass wirklich ein Infarkt vorliegt. Oma W., die gerne unsere Patiententoilette benutzt, parkte schon wieder meinen Wagen zu, sodass ich nicht loskann, bevor sie nicht den letzten Tropfen abdrückte. Ich tänzele um mein Auto herum, während sich Schlangen von halbkomatösen Patienten in meine Praxis schleppen, die rein vom Aspekt her nicht mehr als einen Kater haben und für Tage eine Krankmeldung brauchen. Eine, oder zwei kleine Platzwunden sind dabei, weil man besoffen zwar nicht Auto fährt, aber gerne auf das Rad steigt. Inzwischen taucht eine meiner Helferinnen mit dem Wagenschlüssel von Oma W. auf, bei der es heute etwas länger dauert. Vielleicht hat die Oma den lange von ihr ersehnten Harnwegsinfekt, der bislang nicht nachzuweisen war. Ich steige in mein endlich freigegebenes Auto und gebe mich auf der Fahrt zum Schützenbruder noch einem Moment meinem Traum vom Tag des Hausarztes hin.

 

Übergewicht von Dr. Bremer

Laut WHO wird das Übergewicht in Europa in Zukunft zu einem »Problem ungeahnten Ausmaßes«. Rechne ich zu den Fresssüchtigen noch die Raucher, die Alkohol-, Drogen- und Arbeitssüchtigen dazu, leben wir auf einem Kontinent der Sucht. Hinzu kommen die psychosomatischen Erkrankungen, die Neurosen und Psychosen, und man kommt zwangsläufig zu der Ansicht, dass ganz Europa in Therapie gehört. Wer soll das leisten? Die höchste Sucht- und Selbstmordrate findet man bei Psychologen und Psychiatern, sodass dieser Berufsstand bereits damit beschäftigt ist, sich selbst zu therapieren. Weiterlesen

Heiler von Dr.Bremer

Gestern Abend machte ich einen entscheidenden Fehler. Ich sah mir erst Beckmann und dann Hart aber fair an. In beiden Sendungen ging es um medizinische Scharlatane, wie Geistheiler und Heilpraktiker. Fazit: Der Schamanismus ist nicht auszurotten! Magisches Denken beherrscht die Menschen. Anders ist es mir nicht zu erklären, warum überprüfter Wissenschaft zunehmend misstraut wird und die Menschen scharenweise ominösen, von jeglicher medizinischer Kenntnis befreiten, selbsternannten Heilern hinterherlaufen. Weiterlesen

Tolle Tage von Dr. Bremer

Von tollen Tagen kann ich ein Lied singen! Meine Praxis gleicht im Moment einem Irrenhaus. Ich rase von Sprechzimmer zu Sprechzimmer und anstatt eines Schwerkranken, finde ich jemanden mit leichten Symptomen eines grippalen Infektes vor. Nun muss ich jeden auf eine Pneumonie, eine Angina tonsillaris, eine Otitis media, eine Sinusitis und eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises untersuchen. Lege artis müsste ich von allem und jedem Abstriche machen und ein Antibiogramm erstellen, aber mir fehlt die Zeit! Darum meine Bitte an die Patienten: Kommen sie nur zu mir, wenn sie ernsthaft krank sind, damit für die wirklich Kranken, A: mehr Geld im Gesundheitssystem verbleibt und B: Ich mich mit der nötigen Obsorge um sie kümmern kann! Weiterlesen

Grippewelle von Dr. Bremer

Zum einhundertsten Male den Unterschied zwischen einer banalen Erkältung und einer Grippe merken Sie. Die Grippe setzt plötzlich ein, Sie können den genauen Zeitpunkt festmachen, an dem Sie von Gliederschmerzen und hohem Fieber quasi überfallen werden. Wenn Sie noch krauchen und jammern können, ist es keine Grippe! Die Unterscheidung ist sowieso akademisch, denn gegen beide Erkrankungen »ist kein Kraut gewachsen«. Weiterlesen