112

Wie sehr sich mancher Mensch für den Mittel- und Angelpunkt der Welt hält, zeigt sich nirgendwo deutlicher als beim Wählen der 112 für medizinische Bagatellen. Eben den Zeh gestoßen? Alkoholkater? Rückenprobleme und Schwierigkeiten aufgrund von Fettleibigkeit den eigenen Rücken mit der schmerzstillenden Salbe zu erreichen? Der Notarzt kommt gerne und hilft aus, während anderswo jemand mit akutem Herzstillstand verreckt. Auch wenn die fast hundertjährige Oma nicht mehr so herumspringt, wie einst im Mai; da muss doch notdienstmäßig etwas zu machen sein! Keine Lust auf weite Wege und zu lange Wartezeit beim Hausarzt? Wir holen und bringen sie, gern auch mit Tatütata, wenn die durch zu enge Schuhe verursachte Blase am Fuß lebensbedrohlich erscheint. Für alles und jedes gibt es Bußgelder, warum eigentlich nicht für die Anmaßung knapp bemessene Rettungseinheiten mit jedem Scheiß (Pardon) zu binden und andere dadurch in akute Lebensgefahr zu bringen. Wenn es jemals eine heftigere Erregung öffentlichen Ärgers gab, als in bodenloser Unverschämtheit den Notarzt ohne Not zu bemühen, dann weiß ich nicht. Mindestens die dreifachen Kosten des Einsatzes plus einer empfindlichen Geldstrafe und in besonders infamen Fällen der Freiheitsentzug wären meiner Meinung nach mehr als überfällig. Entspricht es etwa nicht dem Tatbestand der fahrlässigen Tötung die Notfallmedizin von ihren ureigensten Aufgaben abzuhalten? Mildernde Umstände gibt es nur, wenn der Anrufende wirklich zu blöd ist, sich mehr als drei Ziffern zu merken. Wer mit einem eingewachsenen Zehnagel in der Notfallambulanz sitzt, ist ein Fall für die Justiz und nicht für die Medizin. Und merke: Zur Zeckenentfernung bedarf es weder eines kompletten OP-Saales noch schweres Feuerwehrgerät, und wenn der kleine Scheißer mal wieder einen Cent verschluckte, braucht man nur zuzuwarten, bis er seines Namens gerecht wird. Meine Generation überlebte komischerweise ohne etlicher Chirurgen,bzw. Internisten, geschweige denn mehrerer fachärztlich versierter Kinderärzte in Wurfweite. Meistens wusste die »Omma« am besten, was gut für einen war. In absoluten Härtefällen gab es Kamillentee; da wurde man aus reinem Selbsterhaltungstrieb schnellstmöglich gesund. Deswegen hier mein Rat: Bevor man die 112 wählt, Tee trinken und abwarten. Das Meiste, was von selber kommt, geht von selber auch wieder!

Liebe

Ein guter Freund von mir ist schon seit längerem geschieden und ich nehme seitdem Teil an seinen diversen großen und kleinen Affären. Gerade hat er via Internet wieder »etwas am laufen« und ich frage mich allmählich, ob dieser permanente Nervenkitzel, diese immerwährende Achterbahn der Gefühle nicht dem ruhigen, gelegentlich auch langweiligen Fahrwasser der bereits seit Jahrzehnten währenden Ehe vorzuziehen ist. Stets seinen »Marktwert« neu fixieren zu müssen oder können, wäre dies nicht das Tüpfelchen auf dem I? Das himmelhoch Jauchzende der frischen Verliebtheit, das zu Tode betrübte, wenn es einmal mehr nicht klappte, diese ständige Frage will sie/er oder will sie/ er nicht, dieses Hangen und Bangen in schwebender Pein ( danke übrigens, mein lieber Goethe), bringt dies nicht erst die eigentliche Würze ins Leben? Jedenfalls solange man mit dem Geschlechtlichen noch watt am Kopp hat, wie der Ruhrpöttler sagen würde. Nun bin ich bei dem Treiben der Triebe meines Freundes nur Beobachter und ich könnte nicht sagen, ob es mir nicht zu nervenkitzelig wäre, noch einmal in eine wie auch immer geartete Form der Liebeslotterie einzutreten. Schlaflose Nächte sind in meinem Alter nicht mehr sehr bekömmlich und: Watt man hat, dat hat man! Da auch mein Göttergatte nicht den Eindruck erweckt, scharf darauf zu sein, sich noch einmal auf die Pirsch zu begeben, wobei mir gerade einfällt, dass die Gedanken eben frei sind, komme ich zu dem Schluss, dass es höchst gradig verblödet wäre, sich nach Auffindung des passenden Deckels, nach weiteren vielleicht passenden auf die Suche zu begeben. Vielleicht ist mein Freund ja verzweifelt bemüht, genau das zu finden, was ich bereits besitze, oder zumindest meine, es zu tun. Vielleicht kommt er, aus welchen Gründen auch immer aus der Phase des Ver- und Entliebens nicht heraus, weil ihm die nächste, diejenige, die am meisten Mühe bereitet, nicht der Mühe wert ist? Vielleicht ist den Meisten eben diese Mühe, nicht der Mühe wert, wenn man die steigende Anzahl der Singles bedenkt. Und was ist das überhaupt: Liebe? Vielleicht nur ein anderes Wort für den freiwilligen, immerwährenden Kompromiss. Demnach etwas, mit dem beide Partner gut leben können, der aber stets neu verhandelt werden muss. So gesehen, gibt es nichts spannenderes als eben dies! So mein lieber Goethe, jetzt du: »Freudvoll, leidvoll, gedankenvoll sein. Hangen und Bangen in schwebender Pein. Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt, glücklich allein ist die Seele, die liebt.«

Schlechte Laune

Seit zwei Tagen befinde ich mich in den Fängen einer Mordslaune. Auf der Suche nach der oder den Ursachen, steigert sich dieses Missbefinden ins unermessliche, denn von der Fliege an der Wand bis zur Tatsache, dass mein Göttergatte ständig Diesselbe zu machen scheint; mit jeder Begründung des eher flüchtigen Gefühls konsolidiere ich es. Nach dem Motto: Worüber ich mich schon lange mal aufregen wollte, hechele ich wie ein Bluthund einer Kausalität hinterher, die mich davon überzeugen soll, dass Irrationalität eine rationale Ursache besitzt. Anstatt zu sagen, ich fühle mich im Moment nicht gut, das ist dann eben so und zu registrieren, dass der rosa Elefant meiner Aufmerksamkeit entschwindet, wenn ich es ihm an der völlig unangemessenen solchen fehlen lasse, baue ich mir aus jedem scheinbaren Fehlverhalten anderer einen neuen zusammen, bis ich vor einer rosa Herde stehe, die mit der Realität genau so viel zu tun hat, wie es eine tatsächliche rosa Elefantenherde täte. Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn es mit dem Glücklichsein genau so funktionierte. Wenn ich eine rosa Brille aufhabe, trachte ich zumeist nicht danach, mir weitere über die Nase zu stülpen, bis ich vor Glück schier platze. Ich suche auch nicht weiter nach Gründen; es ist eben so und damit gut. Nur beim Ärger lasse ich nicht eher nach, bis es richtig ins Eingemachte geht. Deshalb lautet auch die häufigste Antwort bei der Frage nach dem Befinden: gut! Schlecht muss begründet werden! Heutzutage ist es sogar so, dass es nicht gesellschaftskonform erscheint, sich schlecht zu fühlen. Selbst die Kanzlerin meint: »Deutschland geht es gut und das ist gut so!« Ja, da fühlt man sich quasi verpflichtet, eine Reihe von Gründen aufzuführen, warum man in diesen Glückskanon nicht einstimmt. Einfach nur einen schlechten Tag erwischt zu haben, gilt nicht. Und schon gar nicht, wenn alle Lebensumstände dagegen sprechen, sich anders zu fühlen, als es einer Wohlstandsgesellschaft frommt. Depressive Verstimmungen werden bis in die letzte Darmbakterienkultur hinein erforscht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und bald gibt es dafür dann entsprechende Pillen. Wobei sich keiner Gedanken darüber macht, einmal Mittel gegen völlig unbegründete Glücksgefühle zu entwickeln. Hat doch Euphorie weit schädlichere Auswirkungen als der Missmut. Da wird der falsche Partner geehelicht, da wird über die Verhältnisse gelebt und das Selbstbild ist derart daneben, dass man sich bei Casting-Shows bewirbt. Manch einer euphorisiert sich mitreißend sogar bis zum amerikanischen Präsidenten hoch und, was dies für Auswirkungen hat, erfahren wir gerade. Da lobe ich mir meine letzten beiden Tage!

Titanic

Gestern in der Sauna kam mir ein äußerst verführerischer Gedanke, den ich nun ein wenig fortspinnen möchte. Es geht mir im Moment um die Frage, ob ich mir den Polittalk Anna Will gleich antue oder nicht. Im Prinzip kann es mir vollkommen wurscht sein, ob der G7, bzw.: G6-Gipfel zu einem gemeinsamen Abschlusskommunikee kommt oder nicht. Die primitive Schreibweise von Kommunikee ist übrigens der Autokorrektur des Schreibprogrammes geschuldet und nicht einer zeitweisen Verblödung meinerseits. Völlig unbeeinflusst von meinem Ärger wird sich auch die NATO erweisen, die im Rahmen der Fußball-WM in Russland mit sämtlichen verrosteten Säbeln rasselt, die sie auftreiben kann, wobei ihr die Bundeswehr ungewohnt aber durchaus behilflich sein kann. Aber jetzt zu meinem Gedanken, warum bestelle ich mir wie weiland Astor keinen Champagner auf das Oberdeck und schaue der Titanic in aller Gemütsruhe beim Sinken zu? Champagner wird übrigens nicht autokorrigiert, denn man geht davon aus, dass ein gewisses Grad an Bildung kleine Ausflüge in die französische Sprache erlaubt. Und da der Proll diesen selten bestellt, braucht er die Schreibweise erst recht nicht zu kennen. Außerdem macht sich Schampanjer rein optisch nicht so gut. Und mit Schampus ist ja eher der Schaumwein vom Discounter gemeint. Aber ich war ja noch auf dem Oberdeck der Titanic. So wie sie drohen ganze Landstriche abzusaufen, ob ich jetzt privat dazu Amok laufe oder nicht, mein Darben macht keinen Hungernden satt und mein Verzicht auf das Töten im Großen wie im kleinen bei den Insekten, führt den Weltfrieden nicht herbei. Der »heiße Draht« zu den Abgeordneten wird direkt nach der Wahl gekappt, was meine Existenz als Stimmvieh untermauert, dessen Blöken keinen Einfluss auf gar nichts besitzt. Einzig und allein der Gedanke, einen eigenen Staat zu errichten, erscheint mir wie das lecke Rettungsboot in letzter Minute, aber wofür? Um den Beweis zu erbringen, dass ein verschwindend kleiner Teil der Gesellschaft doch etwas taugt? Dass Gesellschaft nur kleinteilig und niemals global funktioniert? Nein, nein, die Kollision fand bereits statt und als Erstes gehen die auf den Unterdecks zugrunde, die bei und aufgrund ihrer Geburt kein Erste-Klasse-Ticket erhielten. Eine Breitseite des Rumpfes ist leck geschlagen, die behelfsmäßigen Schotts halten schon lange nicht mehr dicht und man kann von Glück sagen, wenn man es eben noch bis zum Discounter schafft, um einen Schampus zu erwerben. »Nach mir die Sintflut«, wie alt und wie wahr.

Geschlechterkrieg 5

Astro-Alex ist auf den Weg zur ISS! Von allen Seiten bekomme ich diese Information in den Kopf geblasen und ich frage mich, ob es nicht wichtigere Dinge gibt, als da draußen in der Erdumlaufbahn zu kreisen. Nehmen wir einmal die Plastikmüllverseuchung der Weltmeere, bzw.des Weltmeeres. Dass es sich um ein solches handelt, wissen wir seit der Quietscheentenexpedition. Aber, was sind naheliegende Probleme, wenn für den Mann die Chance auf den Griff zu den Sternen besteht? Wenn ich mein Haus verlasse, brachte ich es wenigstens so weit in Ordnung, dass ich mit Vergnügen dorthin zurückkehre. Wohin kehrt die Besatzung der ISS zurück? Zu einem Planeten, der in einem schlechteren Zustand ist, als bei ihrem Abflug, aber die Heimstatt sauber und heimelig zu halten, scheint noch immer zu den Obliegenheiten der Frauen zu gehören. Kommt mir vor, als würde ich in voller Absicht die Herdplatten anlassen, damit ich mich aus der ferne am brennenden Haus erfreuen kann. Was mich zum Thema Aufrüstung bringt. Die waffengewaltige Eroberung neuer Lebensräume als großes Ziel, ohne sich mit der Frage zu beschäftigen, ob diese Räume überhaupt noch bewohnbar sein werden. Es ergibt keinen Sinn Gebiete zu erstürmen, die demnächst unter Wasser liegen, oder zu Trockenwüsten verkommen sind. Und während sich die mächtigsten Männer dieser Welt die Atomraketen um die Ohren hauen, also weiterhin dem Mammut hinterherjagen, stirbt Höhle samt Sippschaft langsam vor sich hin. Funktioniert im Kleinen genauso. Eben mal der Frau vier bis zehn Kinder gemacht und dann fröhlich ab in den nächsten Bürgerkrieg! Bruderherz, was kostet die Welt? Es kostet die Welt, wäre hier die angemessene Antwort. Warum gibt es eigentlich kein internationales, wettkampfsportliches Ereignis wie Müll aus Meer fischen? Da wäre doch der Admirals Cup einmal aufrichtig verdient! Ginge auch ebenso glatt als neue Sparte der Sportfischerei durch. Jagdgesellschaften auf der Pirsch nach wilden Mülldeponien schützt Fauna und Flora. Überschüssige Energie ist reichlich vorhanden, bleibt nur die Frage, wie dem Manne das Projekt Mutter (!) Erde nahe zu bringen wäre.

Geschlechterkrieg 4

Da kann Bill Clinton nochmal von Glück sagen, dass er trotz seiner sexuellen Eskapaden einer der beliebtesten Präsidenten der USA ist. Strauss-Kahn, ehemaliger Chef des Internationalen Währungsfonds erwischte es da ganz anders. Wenn ich mich recht entsinne, besteht die Absicht, Trump über eine Affäre mit Stormy Daniels -der Name ist hier Programm – stolpern zu lassen und wenn ein französischer Präsident zum Teil darüber zu Fall gebracht wurde, dass er sich zwecks Schäferstündchen auf sein Mofa schwang, ist klar, dass sich Frau seit den Zeiten von Julius Caesar und Marcus Antonius fragt, wie sich »Mann« eine Position durch die entsprechende Kleopatra zunichtemachen lassen kann. Denkt er nun wirklich mit seinem »besten Teil« oder nicht? Da ich mir mitnichten von meiner Gebärmutter vorschreiben lasse, wo es lang geht – die Zeit um den Eisprung herum einmal ausgelassen- kann und will ich mir nicht ausmalen, wie einfach selbsternannte Weltenführer auszutricksen wären. Und wenn ein tattriger, milliardenschwerer Greis mit Überzeugung von sich gibt, das Sexhäschen an seiner Seite, befinde sich aus wahrer Liebe dort, dann bleibt mir der Mund offen und der Verstand stille stehen. »Cherchez la femme«, heißt es bei den Franzosen ganz richtig, wenn sie eine Lady Macbeth als Strippenzieherin hinter so manchem Weltgeschehen vermuten. Warum jetzt Frau nicht einfach die Mata Hari gibt, als sich intellektuell mit Vorgängen im männlichen Hirn auseinanderzusetzen, die dem Intellekt eben nicht zugänglich sind, ist mir ein ebenso großes Rätsel. Erwecken wir die Salome in uns und alles läuft in unserem Sinne! Ein gelungener Bauchtanz lässt den Kerl nach seiner Pfeife tanzen, oder so ähnlich. Das richtige Dessous erspart den Diskurs, wenn Frau so will. Es ergibt keinen Sinn schlagende Argumente ins Feld zu führen, solange verschlagen ins Dekolletee geschielt wird. Ist die Wahl der Gesprächsebene der Frau überlassen und wählt sie die horizontale ist, so traurig und so wahr, der Ausgang klar. Treibt weibliche Mitglieder (?!) der Grünen noch immer in den Wahnsinn, dass der Visus das Gehör beim männlichen Politgegner bei weitem übertrifft. Nicht wahr, liebe Claudia, liebe Rebecca und liebe Kathrin? Was tun? Ich weiß es auch nicht, aber solange der Sirenengesang die sachlichen Argumente der Amazonen übertönt, wird der Sexus über die Ratio triumphieren.

Geschlechterkrieg 3

Wenn ich mir die heutigen »Führer der Nation« wie Putin, Erdogan, Kim Jong Un oder Trump betrachte, halten die sich offensichtlich für ein Geschenk für ihr Volk, oder gleich gar für die Welt. Und wenn ich mir darüber hinaus aber deren objektiven Nutzen betrachte, tragen diese »Retter« eher zum Schlechteren als zum Besseren bei. Jetzt frage ich mich natürlich, ist Mann so doof, oder tut er nur so. Im stillen Kämmerlein muss ihnen doch einfach klar sein, dass sie Verbrecher an der Menschheit sind, oder denke ich da zu weiblich? Macht Testosteron betriebsblind? Besitzt diese »ich kam, sah und siegte« Mentalität ein eigenes, alles andere dominierendes Hirnzentrum? Sehen diese Idioten in jeder Hauskatze noch den Säbelzahntiger und folgen dem evolutionär bedingten Wahn, wer den Größten andeutet – nicht hat, wohlgemerkt – darf alle Weibchen der Herde bespringen? Ist Säbelrasseln gar ein Euphemismus für Schwanzrasseln? Pinkeln sie gleichsam bis in die letzte Ecke der Erde, um Reviere zu markieren? Und, warum zur Hölle, ziehen andere Männer stante pede den Schwanz ein und Frauen gieren immer noch, dass das Herrchen befiehlt? Haben wir uns über den Geistesstand des Wolfsrudels nie erhoben? Wer sagt hier wem, was zu tun ist, das Hirn oder die Hormone? Ist der intellektuelle Aufbau, eben nur dies und zwar in äußerst fragiler und provisorischer Ausführung? Ist ein Wallach oder ein Ochse freier in seinen Entscheidungen als die oben genannten? Schließlich waren Eunuchen im Alten Orient äußerst einflussreich. Demgemäß sollte die Papstprüfung daraufhin, ob der zukünftige Pontifex auch Hoden besitzt, eher daraus hinauslaufen, dass er eben keine sein eigen nennt und somit besser für das Amt geeignet ist. Was es bedeutet, wenn man dem Klerus das Geschlecht lässt, davon kann so mancher Knabe Zeugnis ablegen. Könnte ja sein, dass Forscher in nicht allzu ferner Zukunft den optimalen Testosteronspiegel festlegen, der Staatsführung ohne Größenwahn, aber mit dem eben noch notwendigen Biss erlaubt, denn mit einem Kaffeeklatsch ist dem Menschenwohl auch nicht gedient. Wahlweise könnte man dann den »Führern der Nation« Testosterondämpfer verpassen, damit deren Wahl weise ausfällt.

Geschlechterkrieg 2

Ein Spiel der dritten Fußballliga musste wegen Ausschreitungen abgebrochen werden. Ich frage mich, worum es in diesem immerhin beinahe regionalem Bereich des Sports ging. Fußball kann es nicht gewesen sein, eher das Abreagieren blanker Aggression. Nun können wir in Europa fast noch glücklich sein, dass dieser Testosteronüberschuss in und um die Fußballstadien herum abgelassen wird. Man stelle sich vor, dies erfolgte im häuslichen Bereich, zerstörerisch auf öffentlichen Straßen und Plätzen, oder im einfachen Entschluss, einen Krieg anzufachen. In anderen Teilen der Welt kann man beobachten, was passiert, wenn männliches Dominanzstreben nicht entsprechend kanalisiert und neutralisiert wird. Sie wissen einfach nicht wohin mit ihrem Frust und der daraus resultierenden Wut. Da wo Mann noch Mann sein kann und darf, bricht sich Bahn, was sonst zivilisiert unterdrückt wird. Fast könnte man meinen, es bekäme dem männlichen Geschlecht nicht gut, dass Konflikte nicht mehr körperlich ausgetragen werden sollten, aber anstatt zu meinen der alte Adam hätte sich noch immer nicht im Griff, sollte zum allgemeinen Nutzen darüber nachgedacht werden, ob dieser Drang, dem wir immerhin einen Großteil unseres Fortschritts verdanken, also gleichzeitig zerstörerisch oder schöpferisch wirken kann, nicht entsprechend ab- oder umgelenkt werden kann. »Schippe in die Hand« wäre manchmal gar kein schlechter Gedanke. Bolide weg, kommt mir da gerade auch noch in den Sinn. Wir schauen einer unglaublichen Energieverschwendung zu, denn der ziel- und aufgabenferne Mann feuert Sportler an, rast und säuft sich zu Tode, oder sorgt dafür, dass die Gattin sich samt Kind im Frauenhaus verbarrikadiert. Und, je weniger »dumm und stark« Verwendung findet, desto mehr wird die Lage eskalieren. Dass hundsbanale Fußballspiele einen derartigen Exzess verursachen und dies zunehmend tun, sollte vielleicht zum Nachdenken anregen. Bevor sich dann wieder unter einem Führer zusammengerottet wird, der Mord- und Totschlag sanktioniert, sollte auch die Genderfrau einmal einsehen, dass die Feminisierung des männlichen Geschlechtes ein geradezu blödsinniges Unterfangen ist, das das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht. Anstatt herum zu zicken, wäre ein konstruktiver Vorschlag, der die nicht zu verleugnenden Unterschiede berücksichtigt, zielführender. Wenn der Mann wie früher einen Baum pflanzen und ein Haus bauen könnte, wäre der Umwelt und der Wohnungsnot genüge getan.

Geschlechterkrieg 1

Eines will und will mir nicht aus dem Kopf gehen. In Pisa sollte ein Mann seine zwei- oder dreijährige Tochter – ich weiß es nicht mehr so genau – auf dem Weg zur Arbeit eben in der Kita absetzen. Als die Mutter die Kleine dort abholen wollte, konnte das Kleinkind nicht aufgefunden werden. Was war also passiert? Der Mann war dermaßen mit den Gegebenheiten seiner Arbeitsstelle beschäftigt, dass er schlichtweg vergaß, an der Kita vorbei zu fahren! Aber, es kommt noch schlimmer. Er vergaß sogar, dass seine Tochter sich noch auf dem hinteren Kindersitz im Wagen befand, stieg aus und ließ das Kind in dem sich zunehmend erhitzenden Auto zurück. Erst als die Mutter Alarm schlug, fiel ihm sein Versäumnis wieder ein, aber die Kleine konnte nur noch tot geborgen werden.
Was mich nun beschäftigt ist, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass einer Frau jemals etwas Derartiges passiert. Es sei denn, sie ist komplett zugedröhnt, was ja auch vorkommen soll. Ich vergesse im Laufe eines Tages alles und jedes, aber eine meiner Töchter im Auto vergessen? Noch heute habe ich Alpträume, in denen ich mich aus unerfindlichen Gründen an einem gottverlassenen Ort der Welt befinde, während eines meiner Kinder in einem anderen Teil des Globus um Hilfe weint und ich keine Möglichkeit finde, dorthin zu gelangen. Was ging in dem oben erwähnten Fall im Kopf des Mannes vor, dass er sein eigenes Kind gewissermaßen ausblendete? Nun ist es eine Binsenweisheit, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen Gedankenwelten leben und wenn sich die Genderbeauftragten noch so sehr auf den Kopf stellen, aber was mich im Moment umtreibt, ist, ob das andere Geschlecht nicht eher zu bedauern als zu bekämpfen ist. Und, ob es aus diesem Bedauern heraus, nicht möglich ist, das im Grunde genommen äußerst lebensfeindliche Patriarchat, in etwas Sinnvolleres, Zukunftsfähigeres zu verwandeln. Wir reden immer vom fruchtbaren Austausch der Kulturen, aber weigern uns hartnäckig quasi bei Adam und Eva anzufangen. Mann und Frau könnten sich wunderbar ergänzen, wenn die Häme über das seltsame Gebaren des anderen Geschlechts unterbliebe. Ich meine, Scheidungsraten von über fünfzig Prozent sprechen Bände und lassen in den meisten Fällen Alleinerziehende mit Kindern zurück, die überhaupt nicht mehr wissen, wo es lang gehen soll. Die Gleichheit der Geschlechter ist ein derartiger Unfug, dass die Gleichwertigkeit auf der Strecke bleibt.

Gevatter Tod

Mein Lieblingsmärchen war von jeher »Die kleine Meerjungfrau« von Hans Christian Andersen. Das Ende ist zwar betrüblich, aber tröstlich, denn gibt es einen schöneren Tod, als sich in Meerschaum aufzulösen? Wie komme ich ausgerechnet heute darauf? Es liegt wohl daran, dass ich gestern meiner Ältesten über eine Segeltour meines Mannes in die Türkei berichtete, bei der die Männer auf Schwimmnudeln im warmen Mittelmeer trieben, umgeben von schwimmenden Tabletts gefüllt mit Gläsern voller Ouzo. Einmal mehr bedauerte ich, nicht dabei gewesen zu sein, aber meine Tochter empfand dies eher als positiv, da sie in ihrer Phantasie, ihre Mutter selig betrunken im Mittelmeer versinken sah. Ich frage mich hingegen, da das Alter schmerzhafte Vorboten schickt, ob so ein Ende nicht erstrebenswerter ist, als sich in einem Altersheim mit Schaumgummibällen bewerfen zu müssen, oder unbeachtet in einem Flur abgestellt zu werden, oder allein in einem Bett zu verfaulen. Wie heißt es doch so schön? Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben. Meines Erachtens geht es nicht um ein ins endlose verlängertes, sondern um ein ins endlose erfülltes Leben. Ob es dann unbedingt mit Ouzo sein muss, sei dahingestellt, aber »Rom sehen und dann sterben« hat schon etwas für sich. Nun fragte ich mich heute Morgen weiter, ob diese von mir eher heitere Todessehnsucht ein individuelles Phänomen ist, oder ob es nicht allen in weniger heiterer Form innewohnt. Risikosportarten, sinnlose motorisierte Rasereien, sich mit Arbeit oder anderen als durchaus angenehmer empfundenen »Hilfsmitteln« kurzzeitig, oder gewollt längerfristig dem Geschehen zu entziehen, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Schlaflose können ein Lied davon singen, was es mit einem anstellt, wenn der kleine Bruder des Todes ausbleibt und wem der kleine Tod des Orgasmus nicht vergönnt ist, der sprengt sich und andere gleich mit in die Luft. Alle rennen (!) dem »Flow« hinterher, dem Gefühl der Auflösung in einer Tätigkeit und ich frage mich, in welches Nirwana sich der Meditierende zeitweise zurück zieht. Was ist nun der Tod anderes, als mit sich und der Natur vollkommen eins zu werden- auch so etwas, was total in Mode kommt. Was oder wen können wir da nicht ertragen? Die kleine Meerjungfrau starb an unerwiderter Liebe zu einem nichtswürdigen Prinzen. Was Disney daraus machte, reibt mich bis heute auf, aber ich will ja bei der Sache bleiben. Sie kehrte in den Schoß dessen zurück, aus dem sie stammte, ähnlich wie das »Mädchen mit den Zündhölzern«. Oder man denke an den »Kleinen Zinnsoldaten«, der die erfüllte Liebe erfuhr, in dem er komplett dahinschmolz. Ich liebe Andersen und hoffe, dass ihn Disney nicht noch weiter uminterpretiert. Wir glauben doch an alle möglichen Märchen, wie Reichtum und Wohlstand für alle im kapitalistischen System. Warum nicht den Märchen von Andersen glauben? Der Tod als Vervollkommnung. Wenn wir das akzeptierten, bräuchten wir ihn nicht so oft herauszufordern.