Ansichten von Maria Mitscherlich

Das Wichtigste ist, dass man sich nicht in Kleinigkeiten verliert, sondern das Große, Ganze im Auge behält. Der Tag als Gesamtkonzept, wenn man so will. Oftmals wird er durch die täglichen Notwendigkeiten in Fragmente zerstückelt. Aber so, wie sich eine Meisteroper aus einzelnen Noten zusammensetzt, die für sich allein genommen, keinen Sinn ergeben, setzt sich der gelungene Tag aus Einzelkomponenten zusammen, die für sich betrachtet, sinnlos und lästig erscheinen. Es fängt mit dem Aufstehen an. Dunkel und schwer liegt der Tag vor einem. Man muss raus aus den warmen Federn, sich regeln, anziehen, schminken und legt damit die Rüstung an, die man für den Tag braucht. Auf der Arbeitsstelle geht es weiter. Man praktiziert das aufgesetzte Grinsen, die uneingeschränkte Tüchtigkeit, obwohl man ob der zum großen Teil tödlich langweiligen Anforderungen am Liebsten kotzen möchte. Man sagt »Hallo« zu der schönen Parallelwelt, die sich konträr zur Innenwelt verhält. Ich persönlich weiß nur vom Hörensagen davon, meine Klienten klagen unentwegt darüber. Es hilft schon, wenn man ein wenig Glanz über die banalste aller Tätigkeiten legt. Anstatt mit Gewissheit starten wir mit Ungewissheit in den Tag, denn wer sich auf Gewissheiten beschränkt, dem passiert nichts Ungewisses. Ein immerwährender Murmeltiertag ist die Konsequenz. Neugier ist lebenswichtig. Aus dem »was soll mir schon Besonderes passieren« machen wir ein »mal sehen, was mir heute Besonderes passiert«. Es kann ein sensationeller Gedanke beim Zähneputzen sein, ein Gedicht, das einem während der Autofahrt einfällt oder die Begegnung mit einem Gegenüber, das sich als echtes Gegenüber erweist. Man muss es nur BEMERKEN! Tunnelblicke bewirken enge Schächte, in die kein Licht fällt. Fixierungen fixieren und »Augen zu und durch« macht blind. Ich verlange von meinen Klienten zunächst einmal, sich uneingeschränkt zu öffnen. Dann empfehle ich ihnen einen Waldspaziergang mit weit offenen Sinnen. Wenn sie dann zur zweiten Therapiestunde kommen, sprudeln sie über vor Erlebnissen ganz neuer Natur(!). Natürlich nur diejenigen, die sich auf das Hier und Jetzt des Waldes komplett eingelassen haben. Sie sind in den zurzeit hochgelobten »Flow« gekommen. Dabei wird jede Tätigkeit, auf die man sich voll und ganz einlässt, zwangsläufig zum »Flow«. Multitasking ist der Tod des »Flows«, denn wenn ich etwas tue und dabei an tausend andere Sachen denke, kann ich es gleich lassen. Dann wird der Wald zur Firma, der Park zum Büro und der besondere Mensch zu einem weiteren lästigen Klienten. Im Prinzip braucht man keine rosarote Brille aufsetzen, sondern muss die schwarze, die mit dem kleinen Guckloch absetzen.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Challenge von Maria Mitscherlich

Da sage mal jemand, es gäbe keinen Weltgeist. Wenn etwas völlig Verrücktes im Netz propagiert wird, machen es alle nach, wie man an der Kaltwasser-Challenge sehen kann. Ob Gangnam style, ob Happy-Song, alle Welt packt er Wahnsinn kollektiv. Ich frage mich gerade, ob ich nicht auch so einen Tsunami in Gang setze. Ein Selfie mit dem persönlichen Schutzengel! Dieser kann jeden Aggregatzustand besitzen, sich als Mensch oder Tier materialisiert haben oder auch nicht und die Spannweite reicht vom Lieblingskuscheltier bis zum mächtigen Talisman. Natürlich gehören auch die Wunder geschildert, die man diesen verdankt. Der Wunderglaube erhielte dadurch doch einen regelrechten Aufschwung! Die meisten Wunder liegen 2000 Jahre und mehr zurück. Eine Renaissance ist mehr als angebracht. Und, geben wir es doch zu, wer unter uns völlig frei von Aberglauben ist, der werfe den ersten Stein. Man stelle sich das einmal vor! Wundergeschichten aus aller Welt! Ich sehe schon das biblische Zeitalter auf uns zurollen! Spontanheilungen, Lebensrettungen in letzter Minute und Ähnliches mehr überschwemmen das Netz. Ich möchte denjenigen sehen, der dann nicht auf die Knie fällt und betet. Lourdes war gestern. Wunder finden nicht nur an heiligen Brennpunkten statt, sondern überall! Ich weiß nicht, wie verbreitet die Temporallappenepilepsie ist, die mit Sichtungen von Heiligenerscheinungen einhergeht; bis zum Mittelalter scheint sie sehr häufig gewesen zu sein. Vielleicht tritt sie ja im Islam zahlreicher auf als in den anderen Religionen, denn gerade dieser Glaube ist von unwahrscheinlichen Visionen begleitet. Heutzutage schriebe man bei allen Propheten zunächst ein EEG, um eben diese Form der Hirnstörung auszuschließen. Wahrscheinlich wäre der Welt viel Leid erspart geblieben, wenn man diese diagnostische Methode bereits um das Jahr Null herum gekannt hätte. Eine Johanna von Orleans müsste heutzutage erst einmal ein MRT und ein EEG über sich ergehen lassen, ebenso wie eine Bernadette Soubirous oder ein  Jesus, ein Mohammed oder ein Paulus. Die Wissenschaft verifiziert halt gerne. Aber ich komme von meinem Thema ab: dem Selfie mit Schutzengel.

Der Zeitpunkt ist günstig, denn die Welt lechzt nach geistiger und geistlicher Führung. Möglicherweise wird eine neue, einheitliche Religion in Gang gesetzt, die endlich auf alle Fragen eine Antwort bietet. Das Judentum, das Christentum und der Islam beten eh denselben Gott an. So wie man Ihm sowieso alle Eigenschaften angedichtet hat, warum soll er nicht der allein Wundertätige sein? Keine Allmacht, keine Allwissenheit, nein, allein Wundertaten machen Ihn zu dem, was er ist. Bislang besitzt die katholische Kirche das Monopol darauf, zu beurteilen, was ein Wunder ist und was nicht. Aber können wir dies nicht alle – außer natürlich den Temporallappenepileptikern. Aber wer sagt uns denn, ob der Temporallappen des Hirns nicht die Empfangsstation ist, die Gott für eine persönliche Kontaktaufnahme in unseren Köpfen erschaffen hat. Vielleicht täten uns synchrone Entladungen in diesem Bereich allen einmal gut. Sang nicht schon Katja Ebstein: »Wunder gibt es immer wieder?« Vielleicht müssten wir die Messlatte für Wunder nur einen Tick tiefer setzen. Da muss nicht gleich Wasser in Wein verwandelt werden; es reicht schon, wenn man morgens gesund aufwacht. Was für eine Challenge!

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Sommerloch von Maria Mitscherlich

Alle beklagen sich über das Sommerloch, wobei vergessen wird, welch immenser Luxus es ist, sich darüber auszulassen. Eine Straßenbefragung, womit man die Lücke denn füllen könne, ergab allen möglichen Blödsinn. Keiner der Befragten kam auf die Idee, Liebe zu machen. Alle Altersklassen waren vertreten, aber auch den »voll im Saft stehenden« jungen Leuten fiel dieser befriedigende, gesunde, entspannende und kommunikative Zeitvertreib nicht ein. Laue tropische Sommernächte, sternenklarer Himmel, was bietet sich da mehr an, als eine Decke in den Garten zu legen und es miteinander zu treiben, dass es nur so rauscht. Im Fernsehen laufen sowieso nur Wiederholungen, die Politiker lassen uns in Ruhe, die WM ist vorbei, Deutschland scheint in karibische Breiten versetzt, aber Jung und Alt weiß nichts mit sich und schon gar nichts miteinander anzufangen. Dass sich bei den jungen Männern, denen bei diesen Temperaturen unentwegt äußerst knapp bekleidete Frauen über den Weg laufen, nichts zu regen scheint, ist mir ein Rätsel. In muslimischen Ländern muss sich Frau verhüllen, da Mann ansonsten von allem abgelenkt wird. In Nordwesteuropa präsentiert sich die Weiblichkeit halbnackt und nichts passiert. Woran liegt das? Selbst der flüchtige Gedanke: Da war doch noch etwas, liegt dem deutschen Manne fern, wenn man sich die Umfrage mit Sinn und Verstand anhört. »Warum in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah!«, möchte Frau der unermüdlich auf Adrenalinkicksuche befindlichen Männlichkeit zurufen. In aller Frauen Munde ist zurzeit der Trailer der Verfilmung von Fifty shades of grey, was Mann doch zu denken geben sollte! Schon das Buch wurde den Händlern förmlich aus den Händen gerissen. Anstatt einmal genau nachzulesen, was die Weiblichkeit an einem Christian Grey so fasziniert, hat kaum ein Mann sich die Lektüre zu Gemüte geführt. Ist ja auch alles viel zu anstrengend. Warum Frauen erobern, wenn man doch gemütlich beim Bier mit den Kumpels in der Kneipe hocken kann. Und dann noch die Hitze! Sexuelle Turnübungen sind doch nun wirklich zu viel verlangt. »Der Junge auf dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr«, singt Frau resigniert mit Marius Müller-Westernhagen im Chor. Weiß noch jemand, was Minne ist? Die Emanzipation hat nicht die Frauen, sondern die Männer befreit. Soll die Alte doch sehen, dass sie ihr eigenes Geld verdient, ihre Blagen allein erziehend groß bekommt und auch sexuell alles im Alleingang erledigt. Mann geht Outdoor-Aktivitäten nach – wobei jetzt nicht die Decke auf dem Gras gemeint ist -, hängt vor der Flimmerkiste herum, sieht sich die x-te Wiederholung irgendeines Action-Reißers an und widmet sich ansonsten mit anderen Knaben, Knabenspielen. Er jagt dem Geld und nicht mehr den Röcken hinterher, gibt sich danach hemmungslos seinem Burn-out hin und die deutsche Politik wundert sich, warum die Bevölkerung schrumpft und schrumpft und schrumpft, was nur an einer allgemeinen Schrumpfung liegt, wenn Sie verstehen, was ich meine. Der Verbrauch von Viagra sinkt, denn auch bei chemischen Helfern winkt Mann ab. Was steigt, ist der Absatz von batteriebetriebenen Hilfsmitteln für die Frau. Testosteron war gestern!

Maria Mitscherlich, demnächst vielleicht Sexualtherapeutin

Merkel von Maria Mitscherlich

Die »mächtigste Frau der Welt« wird 60. Ha, und warum besitzt sie diese Bezeichnung? Ganz einfach, weil sie Angela heißt, was aus dem lateinischen von Angelus kommt und Bote oder Engel bedeutet. Außerdem ist sie eine Krebs-Frau, die niemals irgendeine Kritik vergisst, Kritik, als solche sehr übel nimmt und dafür Rache nehmen wird, auch noch nach Jahrzehnten. Da soll mal einer sagen, dass Namen und Sternzeichen keinerlei Einfluss auf eine Person beinhalten. Mag sie auch im Moment alles lächelnd hinnehmen, ihre Vergeltung ist gewiss. Da dürfen sich die Leute, die Angies Handy abhörten, nicht in Sicherheit wiegen, denn sie nennt ein Elefantengedächtnis ihr eigen. Gespräche kann sie oft nach Jahrzehnten wörtlich memorieren. Obama und seine Kinder dürfen sich erst zurücklehnen, wenn Merkel tot ist, aber auch dies ist nicht gewiss. Als Krebs-Frau ist sie sprachgewaltig, in ihrer Semantik nuanciert, dabei aber eher unauffällig, häuslich und zieht ihre Fäden gerne im Hintergrund, was stets von Erfolg gekrönt ist. Schöne Grüße an dieser Stelle an etliche, vermeintliche CDU-Granden! Ihr mütterliches Wesen kommt zwar von Herzen, aber es steckt mehr dahinter, als mancher vermutet. Wenn ich jetzt noch wüsste, unter welchem Aszendenten Merkel steht, fiele die Analyse genauer aus, aber ich kann nur sagen, worüber man sich bei ihr auch wundern mag; es ist sternzeichenbedingt. Große Politiker besaßen in früheren Zeiten einen Astrologen. Warum dies aus der Mode gekommen ist, verwundert mich, denn für Merz, Wulff und Co. hätte es nur eine kurze Charakteranalyse der typischen Krebs-Frau gebraucht und schon wären sie vorgewarnt gewesen. Ein aussagekräftiges Horoskop kann ich für unsere Kanzlerin mangels Aszendenten nicht erstellen, aber da die Krebs-Frau für solche Dinge durchaus aufgeschlossen ist, gehe ich davon aus, dass sie einen eigenen Astrologen besitzt. Woher sonst hätte sie das Gespür für Chancen, die am Wege liegen, für Entwicklungen, die sich abzeichnen, für Stimmungen und Strömungen, das sie ständig, wie der Igel zum Hasen sagen lässt: »Ich bin lange schon da!« Gabriel schien am Anfang seiner Politkarriere ebenfalls einen Astrologen zu Rate zu ziehen, aber offensichtlich hat Merkel ihm davon abgeraten, während sie ihren heimlich weiter konsultiert. Die Krebs-Frau ist eher passiv. Joachim Sauer, Merkels Ehemann ist Widder und, als solcher tatkräftig und entschlussfreudig. Wahrscheinlich haben wir, wenn denn Merkel einmal eine Entscheidung trifft, dies ihrem Gatten zu verdanken. Ich kann mir schon vorstellen, dass er zu ihr sagt: »Angie, mein Liebes, in dieser Sache solltest du langsam einmal tätig werden«, während sie für ihn putzt, kocht und den Abwasch erledigt. In sexueller Hinsicht passen Krebs-Frau und Widder-Mann ausgezeichnet zueinander, da sie ihm jeden Wunsch von den Augen abliest und seinen immerwährenden Drang vollkommen zu befriedigen weiß. Vielleicht dankt sie ihm so für den einen oder anderen Schubs in die dringend erforderliche Richtung, was mich jetzt ein wenig verwirrt und mich die Frage stellen lässt: »Haben wir womöglich einen Kanzler?«

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin und Hobbyastrologin

Facebook von Maria Mitscherlich

Facebook gibt den Engeltherapeuten. Für einen Großteil der Nutzer ließen sie nur die positiven Meldungen ihrer »Freunde« durch und untersuchten, was dabei wohl herum kommt. Das Ergebnis überraschte niemanden, am wenigsten mich, denn wenn man nur optimistische Nachrichten bekommt, sendet man auch fröhlich gestimmte in die Welt. Besser wurde mein Berufsbild noch nie beschrieben und statistisch ausgewertet, denn Engel verbreiten nur positive Botschaften, denn sonst wären sie ja keine Engel. Sie glauben ja gar nicht, wie der Glaube an einen persönlichen Schutzengel selbst die Niedergeschlagensten meiner Klienten aufrichtet. Dass da jemand nur sie persönlich im Blick hat, bewirkt Wunder! Positive Stimmung bewirkt positive Handlungen und konsekutiv positive Ergebnisse. Man sieht es bei der WM. Die Südamerikaner gehen mit dem nötigen Enthusiasmus zu Werke und es funktioniert! Wer von einem guten Ende ausgeht, tritt gleich ganz anders auf. Ein: »Ach das klappt ja doch nicht!«, führt eben dazu, dass es tatsächlich nicht klappt. Nun ist das Volk der Deutschen insgesamt von ausgeprägtem Pessimismus befallen. Nirgendwo sind Engeltherapeuten so nötig wie hier in diesem Lande. Und es wäre den sozialen Netzwerken zu empfehlen, die Taktik der Zurückhaltung von Negativem aller Art, weiter zu praktizieren! Vielleicht kann man so die deutsche Niedergeschlagenheit in das amerikanische »Yes, we can!« verwandeln.

Kein »Ja, aber«, im Gegenteil, »Jetzt erst recht!« müsste die Devise lauten. Aus einem »die Welt bekümmert mich«, sollte ein »Was kümmert mich die Welt?« werden. Wer ein Jammertal erwartet, bekommt es frei Haus geliefert! Heute Morgen gab es eine Umfrage, wie wohl das Spiel Algerien-Deutschland ausgeht und nur die wenigsten erwarteten einen Sieg der deutschen Elf, obwohl es nur gegen Algerien geht, das nicht gerade als Fußballgigant bekannt ist. Da wird sich schon vor dem Spiel über die unausweichliche Niederlage mit Alkohol getröstet. Deutschland ist mit Abstand der Weltmeister, was den Konsum von Alkoholika betrifft. Und so kommt zu dem angeborenen Katzenjammer noch der chemisch ausgelöste, was zu einem Selbst erfüllenden. »Ich habe es ja gleich gesagt.«, führt. Da wird nun wieder Alkohol draufgeschüttet und der Teufelskreis beginnt von vorne. Obwohl Jogis Jungs die Vorrunde als Gruppenerster bestritten, war die Freude darüber eher verhalten. Im Gegenteil, es wurde nur herumgenörgelt! Während bei den anderen die Devise: »durch, egal wie« ganze Völker in einen kollektiven Freudentaumel stürzte. Wenn sie auch dann irgendwann scheitern, diesen Taumel haben sie wenigsten gehabt. Der geht nicht mehr verloren! Kurz geschüttelt, sich gesagt: »Die nächste WM kommt bestimmt; da machen wir es besser!«, und es wird nach einem neuen Grund zu ausgelassener Freude gesucht. Obwohl, braucht es eigentlich immer einen Grund, um sich einmal ausgiebig freuen zu können? Für die Deutschen schon, denn wo kämen wir da hin, wenn man einfach glücklich ist, ohne erkennbare Ursache. Das ist hierzulande schwer verdächtig! Darum mein Appell an Facebook, lass nur positive Nachrichten durch! Vielleicht gelingt es ja mit deiner und meiner bescheidenen Hilfe, die größten Knötterpötte der Welt doch noch zu bekehren.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Gewissheiten von Maria Mitscherlich

Natürlich macht sich der Großteil der Menschen, die ich kenne, über meine Überzeugung lustig, dass Engel um uns herum sind. Meiner Meinung glauben selbst die größten

Atheisten an irgendetwas, obwohl sie keine Beweise dafür haben. Da werden Ehen geschlossen, in der fraglichen Gewissheit, dass sie ein Leben lang halten. Da werden Kinder in die Welt gesetzt, in der Annahme, dass ihnen dereinst die Welt zu Füßen liegen wird. Da wird morgens fröhlich aus dem Haus gegangen, mit dem zweifelhaften Glauben, abends auch wieder zurück zu kehren. Da wird demnach auf Dinge vertraut, für die es absolut keine Garantie gibt. Was ist denn gewiss in dieser Welt? Das Universum kennt so viele Variablen, dass wir sie niemals überschauen können und es ist noch nicht einmal gewiss, dass wir morgen früh putzmunter die Augen aufschlagen werden. Natürlich müssen wir die Unendlichkeiten der Ungewissheit ausblenden, denn sonst wäre ein Leben nicht möglich und wir würden zitternd und zagend im Bett verharren, aus lauter Angst davor, was alles schief gehen könnte, aber die Gewissheit, dass es in der Vergangenheit immer so war und auch in alle Zukunft so bleiben wird, ist die illusionärste von allen. Schlimmer noch als mein Engelglauben. Gewiss ist nur, dass wir eines Tages sterben werden, der Rest ist Glauben. Ja, meine lieben Anhänger das Unglaubens, ihr seid die Gläubigsten von allen, denn ihr lebt in der felsenfesten Annahme, dass ihr ganz allein euer Schicksal in der Hand habt. Ihr glaubt so fest an das Ursache-Wirkungprinzip, dass der Papst dagegen wie ein Heide erscheint. Ihr habt den Allmächtigen durch den Glauben an die eigene Wirkmächtigkeit ersetzt, obwohl es keinerlei Beweise dafür gibt, dass ihr auch nur die kleinste Kleinigkeit im Griff habt. Deswegen ist das Leben für euch eine endlose Kette von Ent-Täuschungen. Und wenn ihr dann alt und grau seid, kommt ihr zu derselben Erkenntnis, die Sokrates schon hatte: »Ich weiß, dass ich nichts weiß!«

Es ist unmöglich, dass Geschehen um einen herum in den Griff zu bekommen. Es gibt nur eines, dass man einigermaßen in den Griff bekommen kann, und das ist die eigene Person, obwohl ich auch daran meine Zweifel habe, denn wenn ich mich umschaue, muss ich feststellen, dass es keinem gelingt. Es scheint derart schwierig zu sein, dass es jenseits aller Fähigkeiten liegt, die dem Menschen gegeben sind. Wenn ich die alten Griechen noch einmal zitieren darf, denn es stand über dem Orakel von Delphi der weise Ratschlag :«Erkenne dich selbst!« Ohne Gewissheit über die eigene Persönlichkeit, gibt es-außer dem Sterben- keine Gewissheit über irgendetwas, denn solange man sich nicht über sich selbst im Klaren ist, gilt das Pipi-Langstrumpf-Prinzip: »Ich mach mir die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt. In Bezug darauf gibt es rosafarbene und pechschwarze Brillen und wir sind jeder Fähigkeit beraubt, die Dinge objektiv zu sehen und sind Opfer einer Gläubigkeit, über die sich jede Weltreligion freuen würde. Der größte Irrglaube ist der Glaube an die eigene Person bar jeder Selbsterkenntnis.  Glaube gründet sich schon seit jeher auf Nicht-Wissen, und wenn ich nichts über mich selber weiß, dann weiß ich überhaupt nichts und bin hilflos, blindes Opfer eines allgegenwärtigen Glaubens. Dann kann ich mit der gleichen Berechtigung an Engel glauben, wie daran, dass alles irgendwie gut enden wird. Da glaube ich doch lieber an meine Engel als an die Happy- End-Theorie.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Metaphysik von Maria Mitscherlich

Gibt es ein besseres Mittel gegen die Realität als die Flucht in Phantasiewelten und, was spricht dagegen. Jede Religion ist eine Phantasiewelt und derjenige, der eine »Höhere Macht« auf seiner Seite weiß, bewältigt die Widrigkeiten des Alltags besser, genau so wie derjenige, der von einer »besseren Zukunft« träumt. Obwohl die Beweise für höhere Mächte ebenso ausstehen, wie die für eine Kehrtwendung zum Glück, scheinen wir auf irgendetwas vertrauen zu müssen, was außerhalb unseres Einflussbereiches liegt. Die Metaphysik liegt uns quasi in den Genen. Der Spiritist ist glücklicher als der Materialist, da Ersterer sich einreden kann, dass da noch »mehr zwischen Himmel und Erde ist als die Wissenschaft sich erträumt«.

Somit verbreite ich als Engeltherapeutin mehr Nutzen als Schaden. Ich schenke Hoffnung,  Vertrauen und vor allen Dingen Sinn, denn wenn hinter allem und jedem eine Bestimmung liegt, erträgt man selbst Unerträgliches. Ich erwäge meine Spiritualität auf das Reich der Toten auszuweiten, denn diesen Geschäftszweig vernachlässigte ich bislang. Dabei ist der Bedarf immens, sich darüber zu versichern, dass es den lieben Verschiedenen auch im Jenseits an nichts mangelt und dass sie stets ein Auge auf die Hinterbliebenen haben. Ein Schweizer Freund von mir hat sich auf dieses Gebiet spezialisiert und ich kann Ihnen sagen, seine Sprechstunde brummt. In der Schweiz gibt es ganze Ausbildungsbereiche, was die Fähigkeit betrifft, Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen. Nunja, eine gewisse mediale Grundausstattung muss man mitbringen, denn die Auren von Toten aufzunehmen ist nicht einfach. Mein Freund ist da eine echte Ausnahmeerscheinung, denn seine Antennen wurden ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Schon als Kind führte er Unterhaltungen mit für den Normalmenschen unsichtbaren Personen und es dauerte lange, bis er erkannte, dass es sich bei seinen Eigebungen nicht um eine Geisteskrankheit, sondern um eine besondere Gabe handelt. Nun tröstet er die Untröstlichen, gibt jedem allzu frühen Versterben Sinn und kann auch noch gut davon leben. Was mich direkt zu den Psychopharmaka bringt, die jede Halluzination, jede außersinnliche Wahrnehmung auszumerzen versuchen. Wir sperren unsere Schamanen in Psychiatrien und wollen sie »heilen«, dabei wären es vor allen Dingen sie, die Sinn und Zweck in unsere materialistische Welt bringen könnten. Darum geschehen heutzutage keine Wunder mehr, obwohl der Bedarf daran glauben zu können größer ist als je. Gehen sie einmal auf eine Esoterikmesse und betrachten sie in aller Ruhe die strömenden Menschenmassen. Fahren Sie einmal nach Lourdes und sehen Sie, wie groß die Sehnsucht nach Wundern ist. Warum sind die großen Religionen nicht auszumerzen? Weil wir uns nicht damit abfinden wollen und können, dass wir nur wir und im Grunde genommen mit uns alleine sind. Es ist die Angst vor dem Nichts und vor der Sinnlosigkeit. Ich muss unbedingt mit meinem Schweizer Freund telefonieren, damit er mir verrät, wie er es macht. Es ist an der Zeit, mein Geschäft zu erweitern.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Eurovision Song Contest von Maria Mitscherlich

Sinnlose internationale Großereignisse gehören zu meinem bevorzugten Zeitvertreib. Ich meine jetzt nicht die Weltkriege, Spionagespielchen oder Grenzpoker wie in der Ukraine. Nein, ich beziehe mich auf den Eurovision Song Contest. Es ist ja schon ein Fortschritt, dass sich keine Kugeln, sondern abstruse Lieder um die Ohren gehauen werden und sich anderen die Nationen einmal mehr über das schlechte Abschneiden Deutschlands freuen. Heu, was wird das ein Spektakel! Von vollbärtigen Sängerinnen über halbnackten, vollbusigen Slawinnen wird alles vertreten sein. Ich habe mich auf den morgigen Abend bestens vorbereitet. Hauptbestandteile meines persönlichen Fernsehereignisses werden Sekt und jede Menge Pralinen sein, denn wenn die Sendung einen schon nicht in Stimmung bringt, muss man halt selber dafür sorgen. Evi und Johanna, meine treuesten Mitstreiterinnen in der Engeltherapeutenszene stehen zwar mehr auf diverse Liköre, aber die müssen sie dann mitbringen. Die beiden glauben noch wirklich an den Friedensgeist dieser ganzen Aktion und mir wird jetzt schon angst und bange, wenn sie Morgen vor Beginn der Ausstrahlung »Ein bisschen Frieden« zum Besten geben werden. Nach zwei Flaschen Likör pro Person sehen sie dann tatsächlich Friedensengel über der Szenerie schweben, während ich gar nicht so viel Sekt trinken kann, um überhaupt »internationales Feeling« zu entdecken. Ich freue mich am meisten auf die Punktevergabe und das hämische Wetteifern der Nationen. Der Goldmedaillenspiegel des »olympischen Geistes«, wenn man so will, denn auch das schönste Miteinander endet im Gegeneinander, wenn es um Wettbewerb geht. Evi und Johanna meinen nach der dritten Flasche Likör sowieso, alle Nationen müssten die gleiche Punktzahl erhalten, was den Song Contest komplett ad absurdum führen würde. Jedenfalls liegen sich die beiden am Ende der Veranstaltung den Siegersong mitträllernd in den Armen, während ich einmal mehr einen der vordersten Plätze Deutschlands beweine, der nur erreicht wird, wenn man die Liste umdreht. Wie jedes internationale Großereignis wird auch dieses das übliche Schlachtfeld hinterlassen. Ich werde Pralinen und Sekt mitten in der Nacht in die Toilette kotzen, während Evi und Johanna likörselig auf meinen Wohnzimmersofas schnarchen. Wenn ich sie am Sonntag endlich aus meiner Wohnung komplimentiert habe, muss ich den ganzen Nachmittag aufräumen, denn auch dies ist eine Konsequenz internationaler Wettbewerbe vom Weltkrieg über Fußballweltmeisterschaften über Olympiaden zu eben Song Contesten; es gibt immer einen, der aufräumen muss und dieser gehört nicht zu den Profiteuren dieser Zusammenkünfte.

»Dabei sein ist alles« mag zwar für die Verlierer ein Trost sein, aber gewiss nicht für denjenigen, der nachher den Müll entsorgen muss. Wieso kommen mir jetzt die Trümmerfrauen in den Kopf? Egal, noch befinde ich mich im Stadium der Vorfreude, die jede Konsequenz überstrahlt.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Mülltrennung von Maria Mitscherlich

Es gibt mehrere Arten von Menschen. Das Eine sind die Mülleimer und dann gibt es da noch die blinden Wegwerfer und die chronischen Recycler. Die Mülleimer schlucken alles, was ihnen an Befindlichkeitsstörungen in den Schlund gekotzt wird, die blinden Wegwerfer heulen sich einmal gründlich bei den Mülleimern aus, während die chronischen Recycler immer mit demselben Müll ankommen. Verlierer in diesem Spiel sind immer die Mülleimer, es sei denn, sie lernen Mülltrennung und unterscheiden Wertstoffe von toxischem Abfall. Versperren ihre Einfüllöffnungen oder stellen sie auf Durchzug. Ich habe mich auf Letzteres spezialisiert, denn bei meinen Engeltherapien brauche ich nicht zuzuhören, lasse fließen, was eben fließen muss und spreche dann im Namen höherer Mächte meine Ratschläge aus. Passieren kann mir nichts, denn für himmlische Hinweise bin ich nicht verantwortlich. Da halte ich es wie die katholische Kirche. Wenn es brenzlig wird, sind Gottes Wege eben unergründlich und, wenn es gut geht, ist ein Wunder geschehen, dass die Institution Kirche stärkt. Im Prinzip wie ein Horoskop; es kann alles oder nichts heißen. Trifft es zu, glauben wir an Astrologie, trifft es nicht zu oder besagt es sogar Negatives, ist alles Humbug. Mülleimer kommen nicht zu mir in die Sprechstunde, blinde Wegwerfer sind selten, aber bei den chronischen Recyclern mache ich meinen Schnitt. Die haben dem Rest der Welt schon dermaßen die Ohren zugemüllt, dass es sogar Fälle gibt, bei denen selbst Heilpraktiker aufgaben. Von der Verwandtschaft und ernsthaften Vertretern der medizinischen Gilde ganz zu schweigen.

Ich bin wirklich die letzte Anlaufstelle, die sie willkommen heißt, denn bei ihnen geht es vornehmlich um toxischen Abfall; Wertstoffe sind rar.

Was ich auf jeden Fall vermeiden muss, ist, meine Klienten mit der Tatsache zu konfrontieren, dass sie an ihren Problemen ausschließlich selbst die Schuld tragen, denn dann kommen die nie wieder, wie ich in meiner Anfangszeit als Therapeutin schmerzlich feststellen musste. Damals hatte ich doch tatsächlich noch den Traum, etwas für meine Klientel bewirken zu können. Dies erwies sich aber als höchst negativ für mein Einkommen. Dann wurde ich zum Mülleimer, was sich als höchst negativ für meine eigene Gesundheit erwies und schließlich kam ich auf den Trichter. Reden und konzentriertes Zuhören ist sinnlos. Hilfreiche Ratschläge werden ignoriert, aber je phantastischer, hoffnungsvoller und jenseits aller Möglichkeiten die Lösung, umso eher wird sie akzeptiert. Dass es nicht klappt ist vorprogrammiert, denn die Leute wollen ja gar nicht, dass es hinhaut. Sie wollen recyceln, mehr nicht. Die Menschen wollen weiter jammern und die Engel und ich sind die Letzten, die sie daran hindern würden.

Im Prinzip bin ich ein Mülleimer ohne Boden, nie voll und immer aufnahmebereit. Nicht belastet, weil alles, was in mich hineingeht, sofort unten wieder herauskommt. Dann halte ich meine Hand auf und alles ist gut. Merke, wenn man jedem das gibt, was er hören will und erwartet, ist man vor bösen Überraschungen sicher.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin

Langeweile von Maria Mitscherlich

Der Esoterikmarkt boomt, der Markt der technischen Spielzeuge boomt, der Fitnesscentermarkt boomt und der Freizeitmarkt gleich gar.

Shoppingmeilen und Shoppingcenter sprießen wie Unkraut aus dem Boden. Wir müssen anscheinend immerzu bespaßt und beschäftigt werden und sei es mit sinnlosen Einkäufen und ebenso sinnlosen Computerspielen. Das Hauptproblem der westlichen Menschen ist die Langeweile, wenn Sie mich fragen.

Natürlich hole ich mir in diesem Falle ein großes Stück vom Kuchen, denn spiritistisch beschäftigt, heißt wenigstens sinnvoll beschäftigt. Mein kleiner Laden, den ich nebenbei auch noch betreibe und in dem ich Regalweise esoterische Literatur, Klangschalen, Traumfänger, Engel-, Heiligen- und Jesusskulpturen, sowie Devotionalien aller Art anbiete, bringt einen schönen Batzen Geld ein. Ganz zu schweigen von meinen therapeutischen Engelsitzungen. Wie der große Schopenhauer schon sinngemäß bemerkte, treiben uns bei Abwesenheit von großen Sorgen, selbst die kleinsten Befindlichkeitsstörungen in den Wahnsinn. Und von eben diesem Wahnsinn lebe ich.

Die Menschen wissen halt nichts mit sich anzufangen, wenn es rund um sie herum still wird. Wer nicht aus sich selbst heraus schöpferisch ist, den treibt es in die Arme von Leuten wie mir. Obwohl ich hier ganz entschieden klarstellen will, dass ich diese Beutelschneiderei aufgrund einer reichlichen Erbschaft nicht nötig hätte und unbedingt an die Dinge glaube, die ich den Menschen vermittele.

Aber auch ich muss feststellen, dass es vor allen Dingen die Langeweile ist, die die seltsamsten Auswüchse zeigt. Aus Langeweile wird der falsche Partner geheiratet – Hauptsache, man hat überhaupt einen abgekriegt, der einen dann für den Rest des Lebens am Kochen hält – und es werden Kinder in die Welt gesetzt, denn irgendjemand muss ja den eigenen Lebensauftrag erfüllen. Es werden Haustiere angeschafft, wobei zu gelten scheint, je exotischer, umso besser, um die sich dann nicht gekümmert wird, denn der Thrill ist mit der Anschaffung bereits erfüllt.

Viele denken sich auch Krankheiten aller Art aus. Die harmloseste Variante, endlose Langeweile zu überbrücken ist noch, jede Woche die Wohnung um zu drapieren. Die Lästigste hingegen, anderen endlos die Ohren voll zu stöhnen. Jeder weiß, wie nervtötend ein Kleinkind ist, das sich nicht auch nur für eine Minute selbst beschäftigen kann, aber die meisten Erwachsenen sind aus diesem Stadium noch gar nicht heraus und werden bis zu ihrem Tod auch nicht herauskommen.

Die Menschen leiden nicht; sie quengeln. Und der Quengelmarkt boomt, um auf die oben genannten Beispiele zurückzukommen. Quengelware, Quengelangebote, wohin man schaut. Karriereleitern gehören übrigens auch dazu, genauso wie Machtspielchen.

Nichts kann und darf so bleiben wie es ist, denn dies ist langweilig, langweilig, langweilig. Naja, solange die Menschen mich für ihre Bespaßung bezahlen, kann es mir egal sein.

Maria Mitscherlich, Engeltherapeutin