Freier Wille von Tanja K.

Die Elbe hat Niedrigwasser und nach dem Motto: Liebe Kinder, dies dürft ihr auf keinen Fall machen, wird davor gewarnt, hindurchzuwaten. Ein Fluss ist eben keine Badewanne. Wer hätte das gedacht? Und fünfzig Zentimeter Wassertiefe verteilen sich in Fließgewässern halt anders als in Stehenden. Mir ist schleierhaft, wieso man überhaupt auf den Gedanken kommen sollte, einen Strom per pedes zu überwinden, aber wie so oft, wenn jemand etwas total Schwachsinniges tut und man nach dem tieferen Grund fragt, erhält man die Antwort: »Weil ich es will!« Dies ist das größte Totschlagsargument! Und da des Menschen Willen sein Himmelreich ist, sollte man Wollensfanatiker nicht davon abhalten, frühzeitig dort Einzug zu halten. Solange keine weitere Person in Mitleidenschaft gezogen wird, gibt man ihnen ein »Nur zu!« mit auf den Weg und geht fröhlich seiner Wege, da man mit der Konsequenz eines freien Willens nichts zu schaffen hat. Dieser freie Wille wirkt meistens nur so lange, bis hilflos in der Strömung der Elbe getrieben und verzweifelt um Hilfe geschrien wird. Hier ist jetzt ein nettes Winken und ein Achselzucken angebracht, denn, wer nicht hören will, muss fühlen. Leider wird diese Warnung gerne vergessen und auf den unbedingten Altruismus genervter Mitmenschen gebaut.

 

Urteile von Tanja K.

Man urteilt vorschnell. »Hast du gesehen, was der- oder diejenige gemacht haben?« Der Rest der Welt ist blöd, nur man selber hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Dabei beinhaltet jedes Urteil, das ich über andere abgebe, eine Einschränkung meiner eigenen Persönlichkeit, weil ich ja nicht so doof sein will, wie der Rest der Welt um mich herum. Was ich bei anderen kritisiere, darf ich mir nicht mehr zugestehen. Urteilende Menschen halten sich für Übermenschen, dabei ist ihre Handlungsfreiheit auf ein Minimum begrenzt. Weiterlesen

Wut von Tanja K.

»Auch wenn Sie es mir nicht ansehen; ich habe in der Tat eine Verärgerung.« Nie wurde blanke Wut mehr verbrämt als durch unseren Verkehrsminister Dobrindt, nachdem ihm die EU Steine in den Weg seines Wegezolls für Ausländer legte. Haben Politiker Gefühle, oder handelt es sich bei ihnen um Phrasenroboter? Weiterlesen

Sauna von Tanja K.

In der Sauna macht man vieles. Was man aber niemals tut, ist die Körper der Anderen betrachten und beurteilen. Ein absolutes Tabu, aber jeder schielt und schaut und, wer behauptet, er täte es nicht, der lügt! Frauen sind Frauen gegenüber derart gemein, wie es Männer ihren Geschlechtsgenossen gegenüber nie sein könnten. Jedenfalls kam ich gerade verstrubbelt und verschlafen aus dem Ruheraum, als eine Sexgöttin mit falsch aufgeblasenen Superbrüsten und rückenlangen Haar-Extensions an mir vorbeiflaniert kam. Neidisch ließ ich mich in einen Sessel fallen und begann, sofort nach dem Typen zu suchen, der die Chose finanzierte. Als ich einen älteren Möchte-gern-Playboy entdeckte, stieß ich meinem Gatten in die Rippen und flüsterte: »Da ist der Geldgeber für die künstliche Schönheit!« Weiterlesen

Glück von Tanja K.

Es gibt Tage, da nervt einen alles. Die Dinge sind lästig und vor allem dauern sie so lang! Die Morgentoilette erscheint endlos, das Gebrumme der elektrischen Zahnbürste treibt einen in den Wahnsinn und die automatische Putzzeitanzeige ist völlig aus dem Takt geraten. Ist sie bis zu Signalton auf dreißig Minuten eingestellt? Kommt mir jedenfalls so vor. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz! Es kommt mir so vor! Die Dinge sind, wie sie sind und allein meine Bewertung macht sie zur Lästigkeit. Wir bilden uns viel auf unsere Urteilsfähigkeit ein und fühlen uns am Besten, wenn sie durch die reine Emotionalität außer Kraft gesetzt wird. Weiterlesen

Flüchtlinge von Tanja K.

»Jedes Land muss sich an diesem Elend beteiligen« sagte unser Entwicklungsminister heute Morgen. Interessant, aber haben wir schon. Spanien, Portugal, die estnischen Staaten, vorne weg Großbritannien beteiligt sich vorbildlich an dem Elend, denn die haben keinen Bock auf Flüchtlinge. Diese gibt es zuhauf, also sind die EU- Parlamentarier, angesichts dieses Massensterbens, auf der Flucht. Weiterlesen

Schönheit von Tanja K.

Gestern las ich in meiner Fernsehzeitschrift die folgende Programmankündigung: » Die schöne Christa«; Dokufilm über Bauchumfänge und Eutergrößen. Aha, dachte ich, wieder einmal eine »Realityshow« über kosmetische Operationen. Dann las ich aber weiter. Es ging um die prachtvollsten Zuchtkühe der Welt! »Die muss von Kopf bis Schwanz nach Milch aussehen«, so beschrieb ein Bauer die perfekte Milchkuh. Ich wollte noch nicht vom Thema Schönheitsoperation weg und formte den Satz um. »Die muss von Kopf bis zu den Zehen nach Sex aussehen«, und beschrieb damit die perfekte Frau. Weiterlesen

Ziele von Tanja K.

Da beim FC Bayern nur das Triple als Erfolg zu rechnen ist, kann man das verlorene Spiel gegen Borussia Dortmund in der DFB-Pokal-Runde nur als Komplettverlust werten. Hinzu kommt das fast sichere Ausscheiden in der Champions League. Zwar sind sie deutscher Meister, aber wo kein Dreifachsieg, da überhaupt kein Sieg. So ist das nun einmal mit den Zielen. Werden sie zu hoch gesteckt, bleibt man ewiger Verlierer, egal, was man erreicht. Wo ist das gute alte »Dabei sein ist alles« hin? Was sowohl für den Sport und ganz besonders auch für das Leben gilt. Weiterlesen

Wunschkonzert von Tanja K.

Am Ostermontag hörte ich während einer Autofahrt WDR 2. Rund um die Uhr konnten die Hörer ihre Musikwünsche durchgeben. Der Anruf einer Frau geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Ich weiß nicht mehr, welchen Titel sie sich wünschte, aber die kleine Rahmengeschichte zu ihrem Wunsch brachte mich dermaßen außer Fassung, dass ich mich gezwungen sah, auf dem nächsten Rastplatz eine Pause einzulegen. Ihre Familie wäre im Skiurlaub, berichtete sie und sie nütze die Zeit, um einmal gründlich das Haus zu putzen. Ich nehme an, es handelt sich um eine Ostertradition der besonderen Art. Einmal im Jahr werden die Verursacher der Hausverwüstung in die verdiente Erholung geschickt, damit Mama die heimische Welt wieder in Ordnung bringt. Weiterlesen

Kümmert von Tanja K.

Den Shit-Storm – welch schönes neudeutsches Wort – mit dem der arme Kümmert zurzeit überzogen wird, verstehe ich nicht. Da hat jemand den außerordentlichen Mut zu sagen, er wäre bestimmten Anforderungen nicht gewachsen; und was passiert? Er wird zum Prügelknaben der Nation! Vielleicht täte es uns allen einmal gut zu sagen: »Hey Leute, nett gemeint, aber die Sache ist eine Nummer zu groß für mich!« Weiterlesen