Verschlafen!

Nichts geht mir mehr auf den Geist, als morgens zu verschlafen, was umso verwunderlicher ist, da ich als Hausfrau im Genuss der freien Zeiteinteilung stehe, es also völlig egal ist, wann ich aufsehe, aber, wenn ich daran denke, was der Rest der Welt bis 10:00 Uhr morgens bereits geschafft hat, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Da werden ganze Regierungen gestürzt und demzufolge Bürgerkriege angezettelt. Eifrige Hacker sind bereits seit Stunden online und spionieren befreundete Staaten aus, die, Freundschaft hin oder her, trotzdem als Konkurrenz empfunden werden. Gut drei viertel der Männerwelt hat, kaum am Arbeitsplatz, an weibliche Hintern gefasst oder darüber gelästert und die betroffenen Frauen tragen jetzt schon den Termin in ca. 15 Jahren ein, an dem darüber Beschwerde zu führen wäre. Trump twittert schon endlos vor dem Aufstehen, Erdogan und Putin tüfteln, kaum erwacht, neue Menschenrechtsverstöße aus, während unsereins noch schlaftrunken Kaffee in sich hineinschlürft. Außer meiner verlangsamten Atmung trage ich noch nicht einmal zum Kohlendioxidspiegel bei und mein Auto steht unbenutzt vor der Tür, als gelte es eben nicht, ein Schärflein zum Feinstaubgehalt der Luft beizutragen. Ja, außer Kaffee und Zigaretten konsumiere ich nicht einmal, was sicher verheerend für den Binnenmarkt ist. Chefärzte stehen seit dem Morgengrauen in den Operationssälen und verbessern mit fraglichen Indikationsstellungen, die Statistik des eigenen Krankenhauses, im Sinne von: rette sich, wer kann. Und, ich möchte nicht wissen, wie viele bunte Pillen bereits rezeptiert und konsumiert worden sind, bevor ich meinen Mund zum Morgengruß aufbekomme. Weit eifrigere Hausfrauen, als ich es bin, verpassten den Trinkwasservorräten mit scharfen Reinigungsmitteln, bereits eine neue chemische Strukturformel und am anderen Ende der Skala sitzt Stephen Hawking, der neue fantastische Visionen über das Universum verkündet, die weder zu beweisen, noch zu widerlegen sind. Ja, und weil ich kein bisschen zur allgemeinen Entropie desselben beitrug, indem ich verschlief, plagt mich ein Gefühl der Nutzlosigkeit. Letztendlich tröste ich mich immer damit, dass keiner absolut nutzlos ist, da er immer noch als schlechtes Beispiel dienen kann. Wer ist jetzt nochmal wer?

Reichtum

Als nicht »Digital native« verklickt man sich schon einmal gerne. Ich weiß nicht wie, aber plötzlich geriet ich via eBay auf die Seite von Christies New York, versuchte dort wieder herauszukommen und erhielt stattdessen den Zuschlag für ein 400.000.000 Gemälde! Nein, Spaß beiseite, es gibt Menschen, die in diesem Preissegment mal eben shoppen. Als Kind wollte ich immer Dagobert Duck sein und es ihm gleichtun mit dem Bad in den Goldstücken. Onkel Dagobert empfand in seinem analogen Reichtum so etwas wie Befriedigung. Heutzutage ist das anders; das Geld schwebt virtuell von da nach dort, ist scheu wie das sprichwörtliche Reh und darf nicht verschreckt werden, denn sonst entflieht es in ein Steuerparadies, wo es jede Menge Platzhirsche findet, die für grenzenlose Vermehrung sorgen. Ich frage mich, wie lange die Befriedigung über den nicht ganz eindeutigen Da Vinci anhält. Ist der Salvator mundi in etwa für den Käufer, was für mich ein Paar Schuhe ist? Ist eBay das preisgünstigere Christies? Findet dieses »drei, zwei, eins, meins« nur in unterschiedlichen Dimensionen statt? Und, wenn wie vermutet, der Da Vinci in irgendeinem Tresor auf »Nimmerwiedersehen« verschwindet, was hat der Käufer außer der Gewissheit des Besitzes von seinem einsamen Vergnügen? Liegt nicht der Lustgewinn des Habens in dessen Zurschaustellung? Warum verbarrikadieren sich die Superreichen in abgelegenen Enklaven? Schämen sie sich etwa? Man weiß es nicht, aber was ich weiß, ist, dass die Absurdität der Welt erhalten bleibt, wenn eine enorme Geldmenge ausgerechnet den »Heiler der Welt« erwirbt. Von Heilungen durch Handauflegungen hat man schon gehört, aber noch nie von Heilungen durch Dollarauflegungen. Aber ich schweife ab. Im Prinzip ist es doch so, dass das Goldene Kalb letztendlich als Sieger dasteht, denn die Anhäufung von obszönem Reichtum ist nicht möglich, wenn man sich strikt an die Zehn Gebote hält. Leider gilt der Trost, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt, heutzutage auch nicht mehr viel. Geschweige denn dieses falsche Versprechen von den Letzten, die die Ersten sein werden. Und davon, dass die Ärmsten die Seligsten sind, kann man sich nichts kaufen – erst recht keinen da Vinci.

Vorbilder

Heute gab es zur Abwechslung einmal zwei positive Nachrichten. Da wäre zunächst die gemeinsame Rettungsaktion von Militär und Zivilbevölkerung in Banda Ace – man erinnert sich, die am schwersten gebeutelte Region beim Tsunami – für zehn gestrandete Pottwale zu nennen. Zum anderen die Aktion »Barber Angels« die den Ärmsten unter uns einen kostenlosen Haarschnitt bietet und ihnen damit einen kleinen Teil ihrer menschlichen Würde zurückgibt. Geht doch, möchte man meinen. Warum nicht am Ende jeder Nachrichtensendung, einen kurzen Beweis dafür, dass Mitmenschlichkeit ein zwar seltenes, aber trotzdem vorhandenes Gut darstellt? Da ginge man den Tag doch ganz anders an! Da der Mensch durch das Beispiel lernt, gerne auch vorgeführtes Verhalten imitiert, wäre durch die Medien eine gewisse Ausgeglichenheit zu vermitteln, weniger Trump und mehr Dalai Lama, wenn man so will. Es besteht schon ein gewaltiger Unterschied, ob man »vor der Haustür beginnt der Krieg«, oder »vor der Haustür beginnt die Chance« formuliert. Ich meine hier nicht das Schönreden negativer Fakten; ich bitte – und sei es nur am Rande – um die Erwähnung positiver Tatsachen. Ich stelle mir gerade eine alternative »Bild« Zeitung vor, die einen nicht mit fett gedruckten »Hammermeldungen« gleichsam erschlägt, sondern uns in riesigen Lettern täglich entgegen schreit, wer wem wo selbstlos zur Seite stand. Ein Presseorgan für die Stillen, das wäre es doch! Was betreiben unsere Medien denn anderes, als Volksverhetzung im großen Stil? Uns wird eingebläut, dass die Afrikaner nichts auf die Reihe bekommen, Farbige in den USA größtenteil kriminell sind, die Chinesen bienenfleißig die Weltherrschaft anstreben und der Russe, da kann man machen, was man will grundsätzlich böse ist. Dabei kann ein Volk, dass seine Dichter so verehrt, wie kein anderes auf der Welt, gar so schlecht nicht sein. Das alltägliche Heldentum besitzt eben keine Plattform.
Morgenstarte ich einen Selbstversuch, da ich heute noch die Walrettung vor Augen habe. Ich lasse keine Nachrichtensendung aus, ziehe mir hinterher noch Werbesprüche wie: Geiz ist geil, unterm Strich zähl ich, weil ich es mir wert bin, drei-zwei-eins-meins und ähnliche rein und dann will ich mal sehen, ob aus mir nicht doch ein ganz passabler Amokläufer wird.

Lärmschutz

Es wird über Lärmschutz in den Fußballstadien diskutiert. Mit 150 Dezibel schreien sich die Fanblocks schon gerne einmal in Ekstase. Ausführlich werden die Folgen extraordinärer Schallberieselung dargelegt. Völlig unbeachtet bleibt dabei das Offensichtliche. Die wöchentliche Aussetzung vormals als normal geltender Personen mit den Stadionlärmpegeln führt zur Verblödung! Man muss nur einmal einem Fußballer oder einem Hardcorefan ein Mikrofon vor die Nase halten und die verheerenden Folgen liegen klar auf der Hand! Vor allem möglichen Schäden werden Kinder beschützt, aber wer kümmert sich um die unzähligen Sprösslinge, die am Wochenende von ihren schon vorgeschädigten Vätern und mittlerweile auch Müttern »auf`n Platz« geschleift werden. Hier wäre doch einmal der Jungendschutz mehr als gefragt! Da werden bereits Säuglinge, in den Vereinsfarben gekleidet, beim Torjubel in die Höhe gehalten und das zarte, in der Entwicklung begriffene Hirn der Allerkleinsten bekommt einen lebenslänglichen Schaden. Es geht ja noch weiter! Bei einer Fußball-WM – ich rede hier von einer richtigen, nicht die der Frauen – fällt das Zentralorgan der Betroffenen in dumpfe Zweitongesänge zurück, während die Politik hinterrücks zum Nachteil der eigenen Bevölkerung entscheidet. Das ist doch gewollt! Nach einem Fußballspiel wird dieses, schon im Kleinkindalter antrainierte, archaische Verhalten derart verstärkt, dass völlig abhandenkommt, wie zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen sind. Da wird in die Abteile und nicht in die Toilette erbrochen und gepinkelt! Diese abgestumpften Hirne sumpfen sich quasi durch die Woche und reagieren erst wieder bei überstarken Reizen, wie ohrenbetäubenden Fangesängen! Die Prognose dieser lärmbedingten Hirnerweichung ist infaust. Manchmal, in den Frühstadien, also im Krippenalter hilft noch die Stadionkarenz. Hirnprothesen, die auch nur rudimentär funktionieren, sind nur den Reichen vorbehalten, wie man an Beckenbauer und hohen Fußballfunktionären erkennt. Dass bei rudimentär angelegten Hirnen auch schon geringere Beschallung zu ausgedehnten Schäden führen kann, sieht man bei Boris Becker, den warf schon das sanfte Plop des Tennis aus der Bahn. Aber ich war ja noch beim Lärmfaktor Fußball! Wo bleiben die Warnhinweise vor den Fußballarenen? Impotenz, sich selbst und andere schädigendes Verhalten und dass Kinder von Fans oft selber zu welchen werden! Dabei sind die Schäden für das Sprachzentrum noch gar nicht berücksichtigt! Wenn wir uns in Zukunft nicht nur durch Grölen verständigen wollen, sollten wir etwas tun!

Herdentrieb

Heute gab es einen höchst interessanten Kurzbericht im Morgenmagazin. Eine Seminar für Führungskräfte wurde vorgestellt. Mitzubringen war lediglich ein Paar Reservesocken. Die Teilnehmer kamen im ersten Morgenlicht zusammen und sahen sich mit einer zahlenmäßig weit überlegenen Schafherde konfrontiert. Na wenn dies mal keine Diskriminierung ist, die Mitarbeiter auf den I.Q. einer mähenden, wollbepackten Meute zu reduzieren. Aufgabe war es, besagte Schafherde heil und sicher von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Der erste Abschnitt gestaltete sich, wie erwartet schwierig, bis die Seminarteilnehmer dahinter kamen, dass sie sich mit der Leitziege Anton verbünden müssen, um den Rest des Trosses überhaupt zu einer Teilname an einer für ihn uneinsichtigen Aktion zu gewinnen. Anton wurde demnach umschmeichelt. Wer am Besten mit ihm konnte, durfte die Führung übernehmen und befand sich damit weit vor dem Rest des Teams und dem Gros der Schafe sowieso. Anton hatte zwar die direkt folgenden Tiere im Griff, aber je größer der Abstand zur Führungsperson, desto uneinsehbarer gestaltete sich das Unternehmen. Die Seminarteilnehmer mussten sich reichlich Mühe geben, auch die Letzten unter den Schafen zur Kooperation zu bewegen und die weit vorauseilende Führungsperson samt Anton mussten sich blind darauf verlassen können, dass das Team auch ohne direkte Aufsicht in ihrem Sinne handelte. Der bislang noch anwesende Schäfer verabschiedete sich und nun war das Team mit Leib und Seele dafür verantwortlich, die Schafe unversehrt bis zur angepeilten Weide zu bringen. Lange Rede kurzer Sinn, es gelang. Zwar zeigten die am Ziel sofort hinzueilenden Schäferhunde, wie man so etwas richtig macht, aber die Aufgabe war dennoch erfüllt. Welch eine herrliche Allegorie das Ganze! Durch Miteinander, Vertrauen und Diplomatie-in Bezug auf Anton und die Nachhut der Schafe natürlich- wurde schier Aussichtsloses machbar. Die Reservesocken wurden übrigens dafür gebraucht, nasse gegen trockene auszutauschen.

Zahnpflege

Diesen Blog tippe ich mühsam Buchstabe für Buchstabe mit der linken Hand, weil sich meine rechte, im Dauerkrampf befindet. Was war passiert? Im Morgenmagazin wurde mal wieder eine »Zahnputztechniksau« durch das Dorf getrieben. Da Zeckenexperten im Moment nicht so gefragt sind und man ja stets Fachleute braucht, die sich im Fernsehen produzieren, erklärte mir ein Zahnarzt lang und breit, wie richtiges Zähneputzen geht. Die Frage, ob vor oder nach dem Frühstück, war schnell abgefrühstückt-vorher ist besser-, aber bei meiner Technik lag noch einiges im Argen. Da der Zahnarzt persönlich vor die Kamera trat und sich nicht, wie sonst üblich von seiner Frau vertreten ließ, wollte ich seine Ratschläge nicht ungehört an mir vorbeirauschen lassen. Ich schaltete den Fernseher aus und macht mich ans Werk. Zunächst empfahl er, die Zahnbürste an der Zahn-Zahnfleischgrenze in rüttelnde, wenn möglich oszillierende Bewegung zu versetzen, dann, dem einstigen Top Spin des Boris Becker nicht unähnlich, da locker mit einer Drehung aus dem Handgelenk heraus, schleudert man dann einfach die abgelöste Plaque in Richtung Zahnkrone und weit darüber hinaus. Dabei stellte ich, während ich mein Handgelenk ausschüttelte, fest, dass die Behauptung des Zahnklempners, die Zähne wären dann richtig geputzt, wenn man danach auch den Spiegel reinigen müsse, durchaus zutreffend war. Egal, jeder soll einmal am Tag etwas richtig machen und so oszillierte und schleuderte ich, was das Zeug hielt. Dabei fiel mir ein, dass ich mir als Kind immer ein herausnehmbares Gebiss wünschte, denn ich fand es praktisch, die Zähne einfach mit einer Brausetablette in ein Glas zu werfen. Der Zahn der Zeit wird mir diesen Wunsch dermaleinst erfüllen, dachte ich, während ich versuchte, den Griff der Zahnbürste aus meinen verkrampften Fingern zu lösen. Mein Großonkel fiel mir ein, der mit seinen fast neunzig Jahren nie einen Zahnarzt sah und meines Wissens auch nie eine Zahnbürste besaß und sich immer noch eines gesunden, vollständigen Gebisses erfreut. Gleichzeitig hatte ich den gestrigen Lidl-Prospekt vor Augen, der-kein Scherz-auf der letzten Seite eine Einstieg Volks Zahnbürste zum günstigen Preis anbietet. Die oszilliert selbsttätig. Wobei ich eine Zahnbürste für ein ganzes Volk als sehr wenig empfinde, trotz meines Großonkels.

Sinnestäuschungen

Altersgemäß eingeschränkte Sinnesfunktionen machen die Welt weit verwunderlicher, als sie sowieso schon ist. Da schaue ich heute das Morgenmagazin ohne Brille und frage mich, warum Conchita Wurst zu den Sondierungen der möglichen Jamaika-Koalition interviewt wird. Mit Brille erkenne ich, dass es sich mitnichten um die Wurst dreht, sondern um unseren Anton Hofleitner.Vorher wäre mir die frappierende Ähnlichkeit gar nicht aufgefallen! Auch ohne Brille einzukaufen, bringt die erstaunlichsten Ergebnisse zustande. Manchmal gönne ich mir diesen Kick, taste mich halbblind durch die Supermarktregale, lade ein, was greifbar ist, um dann Zuhause mit Sehhilfe versehen, ein Überraschungsmenü zusammenzustellen. Dabei entstehen die raffiniertesten Kombinationen. Weit raffinierter wäre es natürlich, ich würde mich ohne Brille dem Kochen widmen. Vielleicht liegt hierin ja das Geheimnis der Sterneköche, denn auf den irrsinnigen Gedanken, Erdbeeren oder Schokolade mit Pfeffer zu versehen, kommt keiner, es sei denn er vergreift sich bei den Zutaten. Experimentelle Küche wäre somit nicht durch Raffinesse, sondern durch die Unauffindbarkeit der Brille bedingt. Die Welt wird durch den Verzicht auf Seh- und vor allen Dingen Hörhilfen nicht nur bunter. Nein sie wird erklärbarer, denn wenn man hört, was manche Politiker so von sich geben, kann man sich immer noch einreden, man hätte sich verhört. Aus dem: Das kann gar nicht so gemeint gewesen sein, wird ein: Wenn ich meine Hörgeräte drin hätte, würde sich mir die Logik und Vernunft des Gesagten vermutlich erschließen. Und erst die Schauspieler! Da Schauspielausbildungen mittlerweile obsolet geworden zu sein scheinen, denn diese Kunst liegt eben naturgemäß im Blut – die Kunst des deutlichen Sprechens hingegen nicht -, kann ich mir die X-te Wiederholung eines Tatorts ansehen und bekomme rein akustisch jedes Mal eine andere Handlung präsentiert, und wenn ich die Brille auch noch weglasse, einen anderen Mörder! Jetzt überlege ich, ob dies auch auf meinen Mann übertragbar ist, aber lassen wir das, so sehgeschwächt bin ich noch(!) nicht. Beim Hören klappt dies schon besser. Da er Kritik nie lautstark äußert, bekomme ich gar nicht mehr mit, was er alles herumzumuffeln hat. Da wird aus einem: Finde ich nicht in Ordnung, blitzfix: In Ordnung, da Altersschwerhörigkeit sich zumeist auf die hohen Frequenzen bezieht. Das Genialste von allem ist der Weichzeichner der Fehlsichtigkeit. Wo steht geschrieben, dass Frau ihre Brille aufsetzen muss, wenn sie in den Spiegel sieht?

Metoo

Selbst mir als Frau geht das mittlerweile zum Selbstläufer verkommene »Metoo« Gejammer auf die Nerven. Klar, ich wurde auch einmal von einem chirurgischen Chefarzt zum Bewerbungsgespräch geladen, der zwar keine Stelle für mich hatte, aber gerne mal einen Blick auf meinen Körper werfen wollte, wie er frank und frei zugab. Aber hadere ich deswegen noch immer mit meinem schweren Schicksal als Frau? Weitere Chefärzte wollten mir vor Einstellung persönlich eine Drei-Monats-Spritze verpassen oder meine Gebärmutter im Glas sehen, damit keine Gefahr bestünde, dass ich wegen Schwangerschaft in den Nachtdiensten ausfiele und sie womöglich selbst antanzen müssten. Und ja, trotz damaliger Ärzteschwämme konnten männliche Kollegen Krankenhäuser gegeneinander ausspielen, während Frau im gebärfähigem Alter leer ausging. Aber da man sich im Leben immer zweimal trifft, saß schon einmal ein »Männchen-machender« chirurgischer Chefarzt in meinem Wohnzimmer und buhlte um die Zuweisung von Patienten und lasse ich mich im örtlichen Krankenhaus sehen, muss ich höllisch aufpassen, dass mir kein Chefarzt quasi im Vorbeigehen eine Anstellung aufschwatzt. Aber ich war ja noch beim Metoo-Tsunami, der alles mit sich reißt, was auch nur andeutungsweise Testosteron produziert. Frauen führen ja gerne ihre Hormone für Beschwerden und wunderliches Verhalten aller Art an, gestehen es Männern aber nicht zu. Gestern, in der wohlgemerkt gemischten Sauna, wurde ein Mann von einer Mutter beschuldigt, einen Blick auf ihre Tochter geworfen zu haben. Nun ist unsere ländliche Sauna ziemlich beengt und es ist nicht möglich, seine Augen in einer derartigen Weise zu verdrehen, dass der Blick nicht über die Mitsaunierenden gleitet. Ganz davon ab, dass ich als Frau auch schon einmal flüchtig taxiere, konnte der Beschuldigte nicht anders als nicht gucken. Was zu seiner Entschuldigung noch angeführt werden muss, ist, dass es in einer 100° Grad Sauna, in der gerade ein mörderischer Aufguss stattfindet und man sich ganz oben befindet, schlichtweg unmöglich ist, an etwas anderes als das pure Überleben zu denken. Zur Ehrenrettung der übrigen anwesenden Frauen sei gesagt, dass sie sich keineswegs, wie vielleicht erhofft, allein durch den XX-Faktor solidarisierten, sondern da nichts war, auch keinen Wind davon machten. Frauen entgeht in dieser Hinsicht nichts und, wenn ein Frauenanteil von 50% nichts bemerkt, dann war da auch nichts! Lange Rede, kurzer Sinn, liebe Geschlechtsgenossinnen treibt es nicht auf die Spitze! Sonst ergeht es euch wie dem Hirtenjungen, der die örtlichen Bauern wiederholt mit seinem »Ein Wolf, ein Wolf« Geschrei aus den Betten trieb, um seinen Schabernack mit ihnen zu treiben. Als der Wolf dann wirklich kam, blieb die Hilfe aus.

Umweltschutz

Dass man die Rettung des Klimas nicht milliardenschweren Konzernen überlassen kann, dürfte jedem von uns klar sein. Deswegen gab es heute im Morgenmagazin Tipps, wie jeder sein Scherflein zu einer Verbesserung der Umwelt beitragen kann. Davon inspiriert, stellte ich sofort einen eigenen Maßnahmenkatalog zusammen. Zunächst wollte ich den Sport rigoros verbieten, denn es ist nicht absehbar, welchen Schaden diese seltsame Marotte pflegenden Hyperaktiven durch ihre erhöhten Atemfrequenzen der uns umgebenden Luft zufügen. Dann kam mir aber der Gedanke, dass wenn es unbedingt sein muss, sich körperlich zu ertüchtigen – ein Drang, auf den ein Tier niemals käme – könnte man sportliche Ereignisse an Orte mit erhöhter Feinstaubbelastung verlegen. Dieser würde dadurch quasi weggeatmet und die für unser Land so wichtige Autoindustrie wäre aus dem Schneider. Da Drogen im Allgemeinen die Atemfrequenz senken, wäre deren großzügige Verteilung an den Rest der Bevölkerung angebracht, was in erheblichen Maße zu einer Senkung des Kohlendioxidausstoßes führen würde. Und was sollen diese Predigten des reinen Wahnsinns, die Deutschen sollten sich endlich »mehr vermehren«? Denn was brauchen die Kiddies ab achtzehn? Einen fahrbaren Untersatz! Stattdessen wird darüber nachgedacht, das Führerscheinalter immer weiter abzusenken, aber diejenigen Teenies, die den Crash überleben, brauchen sofort einen neuen Wagen. Ach ja, ich Dussel, das dient ja wieder der Autoindustrie! Es ist ja auch nicht einsehbar, dass die Kids zur Einschulung nicht mit dem eigenen Fahrzeug anrollen. Da ergibt die Vermehrung doch wieder einen Sinn. Der nächste Schritt auf meiner Agenda wäre, die Mitbürger, die im Winter nicht auf eine Heizung verzichten möchten, komplett nach Mallorca abzuschieben. Wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, könnte ich annehmen, dass mit dieser Umsiedlung klammheimlich schon begonnen wurde. Egal, nächster Punkt. Die Werbung macht es vor! Saufen für den Regenwald! Warum dann nicht saufen für den Planeten? Jeder, der früher ins Gras beißt, sorgt dafür, dass es üppiger wächst. Und, nix mit Einäscherungen, Kompostieren ist das Gebot der Stunde. Überhaupt, was spricht gegen ein allgemeines »Zurück zur Natur«? Körperpflege wird überschätzt. Wenn die natürlichen Duftlockstoffe wieder zum Tragen kommen, klappt es vielleicht auch wieder besser mit der Vermehrung. Man stelle sich einmal die Wassermengen vor, die jetzt durch Duschen, Baden oder Wäsche waschen verloren gehen. Was soll eigentlich dieser Blödsinn mit den eigenen vier Wänden? »Ein Bett im Kornfeld« war ein großer Hit und spiegelte eine tiefe, dem Menschen innewohnende Sehnsucht wieder. Und wo wird dieser Hit immer noch gespielt? Auf Mallorca! Das ist doch kein Zufall! Die Liebe zur Natur liegt dem Menschen in den Genen. Er will träge im Kornfeld in der Sonne herumliegen, sich mit allem zudröhnen, was der Schöpfer nicht ohne Grund hat wachsen und gedeihen lassen und sich paaren, ohne vorher eine gründliche Totalüberholung des Körpers vornehmen zu müssen. Also wohin will der Mensch zurück? Ins Paradies, denn dort braucht er noch nicht einmal Kleidung. Umweltschutz könnte so einfach sein!

Männer!

Dem ausgeprägt heterosexuell veranlagten Mann fehlt das Gespür für Zwischentöne. Ich denke da an einen Freund zurück, dem die Ehefrau nach zehn Jahren »plötzlich(!)« mitteilte, sich scheiden lassen zu wollen. Oder auch daran, dass ich meinem Göttergatten nach jedem »Psychostück« im Fernsehen mühsam auseinanderklamüsern muss, worum es sich handelte. Pure Action ist dem männlichen Gehirn sofort eingängig, aber wenn es leise und zwischenmenschlich kompliziert wird, klingt es sich aus. Ich denke oft an die wunderbare Szene im Film »Schlaflos in Seattle«, in der die Männer den einsamen Heldentod von Kriegern in ihrem Lieblingsfilm beweinen, die Frauen hingegen in Gedanken an eine »Schnulze« mit unerfüllter Liebe ihr Taschentuch zücken. Fragen sie einmal einen Mann, wie oft er sich »Vom Winde verweht« antat und dann fragen sie nach M.A.S.H.! Wenn eine Frau sich darüber beklagt, dass ihr Mann schon länger keine Liebesbekundung über die Lippen brachte, bekommt sie womöglich zur Antwort, dass über einen gleichbleibenden Status nicht andauernd informiert werden müsse. Liebe Frauen, der stumm vor sich hinstarrende Mann denkt nicht über eine Scheidung nach; er denkt gar nicht! »Ja wenn wir doch so leicht auszurechnen sind, warum manipuliert ihr uns dann nicht häufiger?«, fragte mich mein Gatte gestern nach einer Diskussion über doppeldeutige Rede und Verhalten. Einen besseren Beweis völliger Unbedarftheit gibt es nicht! Ich möchte hier nur Cleopatra erwähnen, die zwei der mächtigsten Männer ihrer Zeit am Nasenring herumführte. So etwas bringen heutzutage nur Frauen wie die Mohn oder die Springer zustande. Da fragt sich doch jede Edelnutte, was sie falsch macht! Ohne die Frauen würde sich die Nibelungensaga in vier Worten erschöpfen: Drache da, Drache tot! Worum ging es in den griechischen Sagen? Um die Frauen! Der Hinweis sich fesseln zu lassen und sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen, um Sirenengesängen zu entgehen, kommt nicht von ungefähr! »Cherchez la femme!« Leider denken viele Frauen, der Mann wäre ähnlich raffiniert wie sie und halten pompöses Machtgehabe für einen Ausdruck von Intelligenz und nicht von jeder Menge heißer Luft. Nehmt den Mächtigen dieser Welt die Insignien! Da werden aus Trump, Putin und Erdogan kleine Rumpelstilzchen, die sich im besten Fall selbst in der Luft zerreißen. Selbst eine Monica Lewinsky wusste, was sie tat; hat nur nicht ganz geklappt. Sie ist aber nicht an Bill gescheitert, sondern an Hillary. Die Mohn und Springer Nummer funktioniert eben nicht reibungslos, wenn die Ehefrau nicht will! Es dauert hoffentlich nicht mehr lang bis die Frauen erkennen, dass der Mann mitnichten eine Gleichung mit mehreren Unbekannten ist, sondern eine einfache. Tor oder kein Tor beschreibt deren Philosophie hinreichend.